"Oh Scheiße, Scheiße Scheiße..." Kaoru stürmte förmlich durch die Hallen und Korridore der Schule,- in seinen Händen seine
Aktenmappe und ein gutes Dutzend Kopien für den heutigen Unterricht, von denen er bisher aber trotz seiner Eile nicht eine Einzige verloren hatte.
Es war sicherlich berechtigt zu behaupten, dass er spät dran war, denn die Uhr, die über seinem Klassenzimmer hing, zeigte immerhin schon zwanzig nach neun. "Ahhh..." mit einem
Seufzer der Erleichterung öffnete er die Türe.
Er betete dass Hikari während seiner Abwesenheit die Meute im Zaum gehalten hatte... Und wie es schien waren seine Gebete auch erhört worden, denn als er atemlos in den
Klassenraum schlidderte waren sofort die Augen von 35 geduldig wartenden Kursteilnehmern auf ihn gerichtet.
Hikari lächelte stolz. "Guten Morgen, Miyazaki-Sensei!", der Klang ihrer Stimme verdüsterte sich leicht. "Sie sind zu spät."
Ein Lachen ging durch die Klasse und auch Kaoru schmunzelte. "Ja... ja, in der Tat. Vergeben Sie mir, aber mein Wecker hat sich letzte Nacht entschieden den Geist aufzugeben." Anspannung
und Hast fielen sichtlich von ihm ab als er langsam zu seinem Schreibtisch schritt.
Dennoch konnte man auf den ersten Blick sehen, dass etwas nicht stimmte. Es war so auffällig, dass sich sogar dem noch halb schlafenden Shinji sofort der Gedanke aufdrängte,
dass sein Sensei so aussah, wie er sich gerade fühlte...
Auch wenn Shinji letzte Nacht zumindest ETWAS Schlaf gefunden hatte, so war es doch kein tiefer oder erholsamer Schlaf gewesen. Ein jedes Mal wenn er kurz davor gewesen war
einzuschlafen, hatte Asuka begonnen sich herum zu räkeln,- mit dem Resultat, dass er anschließend wieder für Stunden wach gelegen hatte.
"Armer Kerl..." gähnte Shinji.
Toji beugte sich zu ihm herüber. "Mann, was ist DEM denn zugestoßen?"
Kensuke lächelte und schob seine Brille zurecht. "Vielleicht hat Asuka ihn ja wegen dieser einen Hausaufgabe zusammengeschlagen ?"
Asuka war auch noch ziemlich müde, hatte sie doch in der letzten Nacht Shinjis Beispiel folgend auch kaum ein Auge zugemacht. Sie seufzte, als sie beobachtete, wie Sensei Kaoru an
seinem Schreibtisch Platz nahm. Das Paar Socken, das er trug, passte nicht zueinander... seine Kleidung war verknittert und sah getragen aus,... und es war ziemlich offensichtlich, da
er sich an diesem Morgen weder rasiert, noch etwas gefrühstückt hatte.
Während das Idiotentrio in wilde Spekulationen ausbrach, sah Asuka ihre Befürchtungen bestätigt. "Ohhh Kacke..." Sie versteckte sich hinter dem Bildschirm ihres Laptop
und betete, dass sie mittlerweile nicht schon rot wie eine Tomate war.
Sie hatte doch schon genug Gewissensbisse, was Shinji betraf... Und die Art, wie sie sich ihm gegenüber verhielt... Den ganzen Morgen über war sie ihm schon aus dem Weg
gegangen und hatte sogar das Frühstück ausfallen lassen, nur um nicht mit ihm zusammen zur Schule gehen zu müssen.
Immer wieder versuchte sie sich einzureden, dass der Kuss, den sie ihrem neuen Lehrer gegeben hatte, nur ein Produkt ihrer Fantasie war. Nichts als ein kleiner, wirrer Wunschtraum in
einem Moment der Schwäche.
Doch an der Art, wie Kaoru es vermied in ihre Richtung zu blicken erkannte sie schnell, dass es alles andere als ein Traum gewesen war.
"Okay, Leute." meinte Kaoru und versuchte ein Gähnen zu unterdrücken. "Es gibt da etwas, über das wir dringend reden sollten." er setzte ein kleines Grinsen auf.
"Möchte jemand von Ihnen einmal seine Gedanken zum Thema Schlaf mit uns teilen?"
Asuka seufzte vor sich hin. "Ja... Ich wäre am liebsten zu Hause und würde genau das jetzt tun; schlafen!" murmelte sie und ließ ihren Kopf auf den Tisch sinken.
Als sie bemerkte dass Shinji zu ihr herüber sah blinzelte sie verwundert. Er sah so besorgt aus....
Besorgter als gewöhnlich, wie sie fand....
Mit einem Seufzer aber ansonsten wortlos begann sie eine Frage in ihren Laptop zu tippen, um sie schließlich an Shinji zu schicken...
Als der junge Ikari die Nachricht las, die auf seinem Bildschirm erschien, errötete er leicht und machte sich sofort daran eine Antwort zu tippen:
<Du siehst wirklich sehr müde aus... geht es dir gut?>
Asuka blinzelte verwundert als sie Shinjis Antwort las. Bei genauerem Hinsehen sah er um Ecken schlimmer aus als sie. Sein Blick war glanzlos und müde, und er hatte dunkle Ringe
unter den Augen. Sein Haar war zerzaust und ungekämmt...
Hätten sie es nicht besser gewusst, hätte sie glatt gedacht, dass Sensei Kaoru und er Zwillinge wären...
Asuka seufzte und grummelte vor sich hin. Dann tippte sie: <Mir geht es gut, Baka. Du siehst aber auch schrecklich aus, weißt du das? Ich wette du schaffst es nicht bis zum Ende
der Stunde wach zu bleiben! Ha!>
Shinji las die Nachricht und runzelte die Stirn.
<Hey, ich wollte einfach nur nett zu dir sein! Und außerdem kann ich SEHR WOHL bis zum Ende des Unterrichtes wach bleiben! Ich wette das DU vor mir einschläfst!>
Sie lächelte und lehnte sich zufrieden in ihrem Stuhl zurück. 'Mein süßer Baka... er weiß ganz genau, wie er es anstellen muss, damit ich mich besser
fühle.' dachte sie bei sich. Zumindest würde ihr diese kleine Wette genug Ansporn geben den Unterricht durchzustehen.
* * *
Und so kam es dann auch, dass der berühmt-berüchtigte Wille der Asuka Langley triumphierte, und Shinji zur Mittagszeit über seinem Tisch zusammengesunken war und den Schlaf
der Gerechten schlief.
Asuka starrte auf die Uhr im Klassenzimmer und wartete darauf, das die letzte Minute des Unterrichtes im Schneckentempo vorüberging.
DING DANG DONG!
Die Schüler legten ihre Notizen und Bücher bei Seite und strömten in ihre wohl verdiente Pause, so wie sie es immer taten.
Doch gerade als schließlich auch Asuka das Klassenzimmer verlassen wollte, räusperte sich Sensei Kaoru. "Miss Sohryu, kann ich Sie wohl kurz sprechen?"
Toji grinste wie ein angriffslustiger Hai. "Ohoh! Wen hast du denn nun schon wieder zusammengeschlagen?" neckte er und steckte seinen Kopf wieder ins Klassenzimmer.
"DICH, wenn du dich nicht sofort verziehst, du Vollidiot." meinte Asuka und warf ihm einen bösen Blick zu.
"Na klar... AUA!" Toji taumelte zurück in den Gang nachdem Asuka die Türe mit genügend Kraft zugeschlagen hatte, um ihm eine ordentliche Beule am Kopf zu verpassen.
"Hah! Lass dir das eine Lehre sein!" meinte sie grinsend.
Kaoru seufzte als Asuka an seinen Schreibtisch trat. Abgesehen von einem schlafenden Shinji waren sie ganz allein.
"Ja, Sensei?" fragte Asuka und hoffte, dass sie nicht rot wurde.
Er brachte den Satz in einem einzigen Atemzug heraus:
"Es tut mir so leid! Ich hätte nicht... ich meine... die ganze Situation war.. eine dumme Idee... Ich hätte einfach...Ich meine...Wenn Sie wollen, das ich mein Amt
niederlege...dann bin ich in der nächsten Sekunde auch schon weg...Ich will nicht..."
Asuka holte es fast von den Beinen. "Wie bitte?"
Kaoru ließ seinen Kopf auf die Tischplatte seines Schreibtisches plumpsen.
"Asuka...ich danke dir... aber du weißt sehr gut, wovon ich rede."
Sie nickte wortlos und war mittlerweile knallrot im Gesicht.
"Ein Wort genügt und ich werde mein Amt niederlegen. Euer alter Lehrer wird wohl ohnehin nächste Woche aus dem Krankenhaus entlassen. Ich will nicht, dass die ganze Sache
zwischen uns beiden noch weiter außer Kontrolle gerät."
"Jetzt reicht es aber!" meinte Asuka plötzlich und verschränkte die Arme vor der Brust.
Kaoru blinzelte verwundert.
Asukas Blick war jetzt starr auf den Fußboden gerichtet. Offensichtlich immer noch ein wenig beschämt, hatte ihr Blick aber mittlerweile auch wieder etwas von Entschlossenheit
an sich. "Sensei,- Sie waren für mich da als ich dachte, dass ich ganz allein wäre und jeder mich verlassen hätte... dafür danke ich Ihnen... und es ist nicht
passiert...wirklich nicht...und darum weiß ich auch beim besten Willen nicht, warum Sie gehen wollen, nur wegen dieser einen Sache."
Kaoru stöhnte auf und lehnte sich in seinem Stuhl zurück. Die lange Pause, die folgte, spiegelte den Wirbelsturm wieder, der gerade in seinem Kopf tobte. "Sie haben recht,
wissen Sie? Es tut mir leid, Fräulein Langley. Ich vergesse immer wieder, wie erwachsen Sie doch sind." Er rang sich ein kleines Lächeln ab.
Asuka zögerte einen Moment lang, doch einen tiefen Atemzug später nickte sie.
"Gut so. Ich will nämlich nicht, das dieser alte Knacker wieder unser Lehrer wird. Er gibt uns immer Hausaufgaben, die ich nicht lesen kann."
Sie blickten beide ziellos durch den Raum während von neuem eine unangenehme Stille einsetzte.
"Na ja dann.. äh.. werd' ich mal in die Pause gehen." meinte Asuka schließlich mit einem Lächeln und verbeugte sich.
"Ja und ich gehe besser kurz nach Hause und nehme eine Dusche." Kaoru lachte. "Mir ist nämlich gerade eben erst aufgefallen, dass ich zwei verschiedene Socken anhabe."
"Gut." Asuka lächelte und verbeugte sich nochmals. "Entschuldigen Sie..."
"Nein nein. Ist schon okay. Keine Angst. Ich komm schon damit klar. Und Sie werden sehen, zu Beginn des Unterrichts heute Nachmittag bin ich wieder ganz der Alte." Er nickte
beruhigend.
Keiner von beiden bemerkte jedoch die weit aufgerissenen Augen von Shinji Ikari, mit denen er beobachtete wie Asuka erleichtert den Raum verließ. Sie war froh die Sache, die ihr
den ganzen Morgen schon unter den Nägeln brannte, endlich geklärt zu haben. Kaoru hingegen lehnte sich noch einmal zufrieden in seinen Stuhl zurück und fuhr durch sein
zerzaustes Haar, bevor auch er seine Aktentasche nahm und hinaus ging.
Shinji dagegen saß immer noch regungslos hinter seinem Pult... Den Kopf auf den Tisch gelegt... lauschte er seinem Herzschlag....
"Ich bilde mir das nur ein..." flüsterte er vor sich hin. "Das ist alles nur Einbildung... Alles nur Einbildung..." er schloss seine Augen und einige Tränen kullerten seine
Wangen hinunter. "Ja genau... es passiert alles nur in meinem Kopf... Nichts davon ist Real!"
Die Stille, die ihn umgab, half ihm in keinster Weise.
Er begann am ganzen Körper zu Zittern, und Momente später krallten sich seine Hände um den Laptop auf seinem Pult...
...und warfen ihn aus dem Fenster. Die Türe des Klassenzimmers drohte zu zersplittern als er sie hinter sich zuschlug.
* * *
Shinji war außer Atem, als er zu Hause ankam.
"Misato?" Er klang ziemlich aufgebracht und bemühte sich seine Tränen zurückzuhalten, während er sich hastig seiner Schuhe entledigte. "Misato-san?"
Natürlich nicht zu Hause.
"...Misato..." er flehte geradezu die leere Wohnung an. "Hilf mir ..."
Seine Stimme klang dünn. Verletzbar und gebrochen. Er hasste es. Hasste zu sprechen. Hasste seine Stimme benutzen zu müssen.
Eine unscheinbare Nachricht lag auf dem Tisch. Von Misato.- Geschrieben in Eile.
<Muss heute länger arbeiten, Kinder! Bestellt euch irgendwas als Wiedergutmachung dafür, das ich mit Kochen dran gewesen wäre. Shinji denkst du bitte an die
Kochwäsche? Danke. Ja ne!>
Ein kleines Herz und ein Smiley beendeten die Notiz.
Shinji zitterte am ganzen Körper als er die Nachricht las. Die Wäsche... eine Aufgabe...genau...
Er konzentrierte sich allein auf diese eine Aufgabe. Es würde ihn davon abhalten zu viel über die Ereignisse nachzudenken...
Dennoch war es in seiner Vorstellung nicht mehr länger Kaji, dem sich Asuka in die Arme warf, sondern Kaoru. Und in jeder wertvollen, hoch geschätzten, ja fast heiligen
Erinnerung an seine Küsse mit Asuka war es nicht mehr länger er selbst, der die Hauptrolle spielte.
Sie entglitt ihm...
Und das, währenddessen er Hemden und Unterwäsche faltete, und sich bemühte es schnell genug zu tun, damit die Bilder, die seiner Fantasie entsprangen, ihn nicht all zu
sehr quälen würden. Doch sein Gehirn ließ sich nicht davon abbringen jedes Wort der Unterhaltung, die er mitgehört hatte, bis in Kleinste zu analysieren...
"Nichts ist passiert...wirklich nicht..."
"Ich werde mein Amt niederlegen, wenn Sie es wünschen..."
"Sie waren für mich da, als ich dachte, dass ich ganz allein wäre, und jeder mich verlassen hätte..."
"Vielen Dank..."
"Nein, nein... Das ist schon in Ordnung.."
...immer und immer wieder gingen ihm diese Wort im Kopf herum... und er glaubte jede auch noch so verborgene Bedeutung, die in ihnen lag, zu erkennen. Und egal wie sehr er sich auch
bemühte die Worte in einer unschuldigen, naiven Weise zu deuten,- es lief trotzdem immer wieder auf das Gleiche hinaus...
Und dann...
...was noch schlimmer war...
...konnte Shinji auch die Bilder, die seine Fantasien ihm suggerierten, nicht mehr länger unterdrücken. Es war einfach zu viel. Zu früh nach dem Zwischenfall mit dem
Engel. Und so gaben sein Geist und sein rationales Denken unter dem Druck seiner Vorstellungskraft nach...
Und als er das letzte Paar von Asukas wenig erotischen weißen Schlüpfern faltete... da ließ er sie beinahe vor Schreck fallen.. als er sich vorstellten musste, wie sie
über Kaoru stand, und ihr Höschen zur Freude ihres Liebhabers ihre wohlgeformten Schenkel hinunter gleiten ließ.
"NNNNNNNNNNEEEEEEEEEEEEEEIIIIIIIIIINNNNNNNNNN!!!!!!!" schrie Shinji, und die Art wie die Wände des kleinen Appartements seinen Schrei widerhallen ließen, war
angsteinflößend. "AAAAAAAAAAARRRRRRRR!" Seine Fäuste begannen die gefüllten Wäschekörbe zu durchpflügen.
Und mit einem Mal war er plötzlich wieder im Inneren von Einheit-01.- Wieder gefangen im Inneren des Engels, und getrieben von nur einem einzigen, letzten Gedanken... Dem Gedanken,
dass seine Mutter gesagt hatte, dass nichts dabei wäre sich zu wehren und zurück zu schlagen.
Kämpfen.
Alles in Stücke zu reißen.
Töten.
Zuschlagen.
Zerquetschen.
STIRB!!!
STIIIRB!!!
LASS MICH HIER RAUS! STIIIIIRB!
ICH WILL SIE WIEDERSEHEN! LASS MICH GEHEN!!!!
Ohh Gott Oh Gott Oh Gott...bitte...stirb einfach!
STIRB! NIMM SIE MIR NICHT WEG! NIMM MIR ASUKA NICHT WEG!
MAMA! HILF MIR! HIIILLLF MIIIIRR!!!!!!!
* * *
Shinji schluchzte leise, während er sich langsam von seinem Wutanfall erholte, und sein Verstand wieder so gut es ging die Kontrolle übernahm. Die eben noch sorgsam gefaltete
Wäsche lag wild verstreut am Boden, während noch feuchte Wäschestücke an den Wänden klebten und nunmehr langsam zu Boden glitten,- fast so wie die blutige
Eingeweide des zerfetzten, kugelförmigen Engels.
Und in Mitten dieses Durcheinanders saß Shinji Ikari und betrachtete einfach nur seine Hände. Seine Knöchel waren arg mitgenommen von dem Versuch eine Wand mit
bloßen Fäusten zu durchschlagen.
"Hilf mir..." es schauderte ihm vor sich selbst "Mama..."
Aber dieses Mal war er nicht im Inneren von Einheit-01.
Irgendwann hörte er auf zu weinen... und betrachtete das Chaos, das ihn umgab. Seine Muskeln schmerzten, als er vom Boden aufstand... und begann aufzuräumen, indem er die
Wäschestücke eines nach dem anderen wieder ordentlich zusammenlegte.
* * *
Als Asuka am Abend nach Hause kam fand sie ein ruhiges Appartement vor. Sie war total geschafft und bemerkte nicht einmal, dass das Abendessen noch nicht auf dem Tisch stand, und die
Notiz, die Misato hinterlassen hatte, nur mehr ein zerknüllter Fetzen Papier auf dem Küchentisch war.
"Tadaima, Shinji." brachte sie mit einem Gähnen hervor, und als sie an der Wäschekammer vorbei schlich wunderte sie sich insgeheim, wo Shinji war. Bisher hatte sie ihn stets in
der Küche oder in der Wäschekammer vorgefunden, wenn er einmal früher nach Hause gegangen war. Doch diesmal gab es keine Spur von ihm.
"Mmm. Der Baka muss sich wohl hingelegt haben." Sie lächelte vor sich hin. "Das wird ihm eine Lehre sein."
Doch als sie an seinem Zimmer vorbeiging, durchzuckte sie plötzlich ein merkwürdiges Gefühl. Ein Gefühl, das ihr sagte, dass irgendetwas nicht in Ordnung war.
Sie klopfte vorsichtig an die Türe. "Shinji?"
Keine Antwort. Sicherlich hatte er seine Kopfhörer an. Sie überlegte kurz, wie wahrscheinlich es war, das er irgendwelche Perversitäten veranstalten würde,
während er seine Kopfhörer trug, und öffnete schließlich langsam die Türe.
"Hey, Baka!" Ein Lächeln umspielte ihre Gesichtszüge, als sie ihn auf dem Bett liegen sah.
Das durch die Türe hereinfallende Licht ließ Shinji zusammenzucken. Seine Augen waren blutunterlaufen, und seine Hände krallten sich in seine Bettlaken.
"A...Asuka?" er blinzelte.
Der Anblick war besorgniserregend. Asuka hatte noch nie jemanden gesehen der so.. so..
"SHINJI!" Sie brauchte nicht länger als einen Herzschlag um die wenigen Schritte bis zu seinem Bett zurückzulegen. "Geht es dir gut?" Sie fühlte seine Stirn.
Er glühte zwar nicht, aber dennoch fühlte er sich an, als ob er Fieber hätte. Kalter Schweiß stand ihm auf der Stirn,- ein Anzeichen für eine Art Schockzustand.
Hektisch begann Asuka nach möglichen Ursachen wie Verletzungen zu suchen, doch sie konnte nichts erkennen.
"Wa...Warum bist du hier?" fragte er und es lag eine Art Schmerz in seiner Stimme. "Du solltest nicht hier sein..."
"Shinji...wa...was ist los?!" Asuka flehte ihn geradezu an, ihr zu antworten. Sie war sichtlich besorgt,- so sehr, dass es ihr beinahe unmöglich war ihm in die Augen zu sehen. Sie
waren so...leblos...so leer...so wie..."Du siehst schrecklich aus..." flüsterte sie.
"Ich..." er schluckte und schob brüsk ihre helfende Hand von sich. "Mach...Mach das du hier raus kommst..." sagte er schließlich in einem Anflug von Wut und einem Tonfall, den
sie nie für möglich gehalten hätte.
Sie schreckte regelrecht zurück... bis ihr Gewissen sie von Neuem beschwor, etwas zu tun. "Nein! Erst sagst du mir was los ist! Soll ich einen Arzt rufen?"
"Na gut..." Shinji krabbelte aus seinem Bett, doch selbst diese einfache Aufgabe schien all seine noch verbliebene Kraft zu verzehren. "Dann bleibst du eben hier und ICH gehe..."
flüsterte er, ohne sie auch nur eines weiteren Blickes zu würdigen. Er versuchte aufzustehen...
... und Asuka brach beinahe in hysterisches Geschrei aus, als sie sah, wie Shinjis Beine nachgaben und er in sich zusammensackte...
... und regungslos liegen blieb