Higher Learning
Lektion Vier : Geschüttelt, nicht gerührt.
Geschrieben von Strike Fiss, 1999
Homepage: http://www.geocities.com/Tokyo/9110
Übersetzt von Melissa Schneider
editiert von Christian Winkler und Markus Ehreke
Den Bauch gefüllt mit einer warmen Mahlzeit, machten es sich Shinji und Pen-Pen vor dem Fernseher gemütlich.
"Pen-Pen. Schalt' doch mal um." Shinji sah sehr entspannt aus und lümmelte sich derart auf der Couch herum, dass man fast schon denken konnte er wäre ein Teil von ihr.
Pen-Pen, der ähnlich tief in den Sitzkissen versunken war, blickte seinen Mitbewohner an. "Wuaaagh" seufzte er ebenso entspannt wie auch träge.
"Oh ja." Erst jetzt fiel Shinji ein, dass er selbst ja die Fernbedienung in der Hand hielt.
Auf der Suche nach einem interessanteren Fernsehprogramm begann Shinji durch die Känale zu schalten, doch letzten Endes kehrte er doch wieder auf den Naturkunde-Kanal zurück,
auf dem immer noch der Dokumentarfilm über die sich explosionsartig vermehrenden Zikaden im Großraum von Tokio-
3 lief. Wie es schien hatten sich durch die vielen N2-Minen jede Menge Seen und Sumpfregionen gebildet, die den Zikaden ausreichend Lebensraum und Nahrung boten.
"Ähh Shinjiii?" Ein Stimme schallte aus der Küche, und obwohl nicht so barsch wie gewohnt, erkannten die beiden männlichen Bewohner des Appartements sofort, dass diese
Stimme nur Asuka gehören konnte. Shinji spürte, wie sich die Härchen in seinem Nacken instinktiv aufstellten, und dass obwohl die Art, wie sie seinen Namen gerufen hatte
dieses Mal irgendwie nett und ansprechend geklungen hatte.
"Hai?" antwortete er ohne seinen Blick auch nur für einen Moment vom TV-Schirm zu nehmen.
Asuka blickte um die Ecke und nur ihr Kopf war zu sehen. "Was verträgt sich denn mit Sake?" fragte sie.
Shinji überlegte einen Moment. "Na ja, es ist Reiswein, also denke ich sollte es sich am Besten mit Reisgerichten vertragen. Da gibt es dieses eine Rezept..."
"Nein, Baka!" lachte Asuka. "Ich meinte, womit man es mischen kann? Es riecht ein wenig stark für meinen Geschmack."
"Normalerweise mischt man Sake aber ni.." Shinji zwinkerte verwundert, als ihm siedendheiß einfiel, dass Misato im Moment keinen Sake im Haus hatte. Pen-Pen hatte die selbe
Eingebung und ahnte Schlimmes. "HEY! Wo hast du den Sake her?" Shinji sprang auf und ging hinüber zur Küche.
Asuka wich zurück und versuchte verzweifelt die Flasche Sake, die sie in Shinjis Zimmer gefunden hatte, hinter ihrem Rücken zu verstecken. "Uhh.. was denn? Ich hab' doch
garnichts!"
Verärgert runzelte er die Stirn und blickte sie finster an. "Pen-Pen hat mir letzte Woche zum Geburtstag eine Flasche Sake geschenkt. Hast du sie genommen?"
Asuka schaute betreten und schuldig zu Boden. "Ohh... Ich wusste nicht, dass es ein Geschenk war." Sie gab ihm die Flasche zurück. Dem Siegel nach zu urteilen, war sie schon einmal
geöffnet worden. "Es...es tut mir leid..."
Shinji seufzte. "Verdammt. Und ich wollte ihn doch aufbewahren...- für die Feier, wenn wir die ganzen Engel besiegt haben..."
Asuka ließ den Kopf noch ein wenig tiefer sinken. "Das wusste ich nicht." Sie schmunzelte. "Und ich dachte du hättest die Flasche in deinem Zimmer, damit du dich betrinken
kannst ohne dass Misato etwas davon bemerkt."
Shinji erwiderte ihr Lächeln. "Na ja, ist ja nicht schlimm." Er hielt inne, als ihn eine weitere Erkenntnis traf. "Moment mal, was zum Teufel hast du in meinem Zimmer
gemacht?????"
Sie wurde rot wie eine Tomate. "Ach komm schon..." Sie versuchte es mit der 'Angriff ist die beste Verteidigung'- Strategie. "Du willst doch nicht etwa behaupten, dass du noch nie in
meinem Zimmer warst?"
Er schüttele den Kopf. "NIEMALS! Noch nicht einmal um deine dreckige Wäsche zu holen!"
"Oh. Entschuldige." sie versuchte es in ihrer typisch arroganten Weise als Lappalie abzutun.
Pen-Pen kam zu ihr herüber und sah sie böse an. "WUAAAAGH!" Er schlug ihr, einer Ohrfeige gleich, mit einer seiner Schwimmflossen vor das Bein. "Wuaaagh..." Dann watschelte er
von Dannen, sichtlich verärgert.
"Ich schätze mal er ist sauer auf mich, weil ich deinen Wein angebrochen habe." Asuka brachte ein scheues Lächeln zustande. "Was ist? Möchtest du Einen mittrinken?"
Shinji sah sie verwundert an. "Asuka! Wir sind doch noch.."
Wütend schüttelte sie ihren Kopf. "Nun mach mal 'nen PUNKT! Ich weiß SELBST, dass wir zu jung sind. Aber es interessiert mich nicht. Ich will endlich selbst herausfinden
warum alle immer so ein Gewese ums Trinken machen." grummelte sie. "Ich will endlich herausfinden, was es ist, das Kaji-san so verdammt attraktiv daran findet." Sie schaute Shinji an und
lächelte nervös. Sie wollte sich nicht alleine voll-laufen lassen,- immerhin war es das erste Mal und wer weiß was da nicht alles passieren konnte. Shinji aber war alle
andere als ein großer Perversling, und bei ihm konnte sie sich sicher sein, dass er ihren Zustand niemals ausnutzen würde. So gesehen war er wohl der beste Zechkumpan, den sie
sich vorstellen konnte. "Oder hast du etwa Angst..."
Shinji hob eine Augenbraue. Damals, als sie sich geküsst hatten, da hatte sie genau das Gleiche gesagt. "Solange ich meine Nase dabei nicht zuhalten muss, bin ich dabei." sagte er
und ging hinüber zur Anrichte um zwei Gläser zu holen. "Außerdem ist Sake eh nicht ALLZU stark. Wir werden wahrscheinlich kaum etwas davon merken."
Berühmte letzte Worte, dachte Shinji mit einem Mal, doch einmal mehr ignorierte er die Warnlampen in seinem Kopf.
Mit Misato mitzuhalten war schwierig.- Zumindest wenn es um Drinks ging. Nicht nur kippte sie das Zeugs schneller herunter als ein Verdurstender das erste Glas Wasser, nein, sie vertrug
auch den Alkohol besser. Kaoru hatte gerade erst seinen dritten Margarita intus und schon jetzt fühlte er sich leicht beschwipst. Misato dagegen hatte die 'leichten' Sachen bereit
hinter sich gelassen und war mittlerweile beim Whisky angelangt.
"Sagen Sie, womit verdienen Sie eigentlich ihr Geld?" fragte Misato und leerte ihr Whiskyglas in einem Zug.
"Ich bin Lehrer." Kaoru schmunzelte während er mit dem Schirmchen von seinem Drink spielte. "Philosophie und Geschichte."
"Geschichte?" Misato runzelte die Stirn. "Das Fach habe ich noch nie gemocht. Viel zu langweilig."
"Kommt drauf an." meinte Kaoru und beäugte das Glas Rum-
Cola, das Misato ihm schon vor einer ganzen Weile bestellt hatte. "Sehen Sie, wenn Sie nur darüber lesen, dann kann es sehr langweilig sein. Nicht mehr als Fakten, Personen, Daten
und Zahlen."
Ein Lächeln lag auf ihrem Gesicht während sie ihm zuhörte. Er hatte eine wunderschöne Stimme, - so beruhigend und vertraut. "Wirklich?"
Er nickte. "Aber wie auch immer, wenn sie es einmal von der Seite der Personen sehen, dann kann es sehr interessant sein." Er schmunzelte und machte eine kurze Pause um seinen letzten
Margarita auszutrinken. "Zum Beispiel, wie eine Person sein oder ihr Leben gelebt hat, und nicht einfach nur Geburts- und Sterbedatum."
Misato nickte und ließ ihren Zeigefinger sanft den Rand ihres Whiskyglases entlang gleiten. "Hmhm, und wo sie arbeiteten. Wen sie liebten. Und was sie bewirkt haben."
"Genau." sagte Kaoru. "Und genau genommen, wen sie liebten, und was aus dieser Liebe entstanden ist." Ein warmherziges Lächeln kroch in sein Gesicht. "Liebe war die Triebfeder
für manch großartigen Moment der Geschichte."
"Hmm. Kann ich mir denken." flüsterte Misato. "Aber... warum finden Sie das so faszinierend?" Sie legte ihren Kopf zur Seite. "Ich meine, was ist so toll daran im Liebesleben Toter
herumzuschnüffeln?" Ein Grinsen machte sich auf ihrem Gesicht breit. "Außer, man ist ein Voyeur."
Er hielt inne und dachte über eine Antwort nach. Misato erkannte schnell, dass ihn ihre Frage tief getroffen haben musste. "Ich denke, dass ich auf diese Weise von den Fehlern der
anderen lernen kann, wenn es um Liebe geht." Er zuckte mit den Schultern. "Vielleicht hilft es auch zu verhindern, dass sich die Geschichte auf schlimme Art und Weise wiederholt."
Misato brachte ein Lächeln zu Wege. "So habe ich noch nie darüber gedacht." Sie sah von ihrem Glas auf. "Ohohhh... Ich glaube die Schlange am Empfang wird immer länger."
Sie seufzte. "Vielleicht sollten wir uns verabschieden."
Er nickte und schaute in seinen Drink.
Sie runzelte die Stirn. "Nein!" meinte sie schließlich mit einem Lachen.
Er schaute auf. "Wie bitte?"
"Lassen Sie uns doch an die Bar gehen." Sie zeigte auf den Tresen am Ende des Saales. Die meisten der Hocker waren noch frei. "Das wäre doch eine sehr ehrenwerte Tat.
Überlassen wir unseren Tisch an die Nächsten, die essen wollen."
Kaoru grinste als er sein Glas in die Hand nahm und aufstand. "Eine wundervolle Idee, Fräulein Katsuragi."
"Ach bitte, nennen sie mich nicht Fräulein Katsuragi." sagte sie und nahm lächelnd seinen Arm. "Da wo ich arbeite höre ich das andauernd."
"Kein Problem, Misato-chan." berichtigte sich Kaoru auf dem Weg zur Bar und Misato schenkte ihm ein hinreißendes Lächeln.
Shinji und Asuka starrten gebannt in ihre Gläser. Jeder von beiden hatte erst einen kleinen Schluck genommen. "Ich spüre noch überhaupt nichts." seufzte Asuka.
"Ich auch nicht." ergänzte Shinji. "Warte mal..." Er setzte sein Glas an die Lippen, legte den Kopf in den Nacken und leerte den ganzen Inhalt in einem Zug.
Asuka blickte ihn mit weit aufgerissenen Augen an. "Wow..."
Shinji schluckte schwer. Es fühlte sich an, als ob sein Hals in Flammen stände. "AAAAAAAAAHHHHRGG!" Er hustete. "Das war... war..." Er schüttelte seinen Kopf. "..garnicht
mal so übel..." Lächelnd zuckte er mit den Schultern. "Na ja, vielleicht ist das Zeugs wirklich viel schwächer als das, was Misato so trinkt."
Asuka leerte ihr Glas auf die gleiche Weise und zuckte zusammen, als sie spürte wie das Feuer aus ihrer Kehle ihren Hals hinauf und dann wieder hinunter raste. "BAKA!" meinte sie
lachend "Und das nennst du 'gar nicht mal so übel'?"
Sie saßen auf dem Boden im Wohnzimmer, während der stummgeschaltete Fernseher im Hintergrund unbeobachtet irgendwelchen Müll zeigte. Zwischen ihnen stand die
durchsichtige Glasflasche mit dem Sake darin, sowie ihrer beider Gläser. "Erzähl mir nur nicht, die große und mächtige Asuka Langley Sohryu will kneifen!" Er lachte
und meinte mit gespielter Empörung "Da muss ich mich ja schämen, dich zu kennen!"
Wütend packte sie die Flasche und setzte sie an ihre Lippen.
Verdutzt beobachtete Shinji wie Asukas Adamsapfel auf und ab hüpfte. Er war sprachlos, doch noch mehr faszinierten ihn die klitzekleinen Tropfen, die aus ihren Mundwinkeln rannen.
Und mit einem Mal verspürte er den Drang die Spuren des Reisweins aus ihrem Gesicht zu wischen...
Asuka nahm die Flasche von ihren Lippen und schnappte nach Luft. Demonstrativ und härter als nötig setzte sie die Flasche auf dem Boden ab. "HA!" sagte sie mit krächzender
Stimme "Mach das erstmal nach, Third Child!"
Shinji lachte lauthals los, als Asuka die Balance verlor und nach hinten kippte, bis sie mit dem Rücken auf dem Boden lag. "Ich bin sehr erstaunt, dass du nicht kotzen musst."
Sie kam wieder hoch und setzte sich auf... beduselt, aber mit einem Lächeln auf dem Gesicht. "Das war doch garnichts. Sag Pen-Pen, dass er mir zu MEINEM Geburtstag eine Flasche von
dem HARTEN Zeugs schenken soll!"
Shinji konnte sich einfach nicht mehr zurückhalten und reichte hinüber zu Asuka um einen großen glänzenden Tropfen Sake von ihrem Kinn zu wischen. Sie zwinkerte
verwundert, machte aber keine Anstalten sich dagegen zu wehren. Eigentlich gefiel es ihr sogar, die Wärme seiner Fingerspitzen auf ihrer Wange zu spüren. Ein Gefühl, da
sie noch nie zuvor erlebt hatte.
"Entschuldige." sagte Shinji und versuchte seine Unsicherheit mit einem Lächeln zu überspielen. Er goss sich ein neues Glas ein, aber es war immer noch mehr als genug in der
Flasche und so mussten sie keine Angst haben in nächster Zeit auf dem Trockenen zu sitzen.
Asuka erwiderte sein Lächeln und wischte über ihren Mund. "Ist schon gut. Sake ist wahrscheinlich nur sehr schwer aus dem Teppich heraus zu bekommen. Danke dass du es für
mich abgewischt hast."
"Fühlst du schon was?" fragte Shinji und keuchte ein wenig, nachdem er ein weiteres Glas in nur wenigen Zügen geleert hatte.
Sie nickte. "Ja." meinte sie und rieb ihre Nasenspitze. "Ich fühl mich warm." Sie schmunzelte. "Und ein wenig schwindelig."
"Uhh... ich auch." stimmte Shinji zu. "Ich glaube wir haben schon einen im Tee."
"Woher willst du das wissen?"
"Na ja, Misato erzählt immer davon." Shinji musste laut lachen und prustete dabei ein wenig Sake heraus.
Natürlich brachte ihm das ein schallendes Gelächter von Seiten des Rotschopfes ein. "DAS SAH JA SOOOOOO KOMISCH AUS!!"
Shinji wankte schon ein wenig, doch er ignorierte es. Auch er begann zu lachen. "Was meinst du, sollen wir das hier am Montag in unserem Bericht erwähnen?"
"Warum nicht?" lachte Asuka und legte sich wieder auf den Rücken um zu beobachten, wie sich alles um sie herum zu drehen begann. "Ich bin die Asuka in deinem Kopf, Baka!"
"Und ich bin der Baka in deinem Kopf!" Shinji lachte als nun auch er das Gleichgewicht verlor und ebenfalls auf den Rücken fiel. "Ohhh, das war lustig, hihi!"
Pen-Pen hatte den beiden einen Moment lang zugesehen. "Wuaaagh. *"
<* Übersetzung: "Hah! Die vertragen aber auch garnichts...">
Er watschelte zu seinem Eisschrank um ein wenig zu schlafen.
"Gute Nacht, Pen-Pen!" rief Asuka ihm hinterher. "Danke für den Sake!"
Als sie bemerkte wie Shinji sie anstarrte, blickte sie ihn finster an und runzelte die Stirn "Was?"
Er grinste. "Du siehst bezaubernd aus, wenn du betrunken bist."
"Ja?" Sie zwinkerte während Shinjis Worte noch gegen den Alkohol stromaufwärts schwammen, doch dann, als sie endlich in ihrem Kopf angekommen waren, wurde sie knallrot. "Ich
wette, das sagst du zu ALLEN Asukas in deinem Kopf."
Sie kicherte.
"Ja." Shinji nickte, etwas heftiger und länger als nötig, aber es war immer noch ein ehrliches Nicken. "Ich meine... deine Augen, sie strahlen so... und dein Haar, es sieht
total zerzaust aus, aber trotzdem ist es wunderschön..."
Asuka machte sich einen Moment lang an ihrem Haar zu schaffen. "Besser so?" Sie nahm die roten Syncro-Kopfhörer, die sie ständig als eine Art Haarspange zu tragen pflegte,
heraus und ließ sie zu Boden fallen. Behutsam schüttelte sie ihren Kopf und ihr langes, volles, rotes Haar fiel offen bis hinunter auf ihre Schultern.
Shinji konnte nicht anders als sie verzaubert anzustarren und zu geifern. Glücklicherweise bekam er sich schnell wieder unter Kontrolle, noch bevor sie etwas bemerkte. "Oh ja..." er
nickte enthusiastisch "Sehr... sehr viel besser."
Asuka lachte und ihre Augen strahlten. "Shinji, du bist ja betrunken."
"Bin ich nicht!" antwortete er wie aus der Pistole geschossen. "Bis jetzt hat sich der Raum noch nicht ganz im Kreis gedreht,- nur zur Hälfte." Sein Grinsen brachte Asuka von Neuem
zum Lachen.
"Lass uns mal was ausprobieren." grinste sie und hob ihre Syncro-Kopfhörer wieder auf. Langsam lehnte sie sich über die Flasche, die zwischen ihnen stand und reichte hoch zu
Shinjis Kopf.
Eigentlich hatte Shinji ja zurückzucken wollen, doch der Blick auf Asukas weißen Baumwoll-BH, den er hatte erhaschen können, als sie sich in ihrer weit und locker
fallendem Bluse zu ihm hinübergebeugt hatte, ließ ihn einfach nicht mehr los.
"Uhhh..." und wäre in dem Moment nicht gerade das gesamte Blut in seinem Körper in untere Regionen geschossen, dann hätte er sicher ein gewaltiges Nasenbluten bekommen.
"A-Asuka?"
"Keine Angst Baka-kun." flüsterte sie mit liebevoller Stimme, und begann die roten Syncro-Kopfhörer in sein Haar zu stecken. "Du wirst wundervoll damit aussehen!" lachte
sie.
Shinji aber hörte garnicht richtig hin. Er war zu sehr damit beschäftigt nicht vollends dem Anblick von Asukas Dekolleté zu erliegen. Und dazu noch die Art, wie ihre
Hände sanft und zärtlich seinen Kopf berührten... Dass die Flasche Sake mittlerweile umgefallen war, fiel ihm erst auf, als es schon zu spät war.
Asuka spürte etwas Feuchtes an ihrem Knie und erschrak. Sie schnappte nach Luft als ihr klar wurde was es war und sie die Pfütze sah, die sich mittlerweile auf dem Teppich
breit machte. "OH NEIN! DIE FLASCHE!" Sie gab Shinji einen Stoß, der daraufhin wie ein nasser Sack umkippte und auf den Rücken fiel. Hektisch griff sie nach der Flasche bevor
noch mehr von dem wertvollen Stoff auslaufen konnte.
Traurig dreinblickend hielt sie die Flasche hoch. "Oh nein!" keuchte sie. "Shinji.... es tut mir ja so..."
Asuka blinzelte und erst jetzt wurde ihr bewusst, wie rüde sie Shinji weggestoßen hatte. Er lag immer noch auf dem Boden und seine Atmung war flach und langsam. In ihrer Panik
hätte sie hat die Flasche in ihren Händen beinahe bei Seite geworfen, auch wenn sie sie eben erst gerettet hatte. "Shin-kun!" wie ein geölter Blitz war sie an seiner Seite
und beugte sich über ihn. "Geht es dir gut?"
Shinji schüttelte den Kopf um wieder klar zu werden, doch so sehr er sich auch bemühte, dieses blendend-weiße Licht, das Asuka zu umgeben schien, wollte nicht
verschwinden. Das Lächeln auf seinem Gesicht sagte mehr als seine Worte es je vermocht hätten. "Bist...bist du mein Engel?" flüsterte er und blickte in ihre strahlend
blauen Augen.
Asuka war sprachlos. Dieser Blick mit dem Shinji sie ansah, er war so... so ehrlich, so aufrichtig, so..? "Baka..." Es war kaum mehr als ein Flüstern. "Ich würde dich nie
verletzten wollen...nicht auf diese Weise..."
Er lächelte. "Nein, nicht diese Art von Engel..." er hob seine Hand und berührte sanft und vorsichtig ihr Gesicht.
"S...Shinji..." sie schloss die Augen als sie die Wärme seiner Hand auf ihrer Wange spürte. "Ich bin nicht dein Engel..." Sie setzte sich wieder auf den Boden und seufzte.
Schweigen setzte ein. Sie spürten beide, dass einer von ihnen die angespannte Stille zwischen ihnen beenden musste... jetzt gleich... aber keiner von beiden tat etwas. Eine ganze
Weile versanken sie einfach wortlos in ihren Gedanken. Dann jedoch, setzte Shinji sich wieder auf; langsam aber ohne sichtbare Mühe. "Das tut mir leid." sagte er und
lächelte.
Sie schaute ihn an und der Ausdruck in seinem Gesicht zauberte auch ein Schmunzeln auf ihre Lippen. "Baka... jetzt weiß ich mit SICHERHEIT dass du betrunken bist."
Shinjis Blick ging zu der Sake-Flasche. "MIST! Wieviel ist denn noch drin?" Er krabbelte hinüber zu der Flasche und schwenkte sie einmal herum.
"Vielleicht ein viertel Glas für jeden." schätzte Asuka.
Schnell verteilte er den Rest auf ihre Gläser. "Na gut, also dann einen Toast!" meinte er mit einem Hickser.
Asuka nickte. "JA! Einen Toast!" Sie runzelte die Stirn. "Aber worauf?"
"Öh, Weltfrieden?" schlug Shinji vor.
"NIEMALS!" erwiderte Asuka mit einem Kichern. "Ich vergeude meinen ersten Trinkspruch doch nicht an sowas Triviales wie Weltfrieden!"
"Wie nobel von dir." Shinji setzte ein dreckiges Grinsen auf.
"Ach sei ruhig!" schoss sie zurück. "Ich will, dass es was besonderes ist."
Sie holte tief Lust und konzentrierte sich. "Auf uns..." Sie hob ihr Glas.
Shinji wurde rot.
Sie räusperte sich. "Äh.. Auf uns, die wir diesen gottlosen Arschfickern von Engeln gehörig in den Hintern treten." Sie lachte.
Shinji brach in schallendes Gelächter aus bis ihm beinahe die Luft wegblieb. Er hatte sie ja schon oft Fluchen gehört, aber so noch nie. Asuka wartete mit einem Lächeln
auf den Lippen, bis ihr Mitbewohner sich beruhigt hatte. "Also gut. Auf uns!" wiederholte Shinji schließlich und hob sein Glas. "Auf uns, Einheit-01 und Einheit-02. Und mögen
alle Engel möglichst schnell und kampflos sterben."
"So sei es!" Sie stießen an und leerten den Inhalt ihrer Gläser in einem Zug.
"Ääh... Mazel Tov!" Shinji schmunzelte und stand auf.
"Was machst du denn jetzt, Baka?" fragte Asuka und ein hämisches Lächeln machte sich in ihrem Gesicht breit. "Musst du etwa kotzen gehen?"
"Da kannst du lange drauf warten!" meinte er. "Ich gehe uns jetzt was Stärkeres holen."
Asuka hob verwundert eine Augenbraue und beobachtete Shinji, wie er in die Küche ging.
"Wow! Vielleicht bist du ja gar nicht so ein Weichling." Sie stand auf und folgte ihm mit unsicheren Schritten. "Uuohh, das Zeugs haut aber voll rein, sobald du aufstehst...
Copyright of the Charakter by GAINAX / Text by Strike Fiss, 1999
Translated by Melissa Schneider / Edited by Christian Winkler and Markus Ehreke