FanFiction Bewertung - hier können Sie Bewertungen ansehen und eine Bewertung abgeben

Higher Learning

Lektion Zwanzig : Elternsprechtag

Geschrieben von Strike Fiss, 1999
Homepage: http://www.geocities.com/Tokyo/9110
Übersetzt von Melissa Schneider
editiert von Christian Winkler und Markus Ehreke

Der Gedanke durchzuckte Shinji wie ein Blitz aus heiterem Himmel als er sah wie Asuka sich vor dem Publikum verbeugte und ihre Geige an die Wange legte.

Wie zum Teufel hatte sie es geschafft, neben all den Proben auch noch die Zeit zu finden ihr Solo-Stück ...

'Parita III für Violine'

... einzustudieren?

Nun gut, es war kein allzu langes Stück... etwas, dass ein versierter Musiker in relativ kurzer Zeit einstudieren konnte,- relativ kurz im Vergleich zu der Zeit, die sie gebraucht hatten um Beethovens Neunte und die anderen Stücke einzuüben.
Aber wie dem auch sei,- da es ihn selbst nicht betraf, hatte Shinji sich bisher auch nicht weiter Gedanken darum gemacht. Er würde dieses Stück nicht spielen müssen, und alles was er zu tun hatte, war sich gemütlich hinzusetzen, und zusammen mit den anderen Zuhörern die Musik zu genießen.

Kristallklar und kraftvoll erfüllten die ersten Noten die Aula als Asuka begann den Bogen über die Saiten zu bewegen. Es war ein temporeiches, fast schon 'lebhaft' zu nennende Stück. Die Noten, die sie auf ihrer Geige spielte, schienen federleicht und irgendwie tänzelnd, aber dennoch waren sie kraftvoll und präzise, selbst in den höchsten Tonlagen.

Shinji fühlte sich... ebenso wie all die anderen, die Asuka kannten - abgesehen von Gendo natürlich,... völlig in ihren Bann gezogen. Und er konnte nicht anders als sie voller Bewunderung anzusehen, während sie Note um Note mit absoluter Perfektion spielte.

Als Shinji einen kurzen Blick auf die Leinwand hinter ihnen warf, war er überrascht dort Tojis Präsentation zu sehen.

Es waren Szenen voller Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit. Eine Aneinanderreihung von Bildern eines kleinen unbekannten Mädchens, irgendwo in einem Krankenhaus, das versuchte wieder laufen zu lernen. Das nicht aufgab, egal wie oft es auch hinfiel. Und dann eine verschwommene Szene aus dem Kampf gegen den Vierten Engel... ein Blick aus der Zugangskapsel von Einheit 01 beim Sturmangriff auf den Feind... mit gezogenem Prog-Messer... hinein in einem Kampf auf Leben und Tod. Und im Hintergrund die ganze Zeit über das Gesicht de unablässig schreienden Piloten Shinji Ikari, der nicht eine Sekunde lang aufgab, selbst als der Angriff des Engels ihn mit aller Härte und allem Schmerz traf. Man hätte denken sollen, dass NERV sämtliche Aufnahmen von dem Zwischenfall mit Toji und Kensuke im Entry-Plug von Einheit 01 beschlagnahmt, oder zumindest gelöscht hatte, doch wahrscheinlich hatte keiner mit Kensukes Fähigkeiten gerechnet, gelöschtes Filmmaterial wiederherzustellen. Wie dem auch sei... Es gab auch Lichtblicke; kleine, friedvolle Szenen, die sich in das Chaos mischten, und die Zuschauer davor bewahrten von der Ausdruckskraft der äußerst realen Bilder dieses Kampfes überwältigt zu werden.

Seltsamerweise, passte alles perfekt zueinander.

Doch dann, als das Musikstück sich dem Ende zuneigte, begann Shinji seine ganze Aufmerksamkeit von Neuem auf Asuka zu lenken. Zuerst bewunderte er ihr Können.- Die Art, wie ihre Finger über die Saiten des Instrumentes tanzten, dann aber sah er den Ausdruck in ihrem Gesicht. Es war ganz und gar kein Spiegelbild der fröhlichen, wenn auch etwa merkwürdig klingenden Musik. Ehrlich gesagt, machte sie auf Shinji einen ernsten, ungemein konzentrierten Eindruck.- Irgendwie passend zu den Bildern auf der Leinwand.

Und doch war da noch etwas Anderes. Etwas unter der Oberfläche; verborgen vor den Augen der Zuschauer. Eine leise, innerlich empfundene Wut, die sich in Form von hart angespielten Noten und langgezogenen Übergängen äußerte. Zuerst schien es ein Bestandteil der Musik zu sein... doch jetzt, wo er sich mehr denn je auf ihr Spiel konzentrierte, da erkannte er die Wahrheit, die in diesem Lied verborgen lag.

'Kein Wunder, dass sie für dieses Stück nicht üben musste...' dachte er bei sich, als er die Traurigkeit in ihren Augen sah. 'Es ist IHR LIED...'

* * *


Misato suchte nach Ausflüchten. Entschuldigungen um das Konzert verlassen zu können.

Die Musik und das ganze Drumherum waren großartig, aber jetzt, da Asukas Solo zu Ende war, und der Applaus einsetzte, konnte sie die Blicke des Kommandanten förmlich SPÜREN.

"Können Sie mir vielleicht erklären wie streng geheimes Fotomaterial aus dem Inneren einer EVA-Zugangskapsel an die Öffentlichkeit gelangt ist, Major?" meinte er dann auch, während die Zuschauer um ihn herum applaudierten.

'Da sitzt du ja schön in der Tinte...' dachte Misato bei sich und seufzte.

Nur einige Plätze entfernt saßen Kensuke und Toji.
"Das war wirklich sehr gut!" meinte das Sommersprossen-Gesicht mit einem Grinsen... immerhin war das Fotomaterial aus dem Inneren des Entryplugs ja von ihm.

Toji nickte und brachte ein leichtes Lächeln zu Wege. "Ja, schätze schon...hat ja irgendwie seinen Zweck erfüllt."

"Wer war eigentlich das Mädchen?" fragte Kensuke unvermittelt.

"Wen meinst du ?"

"Na das kleine Mädchen im Krankenhaus."

Toji lächelte und schüttelte den Kopf. "Ach, stimmt ja...du hast ja meine kleine Schwester noch nicht kennengelernt."

Kensuke blinzelte verwundert. "Oh...Tut mir leid, Mann..."

Er schüttelte den Kopf. "Ist schon gut...Ich habe die Bilder für die Präsentation ja schließlich selbst ausgewählt." Er zuckte mit den Schultern und lächelte. "Aber vielleicht versteht ihr jetzt zumindest ein wenig, warum ich so ein Arschloch bin."

* * *


Shinji beugte sich zu Asuka herüber während der Beifall langsam verstummte. "Das war beeindruckend, Asuka-chan!"

Sie drehte sich nicht um...wahrscheinlich war sie immer noch in Gedanken bei ihrem Solo und genoss den Applaus... dennoch konnte er sehen, wie ein kleines Lächeln über ihr Gesicht huschte. "Danke, Shinji."

Er beließ es dabei,- doch später würde er sie fragen.

Reis Stimme holte ihn aus seinen Gedanken.

"Wir sind bereit für das nächste Musikstück." sagte sie, und die anderen Mitglieder des kleinen Orchesters nickten zustimmend. Gottseidank war es ein Stück, das sie geprobt hatten.

'Kanon in D-Dur.'

Asuka zwinkerte Shinji zu,- sie schien nun wieder ganz die alte zu sein. "Du hast vielleicht ein Glück... Du hast ja nichts anders zu tun als im Hintergrund ein bisschen herumzufideln."

"Ja klar." Shinji schmunzelte.

"Ein Fehler, Shinji," knurrte Asuka mit einem bösartigen Grinsen auf dem Gesicht, "...und ich trete dir so in den Hintern, dass du in den nächsten Monaten ein Sitzkissen brauchst!"

Sensei Kaoru lächelte stolz als er seinen Taktstock hob, und das Musikstück schließlich mit einer Einleitung durch Shinjis Instrument begann.

Das Cello spielte langgezogene, weiche Töne, die in einer getragenen, beruhigenden Weise zu fließen schienen, und genau die Stimmung vermittelten, für die diese Instrument so berühmt war.

Als die ersten Bilder auf der Leinwand erschienen stimmten die Geigen mit ein, und ein Lächeln ging durch das Publikum.

Bilder vom Unterricht.

Während die bisherigen Musikstücke größtenteils düstere, und seltsame Gefühle zum Ausdruck gebracht hatten, war dieses Lied vielmehr ein Abbild einer fröhlichen, unbeschwerten Einstellung. Eine Einstellung, die durch die ausgewählten Bilder in gelungener Weise unterstrichen wurde.

Und während die beiden Geigen perfekt miteinander harmonierten, und sich zum gleichmäßigen, getragenen Klang des Cellos im Hintergrund, in der Führung abwechselten, spürte ein jeder genau, welches starke Zusammengehörigkeitsgefühl diese drei jungen Musiker ausstrahlten.

Shinji... kraftvoll und allgegenwärtig,- aber dennoch stets im Hintergrund und immer darauf bedacht, den anderen beizustehen, und ihnen etwas von der Kraft zu geben, die seinem Spiel innewohnte.

Asuka... immer willens die Führung zu übernehmen,- mit ihrer Präzision und ihrem Können,- aber ohne die anderen verloren, in ihrem immerwährenden Bestreben die Beste zu sein.

Rei... ebenso perfekt,- aber nie darauf bedacht sich in den Vordergrund zu spielen. Dennoch stand sie Asuka in nichts nach, auch wenn keiner von den beiden es zugegeben hätte.

Drei unterschiedliche Charaktere.... die sich erst im Zusammenspiel ausgeglichen und harmonisch präsentierten; eine perfekte Einheit... Wenn auch nur für die Dauer diese Musikstückes.


Misato ließ sich von der Musik einfach mitreißen. Sie fand Gefallen darin... ungeachtet der Gänsehaut, die dieser unbewegte Eisklotz neben ihr verursachte.

Sie war stolz auf die Kinder. Nein... mehr als das. Sie war glücklich, dass sie endlich einmal die Gelegenheit hatten, wirklich Kind zu sein... die Kinder zu sein, die sie nun einmal waren... sich auszuzeichnen... ihr Können in einem Schulkonzert unter Beweis zu stellen, und nicht in einem verdammten Krieg. Ja, heute waren sie die Stars des Konzertes,- Stolz der ganzen Schule,- und nicht die Werkzeuge im ultimativen Kampf der Menschheit.

Doch viel zu schnell war das Lied zu Ende, und mit dem Widerhall der letzten Noten, standen die Zuschauer auf und applaudierten aufs Neue. Jubelrufe und fröhliches, zufriedene Lächeln vermischte sich mit dem Beifall, während sich die Kinder vor dem Publikum verbeugten, und lächelten.
Und sogar Rei lächelte, was allein schon einen Applaus wert gewesen wäre.

"Das war kein allzu schwer zu spielendes Stück." meinte Gendo halblaut.

Misato musste sich gehörig zusammenreißen keine Bemerkung zu machen, die sie möglicherweise ihren Job gekostet hätte.

Sensei Kaoru wandte sich einmal mehr dem Publikum zu. "Und nun Ladies und Gentlemen, werden wir für den Rest der heutigen Vorstellung die Rolle der führenden Geige neu besetzen. Doch zuerst bitte ich Sie noch einmal um einen herzlichen Applaus für unser bezauberndes Fräulein Sohryu!"

Asuka wurde rot und verbeugte sich mehrmals, als sie sich mit einem Mal einer wahrhaft überwältigenden Welle von Applaus und bewundernden Pfiffen gegenüber sah. Als sie schließlich wieder Platz nahm, schenkte sie Shinji ein Lächeln. "Tja, die erkennen halt noch WIRKLICHES Talent, wenn es ihnen begegnet. Und dabei hatte ich immer gedacht, da ihr Japaner euch eigentlich nichts aus solchen Konzerten macht?"

Shinji schüttelte einfach nur den Kopf und seufzte.

Wie aufs Stichwort stand Rei auf und deutete dem Sensei mit einem Kopfnicken, dass sie bereit wäre.

"Und hier ist sie, die junge Dame, die die führende Geige in unserem nächsten Musikstück spielen wird. Ladies und Gentlemen,- Miss Rei Ayanami!"

Ein Quartett von Geigen nahm Aufstellung für das nächste Stück;

'Air'.

Es war kein ganz einfach zu spielendes Stück... und es brauchte ein großes Maß an Zusammenarbeit und Synchronisation, um perfekt zu klingen, besonders da die 'führende' Geige auch in der Lage sein musste sich in das Spiel der begleitenden Instrumente einzufügen, um nicht zu dominant zu klingen.

Doch schon nach wenigen Takten war klar, dass dies kein Problem darstellen würde, und Rei völlig Herr der Lage war. Bewunderndes Staunen machte sich unter den Zuschauern breit, während die geheimnisvolle Rei Ayanami zusammen mit ihrer Geige durch eines der wohl ergreifensten, aussagekräftigsten, und schönsten Musikstücke führte.

Auf der Leinwand waren Bilder vom Nachthimmel mit all seinen Sternen zu sehen, doch niemand schenkte dem besondere Bedeutung. Es war wirklich nicht mehr als eine Untermalung für die Musik, die gespielt wurde.

Als Misato sich umschaute, stellte sie fest, dass einige der Zuschauer die Augen geschlossen hatten, und mit einem Lächeln auf den Lippen einfach nur der Musik lauschten.
Und für einen kurzen Moment zeigte selbst Gendo eine Gefühlsregung, als der dunkle, geheimnisvolle Ausdruck auf seinem Gesicht verschwand... und einem Lächeln Platz machte...

...auch wenn es nur für einen Moment war...

...okay, es waren ungefähr 2 Sekunden...aber sie konnte schwören, dass es keine Einbildung von ihr war.

Rei schien eins mit der Musik zu sein, und ein warmes Lächeln lag auf ihrem Gesicht, als sie zusammen mit den Anderen Note um Note zum klingen brachte.

Doch plötzlich war das Stück zu Ende... und obgleich die letzten Noten bereits gespielt waren, hielten sie die Zuschauer noch ein ganze Weile lang mit ihrem Klang gefangen, so dass eine merkwürdige Stille einsetzte.

Rei wandte sich ihrem Sensei zu,- besorgt, dass sie irgendeinen Fehler begangen hatte. Doch Kaoru lächelte einfach nur und wartete auf die Reaktion des Publikums.

Und die kam dann auch,- etwas verspätet, aber dafür um so intensiver. Stehende Ovationen, wie sie die Aula an diesem Tag noch nicht erlebt hatte. Ausbrüche von Begeisterung und Freude. Sogar Gendo Ikari stand auf, und steuerte eine wohl bemessene Menge Beifall hinzu, bevor er inne hielt und darauf wartete, dass auch der andere Applau versiegte.

Er war gerade im Begriff sich wieder hinzusetzen, als die Zeit mit einem Mal still zu stehen schien..

...und Rei Ayanami das wohl größte Lächeln aufsetzte, das man je bei ihr gesehen hatte. Ohne zu Zögern verließ sie ihren Platz im Orchester und rannte hinüber zu ihrem Lehrer, um ihn in die Arme zu nehmen.

Und Gendo konnte die Worte beinahe von den Lippen des Sensei ablesen, als dieser zu Rei sagte "Ich bin ja SO stolz auf dich, Rei!"

Misato traute sich nicht den Kommandanten anzusehen, als sie wieder auf ihrem Stuhl Platz nahm. Die Temperatur der Luft neben ihr erinnerte sie mittlerweile mehr an einen Gefrierschrank.

Als Kaoru sich schließlich dem Publikum zuwandte strahlte er vor Glück. "Ladies und Gentlemen! Darf ich Sie noch einmal um einen herzlichen Applaus für unsere bemerkenswerten jungen Musiker bitten!" Er deutete auf das kleine Orchester, dessen Mitglieder mittlerweile alle aufgestanden waren, und sich nun mit einem glücklichen Lächeln auf dem Gesicht unter dem nicht enden wollenden Applaus verbeugten.

Misato spendete ernst gemeinten und tief empfundenen Beifall, als sie sah wie 'ihre' Kinder lachten und sich immerfort verbeugten. Es war ein wunderbarer Anblick sie zumindest für Momente so zu glücklich sehen. "Ahh, ich bin so froh, dass ich doch hergekommen bin." platzte sie heraus... und hätte im nächsten Moment am liebsten ihre Zunge verschluckt. Hoffentlich hatte Gendo sie nicht gehört...

Sie drehte sich langsam um, und bereitete sich schon seelisch und moralisch darauf vor, von seinen eiskalten Blicken durchbohrt zu werden....


...doch Gendo war bereits verschwunden. Sie schaute hinüber zu den Ausgängen, und alles, was sie sah, war eine großgewachsene Gestalt, die gerade durch die Türe verschwand.

"Uii...das hat sicher noch ein Nachspiel. Schöne Scheiße..." murmelte sie vor sich hin. Doch mit einem Mal begann sie zu lachen. "Aber zumindest habe ich morgen frei! SIEG!"

Die Zuschauer um sie herum schauten sie unverständig an, und begannen nervös auf ihren Stühlen herumzurutschen.

Kaoru unterbrach alle weiteren Ausschweifungen des Majors, indem er mit seinem Taktstock auf die Ecke seines hölzernen Pultes tippte. "Und bevor Sie nun alle die Aula verlassen, um mit mir und den anderen Lehrern über ihre Kinder zu diskutieren, möchten wir Ihnen das letzte Musikstück des Abends präsentieren."

Er deutete auf Shinji und sofort setzte erwartungsvolle Stille unter den Zuschauern ein.

"Mister Ikari wird nun für Sie...

'Suiten für Violoncello'

...spielen. Eines meiner Lieblingsstücke, und, da bin ich mir sicher, seines sicherlich auch." Er schmunzelte zufrieden und deutete Shinji doch auf dem Stuhl in der Mitte de Bühne Platz zu nehmen.

Shinji schaute aufgeregt umher. "Sensei?" flüsterte er.

Kaoru beugte sich zu ihm herunter. "Was gibt es, Shinji?" fragte er mit gedämpfter Stimme.

"Sie haben doch gesagt, das wir dieses Stück gemeinsam spielen würden?" fragte der Junge sichtlich nervös.

"Da habe ich gelogen, Shinji." Kaoru schmunzelte. "Du schaffst das schon. Immerhin ist es ja auch ein Solo. Und wir wollen doch, dass es so bleibt, oder??"

Shinji nickte verhalten. "Hai..."

"Gut, gut." Kaoru erwiderte das Nicken und wandte sich wieder den Zuschauern zu, während Shinji Platz nahm und sein Instrument richtete.

Plötzlich tauchte Asukas Kopf neben seiner Schulter auf. "Hey, Shinji...Wenn du das hier perfekt über die Bühne bringst, dann werde ich mit dir ausgehen."

Shinji fiel beinahe vom Stuhl. "A...Asuka?"

Sie zwinkerte ihm zu und nickte. "Enttäusch' mich nicht, 'Third Child'." meinte sie noch, und ging dann zurück zu ihrem Sitzplatz, wo sie mit Unheil verkündendem Grinsen auf seinen Einsatz wartete.

Der junge Ikari seufzte nur. "Gaaanz ruhig Shinji.... Gaaaanz ruhig..."

Kaoru steckte seinen Taktstock ein und verließ die Bühne, wohlwissend, dass sein Schüler ihn nicht brauchte.

Shinji dagegen war gezwungen sich allein den mehr als hundert Zuschauern zu stellen, deren erwartungsvolle Blicke einzig und allein auf ihn gerichtet waren.

"Ich darf nicht weglaufen..." flüsterte er leise vor sich hin...

...und dann legte er seinen Bogen an die Saiten.

* * *


Kaoru schaute auf und seufzte leise, als er sah, dass Misato in das Klassenzimmer trat.
"Hey..."

"Hey..." Sie nickte, als sie seine Begrüßung wiederholte. Auf dem Weg hinüber zu seinem Schreibtisch beäugte sie die Pulte der Schüler um sie herum.

Es mussten mittlerweile bereits an die drei Stunden seit dem Konzert vergangen sein, doch erst jetzt hatte Kaoru den Großteil der Eltern-Lehrer-Gespräche hinter sich gebracht.

"Übrigens. Das war eine tolle Vorstellung!" meinte Misato beinahe beiläufig.

"Dank der Kinder." antwortete der Lehrer mit einem Kopfnicken und einem Lächeln auf den Lippen, während er ununterbrochen in seinen Unterlagen herumwühlte, um nur ja beschäftigt auszusehen.

Sie musste laut lachen. "Ausgerechnet du musstest ihr neuer Lehrer sein! Ich hätt's mir ja denken können..." Sie stöhnte auf. "Ich habe gedacht ich sterbe!"

"Das tut mir leid." Er nickte.

"Muss es aber nicht." Misato seufzte und setzte sich mit übereinander geschlagenen Beinen auf seinen Schreibtisch "Wenn sich jemand entschuldigen sollte, dann bin ich es."

Er errötete leicht. "Nein, es ist schon okay..."

Ein ganze Weile lang sagte keiner von beiden ein Wort...

Dann aber nickte Misato von Neuem, und stand auf. "Ich geh' dann mal besser bevor die Kinder nachher noch denken, dass ich versuchen würde dich zu verführen." Sie zwinkerte ihm zu.

Er brachte ein schüchternes Nicken zu Wege und lächelte. "Es war schön dich wiederzusehen, Misato."

"Wie steht es mit morgen?"

"Äh...Wie bitte?"

"Ich hol' dich ab. Sagen wir Acht Uhr?" Sie zwinkerte ihm zu. "Wie hört sich das an ?"

"Ich...Ich sollte wirklich nicht..." stotterte Kaoru sichtlich nervös...

"Na gut, dann Halb Acht?" Sie ließ einfach nicht locker und kam mit einem bezaubernden Lächeln auf den Lippen auf ihn zu. "Ich habe mir nämlich geschworen, dass ich mein unmögliches Benehmen beim letzten Mal wiedergutmachen werde. -Also glaub nur nicht, dass du mich so schnell los wirst."

Er musste schlucken. "Halb Acht hört sich gut an."

"Gut." sie lächelte, als sie sich von ihm abwendete. "Du kannst mir dann ja morgen erzählen, wie sich die Kinder so machen. Bis dann!"

Die Tür des Klassenzimmers schloss sich hinter ihr, und Kaoru seufzte... dann aber stöhnte er auf. "Mein Gott, ich werde langsam echt zu alt dafür...." Plötzlich begann seine Armbanduhr zu piepsen, und er schaute darauf.
"Oh verfluchte Scheiße... Nachher komm' ich noch zu spät!"

Er stürmte aus dem Klassenzimmer und rief noch im Laufen von seinem Mobiltelefon aus ein Taxi.

* * *


"Ich kann immer noch nicht glauben, dass unser Wunderkind mehr Applaus bekommen hat als ich." meckerte Asuka vor sich hin, während sie im Rot der untergehenden Abendsonne nach Hause gingen.

"Sie hat sehr gut gespielt." bemerkte Shinji. "Aber ohne deine Unterstützung wäre es sicherlich nicht mal halb so gut gewesen, Asuka-chan."

"Nenn mich jetzt bloß nicht Asuka-chan!" Sie verschränkte ihre Arme und schmollte. "Vielleicht sollte ich euch zwei ja ein eigenes Zimmer mieten, damit ich mir nicht ständig anhören muss, wie sehr du sie bewunderst."

In einem Anflug von Weisheit, enthielt sich Shinji jeglichen Kommentars.

"Nur weil wir gezwungen sind zusammen mit ihr zu arbeiten, heißt das noch lange nicht, dass du sie anbeten musst, 'Third Child'." Sie legte ihren Kopf auf seine Schulter und knurrte leise in sein Ohr. "Ab heute ist es dir verboten dieser Puppe schöne Augen zu machen."

"Ich habe ihr keine schönen Augen gemacht!" verteidigte sich Shinji,- jedoch vergeblich....

"Hmpf! BÖÖÖÖÖSEE Rei..."

"Ich schwöre es! Ich war einfach nur erstaunt, dass sie so gut gespielt hat, das ist alles!"

"Du hast auf ihre Möpse gestarrt!"

Shinji hätte beinahe das Gleichgewicht verloren. "NEIN HABE ICH NICHT!"

"Wir gehen jetzt vielleicht zusammen aus, und ich muss unter Umständen in Zukunft auch ein wenig netter zu dir sein..." flüsterte Asuka in sein Ohr. "Aber wenn ich dich auch nur einmal dabei erwische, wie du andere Mädchen nachstarrst, dann endest du als Spießbraten überm Holzkohlenfeuer, Freundchen.- Ich hoffe, ich habe mich klar genug ausgedrückt?"

Shinji schmunzelte, als ihm bewusst wurde, dass sie tatsächlich gesagt hatte, dass sie nun zusammen ausgingen... doch als schließlich das Bild eines riesigen Grills in seinem Kopf auftauchte, zuckte er unwillkürlich zusammen und musste schlucken.

"Hai-hai!" Er beeilte sich, zustimmend zu nicken.

"Gut. Immerhin hast du so gut gespielt, dass ich die Welt nur ungern deines Talentes berauben würde!" Asuka grinste und klammerte sich an seinen Arm. "Also, wohin wollen wir bei unserer ersten Verabredung gehen?"

"Ähm... wie wäre es, wenn du wählst?" Shinji zuckte mit den Schultern.

"Guter Junge." Asuka strahlte förmlich. "Ich kenn' da diesen Laden..."

* * *


In einem frostigen, kalten Büro, dominiert von Kupferstichen, und einem einzelnen kleinen Schreibtisch in der Mitte des ansonsten leeren Raumes, saß Gendo Ikari.

So wie immer, hatte er die ihm eigene Pose eingenommen; die Ellbogen auf die Tischplatte gestützt, und die Handschuh-verhüllten Hände vor den Lippen verschränkt, während die Brille akkurat ausgerichtet auf dem Rücken seiner Nase ruhte. Für jeden der die Szene flüchtig und aus einiger Entfernung betrachtete, erinnerte Gendo Ikari wohl mehr an eine Eis-Skulptur, als an NERVs obersten Kommandanten.

Er atmete langsam und kaum merklich, doch die Gedanken in seinem Kopf überschlugen sich.

Und begleitet von dem ersten, tiefen, hörbaren Atemzug in drei Stunden, murmelte er einen einzelnen Satz:

"Davon steht nichts in den Rollen von Qumran...."

* * *


Ende der Lehrer-Ausgabe Teil 2


Fortsetzung folgt...


Anmerkung von Author:

Ich hoffe ihr hattet Spaß an unserem kleinen Konzert! Ich möchte euch ermuntern, doch mal in die genannten Musikstücke reinzuhören, wenn ihr sie bisher noch nicht kennt. Es ist sau-schwierig ein Musikstück zu 'erzählen', um es mal so zu formulieren. Wenn man sich aber das Stück beim Lesen anhören kann, dann ist das eine ganz andere Erfahrung.

WAI! Okay! Ein besonderer Dank geht heute an die bezaubernde Senie, die mich motiviert hat weiterzumachen, auch wenn ich absolut keine Lust zum Schreiben hatte.

Auch möchte ich 'ADV films' dafür danken, das sie ENDLICH die 'Eva Collection 0:1' auf DVD herausgebracht haben. Nichts motiviert besser als Einheit-01 zu beobachten, wie sie 'Blinky' (besser bekannt als der dritte Engel) platt macht, und dabei all diese wunderbaren knurrenden Geräusche macht... und das alles in bester DVD-Qualität! ^_^ Und ich möchte die Leute dort anflehen, sich BITTE mit der zweiten DVD zu beeilen. ICH MUSS 'END OF EVANGELION' ENDLICH AUF DVD HABEN!!!!

Mehr Romantik, Comedy, und unheimliche Begegnungen gibt es dann in Teil 3 von 'Höhere Schule'. ^_^ Jetzt wo die Handlungen aus dem zweiten Teil abgehakt sind, kann ich mal anfangen so richtig Spaß zu haben. Hehehehe. In zwei oder drei Lektionen werdet ihr merken, was ich meine.



Und bis dahin sag' ich: Gehabt euch wohl, Danke für's Lesen, und ja, ich weiß dass ich zu spät dran bin, und es tut mir auch leid, aber hört endlich auf euch zu beschweren sonst schicke ich euch 'Blinky' auf den Hals.
Grrr. ^_^ Ja!



Homepage: http://www.geocities.com/Tokyo/9110
E-Mail: strikef@bigfoot.com

Strike Fiss, Ninja Crowbotics 2000. Khattam-Shud, EOF.

Copyright of the Charakter by GAINAX / Text by Strike Fiss, 1999
Translated by Melissa Schneider / Edited by Christian Winkler and Markus Ehreke