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Lektion Fünf: In Vino Veritas - Die Wahrheit liegt im Weine
Geschrieben von Strike Fiss, 1999
Homepage: http://www.geocities.com/Tokyo/9110
Übersetzt von Melissa Schneider
editiert von Christian Winkler und Markus Ehreke
"Und was machst du so?" fragte Kaoru beiläufig, während er noch an seinem zweiten Rum-Cola nippte.
"Das ist Top Secret!" Misato zwinkerte ihm zu. Ihr Lächeln wirkte sehr einladend, und das wusste sie genau.
Sie rutschte näher und lehnte sich an ihn. Eine gute Entscheidung wie Kaoru fand,- so konnte sie wenigstens nicht vom Barhocker kippen. Ausserdem war es auch nicht gerade ein
unangenehmes Gefühl.
"Lass mich raten." Er grinste und schloss seine Augen. "Du arbeitest in einem unterirdischen Labor tief unter der Erdoberfläche wo du und deine durchgedrehten
Wissenschaftler-Kollegen Massenvernichtungswaffen bauen um all eure Feinde zu vernichten!"
Misato blinzelte verwundert und saß mit einem Mal kerzengerade auf ihrem Barhocker.
"Hey ich hab doch nur Spaß gemacht." lachte er.
Misato standen Schweisperlen auf der Stirn und sie versuchte dieses unheimliche Gefühl und ihre Verlegenheit mit einem Lachen zu überspielen. "Tja beinahe hätten Sie mich
erwischt." schmunzelte sie. "Einen Moment lang hatte ich gedacht ich müsste dich jetzt töten."
"Ahh, und wo bleibt der Spaß dabei?" warf er ein.
"Darf ich dann annehmen, dass du mir etwas anzubieten hast, das mehr Spaß macht, als dich zu töten?" Misatos Augen funkelten schelmisch und sie fletschte ihre Zähne.
Kaoru grinste zunächst, doch dann, mit einem Mal, seufzte er. "Leider ist alles, was ich dir im Moment anbieten kann, ein Zechkumpan. Wie hört sich das an?"
"Das ist zumindest ein guter Anfang." Misato hob ihr Glas und sie stießen an. Sie nahm einen Schluck von ihrem Drink und schenkte ihm schließlich ein Lächeln, das schon
mehr als nur kawaii war. "Aber in der heutigen Zeit musst du schon mit den Wünschen der Frauen Schritt halten, weißt du."
Die Beleuchtung der Bar spiegelte sich in seinen Brillengläsern als er sie verwundert ansah.
"Ähh...
Sie setzte ihr Glas ab und brachte ihre Hand zu seinem Gesicht. Behutsam nahm sie sein Kinn zwischen Daumen und Zeigefinger. "Und der erste Schritt wäre, dass du mich küsst."
flüsterte sie und schmiegte sich eng an ihn.
Ihre Lippen berührten sich und Kaoru blieb eine Sekunde lang die Luft weg. Es war einfach unglaublich... einfach nur bezaubernd.. nein mehr als das... ihre Lippen... so weich... so
warm...
Dann aber unterbrach Misato den Kuss und lehnte sich ein wenig zurück. "Es...es tut mir leid." flüsterte sie mit einem Lächeln. "Es ist nur.. du.. du erinnerst mich an
jemanden. Ich weiß auch nicht... ich kann es nicht erklären."
Er schüttelte verständig den Kopf. "Nein.. ist schon okay." er erwiderte ihr Lächeln. "Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass es mir nicht gefallen
hat.."
"Wollen wir es noch einmal versuchen?" fragte sie mit sanfter und betörender Stimme.
Jede Form von Widerspruch der sich in ihm regte ertrank im Alkohol. "Gern..." flüsterte er und beugte sich zu ihr.
Behutsam nahm sie die Brille von seiner Nase.
"So ist es besser..." sagte sie und schmunzelte. Ihre Lippen trafen sich auf halbem Wege und verschmolzen von Neuem in einem Kuss, der bereits ein wenig intensiver als der vorangegangene
war.
Gefangen im Spiel ihrer Lippen blickte Misato in seine Augen.
Ein Gedanke durchzuckte sie.
Aber es war keiner von den Gedanken, die sie in diesem Moment erwartet hätte.
Tatsache war, dass dieser Gedanke DER LETZTE Gedanke war mit dem sie gerechnet hätte.
Fast schon panikartig ließ sie von ihm ab und zog sich zurück. Kaoru sah den Ausdruck von Schock in ihren Augen. "Oh.. Ent.. Entschuldige..." flüsterte er.
Sie nickte bedächtig. "Nein... es ist meine Schuld..." Sie schüttelte den Kopf um diesen einen Gedanken loszuwerden. "Ich denke, du erinnerst mich zu sehr an jemanden, den ich
kenne." Sie wandte sich wieder der Bar und ihrem Drink zu. "Es tut mir leid."
Er schüttelte den Kopf. "Nein, ... das ist schon Okay." meinte er und lächelte, als er ihre Hand nahm. Zu ihrem Erstaunen gab er ihr einen Handkuss. "Es war mir ein
Vergnügen dich kennenzulernen, Misato." Er nahm seine Brille vom Tresen und setzte sie auf.
"Du gehst?" fragte sie... und sie war sichtlich enttäuscht, auch wenn ihr Kuss immerhin mit dieser peinlichen Situation geendet hatte.
Er nickte "Ich muss morgen früh raus." sagte er. "Ich muss einigen meiner Schüler Nachhilfe geben" Er verbeugte sich leicht. "Vielleicht sehen wir uns ja wieder."
Ihr Lächeln war warm und herzlich und sie nickte. "Das hoffe ich sehr."
Er fasste in die Tasche seines Jacketts und legte etwas Trinkgeld für den Barkeeper auf den Tresen. "Sie sind eingeladen." schmunzelte er.
Misato schüttelte den Kopf. "Und da sag mal einer das Rittertum wäre tot." Sie lehnte sich zu ihm hinüber und küsste ihn auf die Wange. "Danke"
"Wer weiß, vielleicht kann ich ja irgendwann einmal eine Klasse in ritterlichem Benehmen unterrichten." Er zwinkerte ihr zu und machte sich auf den Weg. "Gute Nacht Misato."
"Gute Nacht" seufzte sie als sie hinter ihm hersah.
Kaum dass er gegangen war keuchte sie auf. "Verdammt Misato, was machst du da?" winselte sie vor sich hin. "Er war so.." Sie seufzte zufrieden. "..nett..."
Der Barkeeper bemerkte ihr Elend und goss ihr einen Doppelten ein.
"Uhhh.." seufzte sie, nachdem sie ihren Drink ansatzlos hinunter gekippt hatte. "So einen Kerl wie den einfach gehen zu lassen... Ich bin genau so ein Idiot wie Asuka..."
"Hast du gerade tatsächlich 'verfickt' gesagt?" Asuka lachte sich halb tot.
"Ich habe SICHER nicht 'verfickt' gesagt." erwiderte Shinji mit schwankender Stimme. Er versuchte ernst zu klingen, aber versagte kläglich.
Asuka grinste und legte ihren Kopf auf seine Schulter. "Shinji, du bist wirklich witzig."
"Danke" sagte er und schmunzelte. Asukas Haar kitzelte ihn am Nacken, doch das ignorierte er im Augenblick. "Mich hat noch nie jemand 'witzig' genannt" seufzte er und lehnte sein Kinn
auf Asukas Kopf.
"Hat dich schon einmal jemand 'süß' genannt?" fragte Asuka mit leiser Stimme.
"Nein." Shinji runzelte die Stirn. "Nicht, dass ich wüsste."
"Nun, ich denke du bist süß." sagte Asuka.
"Danke." Shinji lächelte. "Und du bist sehr süß."
Sie wurde rot, nichtsdestotrotz nahm sie den Fehdehandschuh auf. "Oh ja?"
"Ja."
"Wenn das so ist, dann bist du sehr SEHR süß!" kicherte sie und mehr versehentlich als gewollt berührte sie mit ihren Lippen seinen Nacken.
Shinji dachte einen Moment lang über eine Antwort nach, die ihre noch überbieten konnte. "Oh... oh JA?"
"JAJAJAJAJA!" antwortete Asuka und lachte herzlich.
"Weißt du, ich finde Kaji ist ein Idiot." stellte Shinji mit Stolz in der Stimme fest. "Denn du bist die allerschönste Frau in ganz Tokio-3."
Sie seufzte. "Nein, bin ich nicht."
Shinji wäre am liebsten aufgesprungen und hätte verächtlich aus voller Brust losgelacht, doch alles, was er zustande brachte war ein Lächeln. "Unmöglich!"
Asuka nahm ihren Kopf von seiner Schulter und sah ihn böse an. Sie runzelte die Stirn, nun da die Welt um sie herum aufgehört hatte sich zu drehen. "Du versuchst doch nur nett
zu mir zu sein." seufzte sie. "Du bist ein ganz ganz lieber Baka, aber trotzdem immer noch ein Baka."
"Bin ich nicht!" verteidigte sich Shinji. "Kaji ist der wahre Baka!"
Mit einem Mal war Asuka aufgesprungen und kniete nun direkt vor ihm. Sie packte den Kragen seines Hemdes und zwang ihn, ihr in die Augen zu sehen,- in tränenerfüllte Augen.
"NEIN!"
Shinji musste schlucken. "A..Asuka...?"
"DU bist mein Baka." sagte sie mit sanfter Stimme und ein Träne rann ihre Wange hinunter. "Nicht Kaji. DU.." ein Lächeln kroch in ihr Gesicht als sie seinen Hemdkragen
losließ. "Du bist mein Baka-Shinji." Sie vergaß vollkommen, dass ihre Hände immer noch auf seiner Brust ruhten.
Ein Wirbelsturm wütete in Shinjis Kopf als er begann zu verstehen. "Oh... okay..."
Behutsam wischte sie ihre Tränen fort. "Das ist schon das zweite Mal, dass ich heute geweint habe..." sagte sie sichtlich betrübt. "Und alles nur wegen diesem Playboy Kaji."
Sie senkte ihren Kopf.
"Aber wenigstens... habe ich dich. Meinen Baka... und nicht einmal das Wunderkind kann mir das nehmen."
Sie hatte so sanft und leise gesprochen, dass er ihre Worte beinahe nicht gehört hätte. Und noch weniger hörte er das 'hoffentlich', das unausgesprochen in ihrer Stimme
mitklang.
Shinji suchte verzweifelt nach Worten. Sein Flüstern war kaum hörbar. "A... Asuka.."
Sie spürte seinen Herzschlag unter ihren Händflächen und verlor sich in diesem Gefühl. Für einen Augenblick vergaß sie vollkommen, wer sie war.
"Oh..." sie blinzelte als sie für Momente aus ihrer Träumerei erwachte. Sie blickte in seine tiefblauen Augen. "Äh... ist dir das unangenehm?... soll ich die Hand da
wegnehmen?" fragte sie.
"Nur..." er tat einen tiefen Atemzug. "Nur wenn du es möchtest..."
Sie nickte... und ließ ihre Hand noch etliche Herzschläge lang auf seiner Brust ruhen. Mehr als etliche. "Wie wär's mit noch 'nem Drink?" flüsterte Asuka.
Wahrscheinlich war von den drei EVA-Piloten Rei Ayanami die einzige, die in dieser Nacht nicht gerade auf das ein oder andere Durst hatte. Es lag nicht unbedingt an ihrer Umgebung. Fakt
war, dass Shinji ihr einmal erzählt hatte, dass der Geschmack von LCL ihn immer dazu brachte sofort hinterher ein Glas Wasser zu trinken.
Rei aber war den Geschmack gewöhnt. Es störte sie nicht.
Genausowenig wie die kalten Augen von Kommandant Ikari, mit denen er sie anstarrte während ihr Körper im LCL schwamm. Ihre Haare schwebten locker in der Flüssigkeit und
durch den Auftrieb, den ihre Gliedmaßen erfuhren, fühlte sie sich leichter als gewohnt.
Er stand einfach nur da und beobachte sie. Es war kein wollüstiges Starren, wie man es normalerweise von einem Mann erwarten würde, der den perfekt geformten Körper einer
jungen Frau betrachtet. Es war eher der beschützende Blick eines besorgten Vaters.
Wenn man es nicht besser wüsste, hätte man denken können, sie würden um die Wette starren. Aber wenn es so war, dann hatte bisher keiner von beiden verloren. Allein
die Geräusche und das Summen des Dummy-Plug-Systems um sie herum waren Indiz dafür, dass die Zeit nicht stillstand.
Plötzlich, zu Gendos Erstaunen, zwinkerte Rei.
"Commander." flüsterte sie.
Rei sprach fast nie während dieser Art von Test und Gendo spürte, wie er begann die Stirn zu runzeln.
"Was gibt es Rei?"
"Wie viel länger ist meine Anwesenheit hier noch erforderlich?" fragte sie mit sanfter Stimme, die von dem LCL rings um sie herum ein wenig verzerrt wurde.
"So lange, bis das Projekt beendet ist, Rei." erklärte Gendo. Irgendetwas stimmte nicht. Warum hatte sie gefragt? - Sie wusste es doch.
"Verstanden." flüsterte Rei. "Aber wie lange noch heute Abend?"
"Heute Abend?" hörte Gendo sich fragen.
"Ich würde gerne früh zu Bett gehen." flüsterte Rei.
Das Echo ihrer Worte hallte eine ganze Weile lang nach. Gendo war perplex.- Weder wütend, noch beunruhigt.- Einfach nur sprachlos. "Warum fragst du Rei-chan?"
Sie schwieg für einen Moment. Und DAS beunruhigte ihn.
"Ich habe Pläne für morgen."
"Pläne?" kam augenblicklich Gendos Frage.
"Ich muss früh zu Bett um ausgeschlafen zu sein." erklärte sie knapp.
Gendo seufzte. "Rei, was auch immer für Pläne du hast, sie müssen hinter ..."
"Es hat mit der Schule zu tun." erklärte Rei. "Ist es nicht Ihr Wunsch, dass ich die Schule besuche?"
Gendo hatte darauf wirklich keine Antwort. Es interessierte ihn auch eigentlich nicht. Sie in die Schule gehen zu lassen, war bisher Mittel zum Zweck gewesen, um ihr hin und wieder
aufflammendes Bedürfnis, nach einem Leben zusammen mit Anderen außerhalb von NERV zu stillen.
"Morgen ist aber Samstag." meinte Gendo.
Rei nickte. Sie hatte seit vorhin nicht ein einziges Mal mehr geblinzelt. "Hausaufgaben sind doch außerhalb der Schule zu erledigen, hai?"
"Hai." Gendo blinzelte.
"Dann muss ich bald gehen. Morgen muss ich Hausaufgaben erledigen." sagte Rei,- ihre Stimme klang felsenfest und ihre Augen leuchteten.
Wieder senkte sich die Stille über die beiden Gesprächspartner und allein das Summen der Maschinen war zu hören.
Dann aber nickte Gendo und drückte mit seinem handschuhverhüllten Daumen auf eine Fernbedienung in seiner Tasche. "Dann werden wir für heute Schluss machen, Rei." sagte er
begleitet von einem leichten Seufzer.
Rei nickte. Weder lächelte sie noch war sie verärgert über seine offensichtlich wenig begeisterte Reaktion.
"Hai." flüsterte sie während das LCL um sie herum begann aus der Röhre abzufließen.
"Ich will, dass du mir am Ende dieses Schulhalbjahres dein Zeugnis zeigst. " sagte Gendo. Bisher hatte es ihn noch nie interessiert, doch da war eine kleine Stimme in seinem Kopf, die
ihm riet, dass er langsam damit beginnen sollte...
nur für den Fall...
Rei nickte einfach nur. "Hai."
Irgendwie und irgendwann hatten es Shinji und Asuka geschafft auf wackeligen Beinen den Balkon zu erreichen um die kühle Nachtluft zu genießen.
Unter dem Vorwand, dass es ja immerhin... irgendwie... Teil ihrer Hausaufgabe war, waren sie mittlerweile in ihrem Grad der Trunkenheit von 'angesäuselt' zu 'philosophisch'
vorgerückt.
"Ich glaube ich verstehe jetzt wovon wir im Unterricht geredet haben." meinte Asuka und lehnte dabei ihren Kopf an das kalte Metallene Balkongeländer.
"Ach ja?" fragte Shinji und sah hinauf in den Sternenhimmel.
"Im Moment brummt mir der Schädel." lachte sie. "Aber ich weiß ganz genau das es kein Geräusch ist... aber irgendwie ist es das doch...."
Shinji kicherte
"Shinji?" meinte sie mit einem Mal.
"Mmm?"
"Was hälst du von der Asuka in deinem Kopf?"
Er blinzelte und schaute sie verwundert an. Der Blick, den sie ihm schenkte war sanftmütig und mitfühlend, so als würde sie sich wirklich etwas aus ihm machen.- Ein Blick,
den er erst ein oder zweimal bei ihr gesehen hatte. Und jedesmal hatte er mit sich gerungen ob er die Beine in die Hand nehmen sollte oder nicht.
"Im Moment denke ich, dass sie ziemlich betrunken ist." schmunzelte er. "Denn sonst würde sie mir nicht so eine Frage stellen." er schluckte. "Oder mich so ansehen."
Asuka stutzte und wandte ihren Blick von ihm . Sie schaute über den Rand des Balkons hinaus in die Dunkelheit. Shinji dagegen versuchte krampfhaft, sich nichts anmerken zu lassen,
doch auch ihm war deutlich anzusehen, wie verlegen und schrecklich nervös er war. Als sich Asuka zu guter Letzt wieder zu ihm umdrehte, da hatte sie ein Lächeln auf den Lippen.
"Hey, ich weiß jetzt warum Misato sich ständig betrinkt."
"So?"
"Sie macht es, damit sie frei heraus sagen kann was ihr im Kopf rumgeht." meinte Asuka begleitet von einem Hickser. "Und genau das gleiche werde ich jetzt auch tun."
Jap. Genau das war so einer dieser Momente in denen Shinji am liebsten den Rückzug angetreten hätte. Ein wenig panisch ging sein Blick zur Balkontür. Na ja, vielleicht,
mit etwas Glück, würde er es noch rechtzeitig bis dorthin schaffen. "Äh.. öh.. du.. du.. musst das nicht tun... wenn du nicht willst..."
"Ich will dich küssen, Shinji."
Shinji fiel vor Schreck um.- Im wahrsten Sinne des Wortes. Sein Arm, mit dem er bisher am Geländer gelehnt hatte rutschte ab, und er verlor das Gleichgewicht. Mit einem lauten
Poltern krachte er auf die Holzplanken des Balkonbodens, doch obwohl er hart auf den Rücken gefallen war, spürte er den Schmerz nicht. Alles, was er spürte war sein Herz,
das raste. "A... Asuka-chan?"
Als sie ihn hatte Fallen sehen, da hatte sie die Augen vor Schreck weit aufgerissen, doch mittlerweile entspannten sich ihre Gesichtszüge schon wieder und sie lächelte. "Willst
du mich denn gar nicht küssen?"
"Doch..." flüsterte er schnell, bevor er es sich anders überlegen würde. Wie hätte er 'nein' sagen können? Er hatte doch den ganzen Abend über an nicht
anderes gedacht. Immer wieder hatte er an ihre Lippen denken müssen, und wie bezaubernd und einladend sie waren. "Sehr sogar..."
Sie blinzelte verwundert. Wahrscheinlich hatte sie diese Antwort am wenigsten erwartet. Fakt war aber, dass sie mittlerweile schon auf dem Weg zu ihm war. Sie hatte sich niedergekniet
und kam nun auf allen Vieren zu ihm herüber. Dass Shinji dabei einen mehr oder weniger tiefen Einblick in den Ausschnitt ihrer Bluse bekam, schien sie überhaupt nicht zu
stören. "Meinst du das ehrlich?" fragte sie, als sie an seinen Füßen angelangt war, und begann verführerisch langsam über seinen Körper hinweg zu
steigen.
Shinji nickte. Er musste gewaltig nach Luft schnappen als Asuka sich mit einem Mal und ohne Vorwarnung auf seine Taille setzte. Sie trug noch den Rock, den sie am Morgen in der Schule
getragen hatte, und er konnte spüren wie sich ihre nackten Beine gegen die Flanken seines Körpers pressten. Sie lächelte und sah ihm direkt in die Augen während sie
sich zu ihm hinunter beugte.
"Asuka" keuchte er. "Bi... bist du dir sicher, dass du es tun willst...?"
Mit einer Handbewegung schob Asuka ihr langes Haar bei Seite und nickte. "Hai..." säuselte sie, ihre Lippen nur Millimeter von seinen entfernt.
Shinji spürte wie sie ihn küsste, doch da war auch ein neues, unbekanntes Gefühl. Etwas warmes, weiches, aber auch irgendwie rauhes berührte seine Lippen. Doch noch
bevor er ergründen konnte, was es war, berührte Asukas Zunge auch schon sanft und zärtlich die Seine. Als sich ihre Zunge schließlich wieder zurückzog,
ließ er ihr behutsam seine Zunge folgen, um Asuka auf die gleiche Weise zu verwöhnen. Shinji zitterte am ganzen Körper, doch er versuchte es zu ignorieren. Statt dessen
nahm er all seinen Mut zusammen und küsste Asuka mit all seiner Liebe und aus tiefster Überzeugung, wohlwissend, dass dies vielleicht seine einzige Chance sein könnte.
Asuka jedoch dachte nicht im Traum daran sich ihm zu widersetzen. Sie fand Gefallen an seinen Liebesbekundungen und bemühte sich, soviel wie möglich davon zurück zu geben.
Ihre Augenlieder wurden immer schwerer indes ihr Kuss immer intensiver wurde. Sanft und zärtlich begann sie an seinen Lippen zu saugen und von da an dauerte es nicht mehr allzu lange
bis sie sich schließlich mit ihrem ganzen Körper eng an ihn schmiegte. Sie hatte keine Angst mehr davor, ihm so nah zu sein und die Wärme seines Körpers zu
spüren. Ein leises Stöhnen kam über ihre Lippen als sie spürte, wie sich seine Arme um sie legten. "Shin-kun...." flüsterte sie.
Obwohl sich ihre Lippen getrennt hatten, schmeckte er immer noch den langen leidenschaftlichen Kuss, den sie geteilt hatten, und musste erst einmal schlucken, um sprechen zu können.
"H...Hai?"
Ihre Blicke trafen sich und er sah das Verlangen, das in ihren Augen brannte. Wenn der Alkohol ihn nicht bereits zuvor fast all seiner Sinne beraubt hätte, dann hätte dieser
anbetungswürdige Blick von ihr es bestimmt getan.
"Warum hast du mich beim letzten Mal nicht so geküsst?" Das Lächeln auf ihren Lippen verriet, dass sie ihn neckte.
"Keine Luft." antwortete er und schluckte.
Sie seufzte zufrieden und legte ihren Kopf auf seine Brust. Einen Moment lang lauschte sie dem Schlagen seines Herzens. "Danke, allerliebster Baka."
"Wofür?" fragte Shinji, doch er bekam keine Antwort.
Er hatte noch immer seine Arme um sie gelegt und hielt sie fest,- beschützte sie. Sie fühlte sich sicher bei ihm. So als ob nichts und niemand sie je wieder verletzten
könnte. Nur sie und Shinji. Asuka konnte nicht umhin darüber zu grübeln, was ihr diese Nacht bedeutete. Und was sie ihm bedeutete. Es war erschreckend, doch in diesem
Augenblick wollte sie sich keine Gedanken um die Konsequenzen machen. Später wäre genug Zeit dafür. Im Moment machte es sie glücklich und zufrieden einfach nur auf
seiner Brust zu liegen und ihn langsam und ruhig atmen zu hören.
Shinji war im siebten Himmel. Da lag er nun, zusammengekuschelt mit Asuka, in einer Position die endlich einmal bequem war, all derweil ein Sturm in seinem Kopf tobte. Doch das machte
ihm nichts aus. Zumindest nicht in dieser Nacht. Ein Gefühl der Traurigkeit beschlich ihn, als ihm klar wurde, dass er am Morgen die Auswirkungen seines Tuns zu spüren bekomme
würde. Wie auch immer, im Moment wollte er es genießen, so lange er konnte.
"Ich bin der Baka-Shinji in deinem Kopf." flüsterte er und sein Blick ging hinauf zu den Sternen.
"Und ich bin die Baka-Asuka in deinem Kopf..." flüsterte sie zurück und ihre Stimme verriet wie müde sie war.
Minutenlang lagen sie einfach nur stumm da. Keiner von beiden sagte ein Wort, etwas, das zugegeben selten war. Doch dann durchflutete Asuka mit einem Mal dieses unangenehme Gefühl.
Shinji hatte sich bewegt, und mehr noch machte er sich nun daran aufzustehen und sie aufzuheben. Sie grummelte in Protest. "Mmm, ich will aber nicht aufstehen... Baka..."
Auch er wünschte sich, dass diese Nacht nie zu Ende gehen würde, doch er wusste auch, dass die Nachwirkungen am nächsten Morgen ohnehin schon schlimm genug wären,-
ohne dass Misato sie mit einer Alkoholfahne und derart aneinandergekuschelt auf dem Balkon vorfinden würde. "Misato kommt bald zurück." flüsterte er, und er musste
aufstöhnen, bei dem Versuch sie aufzuheben und gleichzeitig die Balance zu bewahren.
Es war ein ganzes Stück Arbeit. Obwohl Asuka sicher nicht schwerer als er selbst war, war sie doch ein wenig größer und vor allem war sie in diesem Moment sehr sehr
träge und ließ sich hängen wie ein Sack Reis. Sie hatte ihre Arme um seinen Nacken gelegt während er sie auf seinen Händen durch das Appartement trug. "Mmmhh."
Murmelte sie und presste ihre Lippen an seine Wange. "Sollen wir uns an meinem Geburtstag wieder betrinken?" flüsterte sie in sein Ohr.
"Okay." antwortete er während er durch das Wohnzimmer stolperte, wobei er einem großen Bogen um die feuchte Stelle auf dem Teppich machte, die einst eine Pfütze Sake war
und nun schon langsam eintrocknete. Na ja, so lange wie Misato nicht vor dem Morgen da hineintrat, würde sie es wohl garnicht bemerken.
Asuka lächelte und schmiegte ihr Gesicht an seine Schulter. "Und was jetzt Hentai? Willst du mich jetzt verführen?"
Beinahe hätte Shinji sie vor Schreck fallen gelassen. "Was... uh.. nein!"
"Oh." Sie schmollte. "Okay."
Endlich war er an ihrem Zimmer angekommen. Einhändig versuchte er die Tür zu öffnen, doch leider war Asukas Rock dabei ein wenig im Wege, so dass er ungewollt darunter
fasste, als er seine Hand nach dem Türgriff ausstreckte. Asuka musste kichern, nicht zuletzt weil Shnji rot wie eine Tomate war. "Entschuldige..."
"Ist schon gut..."
Ausnahmsweise war ihr Zimmer einmal halbwegs aufgeräumt, und so schaffte er es sie auf ihr Bett zu legen ohne im Dunkeln über irgendetwas zu stolpern. Doch als er sich wieder
aufrichten wollte stieß er auf unerwarteten Widerstand. Asukas Arme wollten ihn einfach nicht loslassen und so verlor er recht schnell sein ohnehin schon vom Alkohol angeschlagene
Gleichgewicht und fiel in voller Länge auf Asuka. "Wah!" keuchte er.
Asuka öffnete ihre Augen und schaute hinunter,- dorthin, wo Shinji zu liegen gekommen war. Ihre Blicke trafen sich und sie sah dass sein Kinn zwischen ihren Brüsten ruhte,
während seine Hände links und rechts davon auf ihrem Busen lagen. Ein Feuerhydrant war nichts verglichen mit der Gesichtsfarbe, die die beiden in dem Moment an den Tag legten.
Aber da war noch etwas anderes - Ein Gefühl.- Ein warmes Kribbeln das durch Asukas Bauch ging. Ein Kribbeln, das nicht vom Alkohol kam.
"Shin.." flüsterte sie.. doch sie war noch nicht einmal in der Lage seinen Namen ganz auszusprechen.
Obwohl überrascht, verkannte Shinji jedoch nicht den Tonfall ihrer Stimme. Oder die Art wie sich ihre Muskeln unter ihm anspannten. Oder die Art, wie sich ihr Puls beschleunigte.
Oder wie eng es ihm plötzlich in seiner Hose wurde. "Asuka..."
Er erwartete eine schallende Ohrfeige. Zum Teufel, er hoffte sogar regelrecht darauf. Aber der Schlag kam nicht, nicht sofort und auch nicht später. Sie starrten einander einfach
nur an und sehr.. sehr viel Zeit verging ohne das einer der beiden sich rührte. Vielleicht lag es ja auch daran, dass keiner von beiden sich sicher war, was er tun sollte. "Ich
sollte..." hob er an, als er zu guter Letzt von ihr herunter stieg und sich neben ihr Bett kniete. "Ich sollte besser gehen..."
Asuka nickte bedächtig, aber ihre Augen zeigten nur zu deutlich, wie sehr sie Shinjis Entscheidung bedauerte.
"Okay..."
Shinji stand auf,- eine Tat, die er aber im nächsten Augenblick auch schon wieder bereute, als er die Ausbeulung vorn in seiner Hose bemerkte. "ÄÄÄHHH"
Ein sanftmütiges Lächeln machte sich auf Asukas Gesicht breit, als sie bemerkte worin das Problem bestand.
"Baka..."
Er war schrecklich verlegen. "Ähm.. äh..." Er sah an sich hinunter.
"Er... wird größer..."
"Gute Nacht, Baka-Shinji." flüsterte sie während er sie zudeckte. "Ich danke dir..."
"Gute Nacht, Asuka-chan." Er beugte sich zu ihr hinunter und küsste sie auf die Stirn.
Mit einen zufriedenen Lächeln auf dem Gesicht beobachtete sie wie er langsam aus ihrem Zimmer schlich und leise die Tür hinter sich schloss. Doch, woran immer sie auch dachte,
ihre Gedanken endeten Momente später, als der Schlaf sie einholte
Copyright of the Charakter by GAINAX / Text by Strike Fiss, 1999
Translated by Melissa Schneider / Edited by Christian Winkler and Markus Ehreke