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Meine Liebe gilt...

Kapitel 11 - Der Weg den Engel nicht zu beschreiten wagen

Geschrieben von Alain Gravel
Assistiert von Sparky Clarkson
Übersetzt von Markus Steiner
http://www.geocities.com/Tokyo/Teahouse/2236/

Friedlich
Einige hätten damit wohl das umschrieben was man mittlerweile den "Tokyo-3 See" nannte. Als sich der Tag dem Ende zuneigte und die Strahlen der untergehenden Sonne auf dem Wasser des Sees glitzerten, hätte man ihn sogar beinahe als wunderschön bezeichnen können. Aber als ich so am Ufer stand und auf den See blickte gingen mir ganz andere Dinge durch den Kopf.
Einsam und verlassen.
Allein.
Ich war allein.
So wie vor meiner Zeit bei NERV.
Aber es war nicht mehr dasselbe.
Weil ich es jetzt ganz einfach nicht mehr ertragen konnte einsam zu sein. Ich wollte nicht mehr allein sein. Nicht jetzt, wo ich endlich wußte was es heißt wirklich zu leben. Aber was blieb mir schon für eine Wahl. Kensuke, Hikari und Hotaru waren bereits fort, geflüchtet vor der massiven Zerstörungen in Tokyo-3. Ich kannte Hikari und Hotaru zwar nicht so gut wie Kensuke, aber trotzalledem wäre ihre Gesellschaft mir jetzt sehr willkommen gewesen. Aber sie waren fort. Zumindest konnte Hikari Touji in Tokyo-2 besuchen; ich wußte das sich beide sehr vermissten. Und Hotaru würde nicht sehen müssen was mit Rei geschehen war...
Nein, nicht Rei. Ayanami. Rei war fort. Ich sah das Kreuz in meiner rechten Hand an und versuchte die in mir aufkommenden Tränen zurückzuhalten.
Und jetzt hatte mich auch noch Asuka verlassen. Zuletzt war es also ich gewesen der ausgehalten hatte und sie diejenige die davongelaufen war. Wieder einmal hatte man mich zurückgewiesen und verlassen. Ich wünschte mir wirklich das ich ihr mehr Beachtung geschenkt hätte, aber Rei´s Tod hatte mich völlig aus der Bahn geworfen... E schien zu dieser Zeit das einzige gewesen zu sein woran ich hatte denken können. Vielleicht... nein. Es war bereits zu spät. Sie war fort und hatte mir nur einen Abschiedsbrief hinterlassen. Einen Abschiedsbrief! Warum hat sie mir das alles nicht selber gesagt anstatt es einfach nur aufzuschreiben? Ich hätte ihr gesagt das ich nie gewollt habe das sie fortgeht!
Eine Träne rann langsam an meiner Wange hinunter als ich mit meiner linken Hand die Interfaces die Asuka immer so stolz getragen hatte umklammerte. Das war alles was mir von ihr geblieben war... nichts weiter als Schrott.
Misato war nach wie vor da, aber sie erweckte den Eindruck nicht viel mehr als ein Geist zu sein der immer wieder so schnell verschwand wie er erschienen war. Die Enthüllungen de Vortages waren nur ein erster Vorgeschmack für sie gewesen. Sie hatte mich sich selbst überlassen und trieb sich jetzt irgendwo in der Geofront herum, besessen von dem Gedanken die Geheimnisse der Organisation die Kaji auf dem Gewissen hatte aufzudecken.
Nicht einmal Pen-Pen konnte ich mehr sehen, nachdem Misato ihn zu seiner eigenen Sicherheit in die Obhut von Hikari´s Familie gegeben hatte. Ich konnte ihr deswegen keinen Vorwurf machen, aber... ich hätte die Gesellschaft gut gebrauchen können. Andererseits hatte ihn Reis Tod mindestens so hart wie mich getroffen. Vielleicht konnte ihn Hikari mit ihrem heiteren Wesen wieder ein wenig aufmuntern.
'Aufmuntern.' Wie ironisch das mir ausgerechnet dieses Wort in den Sinn kam. Rei und Asuka wollten dafür sorgen das ich heute glücklich bin. Ich hätte heute auch glücklich sein sollen. Ich erinnerte mich immmer noch an Asukas Worte, ein paar Tage nachdem man mich aus EVA-01 befreit hatte.
'Du wirst schon sehen Shinji' Dieses Jahr, wirst du den besten Geburtstag deines ganzen Lebens haben! Rei und ich werden schon dafür sorgen!'
Es war in der Tat ironisch. Und sie hatten mich gefragt warum ich diesen Tag hasse...
Ich haßte ihn, weil mir an diesem Tag immer mit aller Deutlichkeit bewußt wurde wie einsam ich doch wirklich war. Aber diesesmal war es noch viel schlimmer als zuvor.
Früher war ich immer allein gewesen, aber das hatte mich damals nicht gekümmert.
Jetz war ich allein und ich haßte es aus tiefstem Herzen. Und ich hatte Angst. Ich war mir nicht einmal sicher ob ich den nächsten Tag überhaupt noch erleben wollte.
Was für einen Grund hätte ich den noch dazu? Das was mir in meinem Leben am meisten bedeutete hat, hatte ich verloren... alles was ich noch tun konnte war zu hoffen das Asuka zurückkommen würde oder das Ritsuko sich geirrt hatte und das immer noch etwas von Rei in Ayanami existierte.
'Keine Sorge. Ich werde euch nicht mehr belästigen. Nie wieder.'
Nein. Asuka hatte nicht die Absicht wieder zurückzukommen. Und ich bezweifelte das der Kommandant irgendwelche Anstrengungen unternehmen würde um sie zu finden. Sie konnte EVA nicht mehr steuern und nachdem EVA-00 zerstört war, würde wahrscheinlich Ayanami EVA-02 übernehmen... vorausgesetzt der Kompatibilitätstest war erfolgreich.
'Wenn sie ihre Erinnerungen an dich behalten hätte, wäre sie nicht mehr von Nutzen für Ikaris Pläne gewesen. Also hatte mich der Kommandant angewiesen mich um diese kleine Problem zu kümmern. Es tut mir leid Shinji.'
Die derzeitige Ayanami erinnerte sich nicht mehr an mich. Für sie war ich einfach nur das Third Children. All das was ich was ich in den letzten Monaten zusammen mit Rei erlebt hatte, die Gefühle die wir geteilt hatten... all das hatte sie vergessen. Als wenn es niemals existiert hätte. Es war als wenn die Zeit zurückgedreht worden wäre. Ein paar Stunden zuvor, hatte ich sie in ihrer alten Wohnung besucht, welche, so unglaublich es auch klingen mag, die Explosion von EVA-00 überstanden hatte. Sie saß auf ihrem Bett und sah aus dem Fenster. Blutige Verbände lagen überall auf ihrem Bett und dem Boden verteilt. Als sie mich hörte, drehte sie sich zu mir um und sah mich aus leblosen roten Augen an. Sie sagte kein Wort, auch nicht als ich ging, weil ich es nicht mehr ertragen konnte sie auch nur für eine weitere Sekunde anzusehen. Ich wollte sie nicht sehen, diese Puppe die das selbe Gesicht hatte wie das Mädchen das ich einmal geliebt habe.
Ich machte mir auch keine Hoffnungen mehr das sich an dieser Situation noch etwas ändern würde.
'Es stimmt schon, das einzige was wir momentan tun können ist EVA zu steuern... aber, nun... so lange wir am Leben bleiben... werden wir eines Tages froh darüber sein das wir überlebt haben.'
Worte dich ich zu Rei gesagt hatte, nachdem sie bei unserer ersten gemeinsamen Mission fast getötet worden wäre (1). Waren diese Worte gelogen? Nein. Ich mußte daran glauben das es da noch mehr geben mußte als nur Hoffnungslosigkeit.
'Ich habe sonst nichts.'
Rei hatte Unrecht. Allein dadurch das sie existierte hatte sie die Erfahrung von Glück und Freude gemacht, auch wenn es nur von kurzer Dauer war.
Ich würde den 17. Engel besiegen und weiterleben.
Jedoch schmälerte diese Einsicht den Schmerz den ich empfand nicht im geringsten...
Weil mir nichts mehr geblieben war.
Ich schreckte aus meinen Überlegungen hoch als ich jemanden ein Lied summen hörte das ich auf Anhieb erkannte: Beethovens "Ode an die Freude". Ich schaute nach links und sah dort ein Mädchen auf einem Felsen der nur ein paar Meter vom Ufer entfernt aus dem See ragte sitzen. Ein mir wohlbekanntes grauhaariges Mädchen. Sie trug immer noch dasselbe Sommerkleid und ihre Haare flatterten im Wind.
Mir wurde nicht gleich bewußt das dieses Mädchen vor ein paar Minuten noch nicht dort gewesen war.
"Du!"
Sie schien mich nicht gehört zu haben, oder vielleicht ignorierte sie mich einfach nur, da sie noch für eine ganze Minute weiter vor sich hinsummte bevor sie sich zu mir umdrehte. Fast bedauerte ich schon das sie es getan hatte, erinnerten mich ihre roten Augen doch an das was ich verloren hatte.
"Glaubst du nicht das die Musik eine der größten Errungenschaften der Lilim ist, Ikari Shinji-kun? Spürst du die Gefühle mit denen sie dein Herz erfüllt? Glaubst du nicht das die Welt ein besser Ort zum Leben wäre wenn wir mehr Musiker hätten um Herz und Seele zu erfreuen?"
Ich mußte bei diesen Worten verwirrt blinzeln. Was für ein seltsames Mädchen...
"Wer bist du? Woher kennst du meinen Namen?"
Sie lächelte mich an. Mit einem herzlichen, freundlichen und unschuldigen Lächeln.
"Du unterschätzt deine Bedeutung. Es ist nur logisch das ich dich kenne, da ich so bin wie du, eine der Auserwählten. Ich bin das Fifth Children."
WAS?!
"Das... das Fifth Children? Du bist... du bist ein EVA-Pilot?"
Ich konnte es nicht glauben. Noch jemand... noch jemand der für EVA geopfert werden würde...
Das mußte ein Alptraum sein.
"Ja. Ich wurde ausgewählt um das Second Children zu ersetzen."
Das Second Children. Asuka. Sie ersetzen? So schnell? Sie war noch nicht einmal 24 Stunden verschwunden! Wie konnte man sie so schnell ersetzen? Wußte diese Mädchen vielleicht etwas das ich nicht wußte? Ich wollte sie schon danach fragen, als mir der Gedanke kam das Asuka bereits seit der Attacke des 15. Engels aufgehört hatte ein zuverlässiger Pilot zu sein. Genug Zeit für den Kommandanten um für Ersatz zu sorgen. Wenn dieses Mädchen ein Kandidat war...
"Warum bist du früher noch nie aufgetaucht?"
"Es gab keinen Bedarf für einen zusätzlichen Piloten."
Das Mädchen wandte sich ab und starrte auf den See hinaus.
"Du hättest es vorgezogen wenn ich anstatt deiner Freunde verletzt worden wäre, nicht wahr?"
Ich mußte bei diesen Worten tief Luft holen... weil ich wußte das sie recht hatte. Ich wünschte mir das dieses seltsame Mädchen anstelle von Touji als Pilot für EVA-03 ausgewählt worden wäre. Ich wünschte mir sie wäre es gewesen die von dem 15. Engel geistig vergewaltigt worden wäre. Ich wünschte mir sie wäre diejenige gewesen die anstelle von Rei gestorben wäre.
Ich fühlte mich plötzlich schrecklich schuldig das ich ihn so einer selbstsüchtigen Weise dachte. Beschämt sah ich zu Boden.
"Ich... Ich... ja."
Das Mädchen reagiert darauf nicht so wie ich es erwartet hatte. Sie kicherte. Sie hüpfte dann von dem Stein auf dem sie saß herunter. Es schien ihr egal zu sein das sie nun im See stand und ihr das Wasser bis zu den Hüften reichte. Sie ging einfach auf mich zu mit einem fröhlichen Lächeln auf ihrem Gesicht. Als sie das Ufer erreichte, bemerkte ich das die untere Hälfte ihres Kleides durch das Wasser durchsichtig geworden war. Ich sah schnell weg als ich merkte das sie unter ihrem Kleid sonst nichts mehr anhatte. Ich wurde ziemlich nervös und verlegen als sie auf mich zuging. Ich konnte mich nicht bewegen als sie sich mir näherte, nur mich zurücklehnen als sie ihren Kopf vorbeugte, und nur noch wenige Zentimeter von meinem Gesicht entfernt war.
"Du solltest öfter rot werden. Das steht dir besser als dieser finstere Gesichtsausdruck. Ein Lächeln wäre sogar noch besser" flüsterte sie, bevor sie davon ging.
Ich blieb an Ort und Stelle stehen, unschlüssig was ich darauf erwidern sollte.
"Für Morgen früh sind Harmonix und Synchronisationstests angesetzt. Wir werden uns dort wiedersehen."
Tests? Ich wußte nicht das für Morgen Tests angesetzt waren. Aber andererseits, irgendjemand hatte es mir vielleicht gesagt und ich habe dem einfach nur keine Aufmerksamkeit geschenkt....
"Äh... ja... sicher... ähm... Nagisa, richtig?"
"Ja, mein Name ist Nagisa Kaoru. Aber du kannst mich Kaoru nennen, Ikari-kun."
Kaoru... ein Pilot wie ich. Vom Schicksal zu einem Leben voller Leid bestimmt, mit Sicherheit...
"Das möchte ich lieber nicht, Nagisa."
"Ich verstehe..."
Für einen Moment glaubte ich einen traurigen Zug über ihr Gesicht huschen zu sehen, aber es verschwand so schnell wie es gekommen war und sie zeigte wieder ein fröhliche Lächeln.
"Also, dann bis Morgen."
Da sie wohl nicht erwartete das ich ihr antworte drehte sie sich einfach um und ging davon.
Nagisa Kaoru. Das Fifth Children. Kam es mir nur so vor oder war sie seit dem 13. Engel immer in meiner Nähe? Hatte sie mich beobachtet? Was war die Absicht dieses Mädchens? Und warum schienen sich Rei und sie so ähnlich zu sein, gleichzeitig aber wieder so verschieden?"

* * *


Ich sah mit einem schläfrigen Blick auf meinen Wecker als er mit einem nervtötenden Piepton zu verstehen gab das es an der Zeit war aufzustehen. Im Grunde genommen wäre er auch gar nicht nötig gewesen, da ich heute nacht sowieso keinen Schlaf gefunden hatte; seit meinem letzten Besuch im Terminal Dogma weigerte sich mein Verstand einfach mal abzuschalten. Erstaunlich das ich den Wecker überhaupt gehört hatte, da ich den Klängen von Beethovens Musik gelauscht hatte. Ich hatte das Bedürfnis gehabt mich mit irgendetwas abzulenken, weswegen ich meinen SDAT Player hervorgeholt hatte. Da ich keine Lust auf mein übliches SDAT Tape hatte, hörte ich stattdessen die ganze Nacht Beethoven.
War es weil das Fifth Children ein Stück eines der besten Komponisten die es je gegeben hatte gesummt hatte?
Das Fifth Children. Ich würde sie heute wieder sehen. Wie auch das First Children...
Ich wäre am liebsten gar nicht hingegangen.
Langsam stand ich auf. Ich hatte keine Lust zu baden oder zu essen, noch mich umzuziehen. Also ging ich einfach wie ich war geradewegs zu NERV.

* * *


"Shinji-kun! Versuch dich zu konzentrieren! Deine Synchrorate fällt immer weiter!"
Ich seufzte und versuchte mich zu konzentrieren. Leutnant Ibuki tat mir leid. Sie schien sich sichtlich unwohl in ihrer neuen Position zu fühlen. Ich denke das das nur natürlich war. Die Arbeit von Dr. Akagi übernehmen zu müssen war sicher schwer für sie gewesen. Dr. Akagi. Ich fragte mich was mit ihr geschehen war. Hatte der Kommandant sich ihrer erledigt jetzt da er keine Verwendung mehr für sie hatte?
"Meine Synchronrate wird ausreichend sein wenn nötig," erwiderte ich nachdem ich es aufgegeben hatte meine Synchrorate verbessern wollen. Wenn die Zeit kommt, dann würde ich den 17. Engel besiegen. Ich war fest entschlossen dazu. Aber das hier war nur ein Test und ich konnte nicht verhindern das meine Gedanken abschweiften.
War Ayanami in der Lage mit Asukas Synchronrate gleichzuziehen?
Ayanami...
War wirklich nichts mehr von Rei in ihr?
Ich mußte es unbedingt herausfinden.

* * *


"Rei."
Ich wußte das meine Chancen gering waren, aber ich mußte es einfach versuchen. Also stand ich hier und wartete darauf das sie den Umkleideraum verließ. Ihr Haar war immer noch feucht von der Dusche mit der sie das restliche LCL von ihrem Körper abgewaschen hatte. Ich hätte diesen Anblick als angenehm empfunden, wäre da nicht dieser emotionslose Blick in ihren roten Augen gewesen. Ich haßte diesen Blick.
"Pilot Ikari."
Bei diesen Worten zuckte ich zusammen.
Für ein paar Sekunden stand sie still und sah mich mit ihren kalten roten Augen an.
Ich bewegte mich auch nicht, als ich fühlte wie mich meine Entschlossenheit verließ weil mir klar wurde wie aussichtslos das aller war.
"Hast du mich wirklich vergessen, Rei?" Ist das alles was ich für dich bin? Das Third Children, Pilot Ikari?"
Für annähernd eine halbe Minute stand Rei so unbeweglich wie eine Statue da und starrte mich an. Dieser kalte, leblose Blick versetze meinen Magen in Aufruhr. Ich dachte schon das sie mich einfach wieder ignorieren und davongehen würde als sie plötzlich antwortete.
"Ich erinnere mich nicht an dich. Sollte ich das?"
Sie hätte mir genausogut einen Tritt in den Magen verpassen können. Ich hatte diese Antwort erwartet, aber ich hatte diesen winzigen Funken Hoffnung der immer noch in mir war gewesen war einfach nicht ignorieren können. Er hatte mir die Kraft gegeben so weit zu kommen, um diese Frage zu stellen. Aber jetzt war er endgültig erloschen, und ließ nur noch Platz für Verzweiflung zurück.
"Bitte Rei," flehte ich, "Kannst du dich den an überhaupt nichts mehr erinnern? Unsere gemeinsamen Missionen, die Zeiten in denen wir uns gegenseitig das Leben gerettet haben? Al wir zusammengelebt haben? Kannst du dich den nicht mehr an die Augenblicke erinnern in denen wir uns geliebt haben?"
Für den Bruchteil einer Sekunde glaubte ich es kurz in ihren Augen aufblitzen zu sehen, aber es verschwand so schnell wieder das ich es mir wahrscheinlich nur eingebildet hatte.
Als ich das Geflüster hinter uns hörte merkte ich das wir von einigen Leuten des NERV Personals angestarrt wurden. Ich konnte die krankhafte Neugier in ihren Augen sehen, den Hunger nach menschlichem Elend. Verzweiflung machte Wut Platz als ich sie mit einem Blick ansah der hätte töten können.
"Habt ihr den nichts besseres zu tun als uns anzustarren!? Dummkopf!" (2)
Wenn man für längere Zeit mit jemandem zusammenlebt, ist es nicht sonderlich überraschend wenn man hin und wieder ein paar seiner Angewohnheiten übernimmt. Mir wurde erst ein paar Tage später bewußt wie sehr ich Asuka in diesem Moment geähnelt haben muß. Nachdem mein Zorn ein wenig verraucht war, drehte ich mich wieder zu Rei um.
"Sag mir nicht das du dich an nichts mehr davon erinnerst! Sag mir nicht das du all das was wir miteinander geteilt haben vergessen hast! Das ist nicht möglich! Du mußt dich doch an irgendetwas erinnern!"
Das blauhaarige Mädchen starrte mich einfach nur an.
"Nein. Ich erinnere mich an nichts."
Ich wäre beinahe zusammengebrochen. Ich schaffte es nur durch pure Willenskraft aufrecht stehenzubleiben. Ich wollte nicht zusammenbrechen wegen diesem... Mädchen. War das der Grund warum Asuka es fast immer schaffte so stark auszusehen? Nur weil sie einfach nicht schwach wirken wollte?
"Ich verstehe. Dann ist Rei wirklich tot."
Ich konnte nicht mehr länger in dieses vertraute Gesicht sehen. Also ließ ich ihre Schultern loß und ging zur Umkleidekabine.
Trotz alledem, ein kleiner Teil von mir hoffte immer noch verzweifelt das es noch nicht vorbei war. Ich versuchte mir einzureden das dieses Mädchen noch eine Chance verdiente, da ich versuchen sollte sie zu verstehen, mich ihr gegenüber zu öffnen und hoffen das sie dasselbe tun würde. Es war die Hoffnung das dieses Mädchen sich letztenendes in mich verlieben würde, so wie Rei es getan hatte. Aber dieses Mädchen war nicht Rei. Was Rei einzigartig gemacht hatte, all ihre Erfahrungen, unsere Erfahrungen, das war alle verschwunden. Es würde nicht dasselbe sein. Welcher Funke auch immer Rei dazu veranlaßt hatte sich mir gegenüber zu öffnen, war wahrscheinlich für immer verloren.
Manchmal ist es wohl besser einfach loszulassen...
"Ikari..."
Hoffnung flackerte in mir auf als ich mich umdrehte, obwohl mein gesunder Menschenverstand mir sagte das ich sie einfach vergessen sollte. Meine Hoffnungen wurden schnell wieder zunichte gemacht als ich ihren leeren Gesichtsausdruck sah.
"... Es tut mir leid."
Diese Worte... hörten sich so hohl an.
Nicht Rei. Das war nicht Rei.
"Meinst du das wirklich? Weißt du überhaupt was diese Worte bedeuten? Ich glaube es nämlich nicht."
Man konnte auf ihrem Gesicht sehen das sie ein wenig überrascht war, aber ich schenkte dem keine Aufmerksamkeit mehr. Es war endgültig vorbei. Zeit die Vergangenheit hinter sich zu lassen und in die Zukunft zu blicken. Wenn es den da eine Zukunft für mich gab.

* * *


Ich lag im warmen Wasser und versuchte den Vorfall von gerad eben zu vergessen. Eine Dusche wäre dazu nicht genug gewesen, also hatte ich beschlossen hier bei NERV ein Bad zu nehmen, bevor ich zurück in meine Wohnung ging. Ich war nicht sonderlich versessen darauf dorthin zurückzugehen. Misato hatte mir einmal gesagt das es etwas besonderes wäre jemanden zu haben der Zuhause auf einen wartet.
"Ikari-kun? Ich hatte nicht erwartet dich hier zu treffen."
Ich wäre beinahe aufgesprungen als ich diese Stimme hörte. Ich drehte meinen Kopf und sah Nagisa hinter mir, nackt wie Gott sie schuf, mit einem herzlichen Lächeln auf ihrem Gesicht. Ich verspürte ein Gefühlswirrwar wie ich es schon lange nicht mehr gehabt hatte: Angst, Überraschung, Verwirrung, und eine Woge von männlichen Hormonen die meinen Blutdruck in ungeahnte Höhen schießen liessen, sowohl Verlegenheit als ich bemerkte worauf sie starrte. Ich denke mal das es nur fair war, da ich ja auch einen guten Ausblick auf sie gehabt hatte. Ich registrierte das ihre Brüste kleiner als die von Asuka waren, aber größer als die von Rei. Und grau war ihre natürliche Haarfarbe.
"Was... was machst du den hier?!" fragte ich sie, als ich knallrot anlief und mit meinen Händen den Teil meiner Anatomie bedeckte der seinen eigenen Willen zu haben schien. "Da hier ist das Männerbad!"
"Oh? Ist es das? Das habe ich nicht gewußt."
Sie stand da und sah mich verwirrt an. Ich versuchte wegzuschauen, aber ich überraschte mich dabei wie ich ihr immer wieder heimliche Blicke zuwarf.
"Wir scheinen allein zu sein. Würde es dir etwas ausmachen wenn ich hierbleibe?"
"Was?! Ich... Ich... Du..."
Da ich nur vor mich hin stammelte, setzte sich das Mädchen einfach zu meiner linken ins Wasser. Sie machte auch keinerlei Anstalten ihren Körper zu bedecken. Ein Teil von mir wurde sich bewußt das Rei sich genauso verhalten hätte.
"Waren du und das First Children wirklich ein Liebespaar?"
Ich wand mich innerlich. Man sollte wohl niemals die Gerüchteküche bei NERV unterschätzen. Und da es jetzt wohl auch nichts mehr brachte es abzustreiten...
"Ja... das waren wir."
"Also seid ihr jetzt kein Liebespaar mehr?"
"Nein."
"Warum?"
Warum mußte sie ausgerechnet danach fragen? Ich wollte nicht daran denken. Vor allem nicht nach dem was vorhin passiert war.
"Die Dinge... haben sich geändert."
"War es sehr schmerzhaft für dich das diese Beziehung nun zu Ende ist?"
"Ja..."
"Ist das der Grund warum du mir aus dem Weg gehst?"
Ich schwieg. Ich wollte nicht darüber reden. Ich hätte einfach gehen sollen, aber irgendwie hatte ich auch dazu keine Lust.
"Du glaubst also wenn du andere nie besser kennenlernst, wirst du dich nie wieder verraten fühlen wie schon zuvor. Wenn sie getötet werden oder fortgehen, dann würdest du keinen Schmerz fühlen."
Es überraschte mich wie sehr diese Worte der Wahrheit entsprachen.
"Ja."
"Also willst du den Rest deines Lebens alleine verbringen und alle anderen immer auf Distanz halten?"
Ich... Ich wußte es nicht. Ich wußte nicht mehr was ich mir noch von diesem Leben erwarten sollte. Hatte ich es überhaupt jemals gewußt? Wenn es so wäre, dann hätte ich vielleicht eine Entscheidung treffen können.
"Vielleicht."
"Aber dann wirst du nie dem Gefühl der Trauer und der Einsamkeit entkommen die dein Herz erfüllen."
Trauer und Einsamkeit...
Plötzlich gingen die Lichter aus. Die Badezeit war vorüber. Überrascht blinzelte ich. War ich solange hier gewesen?
Mir wäre fast das Herz aus der Brust gesprungen als ich spürte wie sich eine Hand auf die meinige legte. Sie sah mich an, als wenn sie mit ihren Augen bis auf den Grund meiner Seele blicken wollte. Ich zog meine Hand fort und blickte in eine andere Richtung.
"Es ist... es ist Zeit zu gehen."
"Oh? Ist es schon vorbei?"
"Ja."
Langsam stand das Mädchen auf. Ich lief rot an als ich ein weiteres mal ihren nackten Körper aus nächster Nähe zu sehen bekam. Sie sah mich erneut an, immer noch lächelnd.
"Wo wirst du hingehen?"
"Nach Hause. Ich weiß sonst nicht wohin ich gehen soll."
Keine Möglichkeit mehr es noch länger hinauszuschieben.
"Ich habe gehört das du Cello spielst. Darf ich dich begleiten? Ich würde dich gerne spielen hören. Ich habe gehört das du sehr begabt sein sollst."
Ich blickte in dieses herzliche Lächeln. Einsamkeit... ich wollte nicht mehr einsam sein... aber ich wollte auch nicht mehr verletzt werden...
"Nein. Lass mich einfach nur in Ruhe..."
Das Mädchen ging ohne ein weiters Wort. Ihr war deutlich anzusehen das sie entäuscht war. Es war ein gewaltiger Unterschied zu ihrem üblichen fröhlichem Lächeln. Ein Teil von mir fühlte sich deswegen schlecht. Aber ich versuchte es einfach zu ignorieren.
Ich würde es nicht zulassen das ich noch einmal verletzt werde...

* * *


"Sehr gut Shinji! Deine Synchro-Rate ist zwanzige Punkte höher als beim letzten mal! Gut gemacht!"
In der Vergangenheit, mir kam es vor als wenn es schon mehr 1000 Jahre zurückliegen würde, hätte ich mich gefreut das zu hören. Aber dieses mal nahm ich es nur am Rand war. Es war mir egal. Zwei Tage waren vergangen und ich überraschte mich selbst dabei das ich immer seltener an Rei und Asuka dachte. Es tat immer noch weh, ich vermisste sie immer noch und ich konnte Ayanami´s Gegenwart immer noch nicht für längere Zeit ertragen, aber diese Gefühle waren nicht mehr so erdrückend. Vielleicht stimmte es ja das die Zeit Wunden heilen würde. Aber irgendwie fürchtete ich mich vor diesem Gedanken. Es erschien mir nicht richtig sie einfach so zu vergessen... und weiterzumachen als wenn nichts gewesen wäre.
Es gab nichts was ich für Rei tun konnte. Aber Asuka war immer noch am Leben, irgendwo da draussen.
Die Tests waren bald zu ende. Ich wünschte mir das es länger gedauert hätte. Die Zugangskapsel war ein Ort fern von dieser Welt, wo ich alles andere vergessen konnte. Irgendwie fühlte ich mich dort... geborgen.
Als sich die Zugangskapsel öffnete, blieb ich dort für eine volle Minute sitzen. Ich wollte dieses entspannte Gefühl noch für eine Weile geniessen.
Als ich meine Augen öffnete, sah ich Kaoru wie sie mir eine Hand entgegenstreckte um mir aus der Kapsel zu helfen. Nachdem ich einen Moment zögerte, griff ich nach ihrer Hand.
"Du siehst anders aus wenn du in der Zugangskapsel sitzt. Du strahlst Ruhe und Frieden aus."
"Kann schon sein..."
Das Mädchen lächelte. Als ich sie ansah, merkte ich wie ihr schwarz-blauer Plugsuit mit ihrer blaßen Haut und ihrem grauen Haar im Kontrast stand. Mit einem leichten Anflug von Nostalgie bemerkte ich auch wie sehr ihr Plugsuit dem von Asuka ähnelte. Das war wohl der Standard Plugsuit für die weiblichen Piloten, glaubte ich (3). Irgendwie wünschte ich mir das Asukas Plugsuit ein Einzelmodell gewesen wäre. Es erschien mir nicht angemessen jemand anderen einen ähnlichen Plugsuit tragen zu sehen.
"Wenn du dich umgezogen hast, wirst du dann gleich nach Hause gehen, oder noch etwas in der Kantine essen?"
Kein Zweifel, wenn ich dort zum Essen ging, würde sie sich mit Sicherheit mir anschließen wollen. Aber wenn ich zu Hause essen wollte, würde ich einige Zeit brauchen bi zu unserer Wohnung und dann das Essen zubereiten. Ich würde eine Menge Zeit verlieren und ich war auch nicht gerade in der Stimmung um zu kochen. Das Kantinenessen wäre am Ende wahrscheinlich auch besser als irgendein Fertiggericht. Und wenn erst einmal ein paar Monaten mit Misato unter einem Dach gelebt hat, kann man alles essen.
"Die Kantine."
Sie sagte zwar kein Wort, aber ich könnte deutlich spüren wie sie sich über diese Neuigkeit freute. Ihr Lächeln wurde ein wenig breiter. Ich seufzte.
"Fühl dich frei mich zu begleiten."
Mit diesen Worten verließ ich den Umkleideraum. Ich wollte nicht in ihr strahlendes Gesicht sehen. Denn wenn ich es tat, würde ich mich dadurch wahrscheinlich besser fühlen...

* * *


Ich blieb lange unter der Dusche und genoß die entspannende Wirkung die das Wasser auf mich hatte. Ich hätte zwar ein Bad vorgezogen, aber ich wollte keine weitere Begegnung mit einer nackten Kaoru riskieren.
Kaoru... ich fragte mich was in dem Kopf dieses Mädchens eigentlich vor sich ging. Ganz egal wie vehement ich auch versuchte sie auf Distanz zu halten, kam sie immer wieder von neuem an. Ich konnte dieses Mädchen einfach nicht verstehen. Innerhalb von nur ein paar Tagen schien sie hier jeder ins Herz geschlossen zu haben. Mir war zu Ohren gekommen das sie seit ihrem ersten Tag hier im Hauptquartier den Leuten in der Zentrale immer ein selbstgemachtes Frühstück mitbrachte. Und es kursierten Gerüchte unter der Technikercrew die für die Instandhaltung der EVAs verantwortlich war das sie den besten Kaffee weit und breit machte. Sie soll sogar angeboten haben in der momentan unterbesetzten Krankenstation auszuhelfen. Jeder hier schien ihrem Charme verfallen zu sein. Vielleicht war es wegen ihrer leuchtenden Augen und ihrem herzerfrischendem Lächeln. Jedesmal wenn ich sie sah, sah sie fröhlich und heiter aus. Außer dieses eine Mal im Bad...
Ich schüttelte den Kopf. Ich sollte mich deswegen nicht schuldig fühlen. Ich hatte ihr gesagt das ich nicht Freundschaft mit ihr schließen wollte. Vielmehr war ich mir sicher das sie meinen Standpunkt und meine Gefühle sogar sehr gut verstand. Aber das hielt sie nicht davon ab es weiterhin zu versuchen. Ich seufzte. Nur noch ein Engel und dann würden wir wieder getrennte Wege gehen und sie würde nicht das Risiko eingehen müssen von mir verletzt zu werden. Oder war es umgekehrt?
Ich drehte das Wasser ab, ging aus der Dusche und nahm ein Handtuch um mich abzutrocknen. Ich hob eine Hand an meine Nase und roch daran. Ganz egal wie lange man badete oder unter der Dusche stand, man roch immer noch ein wenig nach LCL, zwar nur schwach, trotzdem merkte man es. Ich haßte das.
"Hier bist du. Ich habe mich schon gewundert warum du so lange brauchst."
Ich sprang auf. Ich war so sehr in meine Gedanken vertieft gewesen das ich überhaupt nicht bemerkt hatte das ich gar nicht allein war. Hastig zog ich meine Unterwäsche an. E war mir peinlich das mich meine Teamkameradin völlig nackt gesehen hatte.
"Nagisa! Glaubst du nicht das einige Leute hier gerne ihre Privatsphäre haben würden?!"
Sie starrte mich nur verdutzt an, als sie sich auf die Bank in der Umkleidekabine setzte, genau neben der Stelle wo ich den Großteil meiner Kleidung abgelegt hatte.
"Warum schämst du dich?"
"Nun.... weil du... mich nackt gesehen hast..."
Ich lief knallrot an.
"Das sollte dir nicht peinlich sein. Der Körper ist nur eine Hülle der die menschliche Seele beherbergt. Man sollte die Schönheit von jemanden nicht an seinem Äußeren messen, sondern an seinem Herz und seiner Seele. Ich denke das du wunderschön bist."
Es war das erste mal das jemand so etwas zu mir gesagt hatte. Ich mußte mich über ihre Worte wundern. Asuka und Rei waren beide wunderschöne Mädchen. Aber das war e nicht was mich an ihnen angezogen hatte. Ich glaube... das sie die Wahrheit gesagt hat. Trotzdem...
Ich erstarrte als ich sah wie sie mit einem neugierigen Gesichtsausdruck etwas von der Bank in die Hand nahm.
"FASS DAS NICHT AN!"
Das überraschte das Mädchen und sie ließ das silberne Kreuz fallen.
Ich sah sie wütend an bevor ich es aufhob.
Rei...
Ich legte mir das Kreuz um den Hals und zog mich rasch an. Dann ging ich fort und ließ das verblüfft dreinblickende Mädchen einfach hinter mir zurück.

* * *


Eine weitere leere Wohnung. Ich versuchte nicht enttäuscht zu sein, aber es half alles nichts. Es kam mir wie ein Wunder vor das ich nicht schon längst aufgegeben hatte. Trotzdem, seitdem mir bewußt war das Rei für immer fort war, hatte ich eine leere Wohnung nach der anderen abgesucht.
Die Explosion von EVA-00 hatte einen Großteil von Tokyo-3 zerstört, viele Gebäude waren aber auch einfach nur beschädigt worden. Wie auch immer, jedenfalls hatte man die meisten von ihnen geräumt, weil sie nicht mehr bewohnbar waren und jeden Moment einstürzen konnten. Dieses Gebäude hier war eines davon.
Genaugenommen war es eigentlich verboten diese Gebäude zu betreten, aber es gab keine Sicherheitskräfte die einen hätten davon abhalten können. NERV konnte die notwendigen Resourcen dafür nicht bereit stellen. Und scheinbar schien es niemanden zu kümmern, da keiner der Sicherbeamten die mich aus den Schatten heraus beobachteten einen Finger rührten um mich aufzuhalten.
Diese Gebäude gaben ein exzellentes Versteck ab für jemanden der nicht gefunden werden wollte. Jemanden wie Asuka.
Es war gesichert das Asuka die Stadt nicht mit dem Zug verlassen hatte. Also blieben nur zwei Möglichkeiten. Entweder ist sie zu Fuß gegangen, aber in diesem Fall wäre sie ziemlich leicht aufzuspüren gewesen, oder sie hatte die Stadt überhaupt nicht verlassen und versteckte sich einfach irgendwo, und zwar höchstwahrscheinlich in einem von diesen verlassenen Gebäuden. Und obwohl der größte Teil von Tokyo-3 zerstört war, gab es immer noch genug von diesen beschädigten Gebäuden um für mehrere Wochen nach ihr suchen zu können und sie trotzdem nicht zu finden wenn sie es nicht wollte.
Meine Einschätzung der Situation war ziemlich pessimistisch, aber ich weigerte mich einfach aufzugeben. Dieser letzte Rest an Hoffnung war alles was mir noch geblieben war. Und wenn ich sie nicht mir zuliebe fand, dann mußte ich sie zumindest um ihret willen finden. Wer konnte schon wissen ob das was von Tokyo-3 übriggeblieben war nicht beim Angriff de nächsten Engels zerstört wurde.
Ich ging weiter zur nächsten Wohnung. Die Tür stand offen, was ein gutes Zeichen sein konnte. Eine offene Tür konnte bedeuten das es für Asuka leicht wäre in diese Wohnung einzudringen und zu ihrem Versteck zu machen. Ich weiß von früheren Versuchen das es nicht gerade leicht war eine verschlossene Tür aufzubrechen. Meine Hoffnungen schwanden als ich sah in was für einem Zustand sich die Wohnung befand. Sie hatte stark unter der Explosion gelitten. Eine Wand und ein Teil der Decke fehlten. Auf dem ganzen Flur lagen Trümmer verteilt. Als ich mich umsah, bemerkte ich das der Inhalt des Kühlschranks schon halb verfault war. Die Wasserleitungen schienen unterbrochen zu sein. Das Wasser in der Badewanne stammte wahrscheinlich noch vom letzten Regen. Ich bezweifelte ernsthaft das Asuka sich ausgerechnet diesen Platz ausgesucht hatte um sich zu verstecken.
"Du suchst nach dem Second Children, nicht wahr?"
Mein Herzschlag setzte für eine Sekunde aus. Ich hatte nicht erwartet hier diese Stimme zu hören. Ich drehte mich um, und sah wie Nagisa in dem Raum stand der früher einmal das Wohnzimmer gewesen sein mußte. Sie hob ihre Hand mit der sie eine braune Papiertüte festhielt.
"Etwas zu Essen für dich. Ich dachte mir das du hungrig wärst, da du nicht in der Kantine warst."
Plötzlich erinnerte ich mich das ich versprochen hatte mit ihr dorthin zu gehen... das heißt, das war bevor sie Rei´s Kreuz angefaßt hatte...
"Es ist nicht selbstgemacht. Ich hatte keine Zeit dazu. Tut mir leid."
Ich schaute das Mädchen nochmal an. Sie sah aus als ob sie es ernst meinte. Tatsächlich... sah sie dabei sogar fast so aus wie Rei. Ich kann nicht sagen warum, aber irgendwie beunruhigte mich das.
"Ich möchte mich bei dir entschuldigen. Ich wußte nicht was das Kreuz dir bedeutet. Ich... ich wollte es mir nur einmal genauer ansehen."
Ich erinnerte mich wie ich sie angeschrieen hatte. Wahrscheinlich hatte ich... überreagiert.
"Danke. Für das Essen."
Ich wollte mich nicht entschuldigen. Immerhin hatte sie ohne Erlaubnis meine Sachen angefaßt...
Meine Sachen... seit wann betrachtete ich das Kreuz als mein Eigentum? Sicher, Rei hätte gewollt das ich das Kreuz bekomme, aber... es fühlte sich einfach nicht richtig an. Ich entschuldigte mich nicht. Aber das bedeutete nicht das ich ihr noch weiterhin böse sein mußte. Ihre Augen schienen aufzuleuchten als sie meinen Stimmungswechsel bemerkte und ich aufhörte sie mit einem finsteren Blick anzusehen.
"Es war mir ein Vergnügen," erwiderte sie, mit dem üblichen Lächeln in ihrem Gesicht.
Die Situation fühlte sich immer noch ein wenig unangenehm an. Bei diesem Mädchen war ich mir nie sicher wie ich mich verhalten und was ich sagen sollte. Also nahm ich die Tüte die sie mir reichte, ging auf das was von der Küche übriggeblieben war zu und fegte die Trümmer die auf dem Tisch und zwei Holzstühlen lagen mit der Hand herunter. Schweigend lud ich sie ein mir Gesellschaft zu leisten.
Die Mahlzeit die sie mir gegeben hatte war einfach gehalten, ein einzelnes Schinkensandwich und eine Flasche Orangensaft. Aber so wie mein Magen sich mittlerweile bemerkbar machte, war es mehr als willkommen. Ich hatte gar nicht gemerkt das ich so hungrig war. Ich nahm einen Bissen, das Sandwich war wesentlich besser als ich angenommen hatte, als sie wieder zu sprechen anfing.
"Glaubst du wirklich das du sie hier finden wirst?"
Ich nahm mir die Zeit runterzuschlucken bevor ich antwortete (Gut da steht "chew" = kauen, aber schließlich spricht man ja nicht mit vollem Mund). Tatsache war... ich fragte mich die ganze Zeit dasselbe.
"Ich weiß es nicht. Wenn sie nicht gefunden werden will, dann bezweifle ich das ich es werde."
"Also hoffst du das sie dich sieht und dann zurückkommt."
Entweder war dieses Mädchen sehr gut darin andere einzuschätzen, oder mein Schmerz war mir deutlich anzusehen.
"Ja."
Sie runzelte gedankenverloren ihre Stirn.
"Du widersprichst dir selbst. Du willst den Schmerz entkommen indem du den Kontakt mit anderen meidest, dennoch willst du denjenigen finden der verantwortlich ist für den Schmerz der dich innerlich zerreist."
"Es ist nicht allein Asuka´s Schuld..."
Nein, es war nicht nur Asuka. So viele Dinge... die Engel... Vater... ich...
"Trotzdem tut sie dir weh."
"Ja."
"Und du willst sie wiedersehen?"
"Ja."
"Auch wenn es vielleicht bedeutet das du wieder verletzt wirst?"
Ich wußte nicht wie ich darüber denken sollte. Sie hatte recht, ich wußte es. Ich hatte beschlossen diesem Mädchen aus dem Weg zu gehen, weil ich vermeiden wollte durch eine weitere Freundschaft die zwangsläufig nur Leid mit sich bringen würde verletzt werde. Trotzdem, ich hatte versucht herauszufinden ob Ayanami sich noch an mich erinnerte. Und hier stand ich und suchte nach Asuka.
"... ja."
"Dann, warum öffnest du dich anderen gegenüber nicht?"
"Ich... ich weiß es nicht..."
Eine bleierne Stille folgte. Sie sagte nichts mehr, das mußte sie auch nicht. Ich konnte ihre stumme Frage erahnen. Wenn es dir in Wahrheit egal war wieder von diesen Mädchen verletzt zu werden, warum stößt du mich immer wieder von dir weg?
Vielleicht weil... ich sie liebte, wurde mir klar. War es das was Liebe ausmachte? Den Schmerz zu ertragen, für das Wohl derer die wir liebten, um mit denen zusammenzusein die man liebte? Rei hatte sich geopfert weil sie mich geliebt hatte. War Asuka davongelaufen weil sie glaubte ich würde ohne sie glücklicher sein? Wenn es so war, tat sie sich dann selbst nich genausoviel weh wie sie mir wehtat, ohne es zu wissen? Wenn es so war... dann ist die Liebe vielleicht mehr ein Fluch als ein Segen...
Als ich über die Beziehungen nachdachte die ich einmal mit zwei mir sehr wichtigen Mädchen hatte, begann ich mich über etwas zu wundern...
"Nagisa, du bist... du bist immer so freundlich zu mir. Warum? Warum versuchst du weiterhin mein Freund zu sein?"
"Jemanden zum Lächeln zu bringen macht mich glücklich. Aber es macht mich traurig wenn ich sehe wie ein so reines Herz von Sorge, Schuld und Verzweiflung erdrückt wird. Ich möchte dich besser kennenlernen, damit ich deinen Schmerz besser verstehen kann, und dich wieder zum Lächeln bringe."
"Du... willst mich zum Lächeln bringen?"
Dieser Moment... er kam mir so bekannt vor...
'Es tut mir leid. Ich weiß nicht wie ich mich in solchen Augenblicken verhalten soll...'
'Ich denke... du solltest lächeln...'
Bin ich so geworden... wie Rei früher war?
Wann hatte ich eigentlich zum letzten mal gelächelt?
"Ja."
"Warum? Warum ich? Da draussen gibt es eine Menge Leute die unglücklich sind. Warum ziehst du mich ihnen vor? Warum nicht Misato? Oder besser noch, der Mann der sich als meinen Vater bezeichnet?"
Unbewußt erschauderte ich bei dem Gedanken den Kommandanten lächeln zu sehen. Aber auf seine Weise... hatte diese Vorstellung auch einen gewissen Reiz.
Ich seufzte. Ich konnte nicht fassen das ich noch immer Hoffnung für ihn empfand. Lernte ich es denn niemals?
"Weil du es wert bist geliebt zu werden."
Ich sah sie verblüfft an. Was hatte sie damit gemeint? Sie schien meine Gedanken gelesen zu haben als sie meine unausgesprochene Frage beantwortete.
"Ich meine damit, ich liebe dich."
Ich erstarrte. Dieses Mädchen... hatte gerade gesagt das sie mich liebt. Ich spürte wie ich langsam in Panik geriet. Nicht noch ein drittes mal... Ich fragte mich ob ich dieser Situation entkommen konnte wenn ich einfach davonlief...
"Nein..."
Ich wurde stocksteif (jaja, ich weiß, das kann man zweideutig interpretieren) als ich spürte wie sie ihre Hand auf meine legte. Instinktiv wollte ich meine Hand wegziehen, aber ihre Berührung war so angenehm...
"Das ist es was du willst, nicht wahr? Du möchtest einfach nur geliebt werden."
Sie hatte recht, oder nicht? Seit dem Tag als ich mein altes Leben hinter mir gelassen hatte, sicher vor der Außenwelt, hatte ich mich danach gesehnt akzeptiert zu werden. Vater. Misato. Meine Freunde. Rei. Asuka. Und Liebe bedeutete noch weit mehr als nur Akzeptanz...
"Ja."
"Aber du glaubst das du es nicht wert bist geliebt zu werden."
"Alle die ich geliebt habe sind verletzt worden..."
"Ein einzelner hat keinen Einfluß auf das Schicksal anderer."
Ich wußte, es machte Sinn, aber...
"Ich kam mit der Hoffnung hierher einen Vater wiederzufinden der mich einst verlassen hatte. Ich habe nur einen herzlosen Mann gefunden. Dann habe ich Freunde gefunden und zwei wundervolle Mädchen kennengelernt. Ich habe beinahe meinen besten Freund getötet. Ein Mädchen das ich geliebt habe erinnert sich nicht mehr an mich. Das andere ist davongelaufen. Ebenso hatte ich einen Mann kennengelernt den ich bewundert habe, der für mich wie der Vater war den ich mir immer gewünscht hatte. Er ist gestorben. Ist es dann nicht natürlich Angst zu, das wenn man sich neue Freunde sucht am Ende doch nur wieder verletzt wird. Ich will nicht mehr verletzt werden..."
"Das ist nich dasselbe was du früher einmal gesagt hast. Ich frage dich, wovor fürchtest du dich am meisten? Schmerz oder Einsamkeit?"
Solch eine Frage... Mir wurde bewußt das ich darauf keine Antwort wußte.
Ich zog schließlich meine Hand weg und blickte in eine andere Richtung. Ich konnte sie nicht länger ansehen. Meine Verwirrung steigerte sich immer mehr.
"Es ist spät geworden. Es wäre zu gefährlich in der Dunkelheit weiterzusuchen. Wir sollten nach Hause zurückgehen."
Ich bin mir nicht ganz sicher was in diesem Moment über mich gekommen ist. Vielleicht lag es an der deutlich hörbaren Enttäuschung in ihrer Stimme. Aber ich glaubte plötzlich ein Wagnis eingehen zu können. Ich mußte es einfach tun.
"Würdest du mich immer noch gerne spielen hören... Kaoru?"
"Das würde ich wahnsinnig gern... Shinji-kun."
Sie lächelte. Ich lächelte zurück. Ich hatte fast schon vergessen wie es sich anfühlt. Es war ein wunderbares Gefühl.
Also machten wir uns auf den Weg zu meiner Wohnung.

* * *


Ich versuchte nicht allzu sehr entäuscht dreinzublicken als ich Kaoru ansah. Sie hatte sich auf ihren Knien niedergelassen, ihre Augen aber waren gechlossen. Ich vermutete das sie eingeschlafen war. Ihr Gesicht zeigte einen Ausdruck tiefster Ruhe und Gelassenheit, nur gestört von einem kleinem glücklichem Lächeln. Sie schien überhaupt nicht mehr wahrzunehmen was um sie herum geschah.
Es schien mir unmöglich zu sein das irgendjemand auf dieser Welt so glücklich aussehen konnte.
Als ich meine Darbietung beendet hatte, öffnete sie ihre Augen und zeigte damit das sie tatsächlich wach war.
"Deine Musik war außerordentlich und wunderschön zugleich. Danke Shinji-kun. Ich habe jeden einzelnen Moment davon genossen."
Sie bekräftigte ihre Worte indem sie tatsächlich leicht mit ihren Händen klatschte. Vor lauter Verlegenheit lief ich rot an. Ich war es nicht gewohnt für meine Musik Beifall zu bekommen. Ich wußte das es Asuka und Rei gefallen hatte als ich damals für sie gespielt habe, aber wir haben eigentlich nie richtig darüber gesprochen. Mir war klar das ich noch Übung brauchte und weit davon entfernt war perfekt zu sein, trotzdem fürchtete ich mich davor negative Kommentare zu bekommen.
"Du solltest dein Talent nicht für dich selbst behalten. Du solltest die ganze Welt daran teilhaben lassen."
Ich errötete noch stärker.
"Kaoru... Ich... ich bin dazu nicht gut genug..."
"Doch das bist du. Dir fehlt nur ein wenig Selbstvertrauen."
Ich mußte bei diesen Worten erstmal tief Luft holen... tief in mir drinnen wußte ich das diese Worte der Wahrheit entsprachen.
"Und beim nächstenmal solltest du etwas fröhlicheres spielen. Das würde vielleicht den Schmerz in deinem Herzen lindern."
"Danke... Kaoru."
Sie schüttelte den Kopf.
"Nein. Ich danke *dir*, Shinji-kun. Es war mir eine Freude dich spielen zu hören. Ich weiß es sehr zu schätzen das du mich zu dir nach Hause eingeladen und mir gegenüber geöffnet hast."
"Nun... äh..."
Ich wußte nich was ich sagen sollte. War das wirklich das was ich tat? Mich ihr zu öffnen?
Für kurze Zeit wurde es richtig peinlich, weil ich pötzlich nicht mehr wußte was ich tun oder sagen sollte.
"Es ist spät geworden. Ich sollte vielleicht zu meiner Wohnung zurückgehen."
Anscheinend hatte sie gemerkt das ich mich in ihrer Nähe immer noch nicht wohl fühlte.
"Ist wahrscheinlich am besten so..."
Gerade als Kaoru gehen wollte war von draussen ein Donnergrollen zu hören, was mir sehr ungelegen kam. Als ich nach draussen sah, stellte ich fest das es ziemlich heftig regnete. Ich blickte Kaoru an. Sie trug nur ihr weißes Sommerkleid und ein paar leichter Sommerschuhe. Da Tokyo-3 größtenteils zerstört war, gab es auch keine Taxis mehr. Wenn sie bei solch einem Wetter nach draussen ging, würde sie bis auf die Knochen durchnässt und möglicherweise auch noch krank werden.
Ich seufzte als ich erkannte das ich sie guten Gewissens nicht gehen lassen konnte.
"Ich denke... das du hier schlafen kannst." Ich dachte kurz nach und widerwillig fügte ich hinzu, "Asuka´s Zimmer ist frei... du kannst in ihrem Bett schlafen... solange du in ihrem Raum nichts anfaßt."
Das Mädchen nickte.
"Du läßt alles so wie es ist für den Fall das sie zurückkommt, nicht wahr"
Diesesmal nickte ich.
"Es ist noch ein wenig zu früh um schlafen zu gehen. Vielleicht könntest du die Zeit nutzen um mir etwas über dich und die anderen Children zu erzählen... wenn e nicht zu schmerzhaft für dich ist..."
"Nein, das geht schon in Ordnung."
Es war schon seltsam. Es war ein gutes Gefühl imstande zu sein mit jemandem über die Mädchen und wie ich mich fühlte reden zu können. Ich erzählte ihr alle über Rei und Asuka, wie ich sie kennengelernt habe, als unsere Beziehungen über die von Kollegen und Freunden hinausging. Sie stellte mir eine Menge Fragen über unsere Beziehung. Sie fragte mich sogar ob ich Sex mit ihnen hatte, was ich dadurch beantwortete indem ich rot anlief. Schnell versuchte ich das Thema zu wechseln.
"Warum bist du zu NERV gekommen? Ich meine... du weißt doch was mit den anderen Piloten passiert ist..."
"Es war meine Absicht."
"Deine Absicht?"
"Ja. Ich bin hierhergkommen weil es ich hier etwas tun muß. Ein Bedürfnis das befriedigt werden muß, dem ich nicht widerstehen kann, ansonsten würde es mich letzten Endes verzehren."
"Oh..."
Also deshalb hatte sie eingwilligt EVA zu steuern? Das war dann doch ziemlich vage. Und ich kann nicht genau sagen warum, aber irgendetwas an dieser Aussage störte mich.
"Warum steuerst du EVA, Ikari-kun?"
Ich zuckte bei dieser Frage zusammen. Man hatte sie mir schon früher gestellt, und ich war nie in der Lage gewesen eine klare Antwort darauf zu geben, weil sich meine Gründe sich mit der Zeit immer wieder geändert hatten. Letzlich seufzte ich einfach nur und tat das was zuvor schon gewirkt zu haben schien: ich erzählte was ich darüber dachte.
"Ich... ich bin mir nicht mehr ganz sicher. Das erstemal habe ich EVA gesteuert um Rei´s Leben zu retten. Dann habe ich EVA gesteuert weil man es mir so gesagt hatte. Ich habe auch versucht den Respekt von meinem Vater zu gewinnen, damit er wußte das ich existierte. Ich habe nie das gefunden wonach ich gesucht hatte. Später wurde mir klar das ich EVA steuern mußte um die zu beschützen die ich liebte. Aber am Ende habe ich sie alle verloren. Jetzt... glaube ich möchte ich mich nur noch verkriechen. Nur noch ein Engel, ein letztes mal."
Kaoru´s Augen verengten sich zu Schlitzen und ihr Gesicht nahm einen ernsthaften Ausdruck an.
"Ich verstehe. Und was willst du tun wenn der letzte Engel besiegt wurde?"
"Wenn ich noch am Leben bin... Ich glaube ich werde wohl nach einem anderen Grund zum weiterleben suchen müssen..."
Mit einem mal wurden wir beide still. Es war ein wenig beunruhigend sie nicht lächeln zu sehen...
"Was bedeutet das Kreuz das du trägst für dich?"
Ich holte das silberne Kreuz unter meinem Hemd hervor und starrte es an.
"Das Kreuz hat Rei gehört. Sie hatte es für mich dagelassen, bevor wir gegen den 16. Engel gekämpft hatten. Ich glaube sie wollte das ich es bekomme. Deshalb trage ich es."
Wir unterhielten uns noch für eine Weile. Ich sprach über meine Mutter und meinen Vater. Ebenso sprach ich über Misato und Kaji. Als wir miteinander redeten, erfuhr ich das Kaoru nie so etwas wie Eltern gehabt hatte. Zu dieser Zeit dachte ich das sie Kaour entweder verlassen haben mußten oder während des Second Impacts gestorben waren. Es war ein Thema bei dem sie ein wenig unsicher zu sein scheinte, das sie sich die Zeit nahm ihre Worte sorgfältig zu wählen. Also beschloß ich sie nicht zu bedrängen. Außerdem war es bereits spät geworden. Wir hatten bereits zwei Stunden lang miteinander geredet und so beschlossen wir beide das es spät genug war um schlafen zu gehen. Ich zeigte ihre den Weg zu Asuka´s Zimmer, und ging dann auf das meinige. Als ich die Tür geschlossen hatte, stieß ich einen langen Seufzer aus und ließ mich auf mein Bett fallen. Ich rollte mich auf den Rücken und starrte an die Decke, so wie ich es bereits viele male zuvor getan hatte.
Sie hatte recht. Langsam aber sicher öffnete ich mich ihr gegenüber.
War das ein Fehler? Ich war mir nicht sicher. Sie schien so nett zu sein, ohne das dahinter Böswilligkeit zu stecken schien. Wie könnte sie mich verletzen?
Heute nacht... zum ersten mal in einer Zeitspanne die mir wie eine Ewigkeit erschienen war... fühlte ich mich nicht mehr länger allein. Und... ich wollte mich auch nicht mehr alleine fühlen. War das der Grund warum ich mich ihr gegenüber öffnete? Einem Mädchen das ich kaum kannte? War ich schon so armselig das mir jeder recht war, hauptsache er ließ mich die Einsamkeit in meinem Herzen vergessen?
Was fürchtete ich in Wahrheit mehr? Schmerz oder Einsamkeit?
Dann kam mir ein Gedanke. Ein ziemlich störender Gedanke. War diese Furcht vor der Einsamkeit der Grund gewesen warum ich meine Wahl zwischen Asuka und Rei immer wieder hinausgezögert hatte?

* * *


Ich saß in einem dunklem Raum auf einem Stuhl. Ich saß im Mittelpunkt von einem Lichtkreis der vielleicht zwei Meter Durchmesser hatte. Alles andere war pechschwarz, ich konnte auch nicht sehen woher das Licht kam. Ich wußte nicht wie ich hierhergekommen war. Alles was ich wußte war das ich Angst hatte. Nicht vor dieser ungewohnten Umgebung. Es war etwas anderes. Ein überwältigendes Gefühl von Furcht. Irgendetwas würde passieren.
Und das tat es. Und es war schlimmer als alles was ich mir hätte vorstellen könnte. Bilder tauchten vor mir auf. Sie kamen nicht aus einem Projektor, oder erschienen auf einem Bildschirm, sie waren einfach da. Aber ich wunderte mich nicht über ihre Herkunft. Ich zitterte am ganzen Leib als ich die Bilder erkannte.
EVA-01, als er versuchte gegen den 16. Engel zu kämpfen. Es war eine Szene die sich bis auf den Grund meiner Seele eingebrannt hatte. Als der Engel den Panzer von EVA-01 schmolz, ließ der den gigantischen Wurm aus Licht loß. Er bereitete sich gerade darauf vor einer weiteren Attacke auszuweichen, als der Wurm plötzlich erstarrte. Auf der anderen Seite des Engels, rollte sich EVA-00 genau an der Stelle wo er mit dem Engel verbunden war zu einem Ball zusammen.
"Nein!"
Ich wollte nicht sehen was als nächstes kam. Also schloss ich meine Augen.
Aber dann hörte ich die Worte.
'Rei! Tu was Misato sagt!'
'Es ist zu spät...'
'Rei!!!'
Ich öffnete meine Augen und sah wie EVA-01 auf EVA-00 zurannte. Aber ich wußte bereits das sie nicht rechtzeitig ankommen würde.
'Shinji... Was auch immer passieren mag... vergiß nie... das ich dich liebe.'
'NEIN! Rei! Tu das nicht! REI!!!'
'Ich liebe dich...'
Die Explosion von EVA-00 blendete mich, dann verschwanden die Bilder und alles wurde wieder schwarz.
"Du hast mich sterben lassen."
"Rei!"
Ich drehte mich um und sah Rei. Sie stand, wie immer gekleidet in ihrer Schuluniform hinter mir. Sie war alles was ich in dieser totalen Finsternis sehen konnte.
"Nachdem der 15. Engel besiegt war, hattest du geschworen das du nicht zuläßt das ein weiterer Engel uns verletzen wird. Aber du darin versagt mich zu beschützen und darum mußte ich sterben."
"Ich habe alles getan was ich konnte!"
"Nein, das hast du nicht. Du hättest ihn vernichten können."
"Wenn ich ihn angegriffen hätte wärst auch du verletzt worden!"
"Du hast genauso gehandelt wie damals beim 13. Engel. Du hattest Angst davor uns zu verletzen, also hast du mich stattdessen einfach sterben lassen. Ich hatte nicht so viel Glück wie Suzuhara-kun."
Damit hatte sie es ausgesprochen. Ein Gedanke der mich seit diesem Tag quälte, ein Gedanke vor dem ich mich geweigert habe mich ihn zu stellen, ja überhaupt darüber nachzudenken. Vielleicht hätte sie der Angriff auf den Engel verletzt, aber im Endeffekt hätte es ihr wahrscheinlich das Leben gerettet.
"Nein... Ich... Rei... Ich..."
Ich versuchte wegzuschauen. Sie tauchte einfach wieder vor mir auf, diesesmal in ihren Pluigsuit gekleidet. Ihr Körper war übersäht mit Verletzung die ohne Zweifel vom Kampf mit dem 16. Engel stammen.
"Du hast mich getötet."
"Rei!"
Ich rannte auf sie zu, versuchte sie zu erreichen. Ich füllte mich einfach nur verloren und verwirrt, voller Schuldgefühle. Jedoch, als ich sie mit meinen Fingerspitzen berührte, ging ihr ganzer Körper in Flammen auf. Ich sah wie ihre Haut so schwarz wie Kohle wurde und sich von ihren verbrannten Knochen löste, die bald selbst nicht mehr als schwarze Asche waren die in der Dunkelheit verschwand.
"Rei! Rei!"
Weinend brach ich auf dem Boden zusammen.
"Du hast mich niemals geliebt. Du hast immer nur sie geliebt."
Geschockt blickte ich auf und sah Asuka wie sie mit tränenüberströmten Gesicht auf mich herabblickte. Ihre Schuluniform war schmutzig und zerissen. Sie war blaß und sie schien an Gewicht verloren zu haben und dunkle Ringe unter ihren Augen zeigten das sie am Rand der völligen Erschöpfung stand. Sie schien nicht wütend zu sein, dennoch war ihr Blick so kalt wie Eis und zeigte damit wie Ernst sie diese Worte gemeint hatte.
"Das ist nicht wahr Asuka! Ich liebe dich!"
"Du hast es niemals gezeigt."
Sie hätte mir nicht mehr wehtun könne wenn sie mit einem Messer auf mich eingestochen hätte.
"Aber ich liebe dich wirklich! War diese Nacht den nicht Beweis genug?"
"Du hattest einfach nur Mitleid mit mir. Außerdem muß es für dich doch nur eine weitere schnelle Nummer gewesen sein. Du hast zuvor bestimmt schon mit Rei geschlafen. Du wußtest einfach zuviel. An welchen Stellen du mich berühren musstest, wie du mich am besten befriedigen konntest. Wie zärtlich du doch warst um mir keine Schmerzen zuzufügen. Du hast mein Vertrauen in dich verraten."
Ich gab einen erstickten Laut von mir. Sie wußte es...
"Asuka... Ich... ich... ich liebe dich wirklich..."
"Das ist nicht von Bedeutung. Du liebst sie nämlich auch."
"Aber sie ist tot!"
"Also soll ich ihr Ersatz sein? Ihren Platz in deinem Bett einnehmen?"
"Nein! Nein... das... das ist nicht... Ich... Ich.."
Tief in meinem Herzen wußte ich das sie recht hatte. Es war unfair von mir mich ihr auf diese Weise zuzuwenden nur weil Rei nicht mehr verfügbar war. Von einer zur anderen hüpfen... das war einfach falsch. Es war von Anfang an falsch gewesen...
"Es ist zu spät. Ich werde dich jetzt verlassen."
Asuka kramte in ihrer Tasche und holte ein langes Küchenmesser hervor. Ich sah zu meinem Entsetzen wie sie die Klinge an ihr Handgelenk setzte.
"Ich werde dich nie wieder belästigen. Nie wieder."
Mein Gott!
"Nein!"
Bevor ich etwas tun konnte schnitt die Klinge sauber und tief durch Haut und Fleisch, zertrennte Venen und ließ ihr Blut ungehindert aus ihrem Körper spritzen, hinein in die Dunkelheit.
"Asuka!"
Als ich versuchte ihr Handgelenk zu packen um den Blutfluß zu stoppen, explodierte ihr Körper in einem Schauer aus heißen Blut der mich von oben bis unten besudelte.
Ich schrie.

* * *


Ich schreckte schweißgebadet hoch, in einem Zustand zwischen Schlafen und Wachen, voller Furcht vor der Dunkelheit in meinem Zimmer. Ich geriet in Panik als ich merkte das ich mich kaum bewegen konnte; während meines Alptraums hatte ich es geschafft mich in meine eigenen Bettlaken zu verheddern. Ich kam mir vor wie ein gefangenes Tier. Ich versuchte mich zu befreien, indem ich mit Händen und Füßen strampelte, keuchend und weinend. Und ich hörte auch nich damit auf als mich endlich befreit hatte. Ich hörte erst auf als zwei Hände meine Arme ergriffen, sich jemand an meinen Rücken lehnte, und ich einen heißen Atem an meinem Nacken spürte. Furcht überkam mich und ich wäre beinahe wieder durchgedreht, als ich die sanften, beruhigenden Worte hörte.
"Schon in Ordnung. Es ist vorbei. Da ist nichts wovor man sich fürchten muß. Du bist jetzt wach."
Diese Worte drangen durch den Schleier der sich um meinen Verstand gelegt hatte. Es war alles nur ein Traum gewesen. Nein... ein Alptraum.
Ich saß mit schweissgetränkten Nachthemd auf meinem Bett und zwei Armen hatten sich fest um mich gelegt. Dann brachen die Erinnerungen an den Traum über mich herein. Ich schaffte es kaum die Tränen zu unterdrücken die mich zu überwältigen drohten.
"Shinji-kun. Tu dir das nicht an."
Ich drehte meinen Kopf und sah Kaoru an. Sie hatte einen traurigen Gesichtsausdruck. Ich war überrascht, als ich sah wie eine Träne an ihrer elfenbeinfarbenen Haut herunterrann. Ein Teil von mir registrierte das sie nackt war, aber in diesem Moment erschien es mir wie die unwichtigste Sache der Welt.
"Soviel Leid und Kummer. Friß nicht alles in dich hinein. Es ist in Ordnung zu weinen. Laß alles heraus. Laß es heraus."
Ich sah in diese roten, tränenerfüllten Augen. Tränen die sie vergoß weil sie die wahre Bedeutung meines Schmerzs spüren konnte. Da brach es aus mir heraus. Ich fing wieder an zu weinen, ließ all die Tränen heraus die sich in mir angestaut hatten.
Ich weiß nicht wie lange ich geweint habe. Aber die ganze Zeit hielt sich mich fest in ihren Armen, flüsterte mir Worte zu die ich nicht wirklich verstand; aber das war mir egal, der Klang ihrer Stimme wirkte beruhigend auf mich. Als ich aufgehört hatte zu weinen, zog sie mir mein T-Shirt aus, mit der Bemerkung das ich nicht in solch verschwitzten Sachen schlafen sollte. Ich hielt sie nicht davon ab, dafür fühlte ich mich einfach zu erschöpft.Als wenn ich ein kleines Kind wäre, legte sie mich auf mein Bett und deckte mich zu, damit mir nicht kalt wurde. Dann beugte sie sich über mich und küsste mich auf die Stirn, eine Geste die ich schon seit Jahren nicht mehr erlebt hatte, nicht seit der Zeit als meine Mutter verschwunden war. Kaoru hätte wohl wieder das Zimmer verlassen, hätte ich sie nicht an ihrem Handgelenk gepackt.
"Laß micht nicht allein. Bitte... ich habe Angst... Ich möchte nicht allein sein..."
Sie lächelte und schlüpfte an meiner Seite unter die Bettdecke. Dann legte sie ihre Arme um mich und drückte sich fest an mich.
"Danke..."
Als wir da so lagen fühlte ich einen vollkommenen Frieden. Ihr nackter Körper fühlte sich warm und weich an meinem nackten Rücken an, und ihre Umarmung vermittelte mir ein Gefühl von... Sicherheit.
Bald konnte ich wieder Schlaf finden, aber diesesmal, hatte ich nur wunderschöne Träume.
Wenn ich so zurückblickte, wurde mir klar das ich in dieser Nacht einiges gelernt hatte.

* * *


Als ich aufwachte merkte ich als erstes das irgendetwas fehlte. Ich brauchte ein wenig Zeit bis mir klar wurde was es war. Erst als ich begann mich langsam wieder an die Ereignisse von gestern zu erinnern wurde mir bewußt was es war. Kaour war verschwunden.
Ich stand auf und durchsuchte die ganze Wohnung. Keine Spur von ihr. Ich sah mich auch draussen um. Es war immer noch mitten in der Nacht, also konnte sie noch nicht lange fort sein. Wahrscheinlich hatte mich das aufgeweckt.
Sie war so nett zu mir, trotz all meiner Anstrengungen sie auf Distanz zu halten. Ich bereute das ich mich so verhalten hatte. Sie verdiente es besser behandelt zu werden.
'Weil du es wert bist geliebt zu werden.'
'Ich meine, ich liebe dich.'
Sie hat gesagt das sie mich liebt. Und sie hatte es auch offen gezeigt. Ich war ihr dafür dankbar, aber... ich glaube nicht das ich ihre Gefühle eines Tages erwidern würde. Wie auch immer, sie schien keinen Dank dafür zur erwarten, außer der Tatsache das ich ihr gegenüber offener geworden bin.
Eine Stimme in meinem Hinterkopf versuchte mich zu warnen das ich ein viel zu großes Risiko einging. Ich ignorierte sie einfach. Solange ich nicht wußte ob ich bereit für mehr war, ob ich mehr für sie empfinden könnte, würde ich Nagisa Kaoru nur als einen Freund betrachten.
'Wenn Sie dein Freund ist, warum ist sie dann ohne ein Wort zu sagen verschwunden.?'
Erneut ignorierte ich die Stimme. Wenn ich auf sie hörte, dann würde ich für alle Zeiten einsam bleiben. Also konzentrierte ich mich auf wichtigere Probleme. Ich ging in Badezimmer.
Genau in diesem Moment fing mein Handy an zu klingen. Mißmutig, ignorierte ich es einfach und ging weiter. Jetzt da ich ins Bad ging merkte ich erst wie dringend nötig ich eine Dusche hatte. Mein Handy hörte währendessen nicht auf zu klingeln. Ich seufzte frustiert, und nahm das Gespräch an. Es sollte besser dringend sein...
"Hallo?"
"Shinji!" sagte eine Stimme die ich als die von Hyuuga erkannte. "Wird auch langsam Zeit! Wo bist du?"
"Zuhause..."
"Gut! Ich schicke dir den Sicherheitsdienst damit er dich abholt! Mach dich fertig!"
Das Gespräch endete. Das kam mir komisch vor. Solch eine Eile. Das konnte nur eines bedeuten. Der 17. Engel
Endlich!
Nach einem kurzen Abstecher ins Bad, zog ich mich schnell an und stürmte aus der Wohnung wo ich zwei Sicherheitsbeamten in die Arme lief die schon auf mich warteten. Sie verschwendeten keine Zeit indem sie mir sagten "Kommt mit uns mit." Wie ich es getan hätte.
Ich wurde auf den schnellsten Weg ins Hauptquartier gebracht. Die Zeit schien eine wesentliche Rolle zu spielen, was mich in meiner Überzeugung das wir es mit einer Engelattacke zu tun hatten bestärkte. Auch wenn diesmal keine Alarmsirenen zu hören waren. Sobald ich das NERV Hauptquartier erreicht hatte, rannte ich in den Umkleideraum und zog schnellsten meinen Plugsuit an. Ich zögerte nur kurz als ich meine Neuralen Interfaces anlegen wollte. Ich sah sie für eine Sekunde an, dann legt ich sie in meinen Spind zurück und nahm stattdessen ein Paar roter Interfaces heraus...

* * *


Als Misato ihr kurzes Briefing beendet hatte mußte ich ersteinmal tief Luft holen. Es fühlte sich an als wenn mir das Herz in meiner Brust zersprungen wäre.
Kaoru... ein Engel... nein, das konnte einfach nicht sein...
Nicht Kaoru. Sie war so sanftmütig... Sie hatte nichts gemeinsam mit diesen Monstern.
"Das ist nicht wahr... das kann nicht wahr sein..."
Aber ihre Reaktion als ich die Vernichtung des letzten Engels erwähnt hatte...
"Doch das ist es. Du mußt es töten."
Kaoru töten... Sie töten?
"Nein."
Ich fuhr die sämtliche System des EVAs herunter. Mir war klar das die Leute in der Kommandozentrale sich wahrscheinlich gerade darin abmühten ihn wieder zu reaktivieren, aber sie würden keinen Erfolg haben.
"Shinji! Was machst du da?!" Misato schien in Panik zu geraten.
"Du wirst EVA-01 unverzüglich reaktivieren."
Ich fand es seltsam, aber in der Stimme des Kommandanten schien nicht mehr die gleiche Kraft wie früher zu stecken.
"Wozu? Um da runterzugehen und meinen Freund zu töten?"
Mein Freund... Ja, Kaoru war mein Freund. Aber... sie hatte gesagt das sie mich liebt. Wie konnte das sein wenn sie doch ein Engel war? Hatte sie mich vielleicht angelogen? Machte da einen Unterschied? Ich dachte an die Ereignisse des Vortags zurück, wie gut es sich angefühlt hatte bei ihr zu sein. Als ich mich nicht länger einsam gefühlt hatte.
Ihre Herkunft war nicht von Bedeutung, entschied ich.
Außerdem... konnte ich nicht einfach kaltblütig einen anderen Menschen töten.
Selbst wenn er ein Engel ist.
"Exakt."
"Fahr zur Hölle! Wegen dir wurde Touji verletzt! Du hast Asuka leiden lassen! Du hast mir Rei weggenommen! Und jetzt verlangst du von mir das ich Kaoru töte? Du herzloser Hurensohn! Wenn es nicht der Name meiner Mutter wäre, würde ich mich schämen Ikari zu heißen!"
Nachdem ich diese Worte gesagt hatte wurde es totenstill. Ich war vollkommen fassungslos. Woher kamen diese Worte? Ikari war nicht... der Name meines Vaters? Wie konnte ich da wissen?
Nicht das es wirklich von Bedeutung gewesen wäre.
"Ich werde Kaoru nicht töten... Ich werde es nicht..."
"Dann werden alle sterben."
Die Stimme des Kommandanten klang mit einemmal nicht mehr so selbstsicher wie früher.
Aber ich schenkte dem keine weitere Beachtung.
"Das ist mir egal... wahrscheinlich wird es so auch besser sein..."
Die nachfolgende Stille wurde durch Hyuugas Stimme unterbrochen.
"Ziel passiert Abschnitt drei!"
"Shinji! Ich... ich will nicht sterben..."
Misato?
"Willst du denn nicht das all dieses Leid ein Ende hat, Misato-san?"
"Ich will nicht sterben... weil... weil... Ich... ich schwanger bin..."
Ich mußte auf diese Eröffnung hin erstmal tief Luft holen. Ebenso konnte ich ähnliche Reaktionen über das Komm-System hören.
"Ich trage Kajis Kind in mir... Ich will nicht das es stirbt..."
Misato war schwanger? Kajis Kind? Das brachte mich wieder zu Sinnen.
Auf einmal aktivierte sich EVA-01. Obwohl ich es nicht gewollt hatte. Und ich wußte ganz genau das er nicht von der Kommandozentrale aus aktiviert worden war.
"Mutter..." flüsterte ich, bevor ich leise seufzte. "In Ordnung, gehen wir..."
Ich wollte es nicht tun. Aber ich hatte keine andere Wahl. Vielleicht fand ich einen anderen Weg wenn ich Kaoru ersteinmal erreicht hatte.
"EVA-01 Start!" rief ich schließlich, als ich mich an die Verfolgung meines Freundes machte.

* * *


Den Anweisungen folgend, steurte ich meinen EVA schnellstens zu einem Schacht der sehr *tief* nach unten zu gehen schien. Ich konnte nicht einmal den Grund erkennen. Es war nicht von Bedeutung. Ohne weiter darüber nachzudenken sprang ich hinunter. Ich fiel sehr schnell und bald konnte ich EVA-02 sehen, wie er langsam hinunterschwebte. Kaoru schwebte an seiner Seite. Ich hatte mich eigentlich nie wirklich gefragt *wie* es eigentlich möglich war das Kaoru und EVA-02 schweben konnten.
"Kaoru!"
Als ich vor ihm stand, packten sich EVA-01 und EVA-02 gegenseitig an den Händen und nahmen Kampfhaltung an.
Erst später wurde mir klar das ich aufgehört hatte zu fallen und zusammen mit EVA-02 nach unten schwebte.
"Ich habe auf dich gewartet, Shinji-kun."
Auch fragte ich mich nicht wie es den möglich war das ich ihre Stimme innerhalb der Zugangskapsel hören konnte. Ich hörte sie einfach und diese Tatsache war ausreichend für mich.
Was mir jedoch auffiel war der Ausdruck auf ihrem Gesicht. Ihr sonst so fröhliches Lächeln war verschwunden und hatte einem kalten Gesichtsausdruck Platz gemacht. Einer von der Sorte den ich normalerweise mit Ayanami in Verbindung gebracht hätte.
"Warum Kaoru?! Warum tust du das? Hast du mich belogen? Du hast gesagt das du mich liebst... hast du das nur gesagt damit du mich manipulieren kannst so wie alle anderen es auch tun?!"
"Nein, Shinji-kun. Meine Gefühle für dich sind aufrichtig. Aber das hier ist etwas das ich tun muß."
"Kaoru! Nein! Du... du kannst einfach kein Engel sein..."
"Mein Körper ist wie der von EVA. Weil auch ich eine Tochter von Adam bin (natus heißt zwar wörtlich übersetzt Sohn, aber das schließt sich wohl au anatomischen Gründen aus). Wen EVA-02 keine Seele hat, kann ich mich mit ihm vereinen. Die Seele dieser Einheit hat sich selbst verschlossen. Ich kann sie so benützen wie ich e für richtig halte."
"Kaoru!"
In diesem Moment wurde mir bewußt das, egal was ich auch zu ihr sagen würde, sie mir nicht zuhören würde.
Sie war ein Engel.
Wen sie etwas zu erledigen hatte, so traf dasselbe auf mich zu.
"Tut mir leid, Asuka..."
Das Schulterfach von EVA-01 öffnete sich und zum Vorschein kam sein Prog-Messer. EVA-02 machte dasselbe. Beide EVAs griffen nach ihren Prog-Messern. Allerdings lief mein Angriff nicht so wie ich geplannt hatte, weswegen ich mich bald in der Defensive befand. Beide Klingen trafen sich, und setzten einen wahren Funkenregen frei. Als ich mehr Kraft hineinlegte, wurden beide Klingen plötzlich aus dem Gleichgewicht gebracht. Ich sah mit Entsetzen das meine Klinge genau auf Kaoru zuschoß. Ich war geschockt als ich sah wie die Klinge einen Meter vor Kaoru von einem AT-Feld gestoppt wurde.
"EIN AT-FELD?!?!"
"Ja. Ihr Lilim nennt es so. Der heilige Ort in dem niemand eindringen kann. Das Licht eurer Seele. Ihr Lilim, seit euch dessen bewußt, bewußt das das sogenannte 'AT-Feld' der Schutzwall der Seele ist wo jeder von euch hat."
Ich verstand es nicht, und es kümmerte mich auch nicht.
Ich schrie auf, als ich plötzlich einen stechenden Schmerz in meiner Brust spürte. EVA-02 hatte EVA-01 gerade eben in die Brust gestochen. Ich zahlte es ihm heim indem ich mein eigenes Messer tief in seinen Hals stieß. So tief, das die Messerspitze auf der anderen Seite des Halses wieder hervortrat.
Für ein paar Sekunden rangen EVA-01 und EVA-02 miteinander. Ich biß die Zähne zusammen als ich schmerzhaft spürte wie EVA-02 sein Prog-Messer tiefer in die Brust von EVA-01 stieß.
Plötzlich stürzten wir ab und schlugen hart auf dem Boden auf. Unser Aufprall verursachte eine Wolke aus Staub und Dreck.
Als ich versuchte meinen EVA auf die Füße zu bekommen, bemerkte ich das Kaoru davonschwebte.
"Kaoru! Halt!"
Ich wollte ihr hinterher, aber plötzlich bekam ich den Fuß meines EVAs nicht mehr von der Stelle. EVA-02 hatte ihn sich gepackt...
Mit einem wilden Kriegsschrei setzte ich meinen Kampf gegen EVA-02 fort. Erneut stach er auf meine Brust ein, aber diesesmal trieb ich mein Messer mitten in seinen Kopf. Entgegen meiner Hoffnung stoppte ihn das aber nicht. Plötzlich spürte ich wie mein EVA von etwas getroffen wurde. Es ähnelte einer Schockwelle, war aber doch irgendwie anders.
"Was zum Teufel?!"
Ich fühlte wie mein Gegner schlaff wurde. Entweder hatte ich ihn endlich stoppen können, oder Kaoru hatte ihn aus seiner Kontrolle entlassen. Was auch immer...
Ich ging langsam auf das gleiche Ziel zu dem sich auch Kaoru genähert hatte als ich sie das letzte mal sah. Ich hatte es nicht besonders eilig mich ihr zu stellen und meine Brust schmerzte immer noch höllisch. Ich musste tief Luft holen als ich sah wie Kaoru vor einem einem weißen Riesen schwebte, über einem See der anscheinend aus LCL bestand. Ich schob diesen Anblick rasch beiseite als ich die Hand meines EVAs ausstreckte und Kaoru damit packte. Wenn man hundert Klone von seiner toten Freundin gesehen hat tendierte man dazu solche Anblicke nicht mehr sonderlich beeindruckend zu finden.
"Wie ich sehe hast du EVA-02 besiegt. Danke, Shinji-kun. Anderenfalls hätte ich wahrscheinlich mit ihr weiterleben müssen."
"Kaoru, warum?" fragte ich erneut, in der Hoffnung eine Antwort zu hören die mir meine Entscheidung erleichtern würde.
"Es ist mir bestimmt ewig zu leben, selbst wenn die Menschheit dafür ausgelöscht werden muß. Wie auch immer, ich bin in der Lage zu sterben. Sein oder nicht sein. Da macht für mich keinen Unterschied. Mein Tod ist die einzige absolute Freiheit."
Ich mußte nach Luft schnappen. Nein...
"Kaoru! Du... du verlangst doch nicht etwa von mir das ich dich töte? Das will ich nicht... Das kann ich nicht..."
"Shinji-kun... wen ich am Leben bleibe, dann wird die gesamte Menschheit sterben. Wen ich sterbe, dann wirst du, und alle anderen Männer, Frauen und Kinder auf dieser Welt die Chance haben die Zukunft in ihre Hand zu nehmen. Und wenn du es schaffst die noch bevorstehende letzte Prüfung zu bewältigen... dann werden wir uns eines Tages wiedersehen."
"Nein! Sicher... gibt es einen Weg um all das zu vermeiden. Komm mit mir zurück. Wir könnten von hier fortgehen. Du könntest all das hier hinter dir lassen. Du mußt das nicht tun!!!"
"Nein, Shinji. Mein wirklicher Name ist Tabris. Ich bin der Engel des freien Willens. Deshalb wurde mir diese Form gegeben. Anders als meine Brüder, kann ich mein Schicksal selbst bestimen, so wie ihr Lilim es Tag für Tag macht. Aber der Preis für einen freien Willen ist Verantwortung. Wenn du einmal eine Entscheidung getroffen hast, kannst du da Geschehene nicht mehr rückgängig machen und mußt alle Konsequenzen deines eingeschlagenen Pfads akzeptieren. Ich kann mich dem Ruf von Adam nicht mehr länger widersetzen, also habe ich das Leben von Nagisa Kaoru hinter mir gelassen. Du hast dich entschieden mir zu folgen und mich aufzuhalten. Jetzt ist es an der Zeit für dich die Folgen deiner Entscheidung zu akzeptieren."
"Kaoru! Ich kann nicht!"
"Bitte Shinji-kun. Einer muß leben und der andere muß sterben. Du mußt derjenige sein der am Leben bleibt. Das ist mein Wunsch. Shinji-kun... Ich bin froh das ich dich getroffen habe. Ihr Lilim habt ein kurzes und zerbrechliches Leben, und so lebt ihr eure Gefühle intensiv aus. Ich kann euch jetzt besser verstehen, Shinji-kun. Ihr seid so schön. Vor allem du, Shinji-kun. Dein Herz ist so sensibel das du von der Härte des Lebens überwältigt wirst. Aber vergiss niemals das es da noch mehr als nur Schmerz gibt. Habe keine Angst davor dich selbst, deinen Geist, Körper, Herz und Seele gegenüber denen die dir etwas bedeuten zu öffnen. Auch wenn ihr AT-Feld sie voneinander isoliert, ist es für zwei Menschen möglich zueinanderzufinden. Ihr Lilim solltet nicht noch länger suchen; das ist die wahre Vervollständigung der Seelen."
"Ich... ich verstehe nicht was du mir damit sagen willst..."
"Das wirst du wenn es an der Zeit ist."
"Kaoru!"
"Noch ein paar Worte als Abschiedsgeschenk. Shinji-kun, es gibt viele Wege zu lieben. Es ist möglich zwei Menschen zu lieben, auf ähnliche aber dennoch verschiedene Art. Da ist auch richtig. Aber um wirklich glücklich zu werden, mußt du deine wahre Liebe finden, die Liebe die deinem Leben einen Sinn geben wird. Zögere nicht. Wenn du sie weiterhin lieben wirst, dann werden sie dich auch nicht hassen. Aber zu deinem eigenen besten, mußt du dich entscheiden. Jetzt... ist die Zeit gekommen. Du mußt tun was getan werden muß, und laß nicht zu das dein Herz von Schudlgefühlen erfüllt wird. Du tust das richtige, und darum darf dein Herz nicht daran zerbrechen. Danke Shinji... Leb wohl..."
Dann lächelte sie wieder.
Das Mädchen schloß die Augen und erwartete ihr Schicksal.
Nein... kein Mädchen... ein Engel. Das war es wovon ich mich selbst zu überzeugen versuchte. Ich scloß meine Augen und versuchte mich an all meine Begegnungen mit den Engeln zu erinnern, an jedes einzelne mal als sie mein Leben ins Chaos gestürzt hatten.
Der erste Engel. Er hatte die Hälfte der Menschheit ausgelöscht. Er hatte Misatos Vater getötet. Wegen ihm hatte ich letztenendes meine Mutter und meinen Vater verloren.
Der dritte Engel. Er hätte Rei fast getötet. Er hatte versucht mich zu töten, hatte mich verletzt. Hatte Toujis Schwester verletzt.
Der fünfte Engel. Rei hatte sich fast selbst geopfert um mich vor ihm zu schützen.
Der achte Engel. Ich konnte damals Asuka gerade noch retten.
Der dreizehnte Engel. Touji hatte wegen ihm ein Arm und ein Bein verloren.
Der vierzehnte Engel. Er hätte beinahe Rei und Asuka getötet.
Der fünfzehnte Engel. Er hatte Asukas Seele vergewaltigt. Sie war deswegen fortgelaufen, dessen war ich mir sicher.
Der sechzehnte Engel. Um ihn zu besiegen hatte Rei ihr Leben gegeben.
Jedesmal wenn ich mich an den Schmerz erinnerte den ein Engel verursacht hatte wuchs mein Zorn. Genug um schließlich das Mädchen das ich als Kaoru kannte zu vergessen und stattdessen an ihrer Stelle ein Monster zu sehen. Ich war so wütend das sich die Hand von EVA-01 wie von selbst schloß ohne das ich etwas dagegen tat. Ich fühlte kaum Widerstand als ich zudrückte.
Als ich die Augen öffnete, verblasste dieses Trugbild. Als ich EVAs Hand öffnete sah ich nicht die Überreste eines Monsters. Nur einen roten Fleck. Blut. Jetzt waren meine Hände wirklich mit Blut besudelt. Ich hatte getötet. Aber sie hatte gesagt das es so richtig sei. Ich fühlte mich deswegen in keinster Weise besser.
Ich weinte immer noch leise vor mich hin als sie mich aus der Zuganskapsel zogen...

* * *


Erneut stand ich am Ufer des Tokyo-3 Sees.
Wie ich mir selbst geschworen hatte, habe ich den 17. Engel besiegt.
Aber der Sieg schmeckte bitter.
Ich war nun einsamer als zuvor.
Und jetzt war ich wirklich ein Mörder.
Dieser Gedanke machte mich krank.
In dem Moment in dem Kaoru starb verschwand auch der letzte Rest an Unschuld denn ich mir bis dahin noch bewahrt hatte.
Kaoru...
Wie lebendig meine Erinnerungen an sie doch zu sein schienen...
Kaoru, wie sie mich anlächelte.
Kaoru, wie sie mir aus meiner Zugangskapsel half.
Kaoru, wie sie mir etwas zu essen brachte.
Kaoru, wie sie meiner Musik lauschte, mit einem Ausdruck von Ruhe und Gelassenheit auf ihrem Gesicht.
Kaoru, wie sie Beifall klatschte.
Kaoru und ich, wie wir über uns redeten.
Kaoru, wie sie mich hielt, mir ein Gefühl von Wärme und Geborgenheit vermittelte. Als ich mich an diese glückliche Momente erinnerte, wurde mir klar das ich sie wahnsinnig vermissen würde. Erst als sie fort war begriff ich wie stark sie mein Leben wirklich beeinflusst hatte.
Ich habe sie nicht geliebt. Aber mit ein wenig Zeit, hätte ich es vielleicht gekonnt.
Aber ich werde nie die Möglichkeit haben es herauszufinden.
"Shinji..."
Ich zuckte erschrocken zusammen als Misato plötzlich an meiner Seite stand. Ihr schien es aufrichtig leid für mich zu tun.
"Zuerst Rei und jetzt Kaoru... beide sind gestorben um mein Leben zu retten. Touji wäre auch beinahe gestorben. Misaot-san... Ich will nicht das noch irgendjemand wegen mir verletzt wird..."
"Ich weiß, Shinji-kun."
"Warum bin ich immer derjenige der am Leben bleibt? Warum müssen sich immer andere für mich opfern? Ich bin es nicht wert! Mein Leben ist all dieses Leid nicht wert. Ich sollte derjenige sein sollen der stirbt. Möglicherweise ist immer noch genug Zeit um all diesem Leid ein Ende zu setzen."
"Shinji!"
Ich keuchte auf als mich Misato ohrfeigte.
"Sag so etwas nie wieder Shinji! Wage nicht einmal daran zu denken! Wenn du jetzt stirbst, dann würden all die Opfer und all das Leid das deine Freunde durchgemacht haben bedeutungslos werden! Bereite ihnen keine Schande!"
Ihre Worte trafen mich härter als es ihre Hand je vermocht hätte. Ich hatte es noch nie aus diesem Blickwinkel gesehen.
"Misato..."
"Heute hast du die Grausamkeit des Krieges kennengelernt. Krieg ist weder gut noch böse. Es ist etwas das einfach passiert. Man muß kämpfen um zu überleben. Wie auch immer, ist auch ein Sieg oft kein Grund zum Feiern, weil er viel zu teuer erkauft wurde. Das einzige was man tun kann ist weiterzumachen. Das ist das einzig Gute was dabei herauskommen kann."
Diese Worte fühlten sich richtig an. Sie spendeten mir keinen Trost, aber sie gaben mir einen Grund um weiterzuleben...
"Auch wenn jetzt alle Engel besiegt sind, glaube ich nicht das dieser Krieg schon vorbei ist. Die Menschheit ist immer noch auf dich angewiesen, Shinji. Deshalb brauchen wir einen starken Shinji..."
Misato strich zärtlich über ihren Bauch.
"... und du mußt stark sein um deiner selbst willen, und für jene die du liebst."
Für jene dich ich liebte...
"Du glaubst das du keine Hoffnung mehr hast, aber du irrst dich. Noch ist nicht alles verloren... zumindest, hoffe ich noch nicht." Erneut strich sie leicht über ihren Bauch.
"Zimmer 303, Shinji. Die Krankenstation. Ich bin mir nicht sicher ob irgendetwas getan werden kann, aber... manchmal ist das beste was wir machen können es zu versuchen."
Die Krankenstation?
"A... Asuka? Ihr habt Asuka gefunden?!"
"Ja. Obwohl es etwas mit dem Verlust des Fifth Children zu tun haben scheint."
Der Grund war mir vollkommen egal. Alles was für mich zählte war das Asuka wieder zurück war.
Vielleicht war da wirklich noch etwas Hoffnung. Schließlich, brachte die Nacht immer einen neuen Tag hervor...




(Wird fortgesetzt...)




Nächstesmal:
Kapitel 12 - End of Evangelion

Leben. Tod.
Entscheidungen.
NERVs letzte Schlacht.
Kann das Schicksal geändert werden?
Können NERV und die Children entgegen aller Chancen gewinnen?
Oder wird die Welt wie wir sie kennen untergehen?



Omake (von Daniel Snyder):

Tief in meinem Herzen wußte ich das sie recht hatte. Es war unfair mich ihr nur zuzuwenden weil Rei nicht mehr zur Verfügung stand. Von einer zur nächsten wechseln... da war einfach falsch. Es war von Anfang an falsch...
"Es ist zu spät. Ich werde dich jetzt verlassen."
Asuka kramte in ihrer Tasche und holte etwas heraus...
"WAAAARK!"
"Penny-chan und ich werden dich nie wieder belästigen. Nie wieder."
Mein Gott! Nein!
"Nein! Nicht... nicht Pen-Pen!!!"




Anmerkungen des Autors:

(1) Entliehen aus Band Nr. 3 des Mangas, eine Mischung aus der Englischen und Französichen Fassung. Shinji hatte diese Worte gesagt, nachdem er Rei aus ihrer überhitzten Zugangskapsel gerettet hatte.

(2) Die Pluralform für "Dummkopf" (auf Englisch "simpleton") ist "Dummköpfe". Aber, Shinji würde das wahrscheinlich nicht wissen...

(3) Wenn man ein paar offizielle NGE Bilder (keine Fanarts) genauer betrachtet stellt man fest das Kaorus Plugsuit dem von Shinji gleicht, bis auf die Farben. Dasselbe gilt für Touji. Davon ausgehend, könnte man spekulieren das es auch einen Standard-Plugsuit für die weiblichen Piloten gibt. Jedoch... Rei und Asuka tragen unterschiedliche Pluigsuits. Asuka ist der Pilot des ersten Massenproduktionsmodells, was also nahelegt das ihr Plugsuit auch das Standardmodell ist. Das wurde auch mehr oder weniger durch ein paar Fanarts von Hikari, Maya, Ritsuko und Misato in Plugsuits bestätigt; für alle war Asukas Plugsuit graphisches Vorbild.

Nun, das ist das überarbeitete und neuorientierte Kapitel 11. Ich bin damit eigentlich wesentlich glücklicher. Es hört sich jetzt mehr wie ein Kapitel von TOILI an.

Für diejenigen unter euch die sich nun fragen was das soll, nun es ist eigentlich ziemlich einfach. Wie ihr in den Outtakes entnehmen könnt, sind sich Shinji und Kaoru in der ursprünglichen Fassung ein wenig... näher gekommen (um es anders auszudrücken, sie hatten hemmungslosen Sex). Das hatte den unglücklichen Effekt das es Kaoru nicht nur abnormal spitz für einen Engel erscheinen ließ, sondern sie erschien dadurch auch zu manipulierbar, und dadurch vielleicht auch weniger Sympathien bekommen als der originale Kaoru. Um einen meiner Leser zu zitieren: "Kaoru ist eine Schlampe". Nun, das ist vielleicht etwas heftig ausgedrückt, aber es zeigt das Unbehagen das einige Leute und auch ich selbst hatten, obwohl, es könnte auch daran liegen das Shinji so leichtfertig die Mädchen die er liebte betrügen würde.

Die Lösung für dieses Problem? Kaoru neu entwerfen. Schließlich, hat sie ihren einzigen richtigen Auftritt in diesem Kapitel, was es ziemlich leicht gemacht hat. Dank einiger Diskussionen, habe ich letztenendes ein neues Modell in meinen Gedanken entwickelt: eine Mischung aus Rei und Belldandy, aus der Serie Oh! My Goddess! Das Resultat war eine sanftere, freundlichere, manchmal ratlose Kaoru (was mir die Möglichkeit gab die Stellen abzuschwächen in denen die ursprüngliche Kaoru nur Sex im Kopf hatte), aber auch sehr direkt und scharfsinnig. Ich weiß nicht ob ich gute Arbeit geleistet habe bei dieser Schilderung, aber ich fühle mich wesentlich glücklicher mit diesem Kapitel. Ich kann jetzt weiter fortfahren...

Eine letzte Bemerkung, ich glaube das es jetzt wohl klar ist das diejenigen die diese Geschichte als WAFF und Romanze eingestuft haben falsch liegen. Natürlich wußte ich da von anfang an. TOILI war dazu bestimmt mehr als nur das zu umfassen. Es hat WAFF, Romantik und Humor, aber auch Drama und Angst, nicht zu vergessen einige Lime Szenen.

Was Kapitel 12 betrifft... macht euch auf alles gefaßt.

Ach, ja... einige Leute werden wohl meinen das ein Küchenmesser ein wenig zu groß ist und nicht in die Hosentasche einer Schuluniform paßt. Man sollte sich im klaren darüber sein das es eine Traumsequenz war und das Träume nicht immer Sinn machen. Außerdem habe ich einen Grund das ich gerade ein Küchenmesser benutz habe.



Alain Gravel
Rakna@globetrotter.qc.ca
6. Dezember 1999

Copyright of the Charakter by GAINAX / Text by Alain Gravel & Sparky Clarkson
Translate by Markus Steiner