Die Luft war trocken und Kaji musste mehrmals schlucken während er sich mit letzter Kraft an die Seite einer metallenen, verschiedenfarbig leuchteten
Doppel-Helix klammerte, und darauf wartete, dass sich das Seil, das von seinem Rucksack herabhing, selbsttätig wieder einrollte. Dieser Strang 'DNS', an dem er hing, schien sich
über und unter ihm ins Unendliche zu erstrecken, und war zusammen mit einer ähnlich leuchtenden Röhre das einzige Licht, das den Schacht erhellte, in den er hinabstieg.
Darüber, welche geheimnisvollen Kräfte all die Dinge um ihn herum überhaupt in der Luft hielten, wollte er sich im Moment besser keine Gedanken machen. Es reichte ihm
schon zu wissen, dass sein Leben davon abhing.
"Wenn..." Er keuchte. "...sich die Mühe hier nicht lohnt... dann werde ich dieses Arschloch UMBRINGEN!"
Doch schließlich hörte er ein leises 'Klonk' und im gleichen Moment erzitterte sein Rucksack ein wenig. Er fasste mit seiner freien Hand nach hinten und griff nach dem
Kletterhaken am Ende des Seils, das sich inzwischen endlich wieder eingerollt hatte.
Es war der einzige Weg in diesem Schacht abzusteigen... abgesehen von der Benutzung des Aufzugs natürlich, doch die wäre selbstverständlich protokolliert worden.- Selbst
wenn man die entsprechende Sicherheitsstufe besaß.
Kaji befestigte den Kletterhaken an einer Metallstrebe in seiner Nähe und sicherte ihn mit einer elektromechanischen Auslösevorrichtung, bevor er zum sechsten Mal sein Leben
der Mechanik seines Spezial-Rucksacks anvertraute, und sich einfach fallen ließ.
Nach ungefähr zwanzig Sekunden fortwährender Beschleunigung spürte er, wie sein freier Fall verlangsamt wurde, und er schließlich dank seines Rucksackes völlig
zum Stillstand kam. Frei über dem Abgrund hängend, pendelte er sich hinüber zu seiner 'Aminosäuren-Leiter' und suchte nach Halt, bevor er zu guter Letzt mittels der
elektrischen Auslösevorrichtung den Kletterhaken weit über ihm löste.
Noch einmal zwanzig Sekunden vergingen, bis der Haken an ihm vorbei, in die Leere unter ihm stürzte,- weit genug von ihm entfernt, um ihn nicht am Kopf zu treffen.
Langsam begann der Rucksack schließlich das Seil wieder einzurollen, damit er in wenigen Minuten einen neuen Sprung in die Tiefe wagen konnte.
Diese Art den Abstieg zu bewältigen war wirklich schrecklich zeitaufwendig... doch ehrlich gesagt, würde es mit dem Aufzug wohl noch länger dauern.
Er hatte diesen Weg bereits dreimal beschritten, wobei er jedes Mal ein wenig mehr über die Sicherheitssysteme gelernt hatte, und somit immer tiefer ins Terminal Dogma eindringen
konnte. Doch die letzte Etappe seiner Reise hatte er nie antreten können, weil ihm nämlich ein solides, computergesteuertes Türschloss den Zugang zu dem Raum aller
Räume verwehrte.
Kaji verfluchte sich dafür, Kaoru laufen gelassen zu haben. Er hätte ihn mitbringen, und Gendo übergeben sollen. Das wäre sicher ein lustiger Anblick gewesen.
Obwohl...
Wenn Kaoru die Wahrheit erzählte...
Dann war es das Risiko allemal wert. Er musste einfach die Wahrheit herausfinden.
"Das gibt mit Sicherheit einen sehr interessanten Eintrag fürs Tagebuch." seufzte er, während er sich ein letztes Mal in die Tiefe stürzte.
In Anbetracht des rasend schnell näher kommenden Bodens, beendete der Rucksack den freien Fall dieses Mal jedoch weitaus früher als zuvor, und erlaubte es Kaji sanft herunter
zu schweben. Lautlos löste sich der Haken über ihm und schlug mit einem dumpfem Poltern neben ihm auf, um samt Seil sofort vom Rucksack eingerollt zu werden.
Kaji legte seine High-tech Kletterausrüstung ab und streckte sich. Endlich hatte er ein wenig Zeit sich zu entspannen, bevor er später auf dem gleichen Weg wieder hinaufsteigen
musste. Im schwachen Lichtschein der leuchtenden Doppel-Helix erkannte er, dass er unmittelbar vor dem Eingangstür zu einem Korridor stand, die dank der merkwürdigen
Lichtverhältnisse und der Dunkelheit wie aus dem Nichts aufzutauchen schien.
Er schritt durch die Tür, die dankenswerter Weise unverschlossen war, und durchquerte einen kurzen Korridor. Es war dunkel, da die meisten der Leuchtstofflampen, die diesen Gang
einst erhellten, schon vor langer Zeit den Geist aufgegeben hatten. Trotzdem fiel ihm der dreckige Boden auf,- der wohl dreckigste Boden, den er je im NERV Hauptquartier gesehen
hatte.
Am anderen Ende des Korridors erwartete ihn dann eine RICHTIGE Türe mit allem drum und dran. Der rostfreie Edelstahl, aus dem sie gefertigt war, bildete zusammen mit den zahlreichen
anderen Metallen in ihrem Inneren ein schier undurchdringbares Bollwerk, egal wie hartnäckig der Eindringling auch immer sein würde. Doch nicht allein die Tür war
beeindruckend, auch das Schloss an ihr war gänzlich anders, als all die anderen Schlösser, die er bisher gesehen hatte. Natürlich gab es im NERV Hautquartier an fast jeder
größeren Türe ähnliche, vollelektronische, computergesteuerte Schlösser, doch die hatten meistens irgendwelche Diagnose- und Interface-Anschlüsse, die Kaji
benutzen konnte um die Zugangscodes zu umgehen oder auszuspionieren.
Dieses Schloss aber war ein in die Türe eingearbeiteter und mit Beton vergossener Mikrochip, der keinerlei anderen Zugang als ein Tastenfeld hatte.
Das letzte Mal, als er hergekommen war, hatte er die Tür mit einen Scanner untersucht, doch bereits ein kurzer Blick auf den Aufbau des Türschlosses war genug gewesen, um alle
Hoffnungen zu begraben, diese Türe jemals bezwingen zu können. Das Schloss zu zerstören würde nur dazu führen, dass sich die Tür überhaupt nicht mehr
öffnen ließe.- Zumindest so lange nicht, bis die Techniker kämen und sie ersetzen würden. Und jeder Versuch sich in das Steuerprogramm des Mikroprozessors zu hacken
war von vorn herein zum Scheitern verurteilt; eine Tastatur wie diese war nämlich nur mittels Eingangsports mit dem Mikrochip verbunden und hatte keine bidirektionalen Ports wie er
sie für sein Vorhaben brauchte.
Und nicht zuletzt vor diesem Hintergrund fragte er sich dann auch, wie Kaoru nur an seine Informationen gekommen sein konnte.- War doch das Wissen um diese Türe wohl einzig und
allein auf Ritsuko und Kommandant Ikari beschränkt.
Bedächtig ging er auf die Türe zu und tippte ein einzelnes Wort in die Tastatur:
S-A-M-A-E-L_
Samael. Ein treffendes Passwort, wie er fand. Eine, von den schier unendlich vielen Bezeichnungen für Luzifer, den Teufel, oder wie auch immer Sie ihn nennen wollen. Die
Programmierer von NERV hatten scheinbar ihren ganz eigenen Sinn für Ironie; Der höchste von Gott gestürzte Engel als Kämpfer gegen DIE Engel, die die Menschheit
bedrohten.
Er drückte die 'ENTER' - Taste...
...und langsam begann sich die Türe zu öffnen.
Kaji beobachtete den Vorgang mit einer derartigen Faszination, dass man glatt hätte denken könne, dass diese Türe eines der Weltwunder war. - Obwohl es ja doch irgendwie
ein Wunder war; bedeutete es doch, dass der Lehrer ihm die Wahrheit erzählt hatte.
Welche Art von Wahrheit Kaoru ihm erzählt hatte, wurde ihm klar als er einen Blick in den Raum warf, die hinter der Türe lag. Der Anblick holte ihn beinahe von den Beinen. "Oh
mein Gott...."
* * *
"Ich möchte heute mit ein paar Gedanken in den Unterricht starten." Kaoru gähnte, als er sich auf die Kante seines Schreibtisches setzte. Seine Schüler dagegen lauschten
geduldig, spürten sie doch nur zu gut, welch unruhige Nacht ihr Lehrer hinter sich gehabt haben musste.
"Schusswaffen sind etwas Schlechtes." sagte er mit einem Schmunzeln. "Und vergesst nie euch eine Alarmanlage für eure Wohnung anzuschaffen."
Ein verwundertes Blinzeln machte die Runde unter den Schülern.
"Wie auch immer." Kaoru lachte als er zur Tafel ging. "Wie manche von Ihnen vielleicht schon wissen, steht der Ablaufplan für unser Konzert nun endlich fest." Er wandte sich mit
einem Lächeln auf den Lippen der Klasse zu. "Und ich muss sagen, dass ich sehr beeindruckt von Ihren Vorschlägen bin." erklärte er seinen schmunzelnden Schülern. "Sie
alle haben exzellente Musikstücke ausgewählt."
"Hab ich's nicht gesagt; er wird den 'Ritt der Wallküren' lieben!" Kensuke grinste stolz. "Meiner bescheidenen Meinung nach, das beste Kriegslied, das jemals geschrieben wurde."
"Da ist nichts Bescheidenes an deiner Meinung." war Reis leiser Kommentar, der ihr dann auch sofort etliche Lacher brachte.
Der Hauch eines Lächelns lag auf ihrem Gesicht, als Kaoru sich ihr zuwandte. "Meine Damen und Herren! Das beeindruckende Fräulein Ayanami hat gerade einen Scherz gemacht!" Er
strahlte über das ganze Gesicht.
"Und auf Kosten dieses Idioten." fügte Asuka mit einem Grinsen hinzu. "Gut gemacht, 'First Child'."
Natürlich brachte das weitere Lacher, während Kensuke, enttäuscht von der Welt, über seinem Tisch zusammengesunken war. "Jetzt hackt sogar schon Rei auf mir herum...
Das muss eine Verschwörung sein..." meckerte er.
Shinji gab seinem Freund einen aufmunternden Klaps auf die Schulter. "Du wirst dich daran gewöhnen." meinte er und lächelte. "Zumindest schreit Rei dich nicht an, wenn sie dich
beleidigt."
"Zur Wiedergabe all der Musikstücke, die wir nicht selbst spielen können, werden wir das Lautsprechersystem in der Aula benutzen." fuhr Kaoru mit seiner Erklärung fort,
während er eine Liste an die Tafel schrieb.
'Ritt der Wallküren'
'Symphonie Nummer 9 (Neun - Minuten Version)'
'Parita III für Violine , Solo'
'Kanon in D-Dur'
'Air'
'Suiten für Violoncello'
"Außerdem werde ich Ihnen eine Kopie all der Musikstücke aushändigen, die wir selbst spielen, oder abspielen lassen, damit Sie dann alle die nächste Hausaufgabe
bearbeiten können."
Allgemeine Unmutsbekundungen machten sich breit.
"Sie sollten mich mittlerweile aber gut genug kennen, um zu wissen, dass Sie sich um meine Hausaufgaben keine Sorgen machen müssen." Mit einem Lächeln auf dem Gesicht wirbelte
Kaoru herum. "Ihr habt vielleicht drei Aufsätze im letzten Monat geschrieben. Also beschwert euch nicht, sonst verdreifache ich die Anzahl."
Die Unmutsbekundungen verstummten abrupt.
"Schon besser." meinte er und lachte. "Okay Shinji, Asuka und Rei werden dann also die Soloinstrumente bei unserem Konzert spielen, zusammen mit jedem anderen von Ihnen, der Lust hat,
die drei mit seinem Instrument zu begleiten. Immerhin ist mir zu Ohren gekommen, dass Keiko, Hikari, Tiobie und Kenada auch ein wenig geübt haben. " Er wandte sich wieder der Tafel
zu. "Aber natürlich kann nicht jeder von uns ein Instrument spielen, und darum möchte ich, dass sich die Anderen mit den visuellen Aspekten unseres Konzertes befassen."
Kensuke horchte auf und saß mit einem Mal kerzengerade in seinem Stuhl. Wenn es um 'visuelle Aspekte' ging, war er zu jeder Schandtat bereit.
"Ich werde mich darum kümmern, das wir einen Multimediaprojektor bekommen, mit dem wir dann ihre Werke während der Musikdarbietungen zeigen können." Er schrieb weiter an
der Liste der Lieder. "Wir werden uns in Gruppen aufteilen und jeder von Ihnen bekommt dann die Möglichkeit sich mit seinem ganz persönlichen Lieblingslied zu beschäftigen,
oder anderen Gruppen zu helfen, wenn Sie Ideen zu deren Arbeit hinzusteuern möchten." Mit einem Lächeln wandte er sich Kensuke zu. "Und ja, Sie dürfen auch Kriegsszenen mit
einflechten."
"JA!!!"
"Ich hatte mir vorgestellt, dass Sie die Ihnen großzügigerweise zur Verfügung gestellten Laptops nutzen könnten, um kurze Bild- oder Filmsequenzen anzufertigen. Doch
wenn Sie statt dessen lieber auf unbewegte Bilder zurückgreifen möchten, dann wäre mir das auch recht, so lange es nur zu der Musik passt." sagte Kaoru und ging wieder
hinüber zu seinem Schreibtisch, um sich von Neuem auf die Tischkante zu setzen (wobei er das seltsame Grinsen der Mädchen in der ersten Bankreihe ignorierte). "Sie sollten sich
die Lieder in aller Ruhe anhören, auch ruhig mehrmals, bis Sie eine klare Vorstellung von dem bekommen, was Sie ausdrücken wollen. Lassen Sie sich einfach von der Musik
inspirieren."
Shinji hob seine Hand. "Sensei?"
"Ja, Shinji?"
"Was ist, wenn wir unterschiedliche Meinungen über ein und das selbe Lied haben?" Er errötete leicht. "Ich meine.. immerhin geht es ja um unsere persönlichen
Eindrücke... und die könnten sich ja... beißen."
"Eine sehr gute Frage, Shinji." Shinji war sichtlich erleichtert, als Kaoru ihm ein aufmunterndes Lächeln schenkte. "Es ist nicht schlimm, wenn du bei einem bestimmten Lied an etwa
Schönes denkst, während das gleiche Lied bei jemand anderem schlechte Erinnerungen weckt.... Ich möchte, das jeder von euch in diesem Projekt seine eigenen Ideen
verwirklicht. Und wir werden es dann in willkürlicher Reihenfolge zeigen, damit jeder Zeit bekommt seine Eindrücke vorzustellen. Auf diese Weise können unsere Zuschauer
wohl am besten sehen, was wir versuchen ihnen zu zeigen, und werden hoffentlich die unterlegte Musik als Inspiration betrachten... und nicht als Hauptsache."
Toji meldete sich zu Wort. "Können wir auch Clips von Mitschülern in unsere Präsentation einbauen?"
"Nur so lange sie geschmackvoll sind." erwiderte Kaoru vorsichtig. "Versuchen Sie dieses Mal keine Nahaufnahme Ihres nackten Hinterteils mit einzuflechten."
Die Klasse brach in schallendes Gelächter aus, bis auf Toji, der einfach nur mit einem Schmunzeln nickte.
"Ich möchte, dass jetzt jeder von Ihnen die Titel DER Lieder zu Papier bringt, zu denen Sie beitragen möchten. Und ich werde Ihnen dann sagen, ob das möglich ist oder
nicht. Bedenken Sie, wir haben fünf Musikstücke, die alle mit Präsentationen bedacht werden wollen." er zeigte auf die Tafel. "Und da sollten wir schon sicherstellen, da
Sie sich nicht alle für das gleiche Stück entscheiden."
Asuka blinzelte verwundert und machte sich nicht einmal die Mühe die Hand zu heben. "Aber da an der Tafel stehen doch sechs Stücke."
Kaoru nickte währende er zur Tafel sah. "Das ist richtig. Aber die letzte Darbietung unseres Konzertes wird allein aus einem musikalischen Solo bestehen." Er lächelte Shinji
an. "Nämlich dem Cello-Stück, das Mister Ikari und ich gemeinsam spielen werden."
Ein wenig ängstlich sah Shinji zu seinem Lehrer auf, doch schließlich nickte er.
Plötzlich hob Rei ihre Hand.
"Ja, Rei?"
"Dürfen die, die spielen, auch eine Präsentation erstellen?" fragte sie mit leiser Stimme.
Kaoru blinzelte. Diese Frage hatte er beileibe nicht erwartet. Doch da Rei ihr Instrument hinreichend gut beherrschte... "Ich wüsste nicht, was dagegen sprechen sollte...
vorausgesetzt, dass es nicht mit ihrer musikalischen Präsentation in Konflikt gerät."
"Hai." Sie nickte.
"Noch irgendwelche Fragen?" Kaoru schaute sich in der Klasse um. "Na gut. Aber denken Sie daran! Wir haben nur noch eine Woche! Und darum wird das auch die einzige Hausaufgabe für
Sie sein." Mit einem Grinsen begann er die Tafel zu wischen. "Und nun, wollen wir uns der Mathematik zuwenden."
Ein Stöhnen ging durch die Klasse.
* * *
Als Asuka und Shinji an diesem Nachmittag gemeinsam nach Hause gingen, beobachteten sie den Sonnenuntergang, der den sonst stets blauen Himmel in warme Rot-Töne tauchte.
"Tut mir leid wegen gestern Abend... " sagte Shinji mit einem Mal.
"Es war doch nicht deine Schuld." Ein Lächeln huschte über Asukas Gesicht. "Ich... Wir hätten es langsamer angehen lassen sollen, denke ich. Vielleicht war es ganz gut
so."
Er nickte mit ernster Miene.
"Trotzdem,..." meckerte sie. "...werde ich Misato dafür UMBRINGEN! Der gestrige Abend hat mir nämlich sehr gut gefallen!"
Shinji musste lachen, was ihm ein hinreißendes Lächeln von Asuka einbrachte.- Ein Lächeln, das ihn rot werden ließ. "Ähh... danke. Denke ich." Er schmunzelte
verlegen.
"Soll ich dir was sagen?" meinte Asuka mit einem entschlossenen Kopfnicken. "Du hast doch versprochen, dass wir uns an meinem Geburtstag nochmal so richtig betrinken werden, oder?"
Shinji nickte, während seine Hautfarbe langsam aber sicher an eine Tomate erinnerte..
"Bis dahin werden wir uns zusammenreißen." Sie zwinkerte ihm zu "Aber wenn uns dann danach ist, dann werden wir es nochmal mit dem gemeinsamen Bad versuchen."
"Da...da..." Er musste schlucken. "Okay..."
"Guter Junge." Asuka lachte zufrieden und für einen Augenblick lang schlichen sich vor lauter Freude sogar ein paar kleine, zufriedene Hopser in ihren Gang. "Natürlich...
bedeutet das nicht, dass du bis dahin vom Haken bist, was deine Pflichten mir gegenüber betrifft."
"Pflichten??? Dir gegenüber?" Shinji wäre beinahe in Ohnmacht gefallen.
Sie kicherte und griff nach seiner Hand. "Entspann' dich, Baka. Was ich damit sagen wollte ist, na ja, jemand der versucht mich zu verführen, kann ja gar nicht so ein Langweiler
sein." Sie lächelte schüchtern. "Was aber nicht heißt, dass du ab jetzt überhaupt nicht mehr auf mich hören musst." Der Klang ihrer Stimme wurde sanfter "Obwohl
ich natürlich von dir erwarte, dass du hin und wieder auch mal selbst die Initiative ergreifst und mir einen Kuss gibst." Sie beugte sich zu ihm herüber und küsste ihn
flüchtig auf die Wange.
Shinji nickte und versuchte sein Bestes die Ruhe zu bewahren. "Na...natürlich, Asuka-chan!"
"Und hör verdammt nochmal auf, so nervös zu sein!" sie seufzte. "Du machst MICH AUCH ganz meschugge, wenn du dich so benimmst!" Sie zwinkerte ihm zu. "So nervös wie jetzt
warst du gestern Abend aber nicht...."
"A...Asuka!"
"Hihi. Entschuldige."
Shinji beobachtete wie Asuka mit schnellen Schritten die Führung übernahm. Er seufzte, dennoch umspielte ein Lächen seine Gesichtszüge. "Vielleicht hat sie ja recht,
und ich sollte mich wirklich ein bisschen entspa..."
"SHINJI! Nun komm schon! Hör auf rumzutrödeln!"
"Hai!"
* * *
Als Kaoru sein Appartement betrat, wunderte es ihn kaum, Kaji mit einer Tasse Kaffee in der Hand auf seiner Couch sitzen zu sehen. Dennoch seufzte er. "Fühlen Sie sich ganz wie zu
Hause."
Kaji schaute ihn an, verzog aber keine Miene.
Kaoru dagegen lächelte, während er seinen Mantel ablegte und seine Aktentasche auf dem Tisch plazierte. "Ich nehme an, das Passwort hat funktioniert?"
"Ja." antwortete Kaji knapp, und mit seinen Gedanken immer noch woanders.
"Wissen Sie..." meinte Kaoru, als mit seiner eigenen Tasse Kaffee aus der Küche zurück kam. "...ich hatte nie die Gelegenheit es mit eigenen Augen zu sehen." Er nahm einen
Schluck und seufzte zufrieden. "War denn der Friedhof der EVAs so beeindruckend, wie ich ihn geschildert hatte?"
"...Das...das könnte man so sagen." Kaji brachte ein schwaches Nicken zustande. "Obwohl ich persönlich eher sagen würde, dass mir irgendwie der Arsch auf Grundei
ging."
"Und das war nur der Anfang." Kaoru seufzte während er gegenüber des älteren Mannes Platz nahm. "Unglücklicherweise."
"Was wollen Sie ?" fragte Kaji, nachdem er zum ersten Mal seit Minuten seine Augen wieder auf Kaoru gerichtet hatte.
"Das Gleiche, wie alle von uns." Das Lächeln auf Kaorus Gesicht verfinsterte sich. "Und dazu brauche ich Ihre Hilfe, Kaji."
"Aber was können Sie ausrichten?" Kaji runzelte die Stirn. "Ein richtiges Passwort oder zwei ändert noch lange nichts an der Situation, oder den Plänen.- Besonders nicht
wenn es um SEELE geht. Sie hätten ja schließlich auch Ritsuko flach legen können, um so an das Passwort von ihr zu kommen."
"Da kann ich Sie beruhigen, ich habe sicher nicht mit Doktor Akagi geschlafen." erwiderte Kaoru. "Und ich weiß weitaus mehr, als nur Passwörter." Er nahm einen Schluck Kaffee
und schüttelte schließlich energisch seinen Kopf. "Aber ich kann Ihnen nicht alles anvertrauen, mein Freund. Wenn ich es täte, dann wäre unser ganzes Vorhaben in
Gefahr."
Kaji schaute den anderen Mann lange und durchdringend an. Letztlich aber nickte er. "Könnten Sie mir dann wenigstens eine andere Frage beantworten?"
"Hängt ganz von der Frage ab." entgegnete Kaoru. "Aber fragen Sie ruhig..."
Er lächelte schüchtern. "Wird Misato all das hier überleben?"
Kaoru schaute von seinem Kaffee auf, und in seinen Augen lag etwas, das ihn aussehen ließ, als hätte er gerade ein Gespenst gesehen.
Kaji verstand die Reaktion und sagte nichts. Erst nach einer ganzen Weile nickte er schließlich. "Und wird sie überleben, wenn Ihr Plan funktioniert?"
"Ich hoffe es." antwortete Kaoru.
"Das war die Antwort, die ich brauchte. Also, was soll ich tun?" fragte Kaji ohne Zögern.
Kaoru seufzte, bevor er letztlich aufstand und hinüber zu seiner Aktentasche ging. Augenblicke später kam er mit einem Briefumschlag in den Händen zurück. Er war
schlicht, aber verschlossen.
Er gab Kaji den Umschlag und lächelte. "Fürs erste nicht viel..." meinte er und sein Lächeln verwandelte sich in ein Grinsen. "Sie können einen kleinen Botengang
für mich erledigen."
"Einen Botengang?" Kaji runzelte die Stirn und schaute auf den Briefumschlag.
Kaoru nickte. "Ja." Er schaute aus dem Fenster und genoss den Anblick von Tokio-3. "Bringen Sie den Commander dazu, beim Elternsprechtag zu erscheinen."
"Sind sie verrückt?" Kaji hätte beinahe laut losgelacht. "Er würde niemals dort hingehen. Dieser Bastard ist doch kälter als eine Hundeschnauze."
"Geben Sie ihm einfach diesen Brief am Abend zuvor, und erwähnen Sie im gleichen Atemzug den Elternsprechtag." unterbrach Kaoru, und rückte das Brillengestell auf seiner Nase
zurecht. "Er wird dann ganz sicher kommen..."
"Heute in einer Woche?" Kaji seufzte.
Kaoru nickte.
"Okay." Er stand auf und ging hinüber zur Küche, um seine gebrauchte Tasse in das Spülbecken zu stellen. Auf seinem Weg hinaus wandte er sich ein letztes Mal Kaoru zu.
"Ich warne Sie. Spielen Sie besser keine Spielchen mit mir!"
Als er schließlich das Appartement verließ, schloss er leise die Türe hinter sich.
Kaoru seufzte und nickte sich selbst zu. "Machen Sie sich darüber mal keine Sorgen, guter Mann." Er ging wieder hinüber zu dem Fenster. "Da habe ich wichtigere Dinge zu
tun."