Higher Learning
Lektion Eins: Familienbande
Geschrieben von Strike Fiss, 1999
Homepage: http://www.geocities.com/Tokyo/9110
Übersetzt von Melissa Schneider
editiert von Christian Winkler und Markus Ehreke
Noch nicht einmal einen halben Meter groß, hatte Pen-Pen so seine Schwierigkeiten mit Türklinken. Sicher einer der Gründe, warum Pen-Pen einer der
wenigen Bewohner des Appartements war, der nicht einfach in Shinjis Zimmer stürmte. Wann immer er mit seinem Schnabel sanft an die Türe zu Shinjis Zimmer kratzte, dauerte e
meist nur einen kleinen Moment bis der Junge aufwachte und mit einem Lächeln auf dem Gesicht hinaustrat.
"Guten Morgen, Pen-Pen." flüsterte Shinji als er die Tür öffnete.
"Wuaaagh!" antwortete Pen-Pen dankbar.
Sie gingen beziehungsweise watschelten in die Küche und Shinji bereitete Pen-Pen schnell aus den Sardinen, die er über Nacht zum Auftauen auf dem Tisch hatte liegen lassen eine
Mahlzeit.
Dann verließ Shinji die Küche für einen Moment und kehrte mit der Morgenzeitung zurück. Schnell überflog er die wichtigsten Schlagzeilen, bevor er die Zeitung
schließlich an Pen-Pen weiterreichte. "Ich glaube der Kurs deines Aktienpaketes ist um einen Punkt geklettert." meinte Shinji. "Glückwunsch!"
Pen-Pen beobachtete gebannt wie Shinji seine Kochschürze umlegte und sich daran machte das Frühstück für drei Menschen zuzubereiten. Heute war ein besonderer Tag
für den jungen Ikari. Pen-Pen verstand zwar nicht, warum es immer Shinji war, der die anfallenden Arbeiten im Haus erledigte, aber eines war sicher; bei Shinji verlief alles viel
reibungsloser.
Das Geräusch des plätschernden Wassers aus der Dusche ließ vermuten, dass Asuka wach war und ihrer allmorgendlichen Routine nachging. Misato würde frühestens in
zehn Minuten aufwachen und ihre Anwesenheit mit der Forderung nach ihrem morgendlichen Bier kund tun. Shinji legte noch einen Zahn zu und als das Frühstück schließlich auf
dem Tisch stand, hatte er noch mehr als genug Zeit.
Die beiden genossen die ruhigen Minuten am Morgen. Shinji saß mit seinem Toast und seinen Kaffee am Tisch und schaute noch einige Notizen für den Unterricht durch, wohingegen
Pen-Pen sich am Unterhaltungsteil der Zeitung erfreute und den Rest Salz der Sardinen-Mahlzeit von seinem Schnabel leckte.
Es war der sechste Juni,- Shinji Ikaris sechzehnter Geburtstag, und seltsamerweise gleichzeitig der erste Schultag seit dem Angriff des letzten Engels vor nicht ganz drei Wochen. Shinji
schaute fröhlicher als gewöhnlich aus. Wahrscheinlich hatte das zwei Gründe: Zum Einen war für ihn die Schule eine willkommene Routine und zum anderen ist ein
Geburtstag immer etwas Schönes... auch wenn kein Mensch daran dachte.
Pen-Pen aber hatte sehr wohl daran gedacht. Er durfte nicht vergessen noch Cheerleader für die Geburtstagsparty am Abend anzuheuern. Na ja, oder zumindest die Geschenke
einzuwickeln.
Asuka Langley versuchte derweil auf sich aufmerksam zu machen.- Etwas, das für Shinji in der Regel mit einem gewissen Schmerzgefühl verbunden war. Dieses Mal hätte er
sogar beinahe seine eigene Zunge verschluckt als Asuka ihm einen Schlag auf den Hinterkopf versetzte.
"Morgen, Baka." sagte sie und gähnte mit weit aufgerissenem Mund "Ich hoffe du hast keine schmutzigen Träume von mir gehabt."
Pen-Pen war sich immer noch nicht sicher, ob Asukas Anwesenheit gut oder schlecht war. Immerhin war sie laut und nervig, schaute sich ständig Seifenopern im Fernsehen an und hackte
ununterbrochen auf seinem Freund Shinji herum.- Dem wohl einzigen Menschen, der es schaffte seine Sardinen so zuzubereiten, dass sie gaaaaaaannnnnnnzzzzz genau nach seinem Geschmack
waren. Andererseits machte Asuka unter der Dusche immer eine sehr gute Figur, wie Pen-
Pen bei nicht weniger als drei Gelegenheiten feststellen konnte, und das allein wog die negativen Seiten schon beinahe auf. Und außerdem würde Shinji all seinem Gejammer zum
Trotz ohnehin nicht wollen das sie geht. Asuka konnte bleiben ... fürs Erste.
"Guten Morgen Asuka." Shinji rieb seinen Hinterkopf während Asuka sich auf den Stuhl neben ihm fallen ließ und begann ihr Frühstück in sich hinein zu schaufeln. "Gut
geschlafen?"
Sie sah ihn finster an. "Nein!" antwortete sie mit vollem Mund. "Und es ist unhöflich mit jemandem zu reden, der isst!"
Shinji seufzte und wandte sich wieder seinen Hausaufgaben zu. "Tut mir leid, Asuka-chan."
Da ihr das Essen wichtiger war, verzichtete Asuka auf einen Kommentar zu Shinjis Entschuldigungs-Tiraden und hüllte sich für den Rest ihrer Mahlzeit in Schweigen.
Etwas jedoch fehlte an diesem Bild trauter Gemeinsamkeit.
"Uaaahhhhhhhh..." Misato gähnte als sie aus ihrem Zimmer trat. Ihre Augen waren noch halb geschlossen und ihre blasse Hautfarbe erweckte den Eindruck, dass sie gerade aus einer Art
Kälteschlaf aufgewacht war. Doch das störte Pen-
Pen nicht; Er mochte Misato. Die Frau hatte zwar so etliche Macken, mit denen sie sich ständig herumschlagen musste, aber dennoch war ihr das Wohl ihrer Mitbewohner immer wichtiger
als ihr eigenes..
Das galt natürlich nicht am Morgen, wenn sie einen Kater hatte. Nichts und niemand stellte sich zwischen Misato und ihr erstes Bier.
"YEEEEEEEEEAAAAAAAAAAAHHHHHHHH!" schrie sie laut nachdem der Verschluss geöffnet und das erste Drittel der Dose ihre Kehle hinunter gelaufen war. Pen-Pen schmunzelte. Jap. Sie war
immer noch die gute alte Misato.
Shinji und Asuka waren derartige Ausbrüche gewohnt und so schauten sie nicht einmal angewidert auf, als Miasto am Tisch Platz nahm. "Guten Morgen Misato-chan." sagte Shinji mit
warmer und sanfter Stimme.
"Und freust du dich schon auf heute Morgen ?" fragte Misato und lächelte, als sie einen Bissen von Shinjis Frühstück kostete; Es schmeckte gut, nur war es für ihren
Geschmack viel zu wenig gewürzt. "Ich habe gehört, dass die Sommerferien gestrichen wurden."
"WAS?" schrie Asuka "Nur wegen dem letzten Engel?? Scheiße! Nächstes mal werde ich höchstpersönlich dafür sorgen, das die Schule platt gemacht wird!"
Misato schaute die junge Dame an und runzelte die Stirn. "Hast wohl die Hausaufgaben nicht fertig bekommen, was?"
Asuka wurde rot und schüttelte energisch den Kopf. "Ich habe die Fragen nicht verstanden. Wenn wir in der Schule sind, muss ich erstmal Sensei Taisho fragen."
"Du hattest DREI WOCHEN ZEIT um uns zu fragen!" schrie Misato zurück. "Heißt das etwa, dass du noch nicht einmal den VERSUCH gemacht hast es zu verstehen?" Sie zeigte auf
Shinji. "Du hättest WENIGSTENS Shinji bitten können dir zu helfen!"
"Shinji ist ein Perversling." erklärte Asuka, so als ob Shinji garnicht im Raum wäre. "Wenn ich ihn gebeten hätte mir bei den Hausaufgaben zu helfen, dann hätte er
tierisch Nasenbluten bekommen und gedacht wir würden die ganze Nacht über rumknutschen!"
Shinji ignorierte Asukas Bemerkungen einfach und trank einen Schluck von seinem Tee.
Misato hatte eigentlich schon vor einer ganzen Weile das Handtuch geworfen und konzentrierte sich daher jetzt nur noch auf ihr Frühstück. "Schön, wie du meinst... aber
heute Abend will ich einen Brief von Sensei Taisho sehen.- Mit seiner Unterschrift." Sie grinste als sie sah wie ein Ausdruck von Unbehagen in Asukas Gesicht kroch und sie sich unter
ihren Blicken zu winden begann. "Und in dem Brief soll er mir mitteilen, wieviel Hausaufgaben du nachzuholen hast, damit ich weiß wieviel Fernsehen du verpassen wirst."
"AHHHHH! DU MACHST DOCH WITZE ODER?" fauchte Asuka zurück.
Shinji und Pen-Pen seufzten. Jap. Ein ganz normaler Morgen. Den sich zusammenbrauenden Streit ignorierend, standen sie auf und gingen hinüber an die Spüle, wo Shinji die zuvor
gewonnene Zeit darauf verwandte Lunchpakete zu machen. Pen-
Pen watschelte zu seinem Kühlschrank und öffnete die Tür. "Wuaaagh!" meinte er zu Shinji.
Shinji nickte. "Ja, bis später dann Pen-Pen."
Auf dem Weg zur Schule blieb Asuka immer ein oder zwei Schritte hinter Shinji zurück.- Damit er ihr nicht auf den Hintern starren konnte, behauptete sie immer, wenn er fragte.
Hauptsächlich aber tat sie es, um ihrerseits einen Blick auf Shinjis Hintern werfen zu können,- natürlich verschwieg sie ihm das wohlweislich. Na ja, vielleicht war ihr ja
auch einfach garnicht richtig bewusst, wo sie ständig hinstarrte.
"Ich fasse es einfach nicht!" grummelte Asuka. "Woher wusste Misato, dass ich meine Hausaufgaben nicht gemacht habe?? Hat sie etwa wieder in meinen Sachen herumgeschnüffelt?!"
Shinji las gerade im Gehen ein Buch,- eine Fähigkeit, die er dank ausgiebigem Training in den Korridoren und Gängen von NERV sehr gut beherrschte. "Mmm" Er summte die Antwort
auf Asukas Frage in einem Tonfall, der weder Zustimmung noch Widerspruch ausdrückte. Ein Talent, das ihm in letzter Zeit recht häufig gute Dienste erwiesen hatte.
Asuka runzelte die Stirn und blickte ihn finster an. "Und? Du sagst wohl garnichts dazu, Third Child? Vielleicht hast DU ja eine Ahnung woher sie es weiß? Ich wette du hast ihr
dabei geholfen meine Sachen zu durchstöbern in der Hoffnung dabei einen Blick auf meine Unterwäsche werfen zu können!"
"Falls es dir noch nicht aufgefallen ist, ich wasche deine ganze Wäsche." murmelte Shinji vor sich hin. "Und da seh' ich mehr von deiner Unterwäsche auf einem Haufen als DU.
Warum sollte ich dann in dein Zimmer gehen wollen?"
"HENTAI!" Sie versetzte ihm einen kräftigen Schlag auf den Hinterkopf. "Das reicht! Ich werde meine Wäsche in Zukunft selbst waschen!"
"Gut!" Shinji grinste zufrieden. "Wird ja auch langsam Zeit."
Asuka blinzelte und brauchte einen Moment bis sie begriff, dass Shinji sie reingelegt hatte. "AHHRG! Ach vergiss es." Sie schmollte. "Ich verstehe immer noch nicht woher Misato e
wusste."
"Jeder weiß, dass du deine Hausaufgaben nicht gemacht hast." erklärte Shinji trocken.
"Mmhh. Na ja, wir können ja nicht ALLE 'unbesiegbare Shinjis' sein, oder ?"
"Magst du denn die Schule überhaupt nicht?" Shinji schaute sie finster an. Endlich einmal ließ er ein klein wenig von seinen Gefühlen durchschimmern "Du bist doch vier
Jahre lang auf's College gegangen, oder? Das muss dir doch zumindest ein wenig Spaß gemacht haben."
"Das ist aber ein gigantischer Unterschied." erklärte Asuka. "College und Highschool kannst du nicht miteinander vergleichen." Sie seufzte. "Unser Unterricht ist sowas von
langweilig. Ich weiß mehr als der Sensei, und das kommt mir alles so sinnlos vor."
Shinji nickte zustimmend. "Ja... Ich denke du hast recht."
Asuka grinste als sie Shinjis Bemerkung hörte. "Natürlich habe ich recht!" meinte sie und klopfte ihm auf die Schulter. "Siehst du? Allein schon meine Anwesenheit macht dich um
Ecken klüger!"
In einem Anflug ultimativer Weisheit, beschloss Shinji sich jeglichen Kommentars zu enthalten.
Woanders.... einige Häuserblöcke entfernt...
Der Direktor der Schule, Yamamoto mit Namen, war ein schlanker Mann Ende 50. Dünnes graues Haar bedeckte seinen Kopf und sein ganzes Äußeres erweckte den Eindruck, da
der kleinste Windhauch ihn umpusten würde. Sein Blick hingegen war durchdringend und seine Augen stachen förmlich durch die Brille, die auf seiner Nase ruhte.
Und genau diese Augen musterten gerade ein Blatt Papier, das vor ihm auf seinem Schreibtisch lag. Er wandte seinen Blick dem Mann zu, der ihm geduldig wartend gegenüber saß.
"Eines würde ich gerne wissen, Herr Miyazaki..."
"Bitte." warf der junge Mann mit einem Lächeln ein. "Nennen Sie mich doch Kaoru."
"Nun gut. Wie es scheint ist dies Ihre erste Anstellung als Lehrer hier in Japan?" Der Direktor runzelte die Stirn. "Ich bin mir nicht sicher, dass Ihnen dieser Job gefallen wird. Sind
Sie sich bewusst, was diese Anstellung hier mit sich bringt?"
"Wenn Sie sich wegen der Engel Sorgen machen, so kann ich Sie beruhigen. Ich weiß alles darüber." Kaoru setzte einen ernsten Gesichtsausdruck auf. "Ehrlich gesagt, ist da
sogar einer der Gründe, warum ich um diese Anstellung gebeten habe."
Der Direktor sah ihn aus weit aufgerissenen Augen an. "Wirklich?"
"Ich weiß, das muss sich jetzt verrückt anhören." stellte er schmunzelnd fest, woraufhin der alte Mann lächelte. "Aber ich sehe es als eine Ehre an, diese
Schüler unterrichten zu dürfen. Immerhin könnten diese Schüler ja die einzige Hoffnung für den Fortbestand der menschlichen Rasse sein. "
Yamamoto nickte voller Hochachtung. "Auch wenn das bedeutet, dass Sie sich selbst in Gefahr bringen?"
Kaoru nickte ebenfalls. "Ja. Wenn ich ihnen etwas beibringen kann das ihnen hilft, dann denke ich, ist es das Risiko wert."
Ein letzter Blick auf die Referenzen besiegelte die Entscheidung. Yamamoto nickte zufrieden. "Wenn ich das richtig sehe, dann hat man Ihnen diese Anstellung hier ja schon beinahe fest
zugesagt? Die drei Magi-Computer halten Sie wohl für ausgesprochen qualifiziert."
Kaoru nickte. "Ja, es sieht ganz danach aus."
"Und wären Sie denn in der Lage heute schon den Unterricht zu übernehmen?" fragte Yamamoto hoffnungsvoll. "Sensei Taisho ist unglücklicherweise immer noch im Krankenhaus."
Er seufzte. "Er ist ein guter Mann. Etwas langatmig zwar, aber wir hatten gehofft, dass er noch bis zum Ende des Schulhalbjahres würde unterrichten können."
"Ehrlich gesagt kenne ich Sensei Taisho sogar." Ein trauriges Lächeln huschte über Kaorus Gesicht. "Ich hoffe, dass er bald in der Lage sein wird seinen Unterricht
wiederaufzunehmen. Ich würde gerne einmal wieder mit ihm reden."
Ein Moment der Stille setzte ein bevor Yamamoto schließlich die Unterlagen bei Seite legte. "Nun denn. Der Unterricht beginnt in zehn Minuten." sagte er und lächelte. "Ich
erwarte Sie dann in Ihrer Klasse vorzufinden."
Kaorus Augen leuchteten und er zwinkerte ein paar Mal, dann stand er auf und schüttelte Yamamoto kraftvoll die Hand. "Danke, Herr Direktor. Sie werden es nicht bereuen!"
Direktor Yamamoto lachte. "Ich glaube die Schüler werden Ihren Enthusiasmus zu schätzen wissen." Er räusperte sich "Ich werde die Formalitäten bis zur Mittagspause
erledigt haben und morgen dann bekommen sie ihren eigenen nagelneuen Schreibtisch und die Lehrpläne zur Durchsicht. So kurz nach den Ferien werden die Kinder erst einmal ein wenig
Zeit brauchen um sich wieder an die Schule zu gewöhnen, und das sollte auch Ihnen ein wenig Zeit geben alles auszuloten." Er hob mahnend seine Augenbrauen. "Aber ich erwarte, da
Sie bis zum Ende der Woche auf dem Laufenden sind."
Am Ende des Einstellungsgespräches angekommen, verneigten sie sich tief voreinander. Miyazaki Kaoru lächelte ein letztes Mal und nickte. Dann nahm er seine Aktentasche und den
Laptop unter den Arm und ging hinaus. Die Türe zum Büro des Direktors fiel leise ins Schloss.
"Da geht dieser verrückte Hurensohn." Yamamoto schmunzelte vor sich hin während er Kaorus Akte einsortierte. "Der wird sicher keine Probleme haben sich hier einzuleben."
Die Schüler waren mittlerweile bereits in ihrer Klasse und wie immer vor Beginn des Schultages liefen sie herum oder rotteten sich in den üblichen kleinen Grüppchen
zusammen. Toji und Kensuke versuchten Shinji gerade davon zu überzeugen, dass die Reparaturarbeiten an der Schule eine ideale Tarnung gewesen waren um noch mehr Mikrofone und
versteckte Mini-Kameras zu installieren.
"Hast du schon das mit dem Sensei gehört?" fragte Kensuke Shinji, der gerade versuchte mit Gähnen den Rest seiner Müdigkeit zu vertreiben.
"Nö." Ikari merkte auf. "Warum fragst du? Ich dachte er hätte sich nur sein Handgelenk gebrochen als die Schule getroffen wurde."
Kensuke grinste und rückte seine Brille zurecht. "Ohhh nein. Siehst du, das ist, was jeder DACHTE." Der Ausdruck auf seinem Gesicht wurde zusehends ernster. "Ich habe mich letzte
Woche mal in den Computer des hiesigen Krankenhauses gehackt und sein Name stand auf dem Behandlungsplan der Schwestern für den kommenden Monat."
"Ich fass es ja nicht!" staunte Toji. "Also ist der alte Tattergreis noch immer im Krankenhaus?"
"Jap. Da stand zwar nicht viel über seinen Zustand, aber wie es aussieht bekommt er immer noch haufenweise Schmerzmittel und wird von den Schwestern gewaschen. Scheinbar hat er sich
auch die Hüfte verletzt oder weiß Gott was für Zipperlein so alte Leute haben."
"Ich hoffe es ist nichts Ernstes." sagte Shinji.
"Nun ja, alles, was ich weiß ist, dass wir einen Ersatz für ihn bekommen werden." fuhr Kensuke fort. "Seltsamerweise haben die aber bisher noch keinen eingestellt."
"Vielleicht vergessen die uns ja völlig!" meinte Toji und grinste glücklich. "Und dann haben wir den ganzen nächsten Monat frei!"
Die Schulglocke ertönte und signalisierte den Beginn des Tages. Alle schauten sich um und waren überrascht, dass der Sensei noch nicht da war. Normalerweise war er überau
pünktlich.
Asuka hoffte insgeheim, dass der alte Mann auf dem Weg zur Schule unter ein Auto gekommen war, und somit ihre Hausaufgaben hinfällig wären. Leider jedoch öffnete sich
Momente später die Tür des Klassenzimmers und das Idioten-
Trio hastete zusammen mit dem Rest der Klasse zu den Plätzen. Asuka dagegen ließ sich natürlich alle Zeit der Welt, - ihr war nicht nach Beeilen zu Mute.
"Scheiße..." fluchte sie leise und seufzte.
Die Schüler wunderten sich über den jungen Mann der an den Lehrertisch trat und seine Aktentasche darauf ablegte. Er griff in sein langes, grünes Tweed-Jackett und holte
eine Brille mit Drahtgestell hervor. Sein schwarzes Haar war ein wenig unordentlich, aber es passte zu seinem Gesicht, dessen hervorstechendstes Merkmal eine ausgeprägte
glattrasierte Kinnpartie war, begleitet von einem merkwürdigen sanftmütigen Lächeln. Seine Blicke wanderten über die Schüler in der Klasse.
Hikari stand auf und zwinkerte nervös. "Konnichiwa..." sagte sie. "Ich bin die Klassensprecherin. Kann ich Ihnen vielleicht helfen?"
Der junge Mann erschrak ein wenig. "Ohhh! Tut mir leid! Bitte verzeihen Sie mir meine schlechten Manieren!" Er lächelte. "Dann sind Sie sicher Fräulein Horaki, oder?" Seine
Stimme klang vertraut, und ungemein beruhigend.
Der weibliche Teil der Schüler schmolz dahin wie Schnee an einem Sommertag.
"H...Hai.." antwortete Hikari knallrot.
"Nun gut." Der junge Mann nickte. "Ich denke wir können für heute einmal auf das Prozedere verzichten, so lange bis wir uns kennengelernt haben." Er ging hinüber zur Tafel
und nahm die Kreide in die Hand. "Mein Name ist Miyazaki Kaoru, und ich bin Ihr neuer Lehrer."
Die allgemeine Anspannung wich merklich, nun, da klar war, das der junge Mann mehr als einfach nur ein Verrückter war, der versehentlich den Weg in ihre Klasse gefunden hatte, und
langsam aber sicher machte sich ein Lächeln auf den Gesichtern der Schülerinnen breit. Immerhin war dieser Mann nicht gerade unansehnlich. Auch Toji bemerkte die Anziehungskraft
die von dem neuen Lehrer ausging, und verschränkte missmutig die Arme vor der Brust "Was ist das denn für ein Witzbold?"
"Ein Witzbold mit einem sehr guten Gehör, Herr Suzuhara." antwortete Kaoru schlagfertig und lächelte während er fortfuhr seinen Namen an die Tafel zu schreiben. Die Klasse
brach in schallendes Gelächter aus, was Toji nur noch mehr in Rage brachte.
Auch Shinji konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen. "Er scheint ein ganz netter Kerl zu sein."
"Ach halt den Rand!" konterte Toji und blickte grimmig drein.
Kaoru wandte sich derweil wieder der Klasse zu, die begierig darauf wartete mehr über ihren neuen Sensei zu erfahren. "Sensei Taisho hat leider das Krankenhaus noch nicht verlassen
können, und so werde ich Sie wahrscheinlich für den Rest des Schulhalbjahres unterrichten."
Seufzer der Erleichterung gingen durch die Klasse,- hauptsächlich, weil die Möglichkeit bestand, dass der neue Sensei vielleicht nicht stundenlang vom 'Second Impact'
erzählen würde.
"Entschuldigung." Kensuke hob mit einem Mal seine Hand.
"Ja, Herr..." Kaoru schaute auf den Sitzplan. "Aida?"
"Woher wissen wir, dass Sie nicht Teil eines Plans der Regierung sind uns alle zu versklaven?" fragte Kensuke mit stolzgeschwellter Brust. "Wenn Sie wirklich ein Lehrer sind, so wie Sie
behaupten, dann wird es Ihnen doch sicher nichts ausmachen uns ein paar Ihrer Referenzen zu nennen."
"Hirnloser Trottel." schallte Asukas Kommentar von der anderen Seite der Klasse herüber.
Kaoru lächelte. "Es tut mir sehr leid, junger Mann. Aber wenn ich dir jetzt verraten würde, warum ich hier bin, dann müsste ich dich im nächsten Augenblick auch schon
umbringen."
Natürlich brach die Klasse abermals in Gelächter aus. Kensuke hingegen ließ sich zurück in seinen Stuhl sinken. "Ahhh jetzt verstehe ich.... er sucht Schutz in der
Öffentlichkeit. Brillante Strategie." murmelte er vor sich hin.
"Mir ist zu Ohren gekommen, dass Sie alle einen sehr schönen, langen Urlaub genossen haben." sagte Kaoru und hatte mit einem Mal einen ernsten und strengen Ausdruck aufgesetzt.
Die Schüler seufzten und klappten ihre Laptops auf, um die Lawine von Hausaufgaben zu notieren, die ohne Zweifel gleich auf sie herniederrauschen würde.
"Nun ja, leider müssen sie noch einen Tag länger OHNE Hausaufgaben auskommen." Der neue Lehrer grinste als er die erstaunten Gesichter seiner Schüler sah. "Ich habe noch
keinen Lehrplan und somit wird heute mehr so eine Art 'Kennenlern-Tag'."
Die anwesenden jungen Damen begannen zu kichern.
"Nun denn." Er seufzte während er seine Aktentasche öffnete und einige Notizen überflog. "Ich kenne ja die meisten Ihrer Namen bereits. Gehe ich dann recht in der Annahme,
dass Fräulein Ayanami fehlt?"
Shinji räusperte sich.
"Ja, Herr Ikari?"
Shinji stand zögerlich auf. "Ähh, naja, äh sie ist manchmal... nicht..."
Genervt von Shinjis Gestotter und der Erwähnung des 'First Child' begannen Asukas Augenbrauen bedrohlich zu Zucken....
"Keine Sorge, Shinji." sagte Kaoru und nickte. "Ich weiß über ihre Verbindung mit dem Evangelion-Projekt Bescheid. Was übrigens auch für Sie und Fräulein
Langley gilt. Ihre Fehlstunden werden nicht in die Benotung einfließen."
Shinji zwinkerte verwundert, dann aber machte sich ein Lächeln auf seinem Gesicht breit und er setzte sich wieder auf seinen Stuhl. "Hai..."
"Gutgut." Kaoru legte die Anwesenheitsliste bei Seite. "Und um die Befürchtungen von Herrn Aida ein für alle mal zu zerschlagen; Ich bin in der Tat kompetent genug um Sie zu
unterrichten." Er stand von seinem Stuhl auf und setzte sich auf die Kante des Lehrertisches. "Mein Hauptfach ist zwar Geschichte, aber dem Ausdruck Ihrer Gesichter nach zu urteilen,
haben Sie wohl schon mehr als genug über den 'Second Impact' gehört."
"HAI!" tönte es einstimmig, mehr schon ein Schrei denn eine Antwort.
"Gut. Dann können wir uns ja mit interessanteren Dingen beschäftigen." Kaoru schob das Drahtgestell auf seiner Nase zurecht. "Da ich auch Philosophie unterrichte, sollten Sie
sich darauf einstellen, dass ich des öfteren auch Ihren gesunden Menschenverstand auf die Probe stellen werde. Wie auch immer,- es wird bei mir nicht allzuviel Hausaufgaben geben,
aber im Unterricht erbitte ich mir Ihre ungeteilte Aufmerksamkeit. Ich verspreche Ihnen, dass sie genügend Zeit haben werden, um mit Ihren Freunden zu plaudern, aber ich erwarte von
jedem, dass er weiß, was wir besprochen haben."
Einhelliges Nicken machte die Runde und die Herren der Schöpfung vergaben dem neuen Lehrer den Frevel, die Augen ihrer Freundinnen gestohlen zu haben... Unter der Voraussetzung,
dass es bei einem Minimum an Hausaufgaben blieb.
"Ich werde Ihnen am Anfang oder am Ende jeder Woche einen kleinen Test aushändigen, um zu sehen wie Sie mit dem Unterrichtsstoff zurecht kommen." Er setzte ein verschlagenes Grinsen
auf, bevor er fortfuhr "Und jeder von Ihnen wird sein Bestes geben. Wenn nicht, dann werden Sie erkennen, dass meine Strafen genauso seltsam sind, wie meine Frisur." Er schmunzelte
zufrieden, als er bemerkte, dass sein Kommentar ein neue Welle der Heiterkeit unter den Schülern auslöste. "Aber alles in allem, sollten wir gut miteinander auskommen." Er stand
auf. "Irgendwelche Fragen ?"
Eine junge Frau namens Keiko meldete sich. Viele der jungen Herren in der Klasse hielten sie für die allerschönste Frau, die sie jemals gesehen hatten.
"Ja?"
Sie schenkte ihm ein Lächeln. "Sind Sie noch zu haben, Herr Miyazaki?" fragte sie und setzte sich. Sie wurde knallrot und begann zu kichern,- ebenso wie drei ihrer Freundinnen.
Er rollte mit den Augen. "Ja, ich bin noch zu haben.- Was für Sie wiederum bedeutet, dass ich somit um so mehr Zeit habe mir adäquate Konsequenzen auszudenken, für den
Fall, dass Sie sich nicht benehmen sollten." Ein hinterhältiges Grinsen ging über sein Gesicht. "Nächste Frage."
"Was ist, wenn ein Engel am Ende der Woche angreift und wir darum keinen Test schreiben können?" fragte Toji.
Kaoru nickte. "Gute Frage. In solch einem Fall werde ich den Engel am Schlafittchen packen und ihn Nachsitzen lassen, wobei er dann auch gleich Ihre Tests für Sie schreiben
wird."
Allgemeines Lachen und Nicken ging durch den Raum.
"Wenn ein Engel angreift, sorgen Sie sich um alles andere, nur nicht um die Schule." erklärte er mit ernstem Gesichtsausdruck. "Aber wie auch immer, ich werde 'ein Engel hat meine
Hausaufgaben gefressen' keinesfalls als Entschuldigung durchgehen lassen."
Asuka grinste übers ganze Gesicht. "Ich denke der Unterricht wird mir gefallen."
Der Sensei ließ seine Fingergelenke knacken. "Und jetzt, lassen Sie uns mit der Show beginnen. Ich möchte, dass sich jeder von Ihnen kurz vorstellt und ich denke wir beginnen
rechts hinten, die Reihe durch, dann die Reihe davor und so weiter. Es braucht nichts Dramatisches zu sein, obwohl, wenn Sie der Meinung sind, uns ihr Leben in Form einer Oper darlegen zu
müssen, dann bin ich ganz Ohr." Ein Lächeln ging über sein Gesicht.
Die Schulglocke ertönte ein letztes Mal und beendete den Schultag. Die vergangenen fünf Stunden kamen den Schülern eher wie fünf Minuten vor, so schnell war die Zeit
verflogen, und viele von ihnen waren beinahe traurig, dass sie nach Hause gehen mussten.
"Fräulein Langley? Herr Ikari?" meldete sich Kaoru noch einmal zu Wort, kurz bevor die ersten Schüler den Klassenraum verließen. "Könnte ich Sie wohl kurz sprechen
?"
Die beiden Teenager traten vor den Tisch ihres neuen Lehrers, der noch damit beschäftigt war seine Unterlagen wegzuräumen. Asuka schmunzelte. "So, wollten Sie also die
weltberühmten Evangelion-Piloten persönlich kennenlernen, was?"
"Ja, in der Tat." Ein sanftes warmherziges Lächeln umspielte seine Lippen als er Asuka über den Rand seiner Brille hinweg anschaute. Mit einem Mal jedoch war diese
Lächeln verschwunden.. und hatte etwas anderem Platz gemacht. Für einen kurzen Moment ertappte er sich dabei in Asukas tiefblaue Augen zu starren.
Shinji war wohl der einzige Mensch auf der Welt, der sich darauf einen Reim hätte machen können, doch da ihm in diesem Moment noch der Durchblick fehlte räusperte er sich
nur. Asuka wiederum stand teilnahmslos und mit verschränkten Armen da und wartete.
"Ähh ja..." Kaoru schüttelte kaum merklich seinen Kopf. "Wie auch immer, ich möchte dass Sie beide wissen, dass ich alles in meiner Macht stehende tun werde, damit Sie den
verpassten Unterrichtsstoff aufholen können."
Asuka seufzte "Ist das alles?" Mit einer Handbewegung fegte sie einige Strähnen ihres roten Haares von ihrer Schulter. "Ich hatte gedacht Sie wollten ein Autogramm von mir!"
"Ich bin auch einer der Piloten." erwiderte Shinji zaghaft.
"Klar, aber wer würde schon ein Autogramm von DIR haben wollen?" schoss Asuka zurück.
Kaoru lächelte und zog ein Blatt Papier samt Kugelschreiber heraus. "Herr Ikari? Wären Sie so gut? Ich bin ein großer Fan von Ihnen! Ich liebe EVA Einheit -01! Wie Sie
den dritten Engel in er Luft zerrissen haben, das war einfach gigantisch!"
Asuka beobachtete die Szene und war einfach nur sprachlos, während Shinji rot wurde und schließlich mit einem breiten Grinsen auf dem Gesicht begann seinen Namen auf da
Papier zu schreiben. "Mich hat noch nie jemand um mein Autogramm gebeten..."
"Ja, das ist eine Schande. " antwortete Kaoru. "Sie sind ein recht berühmter junger Mann. Es muss wohl an den NERV-
Sicherheitsleuten liegen, dass Sie kaum einen Ihrer Fans zu Gesicht bekommen."
Asuka grummelte leise vor sich hin während Shinji noch die letzten Striche seines Namenszuges zu Papier brachte und schließlich den Kugelschreiber an Herrn Miyazaki
zurückgab.
"Von jetzt an," setzte Kaoru seine Ausführungen fort "Wenn Sie beide..." Er räusperte sich. "Sie drei... Entschuldigung... irgendetwas brauchen, dann stehe ich Ihnen zur
Verfügung. Soweit ich Ihre Akten eingesehen habe und bei allem, was ich über die Engel weiß, denke ich, werden Sie dankbar für eine Umgebung sein, die sich mehr al
bisher an Ihre Bedürfnisse anpasst. Betrachten sie mich ruhig als Ihren Privat-Lehrer."
"Ich habe einen College-Abschluss." Asuka gähnte gelangweilt. "Wofür sollte ich dann einen Privat-Lehrer brauchen ?"
"Wenn ich mich nicht täusche, Fräulein Langley, dann haben Sie Probleme was das Lesen von Textaufgaben betrifft." stellte er ohne Umschweife fest.
Asuka wurde kreidebleich. Die Überraschung stand ihr ins Gesicht geschrieben. "Wie... Woher wissen Sie das denn??"
"Ich weiß alles, Fräulein Langley." antwortete Kaoru mit einem Lächeln. "Ihre Schulakte ist recht detailliert."
Sie wurde rot wie eine Tomate und schnappte nach Luft. "Wirklich? Was steht denn da über mich drin?"
Shinji fand von Minute zu Minute mehr Gefallen an der Unterhaltung...
"Ohh, nicht viel." Kaoru hüstelte. "Aber es reicht um sich ernsthaft Sorgen um Ihre Schulbildung zu machen. Ich werde noch die nächsten ein oder zwei Tage mit dem Umzug
beschäftigt sein... aber wenn ich damit fertig bin, werde ich Ihnen beiden eine Telefonnummer geben, unter der Sie mich jederzeit erreichen können falls Sie Hilfe bei ihren
Hausarbeiten benötigen."
Die beiden Kinder nickten zustimmend.
"Und jetzt raus hier!" sagte er und seufzte zufrieden. "Genießen Sie den Nachmittag."
Die beiden verbeugten sich und machten sich auf den Weg. Doch kaum dass sie die Türe erreicht hatten...
"Oh, eines noch, Kinder..."
"Ja?" antworteten die Beiden und drehten sich nochmals um.
Miyazaki Kaoru lächelte und beugte seinen Kopf. "Es war mir ein Vergnügen euch beide kennengelernt zu haben." sagte er warmherzig. "Wir sehen uns dann morgen."
Shinji und Asuka lächelten, dann drehten sie sich um und verließen das Klassenzimmer.
Ein langer Seufzer hallte durch den verlassenen Klassenraum. Müde ließ sich Kaoru in seinen Stuhl sinken und tat einen tiefen Atemzug. "Ja, wirklich ein Vergnügen." sagte
er während er mit zittriger Hand Shinjis Autogramm in seine Tasche steckte. Er nahm seine Aktentasche unter den Arm und dann verließ auch er das Klassenzimmer.
Als sie an diesem Tag nach Hause gingen war Shinji kaum in der Lage auch nur einen klaren Gedanken zu fassen. Sensei Kaoru. Was für ein bemerkenswerter Mann! Es hörte sich an,
als könnte der Unterricht durch ihn endlich einmal interessant werden! Philosophie? Das hörte sich doch gut an. Was sie bei ihm wohl in Geschichte durchnehmen würden und
wie interessant die Diskussionen erst einmal wären....
Asukas Gedanken drehten sich dagegen allein um den Eindruck, den der neue Lehrer von ihr bekommen hatte. "Er hat meine Akte gesehen!? Hilf Himmel. Aber halt! So schlimm kann es doch
nicht sein..." fand sie. "Trotzdem..." sie schaute Shinji an, der einige Schritte vor ihr ging. "Warum ist er nur so verdammt glücklich?" Sie zuckte mit den Schultern. Vielleicht
weil der neue Lehrer ihnen weniger Hausaufgaben versprochen hatte. Etwas wie das würde sogar Baka-Shinji ein Lächeln aufs Gesicht zaubern.
Als sie nach Hause kamen waren sie bester Laune. In der Küche begrüßte sie der Anblick von Misato und Pen-Pen, die gerade eines ihrer Ex-und-Hopp Wett-Trinken
veranstalteten.
"Ha..allo ihr zwei!" brachte Misato begleitet von einem Schluckauf heraus. "Asuka? Hast du mir den Brief von deinem Lehrer mitgebracht??"
"Ging nicht" antwortete Asuka mit einem Lächeln. "Wir haben einen neuen Lehrer."
Misato hob ungläubig eine Augenbraue. "Wirklich?"
Shinji nickte glücklich. "Ja wirklich. Und er ist ein richtig netter Kerl. Er hat mich sogar um ein Autogramm gebeten!"
Misao grinste als sie sah wie sich dunkle Gewitterwolken über Asukas Kopf zusammenbrauten.
"Oh, das freut mich aber für dich, Shinji."
"Ahhh, ein Fan und schon plustert der Kerl sich auf. Pass auf, dein Ego ist bald so groß wie der Hintern von EVA-01." meckerte Asuka.
"Mein Hintern ist genau so groß wie dein Hintern." schoss Shinji zurück.
"Was redest du denn da! Dein Hintern ist riesig!!"
Misato, derweil schon leicht angetrunken, konnte sich vor Lachen nicht mehr halten und die beiden Kinder wurden vor Verlegenheit knallrot. Pen-Pen dagegen schwankte hin und her bei dem
Versuch den Alkohol unten zu behalten.
"Wie auch immer." meinte Asuka. "Nur damit du Bescheid weißt und nicht wieder auf die Idee kommst ich würde mich drücken; Der neue Sensei hat gesagt, dass es in Zukunft
nicht mehr allzuviele Hausaufgaben geben wird."
"Von mir aus." Misato ignorierte Asukas spitzzüngigen Kommentar. "Übrigens, ich habe Abendessen gemacht. Pen-Pen hat auch geholfen. Er hat dir auch eben etwas in dein Zimmer
gelegt, Shinji.- Vielleicht solltest du einmal nachsehen gehen."
"Hai." Er nickte. "Werd' ich tun."
Asuka hingegen verlor augenblicklich ihren Appetit, als sie hörte das Misato gekocht hatte.
"Ich bin in meinem Zimmer."
Die beiden Kinder gingen die Diele entlang und Shinji blieb an der Tür zu seinem Zimmer stehen. Als er sah, dass Asuka ebenfalls vor ihrer Zimmertür stehenblieb und sichtlich
zögerte hinein zu gehen, da merkte er auf.
"Ist was Asuka?"
Sie sah ihn an und seufzte. "Weißt du, nur weil heute dein Geburtstag ist, heißt das noch lange nicht, dass ich dich nicht für einen Baka halte." meinte sie. "Also
glaub' nur nicht, dass ich dich heute verschonen werde." Sie blickte ihn finster an "Und dein Geburtstag gibt dir auch nicht das Recht mich mit deinen Augen auszuziehen."
Shinji lächelte. "Danke, Asuka-chan."
Einen Moment lang starrte sie ihn wortlos an. "Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, Baka-kun." sagte sie und er sah noch wie ein Lächeln über ihr Gesicht huschte bevor
sie schließlich in ihrem Zimmer verschwand.
Der junge Ikari stand einen Moment lang wie angewurzelt da und ließ den Anblick ihres lächelnden Gesichtes vor seinem geistigen Auge Revue passieren. Er hatte derartige
Vorkommnisse schätzen gelernt, besonders weil sie so rar waren. Asuka lachte zwar des Öfteren, aber es war immer ein besonderer Moment wenn sie ihn so anlächelte. Es war
ein ganz besonderes Lächeln. Sein Lächeln. Ein Lächeln, das sie nur ihm schenkte.
Als er seine Zimmertür öffnete fiel ihm sofort die Schachtel auf seinem Bett auf. Sie war mit Geschenkpapier umwickelt und auf der anhängenden Karte war ein undeutliche
Gekritzel, das wohl irgendwie ein Wort bilden sollte... aber welches Wort,- da war er überfragt.. "Das ist von Pen-Pen." Er schmunzelte als er die Box öffnete.
Es war eine Flasche Sake darin... dem Etikett nach zu urteilen sogar eine verdammt teure Marke... und ein eingewickelter Fisch.
Ein warmherziges und dankbares Lächeln machte sich auf seinem Gesicht breit als er sich neben Pen-Pens Geschenk auf sein Bett fallen ließ.
"Das war ein schöner Geburtstag." flüsterte er und starrte an die Decke.
In dieser Nacht, am anderen Stadtrand von Tokio-3, lag ein junger Mann auf seinem Bett und starrte ebenfalls die Decke an. In seinem bescheidenen, aber nicht unkomfortablen Schlafzimmer
standen die Umzugskartons mit seinen Habseligkeiten wahllos herum.
Ein leises Stöhnen hallte durch das Zimmer als der Körper des jungen Mannes mit einem Mal erzitterte. Noch immer in seinen Phantasien gefangen, wischte er die schleimig-
glibberige Masse, die an seinen Händen klebte, unbewusst an seinem Bettlaken ab.
Seine Atmung normalisierte sich langsam wieder und unbeweglich starrte er an die unvertraute Decke während er in den Erinnerungen an den vergangenen Tag schwelgte. Der Tag, an dem
er die beiden wiedergesehen hatte. Der Tag, an dem er SIE wiedergesehen hatte
Miyazaki Kaoru seufzte, als er sich in seinem Bett herumrollte,- weg von der peinlichen Schweinerei, die er angerichtet hatte. Seine Stimme klang dünn, aber dennoch merklich
verärgert. Er war wütend auf sich selbst.
"Ich bin ein hoffnungsloser Fall.
Copyright of the Charakter by GAINAX / Text by Strike Fiss, 1999
Translated by Melissa Schneider / Edited by Christian Winkler and Markus Ehreke