Stolz wie Oscar stand Asuka da; eine Hand an der Hüfte, und in der anderen ein Klemmbrett mit einer in deutsch geschriebenen Liste. Das war ein bedeutsamer
Augenblick, und wenn der Abend perfekt werden sollte, dann durften sie sich jetzt keinen Schnitzer erlauben.
"Bist du fertig, mein süßer Baka-Shinji?" Auf der Sitzcouch stehend lächelte sie auf ihn hinab.
Shinjis Knie wurden mit einem Mal butterweich, als er hörte wie liebevoll sie seinen Namen gesagt hatte (Liebevoll für Asukas Verhältnisse, wohlgemerkt). Dann aber
verbeugte er sich steif und klopfte das Ende seines Wischmops wie ein Zepter auf den Boden. "Hai!"
Sie nickte und sah auf ihre Liste. "ESSEN!"
Shinji schnappte nach Luft und rannte in die Küche. Auf dem Küchentisch lagen Tütenweise Kartoffelchips,- drei Sorten Poky (tm) in einer Menge, die einen ganzen Wald vor
Neid und Übelkeit hätten grün werden lassen,- ein wahrhaft GIGANTISCHER Turm von Getränkedosen, gefüllt mit allen, der Wissenschaft bekannten
Erfrischungsgetränken,- sowie eine extragroße Platte mit Fleisch-Käse-Cracker, die sie extra für diesen Anlass hergerichtet hatten.
Er zählte die einzelnen Dinge kurz nach, und wandte sich schließlich wieder Asuka zu. "Bereit!".
Asuka ging zum nächsten Punkt der Liste. "UNTERHALTUNG!"
Shinji keuchte und sprintete zurück ins Wohnzimmer. Asuka hatte ihre Stereoanlage ausgemottet, und sie zusammen mit diversen Zeitschriften und Mangas auf den kleinen Kaffeetisch
gestellt. Shinji hatte seine umfangreiche Musiksammlung beigesteuert und das Videospiel an den Fernseher angeschlossen. "Bereit!"
"BADEZIMMER!!"
Es war gar nicht mal so dumm auch dort nach dem Rechten zu sehen. Besonders bei der riesigen Menge an Getränken, die sie geholt hatten, und der Arbeit, die es gekostet hatte da
Appartement DERART sauber herzurichten...
Mit seinem Mop in der Hand hetzte Shinji hinüber zum Badezimmer. Asuka wartete mit einem offiziell aussehenden Stirnrunzeln bis sie die Toilettenspülung hörte. "Bereit!"
kam Shinjis Stimme kurz bevor er selbst wieder auftauchte...
"Und jetzt..." Asuka nickte und seufzte. "Zier dich nicht so..." sie zeigte auf ihn. "KÖRPERGERUCH!"
Shinji seufzte und hob seine Arme um einen kurze 'Riechprobe' zu machen. "Bereit!"
Asuka tat es ihm nach und lächelte zufrieden. "Perfekt! Alles bereit. Haben wir noch was vergessen, Shinji-kun?"
Er schüttelte den Kopf. "Nein! Das müsste es gewesen..."
Die beiden Piloten keuchten auf, als sie hörten, wie sich die Eingangstür des Appartements öffnete. "MITBEWOHNER!!"
Pen-Pen quakte wütend. Wenn die wüssten, dass allein er es gewesen war, der die Toilette repariert hatte! Undankbare Menschen...
Doch das Interesse der beiden Kinder galt in diesem Moment mehr ihrer Mitbewohnerin Misato...
"Tadaima..." Der Major blinzelte verwundert während sie sich umsah. "Äh... was geht denn hier vor sich?"
Die beiden Kinder blinzelten und schauten auf das Essen, die Stereoanlage, und den Mop, den Shinji schnell hinter seinem Rücken verschwinden ließ.
"Nichts, Misato-san!" antworteten sie absolut synchron.
Misato blinzelte, besah sich die eigentlich eindeutigen Beweise, und verweilte schließlich bei Shinjis unschuldigem Gesichtsausdruck...
Einem VIEL ZU UNSCHULDIGEN Gesichtsausdruck...
Und da Asuka ja bekannt dafür war, Shinji hin und wieder 'zu überreden'...
"Macht ihr..." Sie runzelte die Stirn. "Macht ihr etwa heute Abend hier eine Party? "
Schnell schüttelten die Beiden den Kopf, doch schließlich brach Shinji unter der Last ihres durchdringenden Blickes zusammen. "Hikari, Toji und Kensuke kommen her um..." Doch
weiter kam er nicht da Asuka ihn mit einem Schlag auf den Hinterkopf zu Boden schickte.
Misato sah sich um. "Na toll...jetzt muss ich auch noch einen Babysitter für euch finden." Sie seufzte und verschränkte die Arme.
"Einen *BABY*sitter?!?!?" schrie Asuka außer sich vor Wut. "FÜR WAS HÄLST DU UNS DENN?!?! Wir sind immerhin..."
"...noch Kinder, soweit es mich angeht." Misato runzelte die Stirn und sah ihre jüngere Mitbewohnerin mit einem durchdringendem Blick an. "Und außerdem ist das hier MEINE
Wohnung, nur falls dich jemand danach fragt."
Die beiden Jugendlichen seufzten. Shinji versuchte seinen Patzer wieder gut zu machen...
"Aber...Misato-san. Wir haben doch schon früher unsere Freunde zu Besuch gehabt... sowas ist doch keine große Party."
Asuka nickte zustimmend "Ja das stimmt Misato! Wir werden einfach nur ein bisschen 'Junk Food' essen, Videospiele spielen und Musik hören!"
Misato seufzte als sie an den Kindern vorbei ging. "Es tut mir leid, aber ich gehe heute Abend aus. Ich werde mal sehen, ob Kaji herkommen kann um auf euch aufzupassen."
"Kaji!?!" Asuka strahlte vor Freude, doch als sie Shinjis leicht unterkühlten Blick bemerkte, fasste sich sofort wieder. "Upps...."
Misato nahm den Telefonhörer ab und begann zu wählen.
Asuka schenkte Shinji ein verlegenes Lächeln. "Tut mir leid... war irgendwie Gewohnheit."
Shinji seufzte und nickte. "Schon gut. Ich verstehe..."
Um sicherzustellen, dass Shinji nicht wieder in wilde Spekulationen ausbrach und sich nachher noch Sorgen machte, beugte sich Asuka zu ihm herüber und gab ihm , als Misato gerade
nicht hinsah, einen flüchtigen Kuss auf den Mund. "Ich schwöre... es war nur die Macht der Gewohnheit mehr nicht."
Er wurde rot und nickte,- wenig überzeugend jedoch. "Hai."
Asuka suchte gerade nach Wegen ihrer Entschuldigung noch etwas mehr Nachdruck zu verleihen, als Misato zurück kam. "Wie spät ist es?"
"Zwanzig nach Sechs." antwortete Asuka.
"AHH!" Misato erschrak und rannte in ihr Zimmer. Bereits auf dem Weg dorthin begann sie ihre 'Arbeitskleidung' auszuziehen. "MIST! Ich bin verdammt spät dran!"
"Wohin geht ihr denn?" Asuka blinzelte, als ihr klar wurde, dass Kaji, wenn er den Aufpasser spielte, ja nicht auch noch mit Misato ...
"Ich habe eine Verabredung." Misato steckte den Kopf aus dem Zimmer und grinste wie ein frisch verliebtes Schulmädchen.
Die beiden Kinder blickten einander an und runzelten fast gleichzeitig die Stirn. Da stellte sich doch die Frage, wer hier einen Babysitter brauchte.
"Ach so, äh Shinji, wir haben fast keine Milch mehr im Haus... und wenn deine Freunde nachher rüber kommen, dann sorg' bitte dafür, dass für Kaji auch noch was zu
Essen übrig bleibt. Er sagte, er wäre in Kürze hier. Vielleicht möchtest du ja unten auf ihn warten." meinte Misato während sie vollauf damit beschäftigt war
ihre Abendgarderobe anzulegen. "Und Asuka, bitte macht nicht allzuviel Radau. Kaji sagte, er hätte wirklich viel um die Ohren, aber würde es trotzdem tun, weil er mir einen
Gefallen schuldet.- Also kann es sein, dass er hier den ein oder anderen Schreibkram erledigen muss. Ich muss morgen ziemlich früh los und habe keine Zeit einkaufen zu gehen. Kaji
wird sich darum kümmern, dass ihr die nächsten Tage über die Runden kommt."
"Hey, Misato. Was hast du getan, dass er dir so einen riesengroßen Gefallen schuldet?" Asuka grinste frech.
Shinji hatte derweil seine Schuhe angezogen und wollte gerade hinausgehen, als die Türglocke ertönte. Es waren Toji, Kensuke und natürlich Hikari, die ein wenig
nervös aussah und sich dezent im Hintergrund hielt.
"Konbanwa, Shinji!" grüßte Kensuke freudestrahlend.
"Vergib uns, dass wir euch so einfach überfallen, Ikari-kun." Hikari wurde rot. "Ich hoffe wir stören euch nicht..."
"Oh nein. Keineswegs." Shinji lächelte, als er an den Sinn und Zweck dieser Party dachte. "Ich muss nur noch eben etwas aus dem Supermarkt holen. Uh... bitte, kommt doch rein! Asuka
ist da und Misato zieht sich gerade um."
"Misato zieht sich gerade um?"... Toji und sein Freund grinsten wie Kinder an Weihnachten. Kensuke hatte sofort seine Kamera zur Hand. "Misato-san!"
In einem Anflug von ultimativer Geistesgegenwärtigkeit, die später von Asuka in den höchsten Tönen gelobt werden sollte, war Shinji sofort an Tojis Seite und zerrte
ihn in das Appartement, noch bevor er Zeit hatte beim Gedanken an Misato in unkontrolliertes Sabbern auszubrechen. Hikari blinzelte verwundert, doch Shinji lächelte einfach nur.
"Äh, gomen...Ich hatte einen Augenblick lang gedacht, ich hätte eine Biene gesehen."
Toji rappelte sich langsam wieder vom Boden hoch. "Eine Biene? Ich habe nichts gehört..."
Asuka grinste zufrieden, als sie herüber kam, um ihre Freunde zu begrüßen. "Hallo zusammen! Kommt doch rein!" Sie schenkte Shinji ein bezauberndes Lächeln. "Und denk
an die Milch, 'Third Child'."
"Hai." Er erwiderte ihr Lächeln und ging zur Tür hinaus.
"Das war verdammt knapp." murmelte Asuka vor sich hin und wandte sich schließlich ihren Gästen zu. "Also..." sie seufzte und wünschte sich, dass sie nicht schon so
früh gekommen wären. "Möchte jemand was zu essen?"
* * *
Shinji stand gerade an der Kasse des Supermarktes und war im Begriff seine Einkäufe zu bezahlen, als er Kaji hereinkommen sah. Er winkte und weckte so die Aufmerksamkeit de
älteren Mannes.
Kaji lächelte, als er herüber kam. "Hey, Shinji-kun. Hat Misato dir wieder einmal alle Einkäufe aufs Auge gedrückt?"
Er schmunzelte und nickte. "Ehrlich gesagt müssen Asuka-chan und ich uns schon darum kümmern wenn wir nicht ständig nur Instant-Ramen essen wollen."
Einige der Einkäufe in Shinjis Warenkorb weckten Kajis Interesse, besonders die vielen Knabbereien. "Macht ihr eine Party?"
"Na ja...nicht wirklich." meinte Shinji. "Wir wollten einfach nur...Ähh...na ja, weißt du, Hikari und Toji, die mögen sich, und da wollten..."
"Da wolltet ihr sie verkuppeln." Kaji schmunzelte. "Wie süß. Ich muss zugeben, die Rolle des Ehestifters hätte ich dir nicht zugetraut." Es schaute sich um. "Und ich soll
dann wohl die 'verantwortungsvolle Anstandsdame' bei eurem kleinen Treffen spielen, oder? Muss Misato denn heute länger arbeiten?"
"Ehrlich gesagt, denke ich... " er errötete leicht "Denke ich dass sie eine Verabredung hat."
Kaji blinzelte; damit hatte er nicht gerechnet. "Hmmm...nun gut."
"Ich hoffe du bist mir jetzt nicht böse." entschuldigte sich Shinji während er seine Einkäufe bezahlte.
Kaji nahm eine der Einkaufstüten und schüttelte den Kopf. "Nein. Weißt du, wir sind schon eine ganze Weile nicht mehr zusammen ausgegangen. Das ist schon in Ordnung. E
bringt halt nur manchmal die Erinnerungen an damals wieder hoch." Er zuckte mit den Schultern. "Aber so ist das nun mal im Leben." Ein Lächeln kehrte in sein Gesicht zurück.
"Und jeder, der dir was anderes sagt, gehört in die Klapsmühle."
Shinji nickte. Mittlerweile waren sie bereits wieder am Fahrstuhl des Appartementblocks angelangt. "Kann ich dich etwas fragen, Kaji-san?"
"Klar doch."
"Kannst du mir von Asuka erzählen?" Nervös scharrte er mit seinen Schuhen über den Linoleum-Boden des Aufzugs "Ich...ich meine, bevor sie hierher gezogen ist?"
Einen Moment lang hüllte sich Kaji in Schweigen und betrachtete den jungen Mann an seiner Seite. "Das.." meinte er mit einem Lächeln "Das ist eine Unterhaltung, die wir besser
auf später vertagen. Aber sei beruhigt, ich werde dir von ihr erzählen."
Shinji bedankte sich mit einem Lächeln während sie den Aufzug verließen und die wenigen Schritte zu Misatos Appartement zurücklegten.
"Tadaima." sagte Shinji in typisch japanischer Tradition, als sie die Wohnung betraten und noch im Gehen ihre Schuhe auszogen.
Asuka, und das musste man ohne Neid eingestehen, war sehr zurückhaltend, was Kaji betraf. "Willkommen daheim. Konbanwa, Kaji-san!" Sie kam herüber und nahm Shinji die Tüte
mit den Einkäufen ab. "Komm her, lass mich dir helfen..."
Kaji hätte beinahe einen Herzinfakt erlitten. "Asuka...hilft beim Tragen der Einkäufe?"
Shinji zuckte mit den Schultern während er Kajis Tüte an sich nahm. "Das ist doch nichts Ungewöhnliches. Wir beide machen doch ohnehin die ganzen Hausarbeiten hier."
"Trotzdem..." Kaji schüttelte ungläubig den Kopf. "Das Mädchen hat sich gewaltig verändert..."
Toji, Hikari und Kensuke hatten sich bereits über die Chips und die Getränke hergemacht, als Kaji zu ihnen an den Tisch trat. "Hey, Kaji-san!" Die Jungs verbeugten sich. "Setz'
dich zu uns!"
"Verbindlichsten Dank, werte Damen und Herren." meinte Kaji mit einem Schmunzeln während er sich eine Handvoll Cracker schnappte "Hat jemand Karten dabei?"
"Hey, Kaji-kun." Misato kam herein und hatte ein breites Grinsen auf dem Gesicht. "Was denkst du?"
Die Augen der männlichen Partygäste waren allesamt sofort auf Misato gerichtet, und dass so schnell, dass weder Asuka noch Shinji in der Lage waren Toji aufzuhalten.
Ein Staunen machte die Runde als Misato sich in Pose stellte. Sie trug ein lilafarbenes, geblümtes Sommerkleid,- recht lang und von eher konservativem Schnitt.
Bei den meisten Frauen, hätte es wohl mehr oder weniger hübsch ausgesehen, doch bei Misato wirkte es, nicht zuletzt dank ihrer hervorstechenden 'Merkmale', richtiggehend sexy.
Ihr Haar hatte sie zurück gesteckt, so dass nur noch ein paar wilde Strähnen über ihre Schultern fielen und ihre Nackenpartie betonten.
"Ich..." Kaji blinzelte, und brachte schließlich ein Lächeln hervor. "Das ist ein sehr schönes Kleid, Katsuragi-chan."
Die Jungs nickten zustimmend. Glücklicherweise machte Toji keine dummen Bemerkungen, die Hikari später gegen ihn hätte verwenden können... Doch das erledigte dann
Kensuke für ihn. "Heiliges Kanonenrohr..." Er schnappte nach Luft und vergaß natürlich nicht seine Videokamera zum Einsatz zu bringen.
"Schön dass es euch gefällt. " Misato griff nach ihren Schuhen und sah auf die Uhr. "Uiii...schon fast Sieben. Und du kommst hier klar, Kaji?"
Kaji lächelte die Kinder an. "Ich bin sicher, dass die Kinder sich benehmen werden." Toji, Kensuke und Shinji setzten ihr übliches 'Idioten-Trio' Grinsen auf.
"Berühmte letzte Worte, was?" Misato zwinkerte ihnen zu. "Also Jungs und Mädchen, wartet nicht auf mich!" Sie zog noch schnell ihre Schuhe an und war im nächsten Moment
auch schon aus der Tür.
Kaji seufzte und reckte sich. "Naja, es wär' gelogen wenn ich sagen würde, dass ich den Kerl, für den sie dieses Kleid trägt, nicht beneide..."
"Wie wahr, wie wahr..." Kensuke seufzte.
Hikari und Asuka grummelten leise vor sich hin.
* * *
"Naja, es wär' gelogen wenn ich sagen würde, dass ich das NERV-Hauptquartier beneide." Der Flugkapitän seufzte als er sein Flugzeug inspizierte.
"Wie wahr, wie wahr..." sagte einer seiner drei Co-Piloten.
Die übliche Überprüfung der Tragflächen und Steuerruder war nahezu abgeschlossen und die letzten Gallonen Flugbenzin flossen auch gerade in die Tanks des gigantischen
'Supercarrier' Jets. Alles in allem kein ungewöhnliches Bild, wären da nicht die gut zwei Dutzend Männer und Frauen in weißen Laborkitteln gewesen, die hektisch ein
letztes Mal die Ladung prüften.
Einzig und allein der gelegentliche Schimmer von Metall und etwas Farbe legte Zeugnis von der Gefährlichkeit der Ladung ab, die dort im Schatten der riesigen Tragfläche
verborgen war.
Evangelion Einheit 03. Seine dunkle Lackierung und dieser komische, mehr an einen Zylinder erinnernde Kopf, mit dieser schrecklichen Fratze von Gesicht, erweckten den Eindruck einer
Kreatur, die direkt aus der Hölle entsprungen war... Eine Kreatur, die bereit war alles und jeden mit einem Mal zu verschlingen,- so wie die Zweite Niederlassung vom Erdboden
verschlungen worden war.
Gott sei Dank besaß Einheit-03 keine S2-Maschine, und so war die Anspannung, die an Bord des Flugzeuges herrschte, lediglich 'nervenaufreibend' und nicht 'unerträglich'.
"Sieht der Kleine nicht hübsch aus?" scherzte einer der Techniker als er dem Flugkapitän die letzten Ergebnisse des Sicherheitschecks auf einem Palm-Top-Computer reichte.
Der Kapitän nickte und zeichnete den Bericht ab. "Ja für jemanden mit Geschmacksverirrung. Ich werde jedenfalls nicht eher zur Ruhe kommen, bis dieses Ding in Tokio-3 ist, und
wir wieder auf dem Rückweg nach Hause sind." Er wandte sich seiner Crew zu, die immer noch gebannt das Biest unter der Tragfläche anstarrte. "Und dass mir keiner von euch
irgendwelche Scheiße macht! Hab ich mich klar genug ausgedrückt?"
Sein Chef-Co-Pilot - eine Frau - nickte mit einem Grinsen. "Keine Scheiße im Kopf haben, keine Scheiße veranstalten, und aufpassen, dass keine Scheiße passiert, weil
Sie uns sonst zusammenscheißen."
"Ganz genau." Ein Grinsen huschte über sein Gesicht. "Also Leute, ich habe das Ehrenwort von fünfzig Leuten, dass dieses Ding da harmlos wie ein Stein ist, so lange es keinen
Strom bekommt. Wie dem auch sei, ich traue dem Braten nicht, und ich will das wir auf der Hut sind.- Auch was Angriffe von Außerhalb betrifft.- Die ganze Palette; Terroristen,
Flugabwehrraketen, andere Evangelions,- und zum Teufel, es würde mich nicht mal wundern, wenn ein Engel angreifen würde. Jeder, der auch nur irgendetwas Ungewöhnliche
sieht, auch wenn es nur eine Fliege ist die aus der Reihe tanzt, erstattet unverzüglich Bericht."
Die Crew der 'Neo Path 400' salutierte vor ihrem Flugkapitän, der immer noch auf das Monster starrte, das unter seinem Flugzeug hing.
Einheit 03 starrte mit unbewegter Miene zurück.
* * *
Hikari und Asuka saßen ein wenig Abseits des großen Trubels, der daher rührte, dass Toji und Kensuke die Spielkonsole in Beschlag genommen hatten und mittlerweile in
einen virtuellen Faustkampf verwickelt waren. Sie hatten die Lautstärke am Fernsehgerät bis zum Anschlag aufgedreht und machten dazu noch selbst derart viel Krach, dass e
für die beiden Mädchen zwar schwer aber auch relativ sicher war, eine private Unterhaltung zu führen.
"Ich...ich wußte ja gar nicht, dass Ayanami Toji mag..." meinte Hikari unvermittelt und gerade laut genug dass Asuka es hören konnte.
Innerlich stöhnte Asuka auf; wie konnte jemand nur auf diese miserable Vorstellung von Rei hereinfallen? Ihrer Freundin zu Liebe ließ sie sich jedoch nichts anmerken. "Na ja,
du weißt doch was man sagt ... stille Wasser sind tief. Und da meist niemand von ihr Notiz nimmt..."
"Na ja... Ich frage mich nur, ob ich die beiden nicht besser in Ruhe lassen sollte..."
"WAS?!?!" Asuka stöhnte auf. "Auf keinen Fall! Sie sagte doch, dass es ihr nichts ausmacht..." Sie beugte sich näher zu Hikari herüber... "Du wärst doch
verrückt, wenn du dir diese Gelegenheit entgehen lassen würdest! Wie oft hast du von einer Rivalin gehört, die freiwillig das Feld geräumt hat? Du solltest zugreifen,
bevor eine andere kommt und ihn dir wegschnappt!"
"Ich...ich denke du hast recht..." Hikari war mittlerweile knallrot. "Aber das klingt alles so.. kämpferisch! Sowas ist ganz und gar nicht meine Art..."
"Sollte es aber sein!" Asuka lächelte und hob mahnend den Finger. "Jungs mögen sowas."
Hikari fragte sich einen Augenblick lang, ob Asuka eigentlich wusste, wie die Jungs in der Schule so über sie dachten... Doch andererseits war eines auch so sicher wie das Amen in
der Kirche... egal wie schlecht die Meinungen über den Rotschopf auch waren,- jeder Junge war scharf auf sie.
"Na ja, vielleicht hast du recht."
"Jeder Junge, der mit einer starken Frau nicht klar kommt, ist nichts weiter als genau das." Sie grinste. "Ein Junge. Und kein Mann. Wenn Toji mit einer starken Frau wie dir nicht klar
kommt, dann ist er nichts weiter als ein kleiner Junge, und sowas hast du nicht verdient!"
Hikari wurde rot wie eine Tomate "Asuka!!"
* * *
Shinji und Kaji erledigten derweil in der Küche den Abwasch. Immer wieder gingen die Blicke des jungen Ikari hinüber zum Wohnzimmer, und er ertappte sich bei dem Versuch, zu
erraten worüber die beiden Mädchen gerade sprachen. Hikari wurde immer wieder knallrot und Asuka hatte dieses Lächeln aufgesetzt, das ihn immer halb ängstigte... und
halb erregte. Es war eine gefährliche Mischung.... zumal sie sich über Gott weiß was unterhalten konnten! Vielleicht sogar über ihn ...
"Shinji...Teller." Kaji grinste als er sah, wie der Junge aus seinen Gedanken aufschreckte.
"Hai!" Er nahm den Teller entgegen, trocknete ihn ab, und legte ihn schließlich zu den Anderen in den Schrank, während Kaji bereits den nächsten mit einem Spültuch
schrubbte.
"Frauen..." Kaji schmunzelte. "Eines der letzten, großen, ungelösten Rätsel dieser Welt. Wenn nicht sogar das Größte."
"Nani?"
"Schau sie dir doch nur mal an." meinte Kaji. "Die beiden Jungs haben noch nicht mal den Hauch einer Ahnung von all den Plänen, die in diesem Moment hinter ihrem Rücken
geschmiedet werden. Ich war schon immer der festen Überzeugung, dass Frauen die besten Spione sind. Sie haben so eine Art natürliches Talent auf diesem Gebiet."
Shinji lächelte. "Genau das gleiche hat Asuka mir auch gesagt. Ich habe es vorher nie bemerkt, aber ich denke sie hat recht."
"Asuka versucht dir etwas über die Frauen beizubringen?" Kaji lachte "Du armer Junge." Er hielt inne und schüttelte den Kopf. "Aber mal ehrlich, ich bezweifle, dass du jemal
einen besseren Lehrer finden wirst als sie.- Vorausgesetzt du stehst es durch."
"Bis jetzt komme ich ganz gut klar." erklärte Shinji ein wenig stolz.
"Das glaube ich dir gern." Kaji schmunzele einen Moment lang, dann jedoch seufzte er und wandte sich wieder dem Abwasch zu. Nachdem er zwei Gläser abgewaschen hatte kam ihm eine
Idee. "Hey Shinji, wie wär's? Trinkst du einen mit?"
Shinji blinzelte verwundert. "Aber.. ich bin doch noch viel zu jung zum..."
Kaji kicherte. "So war das ja auch nicht gemeint." Er hielt inne und hob eines der beiden Gläser hoch. "Gemeinsam etwas zu trinken ist unter Männern seit je her Ausdruck von
Freundschaft und Verbundenheit. Bereits seit unzähligen Jahrhunderten erzählt sich unsereins bei Bier und Wein Geschichten und Legenden. Und hin und wieder stößt man
dabei sogar auf die ein oder andere Weisheit."
Shinji grinste. "Na wenn das so ist, wer könnte da widersprechen."
Kaji runzelte die Stirn. "Woher dieser plötzliche Enthusiasmus? Du hast schon mal Alkohol getrunken, oder?"
Shinji grinste schelmisch und nickte.
"Oh... Na ja, ich hätte es mir denken können." Kaji lachte. "Immerhin lebst du zusammen mit Misato." Er ging hinüber zum Kühlschrank und holte vier Dosen Bier
heraus.
"Meinst du nicht, dass Misato was dagegen hat?" fragte Shinji als er gegenüber von Kaji Platz nahm.
"Wir werden den Kühlschrank wieder auffüllen. Sie wird gar nichts merken." meinte Kaji und öffnete seine Bierdose. Shinji tat es ihm gleich und für einen Augenblick
setzte eine fast schon feierliche Stille ein. "Also, worauf trinken wir?"
Shinji warf einen letzten Blick in das Wohnzimmer und lächelte. "Darauf, dass wir eines Tages die Frauen verstehen werden?"
"So so so ..." Kaji lachte als er seine Bierdose gegen die von Shinji stieß. "Hab' ich's doch gewusst. Du hast wirklich schonmal getrunken." Er beugte seinen Kopf und nahm einen
großen Schluck.
Shinji machte das Gleiche und schaffte es sogar beinahe die halbe Dose zu leeren, bevor er nach Luft schnappen musste. "Der Sake war irgendwie besser." Er zuckte mit den Schultern, und
nahm noch einen weiteren Schluck.
"Also, worüber sollen wir reden?" fragte Kaji, obwohl er die Antwort natürlich schon kannte.
Shinji blickte auf. "Wie war Asuka damals in Deutschland?" Er strahlte. "Bitte, ich möchte es wissen."
Kaji nahm noch einen Schluck von seinem Bier und schmunzelte. "Na ja... Das erste Mal habe ich sie getroffen, als..."