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Higher Learning

Lektion Drei: Genießt das Wochenende!

Geschrieben von Strike Fiss, 1999
Homepage: http://www.geocities.com/Tokyo/9110
Übersetzt von Melissa Schneider
editiert von Christian Winkler und Markus Ehreke

Es war eine angenehme und unbeschwerte Woche gewesen, nicht zuletzt weil auch kein Engel angegriffen hatte. Ohne es zu bemerken, hatten die Schüler genau so viel Unterrichtsstoff behandelt, wie üblich... Fakt aber war... dass sie Spaß daran hatten.- Keine Spur mehr von dem gequälten Gesichtsausdruck, den man sonst nur von Leuten kennt, die auf einem Zahnarztstuhl sitzen und einer Wurzelbehandlung entgegen sehen. Mehr noch gab es Tage an denen die gesamte Klasse ganze fünf Stunden lang gebannt nach vorn auf die Tafel schaute und hundertprozentig bei der Sache war.

Jetzt aber, wo die Schüler nur noch eine halbe Unterrichtsstunde von ihrem Wochenende trennte, machte sich dann doch langsam aber sicher ein wenig Unruhe breit. Was würde jetzt kommen? Vielleicht war der neue Lehrer auch nicht viel anders als der alte Sensei und würde sie mit Hausaufgaben zudecken, bis es ihnen zu den Ohren herauskam.

Kaoru schaute zur Wanduhr und schmunzelte. "Wie ich sehe haben wir nur noch ein paar Minuten bis der Tag vorbei ist."

Verhaltene Freude machte sich unter den Schülern breit.

"Oh, nicht so schnell." grinste er und holte einen Stapel Papier aus seinem Schreibtisch. "SO einfach kommen Sie mir nicht davon."

Allgemeine Unmutsbekundungen machten die Runde,- und das sogar unter den Mädchen, die immer noch rätselten ob die Augen des Sensei nun hellblau, graublau oder dunkelblau waren.
Er runzelte die Stirn. "Oh? Soll das also bedeuten, dass Sie lieber noch schnell vor Toreschluss eine Zusammenfassung des Unterrichtsstoffes schreiben würden? Ich dachte Sie würden sich freuen, dass ich in meine eigene Tasche gegriffen habe und diese Zusammenfassung FÜR SIE kopiert habe..?"

Ein gutes dutzend Augen zwinkerte verwundert und für Augenblicke machte sich ungläubiges Staunen die Runde, das aber schon bald wieder allgemeinem Jubel Platz machte.

"So ist das schon besser. Würden Sie das bitte nach hinten durchgeben?" Er schmunzelte während er gleich große Teile der Kopien an die ersten Schüler in jeder Sitzreihe austeilte. "Am Montag erwarte ich dann ihre Zusammenfassungen."
Der Jubel schlug wieder in verhaltenen Groll um.

"Regen Sie sich mal wieder ab." Kaoru kicherte. "Was ich möchte ist nichts anderes, als ein mündlicher Bericht. Und zwar möchte ich, dass Sie sich Notizen machen, zu dem, was Sie in Ihrer Freizeit tun. Und seien Sie bitte ehrlich. Ich werde Sie ganz bestimmt nicht bei den Behörden anschwärzen, nur weil Sie ohne die Zustimmung Ihrer Eltern wilde Parties feiern oder N2-Minen stehlen." Er schaute hinüber zu Kensuke. "Nicht wahr, Herr Aida?"

Kensuke grinste. "Sie haben keine Beweise."

"So ist es." Kaoru wandte sich wieder der Klasse zu. "Ich möchte, dass Sie alle ehrlich sind... oder... sich zumindest eine verdammt gute und plausible Lügengeschichte überlegen."

"Ich liebe diesen Unterricht!" Kensuke richtete seinen Blick gen Himmel "Danke, Oh Herr!"

"Es gibt aber..." fügte der Sensei hinzu "einen Haken." Er hob mahnend seinen Finger. "Ich möchte, dass jeder von Ihnen an diesem Wochenende etwas mit einem Ihrer Klassenkameraden zusammen unternimmt. Irgendwas. Hängen Sie von mir aus zusammen 'rum. Machen Sie einen Campingausflug. Oder gehen Sie in eine Spielhalle. Tun Sie alles das, was Sie normalerweise auch tun würden, aber stellen Sie sicher, das einer Ihrer Klassenkameraden dabei ist."

Die verwirrten Blicke auf den Gesichtern der Schüler ließen ihn in seiner Erklärung fortfahren.

"Am Montag erzählen Sie mir dann wundervolle und aufregende Geschichten von einem Wochenende zusammen mit dem jungen Herren oder der jungen Dame Ihrer Wahl, und wir werden sehen wie Ihre Geschichten zueinander passen."

Shinji hob seine Hand. "Also wollen Sie wissen ob zwei Personen Ereignisse und Erlebnisse in gleicher Weise wahrnehmen?"

"Sehr richtig, Herr Ikari! Es freut mich, dass wenigstens Sie aufgepasst haben." stellte er fest und nickte. "Oder um es mit Reis Worten zu sagen, wir wollen sehen, ob 'Das Bild Ihrer Freunde in Ihren Gedanken' identisch ist mit 'Ihrem Bild in den Gedanken Ihrer Freunde'" Er lächelte. "Na ja oder so ähnlich.."
Langsam begriffen die Schüler was der Sensei im Schilde führte und einhelliges Nicken setzte ein. Asuka meldete sich zu Wort. "Also ist unsere Hausaufgabe im Prinzip, mit jemand anders 'rumzuhängen?"

Miyazaki nickte zustimmend.

"Ha, das ist einfach!" sagte Asuka und war stolz auf ihren Geistesblitz. "Dann sehe ich zu wie Shinji kocht, wäscht und die Wohnung putzt und schon habe ich meine Hausaufgabe fertig."

Ein Kichern ging durch die Klasse und Shinji seufzte still in sich hinein.

Kaoru antwortete mit einem Grinsen. "Wenn Sie die Ereignisse Ihres Wochenendes gerne schriftlich niederlegen wollen, dann können Sie gerne so vorgehen. Falls nicht, dann sollten Sie doch das ein oder andere Wort mit der Person wechseln, mit der Sie Ihr Wochenende verbringen." Kaoru wandte sich Shinji zu. "Und das gilt auch für Sie."

Ikari zuckte zusammen und nickte nervös.

"Das war's!" sagte er und klatschte in die Hände gerade als die Schulglocke läutete. "Und jetzt erwarte ich von Ihnen, dass Sie da raus gehen, und ihr Wochenende in vollen Zügen genießen. Und denken Sie dran!" Er hob noch einmal mahnend seinen Zeigefinger. "Je mehr Spaß Sie haben, um so länger werden Sie brauchen uns davon zu erzählen, und um so weniger Zeit wird uns für den RICHTIGEN Unterricht bleiben."

Keiko hob ihre Hand. "Herr Lehrer?"

"Ja?"

"Werden wir denn auch etwas über IHR Wochenende hören?" Sie schenkte ihm ein süsses Lächeln und die Mädchen in der Klasse spitzen erwartungsvoll die Ohren.

Kaoru zwinkerte verblüfft. Er hatte eine solche Frage überhaupt nicht erwartet. "Nun ja, für den Fall, dass ich irgendjemandem von Ihnen an diesem Wochenende über den Weg laufen sollte, dann bin ich ja wohl oder übel gezwungen am Montag darüber zu berichten." Er schmunzelte. "Und natürlich werde ich mir für meinen Bericht selbstverständlich eine 1+ geben." Sein Blick wanderte wieder zur Wanduhr. "Und jetzt raus hier! Ihr geht mir auf den Wecker !"

Ein Raunen ging durch die Klasse, als den Schülern auffiel, dass sie gerade FREIWILLIG nach Schulschluss geblieben waren. Und das an einem Freitag! Ein jeder nahm die Beine in die Hand und folgte dem Ruf der Freiheit. Allein Rei blieb zurück.

Kaoru seufzte betrübt als er Rei erblickte. "Rei? Geht es Ihnen gut?"

Mühsam brachte sie ein Nicken zustande. "Hai." sagte sie, doch die Art wie ihre Hände nervös an ihrer Schultasche spielten, zeigte, dass sie log.

"Kommen Sie mit den anderen nicht klar?" fragte er und setzte sich auf den freien Sitzplatz neben ihr.
Sie schüttelte den Kopf. "Nein... aber ich ... versuche... auch gar nicht mit anderen klar zu kommen." Sie seufzte. "Ich werde mein Wochenende daher wohl kaum mit anderen verbringen."

Er nickte bedächtig, denn er spürte genau, dass mehr dahinter steckte, als sie zugeben wollte. "Das ist schon in Ordnung, Rei. Wenn Sie nicht wollen, oder mit den anderen au der Klasse nicht klar kommen, dann werde ich Sie zu nichts zwingen."

Rei nickte traurig. "Es tut mir leid. Ich hätte gerne an der Diskussion teilgenommen." Ihr Augen erhellten sich mit einem Mal. "Aber vielleicht wird ja ein Sync-Test angesetzt,- zusammen mit den Piloten Sohryu und Ikari! Oder vielleicht greift sogar ein Engel an!" sie strahlte förmlich.

Kaoru lachte und schüttelte den Kopf. "Hoffen wir mal auf einen Sync-Test. Der Angriff eines Engels wäre nicht so gut für die Hausaufgabe."

Sie nickte. "Hai. Ich denke Sie haben recht."

"Wissen Sie was?" meinte er. "Wenn Sie an diesem Wochenende nichts vorhaben, dann kommen Sie doch zum Abendessen zu mir. Sie könnten mir mehr von ihren Ansichten über das Leben als solches erzählen."

Rei öffnete ihren Mund, doch sie war so erstaunt, dass ihr für Augenblicke ihr die Worte fehlten. "Sie... sie würden gerne mehr hören?"

Er nickte. "Sicherlich. Und nicht nur das, vielleicht fallen uns ja einige interessante Fragen ein, die wir dann am Montag in der Klasse stellen können." Er schmunzelte. "Na, wie klingt das?"

"Na ja..." Rei hielt inne. "So lange sie nicht anderweitig beschäftigt sind..."

"Wie sieht es mit morgen aus?" schlug Kaoru vor und holte ein Karte aus der Innentasche seines Jacketts. "Ich habe nur leider kein Auto..."

Als Rei von der Visitenkarte aufblickte leuchteten ihre Augen "Das ist nicht allzu weit von meinem Appartement entfernt." sagte sie. "Ich werde zu Fuß gehen."

"Ist Neunzehn Uhr Ihnen recht?" fragte er und verbeugte sich.

"Ich werde da sein." Rei erwiderte die Verbeugung. "Dankeschön, Sensei Miyazaki." Ein Lächeln kroch in ihr Gesicht als sie aufstand und zur Tür ging.
"Rei?" rief er ihr nach.

"Hai?"

"Falls Sie sich aber entscheiden sollten, das Wochenende mit Anderen zu verbringen, dann würde ich es Ihnen nicht übel nehmen, wenn Sie deshalb unser Abendessen sausen lassen würden."
Er schmunzelte. "Genießen Sie Ihr Wochenende, Fräulein Ayanami."

Sie verbeugte sich tief und verließ dann die Klasse.





Als Shinji und Asuka nach Hause kamen, war Misato gerade dabei letzte Hand an ihr Make-Up zu legen. Sie trug Ohrringe und hatte sich richtiggehend herausgeputzt. Asuka, die den ganzen Nach-Hause-Weg über wie ein Honigkuchenpferd gestrahlt hatte, verging das Lachen, als sie den Duft von Lavendel-Parfüm roch, der in der Luft lag. "Konnichiwa." grummelte sie vor sich hin und zog ihre Schuhe aus.

Shinji dagegen nahm keine Notiz von Asukas Reaktion und lächelte nur als er seine Straßenschuhe neben die seiner Mitbewohner stellte.
"Misato-chan? Gehst du heute abend aus?"
Asuka kochte mittlerweile vor Wut und warf Shinji einen finsteren Blick zu.

"Oh, hallo Kinder!" Erst jetzt bemerkte Misato ihre Mitbewohner und hörte auf herumzuwuseln. "Was denkt ihr?" Sie wirbelte herum und zeigte ihr modisches, dunkel-
violettes Abendkleid. Von der Länge her eher konservativ und mittel-lang bot der hohe Beinausschnitt an der Seite hingegen weitgehende Einblicke und sorgte für das 'richtige' Verhältnis zwischen Haut und Stoff.

Shinji nickte und gab sich alle Mühe keine Stielaugen zu machen. Abendkleider so wie dieses hatten nun einmal eine gewisse Wirkung auf alle Männer... Egal ob ihr Rückgrat Wackelpudding war oder nicht.
"Es ist sehr schön."

"Ja, sicher." Asuka seufzte und stürmte dann in die Küche. "Hast du uns etwas zu Essen gekocht? Gott, ich hoffe nicht!"

"Keine Angst!" Misato lachte in sich hinein. "Ich treffe mich mit Kaji in diesem neuen Restaurant. Ich habe gehört, dass die die BESTEN Steaks und eine riesige Salatbar haben sollen. Und das Allerbeste ist, dass zur Eröffnung heute Abend alle Drinks gratis sind!" Sie grinste übers ganze Gesicht "Wenn ich heute abend da 'rausgehe sind die Pleite!"

Die beiden Kinder schauten einander an und schüttelten beschämt den Kopf; - und sowas war ihr Vormund!
"Wie auch immer, ich lasse den Wagen stehen. Und wartet nicht auf mich!" Im Hinausgehen blickte Misato auf die Uhr. "Oops, schon fast Sechs... vielleicht sollt' ich mir ein Taxi nehmen." Sie winkte zum Abschied. "Und vergesst nicht Pen-Pen zu füttern."

Die Tür des Appartements schloss sich hinter ihr und die beiden Teenager blieben allein zurück.
Asuka ging hinüber zum Küchentisch und ließ sich auf einen Stuhl fallen. "Shinji?"

Der Angesprochene stand mittlerweile an der Anrichte und suchte in den Schränken und im Kühlschrank nach Essbarem. "Hai?"

"Bin ich attraktiv?"

Shinji blinzelte verwundert und drehte sich zu Asuka um. Bestimmt wollte sie ihn wieder einmal nur aufziehen. Doch Asuka saß einfach nur unbewegt da, hatte den Kopf auf den Tisch gelegt und sah ungemein verletzlich aus. Shinji nickte verhalten. "Natürlich bist du attraktiv, Asuka-chan." meinte er nach einen kleinen Augenblick des Zögerns.
"Jeder weiß, das du eines der schönsten Mädchen in ganz Tokio-3 bist." Ja, die Antwort war gut. 'Dadurch, dass du 'Jeder' in deinem Satz verwendet hast, kann sie dich wohl kaum einen Hentai nennen. Sehr gut Shinji.' dachte er bei sich und schüttete ein Paket Instant-Gemüse-Nudel-Mix in einen Topf auf dem Ofen.
Asukas Augen ruhten immer noch auf ihrem Mitbewohner. "Und was denkst du?"

Er zwinkerte von Neuem als alle möglichen Warnlampen in seinem Kopf mit einem Mal angingen.

Leicht verärgert runzelte sie ihre Stirn. "Shinji? Wie denkst du darüber?" Sie schloss ihre Augen. "Ich werde auch ganz bestimmt nicht böse mit dir sein."

"Ich..." Er hielt inne. "Ich finde, dass du sehr attraktiv bist." sagte er schließlich, und obwohl leise, hatte der Klang in seiner Stimme keinen Zweifel daran gelassen, dass er aus tiefster Überzeugung gesprochen hatte.

Hätte er nun auch noch den Mut aufgebracht Asuka in diesem Moment anzusehen, dann hätte er das Glitzern in ihren Augen bemerkt. Einen überraschten aber zugleich zutiefst zufriedenen Ausdruck. Leider jedoch verschwand dieser Ausdruck im Gesicht des Rotschopfes genau so schnell wie er gekommen war, und machte einem niedergeschlagenen Nicken Platz. "Mag sein, aber du bist Shinji."

Er runzelte die Stirn, und machte sich wieder an die Zubereitung des Abendessens. "Ja genau. Ich bin ja auch nur Shinji." Er drehte den Wasserhahn bis zu Anschlag auf und ließ Wasser in den Topf laufen,- lauter als nötig. "Nur der kleine Baka-Shinji."

Asuka hörte ihn trotzdem und sofort fühlte sie sich mies... aber sie hätte es natürlich nie zugegeben. "Hmhm." Sie seufzte. "Du bist nicht Kaji."

"Das bin ich ganz bestimmt nicht." grummelte er, und mit einem Mal fand er den Mut über seinen eigenen Schatten zu springen und den Gedanken auszusprechen, der ihm gerade in den Sinn gekommen war. "Jedenfalls würde ich nicht Nacht für Nacht mit Misato zusammen sein wollen. Sowas wäre nichts für mich."

Asuka öffnete ihren Mund, aber sie brachte kein Wort heraus. Langsam aber sicher stiegen ihr die Tränen in die Augen. Sie war einfach nur sprachlos. Dieser Kommentar hatte sie tief getroffen. Besonders, da er von Shinji kam.
Shinji drehte sich um, und sah ihr direkt ins Gesicht. Sie zitterte. "Oh..." er musste erstmal schlucken. "A.... Asuka... ich hatte das garnicht so gemeint..." In Erwartung einer Ohrfeige trat er schon einmal ein paar Schritte zurück...

Doch der Schlag kam nicht. Statt dessen machte Asuka ihren Mund wieder zu, legte ihren Kopf wieder auf den Tisch, und begann zu wimmern. Ziemlich laut sogar.

Noch nie in seinem Leben hatte Shinji einen derartigen Drang verspürt, sich selbst zu ohrfeigen. "Asuka! Wein' doch nicht... Bitte..." Er kniete sich neben sie, während ein Schluchzer nach dem anderen ihren Körper schüttelte. "Ich... ich wusste doch nicht, dass er dir so viel bedeutet..." Es war eine Lüge, aber es war zugleich das Einzige, da ihm in diesem Moment einfiel.

Ein Lachen begann sich unter das Schluchzen des weinenden Rotschopfes zu mischen. "Nein... nein.. ist schon okay..." sie schniefte "Du...du hast ja recht. Du..." sie blickte ihn au verweinten Augen an "Wenigstens habe ich immer noch dich."
Shinji lächelte warmherzig. "Auch wenn ich nur Baka-Shinji bin?"

Sie nickte und schniefte von Neuem. Shinji ging zurück zur Anrichte und brachte ein paar Papiertücher. "Entschuldigung..." seufzte sie und putzte ihre Nase..

"Wofür?" Shinji zuckte mit den Schultern.

"Dafür, dass ich geweint habe." Sie zitterte ein wenig. "Ich.. Ich weine normalerweise nicht."

"Mir macht das nichts aus." antwortete Shinji und legte sanft seine Hand auf ihre Schulter. "Ich werde es nicht weitererzählen."

"Und was ist mit unseren Bericht am Montag in der Schule?"

"Ach da erfinde ich einfach 'was." meinte Shinji und nickte ihr beruhigend zu.

"Ähh Shinji?"

"Mmhmm.."

"MACH DAS DU WIEDER AN DIE ARBEIT KOMMST!" brüllte Asuka mit einem Mal, und allein schon der Klang ihrer Stimme ließ Shinji aufspringen. "Das Wasser kocht!"

Er seufzte und widmete sich schließlich wieder der Zubereitung des Abendessens. Das glückliche und zufriedene Lächeln, das Asuka ihm schenkte, entging ihm...




Ritsuko seufzte zufrieden als sie spürte, wie das Nikotin langsam in ihren Blutkreislauf gelangte und die gestressten Nerven beruhigte. Es war, als ob man eine warme weiche Heilsalbe auf wundgescheuerte Stellen auftrug.- Auf Wunden, die nur schlimmer würden wenn man daran herumdokterte und sich übermäßig Sorgen machte.
Maya sah sie mit einem besorgten Blick an.- Ein Blick, den sie nur zu gut kannte,- aber heute war es ihr egal. "Wir sind im Aufenthaltsraum, Maya. Ich darf hier Rauchen."

Die junge Assistentin nickte. "Hai, Sempai."

"Du siehst ein wenig mitgenommen aus." Ritsuko legte die Stirn in Falten während sie einen tiefen Zug von ihrer Zigarette nahm. "Vielleicht solltest du auch einmal eine Zigarette rauchen?"

Maya wurde rot. "Ne.. Nein danke, Sempai. Es ist nur, die Magi-Comp..."

"Hatte ich dir nicht gesagt..." zischte Ritsuko und blickte sich hektisch um. "... dass du in der Öffentlichkeit NICHT darüber reden sollst."

"Hai..." Maya nickte verständig.

Eine geraume Zeit lang sprach keine von Beiden ein Wort.
"Ha... Haben Sie schon eine Ahnung..." Maya hielt inne.

Ritsuko seufzte und nickte, was Maya als Erlaubnis auffasste weiter zu reden.

"... wer es hätte tun können?" fuhr Maya schließlich fort.

Ritsuko grinste verschlagen. "Na, du zum Beispiel hättest das Wissen und die Gelegenheit gehabt, es zu tun."

"Sempai!" Maya wurde so rot, dass sie sich glatt in einer Schüssel Tomatensoße hätte verstecken können.

"Vielleicht hat SEELE jemanden geschickt." Ritsuko seufzte und dämpfte ihre Stimme. "Wer auch immer es getan hat, er war gut. Ich weiß noch nicht einmal, was genau man verändert hat. Es sind einfach viel zu viele Entscheidungen und Vorgänge, die die Magi-Computer Tag für Tag bearbeiteten, um sie alle von Hand, einen nach dem anderen, nachzuprüfen."
Maya nickte und sank auf ihrem Stuhl zusammen.

"Aber das spielt keine Rolle." seufzte Ritsuko als sie einen letzten Zug von ihrer Zigarette nahm. "Es ist nichts passiert. Es sind keine neuen Engel aufgetaucht. Ikari wird es nie bemerken, geschweige denn sich dafür interessieren, dass jemand das Magi-System manipuliert hat."

Mayas Blick verfinsterte sich, als Ritsuko den Namen des Kommandanten erwähnte. "Ich hoffe nicht, Sempai."

Die beiden saßen im Aufenthaltsraum für Angestellte und beobachteten, wie die Sonne hinter den bewaldeten Hügeln verschwand. Sie verloren kein einziges Wort mehr über das Magi-System.
Morgen würde es keinen Hinweis mehr geben, dass überhaupt etwas passiert war.




Das Restaurant war proppenvoll,- kein Wunder, immerhin war es ja auch Freitagabend. Misato begann sich Sorgen zu machen; Kaji war immer noch nicht aufgetaucht. Gut, sie hatten reserviert, aber ewig würde das Personal ihren Tisch nicht freihalten können. "Ähh... Ober?" sie ging hinüber zum Empfangschef und tippte ihm auf die Schulter um sich seiner ungeteilten Aufmerksamkeit sicher zu sein.
"Ja, gnädige Frau?" er lächelte höflich.

"Hat vielleicht jemand eine Nachricht für mich hinterlassen?" Sie hoffte nicht...

"Ihr Name?" fragte der Mann während er auf eine Liste sah.

"Katsuragi Misato." antwortete sie und blickte umher. Sie fühlte sich ein wenig unbehaglich in Mitten der grimmig dreinschauenden Gäste, die immer noch auf einen freien Tisch warteten. Kam es ihr nur so vor, oder waren manche dieser Leute tatsächlich bereit einen Mord zu begehen, nur um in den Besitz ihrer Reservierung zu kommen?

Der Ober flüsterte einem seiner Kollegen etwas ins Ohr und wandte sich dann wieder Misato zu. Er nickte "Ja, in der Tat, es gibt eine Nachricht für Sie." Er lächelte immer noch mit dem selben, höflichen Lächeln. "Von einem Herrn Kaji?"

Sie nickte. "Ja, das ist er."

"Er sagte, dass er durch eine wichtige geschäftliche Angelegenheit verhindert sei und es täte ihm leid ihre Verabredung absagen zu müssen." sagte der Mann. "Es tut mir sehr leid."

Sie seufzte und ließ ihren Kopf sinken. "Kann ich trotzdem einen Tisch bekommen?"

Der Ober sah auf die Liste der Reservierungen. "Nun gut, wenn sie einen anderen Gast finden, der ebenfalls allein gekommen ist, dann will ich ein Auge zudrücken."

Sie drehte sich zu den wartenden Gästen um. "Ist irgend jemand ohne eine Verabredung hier?"

Die meisten der Pärchen grummelten leise vor sich hin. Dann aber zuckte ein einzelner Mann mit den Schultern und nickte. "Ja hier." Er ging an der wartenden Schlange der Gäste vorbei nach vorn, und wäre beinahe vor Schreck ein paar Schritte nach hinten getaumelt, als er sah, wem die Frauenstimme gehörte...

Misato hingegen bemerke die Reaktion des Fremden nicht und schenkte ihm ein warmherziges Lächeln "Kommen Sie! Sie können mir einen Gratis-Drink spendieren."

Kaoru Miyazaki nickte und versuchte seine Nervosität so gut es ging mit einem Lächeln zu überspielen. "Sicher. Gern." Er machte eine höfliche und elegante Geste in Richtung des Lokals. "Sollen wir dann?"

"Guter Junge.." grinste Misato und zwinkerte ihrer neu gewonnenen Verabredung zu, während ein Ober sie zu ihrem Tisch geleitete. Sie musste zugeben, dass dieser Kerl wirklich süß war. Nicht so süß wie Kaji, aber irgend etwas an diesem Mann kam ihr so... vertraut vor. Vielleicht lag es an seiner Brille. Na ja, - wenn man wie sie jahrelang mit Gendo zu tun hat, dann muss das ja irgendwie abfärben.
Nachdem sie Platz genommen hatten, gab der Ober ihnen die Speisekarten und begann die Spezialitäten des Tages aufzuzählen. "Machen wir es kurz." unterbrach Misato. "Ich hätte gerne einen schönen, großen Margarita, ein Steak mit allem drum und dran, halb durch, und dann bitte, wo geht es hier zur Salatbar?"

Beide, sowohl der Ober als auch Kaoru lachten. "Eine Frau, die weiß, was Sie will." schmunzelte der Ober.

Misato grinste. "Oh, und bringen Sie ihm doch auch einen Margarita. Mir ist nach feiern zu mute." Und die Art wie sie 'feiern' betont hatte, hätte jeden, der sie besser kannte, Böses ahnen lassen.

Kaoru hob seine Hand. "Äh.. lieb gemeint, aber danke, nein. Ich bin kein großer Trinker."

Misato schnappte nach Luft. "WAS!?" sie wandte sich dem Ober zu. "Bringen Sie diesem Mann einen Margarita bevor es zu spät ist!" Sie hüstelte in ihre Hand. "Ich meine, Mein Gott! Ich muss doch wohl nicht allein trinken, oder? Außerdem sind NORMALE Getränke heute Abend nicht gratis!"

Der Ober nickte und lächelte. "Die Dame hat vollkommen recht, mein Herr."

"Na ja, ich denke dann macht es ja irgendwie Sinn... und ich muss ja auch nicht mehr fahren.." Kaoru rutschte nervös auf seinem Stuhl hin und her, dann aber lächelte er. "Na gut, aber nur wenn ich zwei Schirmchen bekomme."
Der Ober verbeugte sich. "Sehr wohl, der Herr. Möchten Sie noch einen Augenblick Bedenkzeit, um sich für ein Gericht zu entscheiden?"

"Das Chicken-Curry hört sich sehr gut an." sagte er, nachdem er die ersten beiden Seiten der Speisekarte überflogen hatte. "Aber bitte kein Dressing auf dem Salat."

"Eine sehr gute Wahl." Der Ober nahm die Speisekarten an sich. "Wenn Sie sonst noch einen Wunsch haben, dann fragen Sie einfach." Mit einem Lächeln auf den Lippen verließ er den Tisch.

"Wow." Kaoru grinste breit. "Ich hatte schon beinahe vergessen, wie schön es ist, einmal jemanden andern für sich kochen zu lassen."

"Wirklich?" Misato schenkte ihm ein Lächeln. "Sie kochen selbst? Wow, und da dachte ich immer alle netten Männer würden sich einzig und allein für uns Frauen interessieren."

Kaoru errötete leicht, aber überspielte es gekonnt mit einem Grinsen. "Oh, Sie wären überrascht." Er reichte ihr die Hand. "Miyazaki Kaoru. Es ist mir eine Freude sie kennenzulernen, Fräulein Katsuragi."

Nach einem Moment der Verwunderung schüttelte sie ihm die Hand. "Woher kennen Sie meinen Namen?"

"Sie haben ihn dem Empfangschef genannt." antwortete er.

"Wow. Jemand der mal zur Abwechslung aufmerksam ist." Sie lächelte bedrückt. "Im Gegensatz zu meiner Verabredung, die mich mal wieder sitzen gelassen hat."
"Ich bin mir sicher, dass etwas Wichtiges dazwischen gekommen ist." meinte Kaoru. "Tut mir leid für Sie."

"Ach nee.." erwiderte sie. "Das ist schon okay. Immerhin haben wir uns dadurch kennen kennengelernt, oder?" Misato schenkte ihm ein bezauberndes Lächeln.

Er lächelte. "Wenn das so ist, dann hoffe ich, dass er heute Abend Überstunden machen muss.

Copyright of the Charakter by GAINAX / Text by Strike Fiss, 1999
Translated by Melissa Schneider / Edited by Christian Winkler and Markus Ehreke