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Higher Learning

Lektion Zweiundvierzig: Kreidezeichnungen

Geschrieben von Strike Fiss , 1999
Homepage: http://www.geocities.com/Tokyo/9110
Übersetzt von Melissa Schneider
editiert von Christian Winkler, Markus Ehreke und Stefan Tumczak

Es war ein unnatürlich heißer Tag.

Das Brummen der Maschinen und das dumpfe, schlagende Geräusch der Rotorblätter etlicher Helikopter übertöne den normalerweise ohrenbetäubend lauten Singsang der tagaktiven Sommer-Zikaden, während Leute in Schutzanzügen durch das dichte Unterholz stapften, bis eine große Schneise voll verbrannter Erde ihren Weg kreuzte.

Ein dichter Nebel, wie sie ihn noch nie gesehen hatten, lag über der gesamten Gegend, und verbreitete eine Hitze, die jemanden ohne Schutzanzug bei lebendigem Leib gegrillt hätte.

Ritsuko sah sich um und seufzte... Die Selbstzerstörung von Einheit-00 hatte einen erschreckend großen Teil von Tokio-3 in einen Krater verwandelt...

Da es sich bei den meisten zerstörten Gebäuden um Geschäfts- und Bürohochhäuser handelte, oder um Waffengebäude, die dem Projekt-E angehörten, würde die Zahl der Opfer wohl weitaus geringer ausfallen als angenommen.

Die Anzahl der Menschen, die nach dem vorangegangenen Kampf Obdachlos oder ohne Arbeit waren, würde dagegen alle Schätzungen übertreffen...

"Wir haben sie gefunden!"

Sie folgte dem Rettungshelfer zum Ende der in den Boden geschlagenen Schneise, wo ein vage an eine Zugangskapsel erinnernder Metallzylinder tief in der Erde vergraben feststeckte. E dauerte nur wenige Augenblicke bis das gesamte Notfallteam von NERV vor Ort war.

Ritsuko betrachtete einen Moment lang die Seite des Objektes, auf der mit großen Lettern 'EVA-00' geschrieben war.
"Öffnen.", befahl sie schließlich.

Einer der Männer in einem großen orangefarbenen Schutzanzug begann die Zugangsluke zu entriegeln... Kaum dass er den letzten Sicherungsbolzen gelöst hatte, entwich ein Schwall von heißem Dampf aus dem Inneren und vermischte sich mit dem Dunst, der alles um sie herum zu verhüllen schien.

Erschrocken zuckte der Mann zurück, blieb aber dank seines Anzuges unverletzt.

Leider hatte Rei nicht die Möglichkeit gehabt, sich mit einem solchen Strahlungsschutzanzug zu schützen.

"Heilige Mutter Gottes..."

Ritsuko aber seufzte einfach nur als sie selbst einen Blick in das Innere der Zugangskapsel warf. Die Gestalt darin war eigentlich gar nicht so sehr entstellt... abgesehen von den Blasen, die den Großteil der Körperoberfläche bedeckten und sich auch durch die Reste des Einsatzanzuges hindurch abzeichneten. "Na ja, wenigstens hat sie nicht lange leiden müssen."

Als sich Dr. Akagi schließlich hinein lehnte, um an Hand des nicht mehr existenten Pulsschlages den Tod des Piloten festzustellen, bemerkte sie das kleine, zufriedene Lächeln, das auf Reis erstarrten Lippen lag...

"Verbrennt alles.", befahl sie, wandte sich ab, und seufzte. "Sie ist tot."

Ein leises Seufzen drang durch die Kopfhörer des Headsets an ihre Ohren. Es war Gendo. "Bereiten Sie die Dritte vor."

"Hai.", antwortete Ritsuko und schaltete die Com-Verbindung zur Kommandozentrale ab.

Sie begann zu grinsen.




[Zehn Stunden zuvor]



In den alten Stadtteilen von Tokio-3 herrschte hektische Betriebsamkeit,- so wie immer, wenn sich der kleine, mobile Markt wieder auf die Wanderschaft begab. Kontaktleute bei NERV hatten durchsickern lassen, dass der momentane Standort angesichts des Ausmaßes der letzten, und der noch zu erwartenden Angriffe, nicht mehr sicher sei, und so zogen sich die Besitzer der kleinen Geschäfte und Stände weiter in die Randbezirke der Stadt zurück.

Rei stand in einer der dunklen Gassen und beobachtete das Treiben. Sie hatte eine alte Decke gefunden und benutzte sie im Augenblick als eine Art Umhang, um ihre weiß-blaue Schuluniform darunter zu verbergen.

Sie schmunzelte vor sich hin als sie das Geschäft erblickte, nach dem sie gesucht hatte...

Es war ein kleiner Musikladen, oder besser gesagt ein mobiles Kiosk, das statt Zeitschriften, Tonträger und Zubehör verkaufte. Die Kinder in dieser Gegend nannten da Geschäft einfach nur den 'Versauten Schmuggler-Laden'.
Was den 'Schmuggler'-Teil betraf, so bezog sich das auf die Art der Musik, die man hier fand, die neben Raubkopien auch alte oder sonstwie schwer zu beschaffende Musikstücke umfasste.
Der 'versaut'-Teil dagegen bezog sich auf den Besitzer, ein alter, übel riechender Mann, der gern jungen Schulmädchen nachgaffte,- und vielleicht auch nachstellte. Keiner kannte seinen Namen, und alle nannten ihn nur den 'alten versauten Hentai-Mann'.

Rei grinste als sie sah, wie der Alte sein Geschäft verließ, um ein paar Mädchen in kurzen Röcken anzusprechen, die gerade auf der Straße vorbei gingen...

'Jetzt ist die Gelegenheit', dachte sie und rannte hinüber zu dem kleinen Musikladen...
Im Vorbeilaufen griff sie sich eine Handvoll MiniDisks aus der Auslage und den kleinen, silbernen MiniDisk-Player, der auf der Theke lag.
Ihr Herz raste als sie etwa zwei Häuserblocks später ihren Umhang fallen ließ und immer weiter die Straße hinunter lief.

Inzwischen war sie nur noch wenige Blocks vom neuen Stadtzentrum entfernt, doch kurz bevor der alte, marode, gepflasterte Gehsteig in den neuen Hochglanz-polierten Gehweg au Plastikzement überging, blieb sie stehen und versteckte sich in einer Seitenstraße.

Sie nahm sich ein wenig Zeit, um den Stapel kreativ akquirierter MiniDisks durchzusehen, und eine weitere Minute verstrich, bis sie die Bedienung des Abspielgerätes durchschaut hatte... Doch dann endlich war sie bereit...

...festzustellen, dass die Kopfhörer fehlten.

Enttäuscht ließ Rei den Kopf hängen. Es musste doch eine Möglichkeit geben, einen Kopfhörer aufzutreiben... Sie sah sich um und bemerkte einen Fußabdruck.

Na ja... einen Fußabdruck von EVA Einheit-01, um genau zu sein... Und das Gebäude, auf dem der Fuß gelandet war, hatte es nicht sehr gut überstanden... Da Absperrband, das die Polizeikräfte angebracht hatten, und die metallenen Absperrgitter, die den Zugang verhindern sollten, zierten allem Anschein nach schon monatelang diesen Ort,- ein Beweis mehr dafür, dass man es nicht eilig hatte Reparaturen an den Gebäuden der älteren Stadtteile durchzuführen... Dann aber sah Rei das große, platt getretene Ladenschild, und zögerte keinen Augenblick sich allen Absperrungen und Gefahren zum Trotz, regelrecht in die Trümmer des zerstörten Geschäftes zu stürzen.

Nach Minuten des Suchens zog sie schließlich unter einem halbwegs intakten Ladentisch eine leicht zerdrückte und staubige Box hervor, in der sich drei Mini-Kopfhörer im Wert von schätzungsweise je 100 Dollar befanden.

In Mitten der Trümmer setzte sie sich auf einen größeren Betonbrocken, packte einen der Kopfhörer aus, und legte eine der MiniDisks in den Player...
Als die Musik einsetzte durchflutete eine Symphonie von Klängen und Noten, Rhythmen und Akkorden ihren Kopf, und sie konnte nicht anders, als die Augen zu schließen und sich dem Genuss hinzugeben...

Es machte ihr nichts aus, dass rings um sie herum nichts als dreckiger Schutt war, und es kümmerte sie auch nicht, dass der Sonnenuntergang an diesem Tag weit weniger atemberaubend war, wie an manch anderem Tag. Ihre Stimmung und das Gefühl zum ersten Mal frei zu sein, ließen Rei alles um sie herum vergessen, und sie konzentrierte sich allein auf die Musik. Sie bekam ein Gefühl für den Rhythmus und die Tempi-Wechsel, und nach etlichen Takten begann sie schließlich dem Fluss der Musik mit ihrem Körper zu folgen, wobei kleine Strähnen ihres staubigen, kurzen, blauen Haars in ihr Gesicht fielen und ihre Augen verdeckten.

Es war eine Konzertaufnahme einer ihr unbekannten Symphonie, doch die hohe Wiedergabequalität der MiniDisk, zusammen mit den hochwertigen Kopfhörern gaben ihr das Gefühl mitten unter den Zuschauern zu sein.

Sie konnte es sich beinahe bildlich vorstellen...

Sie würde ein langes, tiefblaues Abendkleid tragen, mit dazu passenden Diamant-Ohrringen und einer Halskette, die der Blickfang schlechthin wäre... Keiner der jungen Männer würde daran vorbei kommen sie anzusehen, und es würde ihr ein jedes Mal ein bezauberndes Lächeln auf das Gesicht zaubern, und sie leicht erröten lassen.
Sie säße allein in einer der exquisiten Logen des Theaters und wenn die Musik zu Ende wäre, würde sie, wie in jedem guten Märchen auch, feststellen, dass der Mann ihrer Träume inzwischen genau neben ihr Platz genommen hatte.

Sie würden einander anlächeln, und ganz Gentleman würde ihr Märchenprinz sie zu einem Kaffee einladen. Sie würde zwar nach Ausflüchten suchen und sich wirre Entschuldigungen einfallen lassen, doch er wäre einfach viel zu hinreißend, und würde sie so unglaublich liebevoll ansehen, dass sie gar nicht anders könnte als seine Einladung anzunehmen.

Eine Brille... Ja... Er würde eine Brille tragen. Doch keine getönte, die Augen verschleiernde Brille wie Gendo... Sie musste ein elegantes Design haben, und ihrem Träger ein intelligentes Aussehen verleihen.

Sie wusste nicht warum, aber sie stellte sich ihren Märchenprinzen blond vor... vielleicht mit einem Pferde-schwanz, denn das würde seinem Wesen diesen wilden, ungezähmten, aber dennoch zivilisierten Touch geben. Vielleicht in etwa so wie dieser eine Techniker namens Tylor, den sie einmal getroffen hatte. Er hatte einen netten Eindruck gemacht, als er auf seinem Weg zum Getränkeautomaten aus freien Stücken angeboten hatte, ihr auch einen Tee mitzubringen.

Eine Träne rollte ihre Wange hinab und brachte sie in die Realität zurück. Sie seufzte als ihr klar wurde, dass es nichts weiter als ein Gedanke war... ein Wunschtraum... Aber ein schöner...

Das nächste Musikstück auf der MiniDisk war etwas lebhafter und schneller. Es wurde mehr von Trompeten, als von Geigen dominiert. Bisher hatte sie noch nie jemanden Trompete spielen sehen,- oder ihm live dabei zugehört...
Sie stand auf und verließ den Schutthaufen, der einst ein teures HiFi-Geschäft gewesen war, um weiter die Straße hinunter zu gehen. Die Leute, denen sie auf ihrem Weg begegnete sahen sie schief an. Sie fragten sich sicher, wie ein Mädchen mit staubigen Haaren und verdreckter Schuluniform an einen derart exquisiten und hochwertigen Kopfhörer kam... Doch Rei ignorierte die Blicke und das Getuschel...

Sie war ein wenig enttäuscht, feststellen zu müssen, dass alle Bewegung in der Stadt, und um sie herum, nicht dem Takt der Musik folgte. Irgendwie schien alles in Disharmonie mit den Klängen der Menschen des vergangenen Jahrhunderts zu laufen.

Die Sonne ging bereits unter, und von der glühend roten Kugel schaute nur noch eine kleine, schmale Sichel über die von Menschenhand geschaffenen Hochhäuser.

"Rot...", flüsterte Rei leise und setzte sich auf eine Parkbank, an der sie gerade vorbei kam. "Ich hasse rot..."

Mit dem Verschwinden der letzten Sonnenstrahlen schloss sie ihre Augen.

Doch anstelle der Dunkelheit, die sie sonst hinter ihren geschlossenen Augenlidern vorfand, war dieses Mal selbst dort alles rot.

Und im gleichen Moment verspürte sie eine Wärme... und anschließend einen heißen Luftzug, der sie einzuhüllen schien, und sogar durch ihre Kleidung hindurch ging. Neugierig öffnete sie ihre Augen und stellte fest, dass sie nicht mehr länger auf der Parkbank saß... Der Park... die Stadt... einfach alles war einem blendend grellen, roten Licht gewichen, das von einem Zentrum ausgehend, nach allen Seiten ausstrahlte und anzuwachsen schien... während es mit seiner schrecklichen Hitze einfach alle versengte...

Sie bedeckte ihre Augen nicht, obwohl sie sich vorstellen konnte, dass andere es getan hätten, um dieser Helligkeit und Hitze zu entgehen.

Und dann sah sie etwas im Zentrum dieser Explosion... Eine Gestalt, die sie zu kennen glaubte... Ein blauer Riese... mit einem Auge... Ein Baron der Hölle, der ihrem Befehl gehorchte...

Doch plötzlich veränderte sich die Gestalt und wurde für Sekunden jemand anders... und auch wenn das Licht sie inzwischen blendete, so konnte es doch nicht verbergen, wer oder was der EVA wirklich war... Die Gestalt sah Rei mit Augen an, die ein Spiegelbild ihrer eigenen waren...

...und lächelte, kurz bevor sie im gleißenden Licht unterging.





Die meisten Leute wären an dieser Stelle wohl in panische Schreie ausgebrochen, doch Rei weinte nur stumme Tränen, während die Vision an Deutlichkeit verlor, und letztlich ganz verschwand...





Morgen würde sie sterben...

Und all das... wäre verloren. Die Musik, die sie im Moment hörte... Die Freude und die Gefühle, die sie mit sich brachte... Das alles wäre für immer verloren...

Nein.

Nein...

Warum musste das alles aus ihrem Leben verschwinden? Warum konnte sie es noch nicht einmal in Erinnerung behalten?

Aber vielleicht...

Ihr Blick fiel auf ihren Schoß, wo der MiniDisk-Player lag, der - am Ende der Aufnahme angekommen - inzwischen abgeschaltet hatte. Sie startete ihn von Neuem, und zusammen mit der unbekannten Symphonie kehrten auch die Bilder ihres Traum-Typen und Märchenprinzen wieder zu ihr zurück...

Ja, es war zwar nur eine Fantasie... aber es war ihre Fantasie... etwas, das zu ihr gehörte... etwas, das sie geschaffen hatte... und das ihr keiner nehmen konnte...

Ja, sie konnte ersetzt werden, doch nicht ihre Träume...

Und auch nicht ihre Gedanken... oder ihre Gefühle... oder die Musik, die sie beim Schulkonzert gespielt hatte... Ja, der Körper namens Rei konnte ersetzt werden... Doch SIE und das, was sie ausmachte, konnte man nicht ersetzen...

Und so tat Rei etwas, das sie schon seit langem nicht mehr getan hatte...

Sie schmiedete einen Plan...

Und es war ein guter Plan...

Ein Plan, der funktionieren würde...

Als sie durch die Straßen rannte um ihren Plan zu verwirklichen, wurden die Musik und alles andere nebensächlich, und unvermittelt kam ihr ein fast philosophisch zu nennender Gedanke...

"Wenn niemand Rei sterben sieht... stirbt Rei dann überhaupt?"

Die Erinnerung an eine schlechte Kreidezeichnung des Mondes, der Erde und eines EVA gesellte sich zu ihren Gedanken, und sie musste schmunzeln...

Ja...

Es würde mit Sicherheit klappen... Nur bräuchte sie Hilfe...






[Acht Stunden zuvor]






Ritsuko wusste, dass das nicht gut war...

Ganz und gar nicht gut.

Es gab zu viele Fußangeln und zu Viel, das schief gehen konnte. Sie wollte das Leben ihrer Freunde nicht noch mehr durcheinander bringen, als sie es bereits getan hatte.

Und gerade die arme Maya war so unschuldig. Gerade sie hatte es nicht verdient. Besonders nicht nach der stressigen Woche, die sie hinter sich hatte. Es war ihr bestimmt nicht leicht gefallen, sich jemand anderem gegenüber zu öffnen, um ihm ihre Liebe zu gestehen... Besonders nicht, wenn dieser Jemand ihr Boss war... ihr Vorbild... und nicht zu vergessen auch eine Frau...

Zwar hatten sie in dieser Woche auch miterleben müssen, welche schrecklichen Dinge mit den EVAs und nicht zuletzt den Kindern geschehen waren...

...doch herauszufinden, dass Maya lesbische Ambitionen hatte, war die Krönung gewesen.

Ritsuko stöhnte innerlich. 'Lesbische Ambitionen'... Wie war sie nur auf diese Formulierung gekommen? Sie wusste ja noch nicht einmal, ob dem so war. Doch selbst wenn es so wäre,- sie selbst hatte ja auch schon für so etliche Leute geschwärmt. Und obwohl sie es nie zugegeben hätte, waren auch Frauen darunter gewesen. In der Highschool hatte sie eine Mitschülerin derart angehimmelt, dass es sich regelrecht zu einer Art Besessenheit entwickelt hatte. Eine Zeit lang hatte ihre Mutter sogar gedacht, dass sie... na ja.. ein jeder hätte wohl so von ihr gedacht, hätte er das Sammelalbum und die Informationen gesehen, die Ritsuko über das arme Mädchen zusammengetragen hatte...

Dr. Akagi seufzte.

Maya hingegen war ganz anders als sie damals. Sie saß einfach nur im Auto neben ihr... mit zugegeben Gott weiß was für Gedanken und Erwartungen im Hinterkopf.

ABER WARUM!?? Das war doch zum verrückt werden! Es war doch keine große Sache! Und was ihr Appartement betraf, so kannte Maya ihre Wohnung schon von einem früheren Besuch her. So gesehen war das doch alles nichts Neues für sie.

Sie würden einfach nur gemeinsam eine Tasse Kaffee trinken.

Warum zum Teufel war sie dann nervöser als bei all ihren bisherigen Verabredungen zusammen?

Das war ja alles so peinlich...

Vielleicht war Mayas Zuneigung ja die Strafe für all ihre Missetaten und die Lügen, die sie anderen ihr Leben lang aufgetischt hatte...

"SEMPAI! STOPSCHILD!"

Ritsuko keuchte auf und schaffte gerade noch rechtzeitig eine Vollbremsung, bevor ein Kleinlaster mit einem lauten Hupen von links über die Kreuzung schoss, und ihren Wagen nur um Haaresbreite verfehlte.

Warum war sie nur so schrecklich nervös?

Vielleicht lag es daran, dass Maya zumindest im Moment der einzig wirkliche Freund war, den sie hatte. Und selbst wenn ihr der Gedanke an eine enge freundschaftliche Beziehung zu Maya ein gewisses Unbehagen verursachte, so fand Ritsuko doch, dass es gar nicht mal so schlimm wäre, wenn die jüngere Frau sie anbetete... oder was auch immer sie tat... so lange sie dadurch nur nicht allein wäre.

"Sind Sie Okay, Sempai?", fragte Maya mit einem Ausdruck ehrlich gemeinter Besorgnis auf dem Gesicht.

"Mir geht's gut.", seufzte sie. "Mir geht zur Zeit nur sehr viel durch den Kopf."

"Okay.", meinte Maya noch, und beließ es dann dabei. Dennoch war ihr ein wenig unwohl, als sie sich wieder in den Beifahrersitz zurücklehnte..

Die meisten Leute wären sicher geschockt gewesen zu erfahren, was Dr. Akagi in diesem Moment durch den Kopf ging... Maya dagegen hätte es wohl ein Lächeln entlockt, zu wissen, dass ihr Mentor im Moment gerade darüber nachdachte, wie schön es doch gewesen war, von ihrer jungen Assistentin in den Arm genommen zu werden...

Wenn Ritsuko so darüber nachdachte... war sie schon seit Jahren nicht mehr richtig in den Arm genommen worden...

Mein Gott! War es wirklich schon so lange her? So lange, dass sie etwas derart einfaches wie die zärtlichen Berührungen eines anderen Menschen gespürt hatte? Ein Schmunzeln machte sich auf ihrem Gesicht breit, als sie in einem Anflug von schwarzem Humor an Gendo denken musste... Nein, was Gendo tat, war nicht als Berührungen zu bezeichnen... und schon gar nicht als Austausch von Zärtlichkeiten...

Oh, er hatte schon das gewisse Etwas... doch er war Gendo. Er war so ganz anders, als die ein oder zwei Liebhaber die sie vor ihm hatte... Gendo war irgendwie einnehmend und fordernd... Und auch wenn er sie normalerweise versteckte, so war doch die Leidenschaft, die dieser Mann in diesen Momenten an den Tag legte, wie ein Großfeuer; unaufhaltsam und alle verzehrend...

Er war nun mal schlicht und ergreifend Gendo.

Und auch wenn sie dieser Gedanke wieder in eine Richtung führte, die ihr immer noch Unbehagen bereitete, so musste sie doch zugeben, dass Maya in all diesen Dingen ganz anders al Ikari war. Und zum Teufel mit ihm... es hatte sich gut angefühlt endlich mal jemanden wie Maya in den Arm nehmen zu können. Einen richtigen Menschen,- voller Leben und Emotionen... Ja, es wäre sicher eine tolle Erfahrung mit diesem Menschen gemeinsam bei einer Tasse Kaffee zu sitzen, und einfach nur zu quatschen. Klar, da war auch noch Misato,- doch so lieb und nett sie auch war, sie war, besonders in letzter Zeit, ein bisschen zu... zu... nachdenklich. Sie stand den Dingen kritischer gegenüber als sonst, oder halt nicht kritisch genug. Jedenfalls war sie nicht die Art von Gesellschaft, die Ritsuko im Moment brauchte.

Was Maya in ihren Augen so besonders machte, war die Tatsache, dass sie auch noch ein Leben außerhalb von NERV hatte. Ein Leben, das es ihr erlaubte Abstand von EVA zu nehmen, und das ihr eine Zuflucht vor all dem Schrecken und dem Leid bot, dem sie sich Tag für Tag gegenüber sahen. Ritsuko fragte sich wie solch ein Leben ohne EVA überhaupt aussehen würde... und was so schlimm daran wäre, wenn Maya sie an diesem Leben teilhaben lassen würde?

Sie stellten den Wagen ab und saßen eine ganze Weile lang einfach nur da.

"Jetzt reicht es.", meinte Ritsuko mit einem Mal und holte tief Luft um neuen Mut zu fassen. "Ich habe dich eingeladen, um mit dir einen Kaffee zu trinken, und nicht damit du dir ansehen musst, wie mich meine Gedanken von innen heraus auffressen."

Maya dagegen machte sich auch so ihre Gedanken und folgte wortlos, als Ritsuko schließlich ausstieg, und in einen der vielen Appartementkomplexe von Tokio-3 ging.

Keiner von beiden bemerkte die Gestalt, die aus dem Schatten einer dunklen Seitenstraße auftauchte und ihnen folgte.


* * *


Die drei Alten Männer, die sich versammelt hatten, suchten dieses Mal nicht die Anonymität der blank polierten schwarzen Monolithen. Sie waren derart tief in die ganze Sache verstrickt, dass es keinen Unterschied mehr machte, ob sie ihre wahre Identität versteckten, oder nicht. Zumindest nicht, so lange sie unter sich waren. Die anderen Mitglieder von SEELE waren nicht mehr als Mitarbeiter, und keiner von ihnen glaubte so fest an den Plan, wie diese drei.

Der Vorsitzende Keel kniete am Kopf der Tafel, die sie für diese Zwecke immer nutzen.
Rechts von ihm war ein Mann, der in der Regel wenig gesprächig war,- besonders nicht, seit ihr Kampf sich der entscheidenden Phase und damit seinem Ende näherte. Er war der Kopf einer Organisation, die weitläufig unter dem Namen Vereinte Nationen, United Nations, oder kurz UN, bekannt war.
Links von Keel saß, gegen einen entsprechend niedrigen Stuhl gelehnt, sein Kontaktmann aus Deutschland.

"Und, wie läuft der Krieg?", fragte der Deutsche den Kopf der UN. Keel hatte die beiden Männer noch nie nach ihren Namen gefragt... sie interessierten ihn auch nicht.

"Nichts Neues. So wie üblich.", antwortete der UN-Mann. "Ich hoffe du hast die Gelder, die ich dir habe zukommen lassen, nicht bereits wieder sinnlos verschwendet."

"Natürlich nicht.", sagte der Deutsche und nahm einen Schluck aus seiner Kaffeetasse. "Die Deutschen kennen das Wort Verschwendung überhaupt nicht. Besonders nicht in diesen harten Zeiten."

"Mmm.", meinte Keel. "Ich denke man könnte das 'Projekt zur Vollendung der Menschheit' auch als einen Weg ansehen, um das Problem des Hungers auf der Welt ein für alle Mal in den Griff zu bekommen... Oder nicht?"

Der Deutsche schmunzelte. "Der nobelste, eigennützige Plan, den ich je gehört habe.", meinte er und hob seine Tasse wie zu einem Trinkspruch. "Und darum habe ich auch keine Bedenken ihn zu unterstützen."

Sie brauchten einander nichts vorzumachen. Sie alle kannten die Hintergründe und den Zweck ihrer Bemühungen. Die 'Vollendung der Menschheit' war ihre einzige Chance noch in den Himmel zu kommen,- oder in das, was sie dafür hielten. Jeder dieser drei Männer hätte schreckliche Verbrechen begangen. Greueltaten, die die Welt ein wenig dunkler, und menschenunwürdiger gemacht hatten...

Und jeder dieser drei Männer war nur noch einen Atemzug vom Tod entfernt...

Und wenn man verzweifelt ist... na ja... dann greift man auch schon mal zu drastischen Mitteln. Und auch wenn ihr Plan mehr als drastisch war, so würden sich all ihre Bemühungen doch auszahlen, und ihr Lohn wäre der selbst erschaffene Himmel...

"Du hast keine Bedenken den Plan zu unterstützen, weil er dich von den Schmerzen erlösen wird, die dir dein langsam dahinsiechender Körper verursacht.", erwiderte Keel mit gewohnt bedächtiger Stimme. Er wusste wovon er sprach, denn auch wenn sie alle drei dem Tod geweiht waren, so war er doch derjenige von den Dreien, der am Schlimmsten dran war. Und all ihre Macht, ihr Geld, und die Lügen, mit denen sie sich umgaben, würden das drohende Ende nicht aufhalten können.

Doch dann hatten sie EVA ersonnen, und realisiert.

Der Deutsche musterte Keel. "Ich kann mir vorstellen, dass dir das Warten auf den Tag des jüngsten Gerichts am Schwersten fällt. Immerhin hast du nichts mehr, wofür e sich zu leben lohnt."

Keel schmunzelte und meinte schließlich mit einem krächzenden Lachen. "Du tust ja gerade so, als ob du so anders wärst als ich. Sag mir eins; was hält dich denn noch hier?"

Der UN-Mann begann zu grinsen. "Bei ihm ist es sicher das synthetische Adrenalin, dass er jeden Morgen in seinen Kaffee mixt."

Der Deutsche runzelte die Stirn und starrte verlegen auf die Tasse, die vor ihm auf dem Tisch stand.

"Den meisten würde zwar das Koffein allein reichen, das er jeden Tag in sich hinein kippt...", fuhr der UN-Mann fort. "Doch wenn das Blut mittlerweile so dünn ist, dass man e nicht mal mehr spürt, dann muss man halt zu stärkeren Mitteln greifen..."

"Mag sein, dass es nur noch das Zeugs hier ist, das mich am Leben hält... und mich diese Existenz überhaupt ertragen lässt... aber warum nicht? Ich sehe keinen Sinn darin unnötig zu leiden.", antwortete der Deutsche mit einem Schulterzucken. "Ich habe getan, was ich tun musste..." Er langte über den Tisch und klopfte dem UN-Mann sanft auf die Schulter. "... aber ich mache mir jedenfalls keine Illusionen darüber, wie meine Buße aussehen wird."

Der Kopf der UN zuckte zusammen, als ein stechender Schmerz seinen alten, im Zerfallen begriffenen Körper durchzuckte. Der Deutsche musste laut loslachen, als er sah, wie sein Gegenüber sich die schmerzende Schulter hielt.

Keel hingegen runzelte die Stirn. Normalerweise hätte er anders reagiert, doch so kurz vor dem Ende, interessierte ihn schon fast gar nichts mehr. "Benehmt euch ein wenig ihr Kindsköpfe.", grummelte er schließlich.

"Du hast uns sicher nicht herzitiert, damit wir hier herumsitzen und uns gegenseitig unsere Wehwehchen klagen.", meinte der Deutsche schließlich und kippte schmunzelnd den Rest seines Kaffee-Gebräus hinunter.

"Wenn ihr beiden endlich ruhig wärt, könnte ich euch auch sagen warum ich um dieses Treffen gebeten habe.", antwortete Keel gelassen.

"Es geht um den Test.", warf der Deutsche ein. Dank seiner Quellen hatte er bereits im Vorfeld genau gewusst, worum es ging. "Sag schon, wie ist er gelaufen?"

Keel musterte ihn mit seinem metallenen Augen-Ersatz. Dann aber begann er zu lächeln. "Nun... Was dem 'Fifth' an Können fehlt, macht es durch seine Brutalität wieder wett."

"So wie alle guten Engel.", fügte er UN-Mann mit einem Kopfnicken hinzu.

"Und eine Sync-Rate von zweihundert Prozent kann auch nie schaden.", ergänzte der Deutsche noch mit einem Schmunzeln.

"Die Serien-EVAs stehen kurz vor der Fertigstellung." flüsterte Keel. "Ich muss sagen... es ist ein atemberaubender Anblick zwischen diesen Riesen hindurch zu schreiten, wenn sie nebeneinander im Hangar stehen." Sein Atem hörte sich krächzend an, als er bei diesem Gedanken in Verzückung geriet. "Es erinnert mich immer an den Grund, aus dem wir da alles hier begonnen haben."

"Ja, die EVAs zu sehen ist wahrlich ein herrlicher Anblick.", stimmte der Deutsche zu. "Sie sind der Garant für unseren Aufstieg zur Gottheit. Wir haben zu hart gekämpft, al dass es anders sein könnte."

"Aber... was ist mit der Lanze des Longinus?", fragte der UN-Mann.

"Sie ist nicht wichtig.", sagte Keel. "Sie war nichts weiter als einer der vielen Wege unser Ziel zu erreichen. Wenn es das 'Fifth' nicht schafft, uns die Erlösung zu bringen, dann machen wir eben den Piloten von Einheit-01 zu unserem Heiland." Der alte Mann schmunzelte. "Und wenn er auch versagt, dann bleibt uns immer noch die Möglichkeit mit Hilfe der Serien-EVAs unser Ziel zu erreichen."

"Vielleicht könnten wir sogar die Lanze des Longinus zurückbekommen.", fügte der Deutsche hinzu.

"Aber nicht innerhalb der kurzen Zeit, die uns noch bleibt.", mahnte Keel.

"Ja, es ist schon schwer genug, allein DIESEN Plan noch rechtzeitig vor dem Ablauf der uns bestimmen Zeit zu Ende zu führen.", stimmte der Deutsche zu und lehnte sich mit einem Seufzen in seinen Stuhl zurück. "Es wird eine wunderbare Erfahrung sein, dieses Leben zu verlassen, und ein Neues zu beginnen."

Einen Moment lang dachten alle drei über die Vergangenheit nach, und erfreuten sich an dem Gedanken, dass all das bald nicht mehr als eine Erinnerung wäre... und dass da Leben, das für sie mittlerweile zur Hölle geworden war, endlich ein Ende hätte...

"Aber.", flüsterte der UN-Mann mit einem Mal.

"Aber WAS?", erwiderte der Deutsche mit einem Stirnrunzeln.

"Was ist mit dem Mann, von dem Fuyutsuki-sensei geredet hat...", warf der UN-Mann mit einem Seufzen ein. "Wir wissen immer noch nichts über ihn."

"Er ist nicht mehr als eine Unbekannte in all den zig-tausend Variablen, aus denen unser Plan besteht, und die wir kontrollieren.", antwortete Keel. "Es wird reichen, wenn wir unserem hochverehrten Engel ans Herz legen, sich um diesen... Anderen... zu kümmern."

"Das 'Fifth' ist wohl kaum als Krieger zu bezeichnen.", warf der UN-Mann ein.

"Wir brauchen keinen Krieger.", entgegnete Keel mit einem Schmunzeln. "Wir müssen nur gewinnen."

Die drei Alten Männer nickten. Wie es schien hatten sie selbst in diesen Tagen die Hoffnung nicht verloren.




Drei Worte können so viel sagen. Grammatikalisch gesehen, ist es oft nicht mehr als eine Kombination aus Subjekt, Prädikat und Objekt.- Die Grundbausteine eines Satzes.

Doch so einfach das auch klingen mag, Ritsuko grübelte nun schon seit einer ganzen Weile über die richtige Zusammenstellung...

Sie wusste genau, dass es auf nicht mehr als drei Worte hinaus laufen würde. Und es wären drei einfache Worte, wie ihr Verstand ihr immer wieder versicherte. Sie war in der Lage eine dreitausend Gigabyte große Datenbank zu einem Biorhythmus zusammenzufassen, den ein Kind mit einem dicken Buntstift auf eine Papierserviette zeichnen konnte, doch warum nur schaffte sie es dann nicht drei kleine Worte richtig zusammenzusetzen?

'Drei kleine Worte.' Sie musste schmunzeln, als sie sich daran erinnerte, dass ihre Mutter immer gesagt hatte, dass diese drei kleinen Worte die Vorboten von großem Unheil wären... und dass sich Männer und Frauen wegen dieser drei Worte immer wieder in die Haare bekommen würden.

Doch was wäre, wenn sie einfach nur gute Freunde wären?

"Kann ich irgendwie behilflich sein?", rief Maya, die bereits im Wohnzimmer Platz genommen hatte.

"Nö! Dauert nur noch eine Minute!", antwortete Ritsuko ebenso laut als ihr klar wurde, dass der Tee schon fast fertig gezogen hatte...

Der schwierigste Teil wäre wohl der armen Maya den Unterschied klar zu machen. Ihr zu erklären, dass es kein Eingeständnis von abgrundtiefer Liebe war. Irgendwie... tat e ihr sogar ein wenig leid. Sie musste grinsen. Wenn irgendein Mann sie in eine gleichgeschlechtliche Beziehungskiste treiben könnte, dann wäre das Gendo.

Doch an so etwas wie lesbische Liebe wollte sie nicht denken... jedenfalls im Moment nicht... Obwohl... Irgendwie war Maya wirklich süß...

In Gedanken verpasste sie sich und ihrem Gehirn eine schallende Ohrfeige. Böser Gedanke. "Böser Gedanke!" wiederholte sie laut.

"Wie bitte?"

"Oh, nichts, nichts!", meinte Ritsuko und seufzte. Behutsam stellte sie den Tee zu den anderen Utensilien auf das Silbertablett und trug alles aus der Küche.

Wie ein verschrecktes Kind saß Maya hinter dem kleinen Wohnzimmertisch; nervös und immerzu darauf bedacht nur nichts anzurühren.

Ritsuko betete, dass sie das Richtige tat...

"Hier, bitte, Maya.", sagte sie, während sie ihrer Freundin eine Tasse Tee eingoss. "Ich hoffe, er ist um etliches besser, als das Zeugs, dass sie uns bei NERV vorsetzen.", fügte sie mit einem Grinsen hinzu.

"Da bin ich sicher, Sempai.", erwiderte Maya als sie voller Dankbarkeit die Tasse entgegen nahm. Sie ließ das Getränk einen Moment lang in ihren Händen abkühlen und trank schließlich einen kleinen Schluck. "Sehr gut. Domo!"

"Mmm. Ja, der ist wirklich gut.", stimmte Ritsuko zu. Es hatte zwar seine Zeit gedauert ihn zuzubereiten, doch Tee war zumindest etwas, bei dem man nicht allzuviel falsch machen konnte... Im Gegensatz zu...

"Also.", hob sie an.

"Also...", kam die vielsagende Antwort.

Ritsuko seufzte. "Maya..."

"Sempai?" Maya lehnte sich ein wenig vor.

"Ist dein Tee..." Die blonde Wissenschaftlerin hielt inne und schüttelte den Kopf. "Ach verdammt! Nein! Was ich sagen wollte, ist..."

Es fiel ihr schwer die richtigen Worte zu finden. Und die Tatsache, dass die junge Frau gegenüber sie mit einem verträumten 'Hundeblick' ansah, machte es auch nicht gerade leichter...

"Ich brauche dich."

Maya blinzelte verwundert. "Wirklich??"

"Du...", begann Ritsuko und stockte einen Moment lang. "Du bist jetzt nicht enttäuscht?"

Maya wurde rot wie eine Tomate. "Warum sollte ich enttäuscht sein?"

"Na ja...Ähm....Ich dachte halt nur, dass du vielleicht erwartet hast, dass ich etwas anderes zu dir sagen würde..."

Maya setzte ein strahlendes Lächeln auf. "Ach Sempai... Sicher habe ich mir erträumt etwas anderes zu hören, doch zu hören, dass Sie mich brauchen, ist im Moment mehr als genug für mich."

Ritsuko spürte, wie sie errötete... Schon lange war sie nicht mehr derart verlegen gewesen. "Oh... Gut... Das freut mich..."

"Oh Sempai!" Maya konnte sich einfach nicht mehr beherrschen und fiel ihrem Mentor um den Hals.

Und bevor sie wussten was eigentlich geschah, hatten sich die beiden Frauen auch schon gegenseitig in den Arm genommen.

Ritsuko seufzte zuerst noch, begann dann aber zu lächeln. Warum sollte sie diesen Augenblick nicht genießen? Immerhin beobachtete sie doch keiner, und...

"Wenn ich störe, kann ich auch später noch einmal zurück kommen."

De beiden Frauen schrieen auf, als ihnen klar wurde, dass es eine dritte, fremde Stimme gewesen war, die gesprochen hatte. Zu Tode erschrocken machte Maya einen Satz und ging hinter ihrem Stuhl in Deckung. Ritsuko dagegen schüttelte einfach nur den Schrecken ab und starrte das blauhaarige Mädchen an, das mit superteuren Kopfhörern und verdreckter Schuluniform wie aus dem Nichts aufgetaucht war.

"Rei! Was machst du denn hier?", fragte Dr.Akagi immer noch ein wenig atemlos, und dankte Gott, dass sie bei der Überraschung zuvor keinen Herzanfall erlitten hatte.

Rei wurde knallrot und verbeugte sich demutsvoll. "Gomen! Gomen nasai! Ich wollte nicht stören!"

Ritsuko seufzte. "Ist schon gut, Rei-chan!", meinte sie schließlich und schenkte dem Mädchen ein warmherziges Lächeln. "Möchtest du auch einen Tee?"

Die beiden Frauen brauchten einen Moment um zu erkennen, dass Rei weinte.

Maya stand auf und ging zu Rei, während Ritsuko das silberne Tablett und die anderen Utensilien zur Seite räumte, damit der unerwartete Besuch am Tisch Platz nehmen konnte.

"Was ist los, Rei-chan?", fragte die junge Wissenschaftsassistentin mit ihrer gewohnt sanften und einfühlsamen Stimme. "Bist du verletzt?"

"Nein.", antwortete Rei leise. "Aber..."

Ritsuko blinzelte verwundert. "Aber?"

"Ich denke...", begann das Mädchen und schüttelte den Kopf... "Ich werde morgen sterben."

Maya warf Ritsuko einen fragenden und gleichzeitig besorgen Blick zu. "Ein Engel?", fragte sie.

"Hai.", antwortete Rei mit einem Kopfnicken und blickte zu Boden. "Und ich werde morgen sterben..." Sie sah auf und schaute Ritsuko an. "...wenn Sie mir nicht helfen."

Ritsuko musste schwer schlucken. Sie wusste bereits worauf Rei anspielte.

Maya musterte ihren Mentor und fragte sich was dieser seltsame Ausdruck auf dem Gesicht ihrer neu gefundenen Freundin bedeutete. "Sempai?"

"Rei...", begann die blonde Wissenschaftlerin und kniete vor Rei nieder, damit sie dem Mädchen in die verweinten, rubinroten Augen sehen konnte. "Du willst du selbst bleiben, stimmt's?"

Rei nickte entschlossen. "Hai."

"Woher... weißt du, dass du morgen sterben wirst?"

"Ich weiß es nicht.", flüsterte Rei. "Ich weiß nur, dass es passieren wird."

Ritsuko wandte sich Maya zu. "Mir ist schon klar, dass ich mich jetzt wiederhole... aber ich brauche dich jetzt wirklich."

Maya nickte ohne groß darüber nachzudenken. "Sie können auf mich zählen, Sempai!"

"Wir müssen sofort zurück zum Labor.", meinte Ritsuko und stand auf. "Rei... bist du dir im Klaren darüber, was es bedeuten könnte?"

"Hai.", flüsterte Rei. "Es könnte bedeuten, das Einheit-00 zerstört wird."

"Oder wir alle.", warf Ritsuko ein und seufzte.

"Nein.", widersprach Rei und sah auf. "Ikari-kun wird dafür sorgen, dass alles gut geht."

Ritsuko seufzte von Neuem und nickte. "Okay.", meinte sie und wandte sich Maya zu. "Maya, wir müssen eine neue Rei schaffen."

Maya blinzelte unverständig.

Ritsuko zuckte zusammen, als sie den Ausdruck von Unverständnis und Schrecken auf dem Gesicht ihrer Assistentin sah. Sie hatte immer gehofft die junge Frau nicht auch noch in diesen Sumpf von Lügen und Halbwahrheiten hinein ziehen zu müssen.

"Wir müssen ins Terminal Dogma.", erklärte Ritsuko und schloss ihre Augen. "Dahin, wo all die anderen Reis sind."

Maya riss ihre Augen noch ein wenig weiter auf als die Bedeutung der Worte Gestalt anzunehmen begann... "Die A...A...Anderen?"

"Ich werde es dir unterwegs erklären.", erwiderte Ritsuko und überraschte Maya mit einer von Herzen kommenden Umarmung. "Wir sollten gehen."

Rei wurde rot und verbeugte sich dankbar. "Domo, arigato, mina-san."

"Spar dir deinen Dank für morgen auf... vorausgesetzt, das wir dann noch am Leben sind.", unkte Ritsuko in einem leicht rüden Tonfall während sie noch schnell ihre Mäntel anzogen, und schließlich das Haus verließen.






[Gegenwart]






Gendo beobachtete das Ganze aus dem Vorbereitungsraum, der dem sterilen Behandlungsraum vorgelagert war. Mitzuerleben, wie Rei wiedergeboren wurde, war ein seltsames Schauspiel. Einen Moment lang fragte er sich, ob er zu viel riskiert hatte... Doch als der gute Doktor endlich das LCL aus ihren Lungen abgesaugt hatte, und 'Rei III' ihren ersten Atemzug tat, waren alle Zweifel verschwunden.

Jetzt war seine Rei wieder rein und unangetastet.

Der Anblick des zitternden, blasshäutigen Mädchenkörpers auf dem sterilen weißen OP-Tisch weckte in ihm die Erinnerung an die beiden anderen Male, da Rei geboren worden war.

Wie weit sie doch gekommen waren. Die Prozedur war ein voller Erfolg gewesen, und dieses Mal hatte sich bereits der Erste ausgewählte Körper als kompatibel erwiesen. Alles war nach Plan verlaufen und das einzige Haar in der Suppe war, dass dieser Schritt überhaupt nötig gewesen war.

Er drückte die Taste für die interne Sprechverbindung zwischen Behandlungs- und Vorbereitungsraum, und alles was er hörte, waren zunächst einmal die Schreie und da atemlose Keuchen von Rei. Ritsuko und ihr Team hatten alle Hände voll zu tun, die Lebenszeichen des neugeborenen Teenagers zu stabilisieren.

Gendo jedoch ignorierte die Nebengeräusche und die Anspannung, die auf den Gesichtern des Ärzteteams lag, und meinte einfach nur etwas lauter als üblich und mit gewohnt befehlender Stimme: "Ich erwarte benachrichtigt zu werden, wenn sie soweit sind."

"JA!", kam Ritsukos ebenso laute Antwort, bevor sie die Sprechverbindung von ihrer Seite aus beendete.

Ein kaum sichtbares Lächeln lag auf seinem Gesicht, als Gendo den Vorbereitungsraum verließ und auf Misato, Shinji und Asuka traf, die mit sorgenvollen und betretenen Mienen vor den Türen der Intensivstation warteten. "Sie wird durchkommen.", sagte er.

Ein hoffnungsvolles Seufzen machte die Runde.

'Was für Idioten', dachte Gendo. 'Wollen doch mal sehen, ob sie es schaffen Rei von Neuem zu verderben.' Seiner Meinung nach ein unmögliches Unterfangen in der kurzen Zeit, die ihnen noch blieb.

Als er gegangen war, machte sich ein Ausdruck von Hoffnung auf Shinjis Gesicht breit. "Ich bin sicher, dass sie überlebt hat! Sie muss es einfach geschafft haben!"

Asuka suchte die Geborgenheit seiner Arme und schmiegte sich eng an ihn. "Das hoffe ich.", flüsterte sie leise und nickte.

Misato dagegen versuchte einfach nur die Anspannung der letzten Tage mit einem langen Seufzer abzuladen. "Das ist die schlimmste Woche meines ganzen Lebens."






Es dauerte viele Stunden...





...während derer Ritsuko und Maya geduldig an Reis Bett verharrten. Sie hofften, dass ihr Schauspiel überzeugend gewesen war, und beteten, dass Rei durch die ganzen Drogen, Medikamente und Tests nicht verletzt worden war.

"Denkst du, sie haben uns das kleine Schauspiel abgekauft?", flüsterte Maya leise, während alles Licht, das sie umgab von dem grün-gelben Leuchten des EKG Monitor stammte, dessen rhythmisches Piepen wie Musik für ihrer beider Ohren war.

"Ja.", antwortete Ritsuko und seufzte. "Sonst hätte er uns vorhin nicht allein gelassen. Er denkt, dass er alles unter Kontrolle hat, und das Ganze nach Plan verläuft."

"Oh." Maya nickte verständig. "Und die... Anderen...?"

"Sind alle weg.", erwiderte Ritsuko. "Es wird seine Zeit dauern, bis er dahinter kommt. Die Rei, die wir in die Zugangskapsel von Einheit-00 gesteckt haben, kannte wahrscheinlich noch nicht einmal ihren eignen Namen." Sie fluchte vor sich hin. "Abartig..."

"Doch."

Die beiden Frauen schreckten auf, doch dann bemerkten sie, dass es Rei war, die gesprochen hatte. Sie seufzten.

Das junge Mädchen sah die beiden mit leicht verschlafenen, aber dennoch irgendwie stechenden, roten Augen an. "Ich habe vorher mit ihr gesprochen.", erklärte sie leise. "Sie kannte ihren Namen."

Ritsuko wandte sich ab. "Es tut mir leid, Rei."

"Sie hat es verstanden.", flüsterte Rei. "Sie wusste, warum sie sterben musste... Aber es war ihr egal. Sie dachte so, wie ich früher gedacht habe..."

Die beiden Wissenschaftlerinnen sahen betreten zu Boden während Rei leise zu schluchzen begann.

"Sie wusste, dass sie ersetzbar war.", fuhr das blauhaarige Mädchen schließlich mit zittriger Stimme fort während sie sich an das Kissen klammerte, das sie in den Händen hielt. "Doch es hat ihr nichts ausgemacht."

Als Ritsuko ihren Kopf hob und Maya ansah, hatte sie Tränen in den Augen. "Denkst du immer noch, dass ich ein wundervoller Mensch bin, Maya?"

Maya gab sich indes immer noch große Mühe ein Loch in ihren eigenen Schoß zu starren. "Sempai..."

Rei schaute auf, und sah Ritsuko in die Augen. "Es wird nichts an ihrer Einstellung ändern.", antwortete sie anstelle der Wissenschaftsassistentin. "Denn Maya ist ihre Freundin. Wir alle werden hin und wieder dazu gezwungen, etwas Schlechtes oder gar Unrechtes zu tun..." Sie hielt einen Moment lang inne. "Was zählt ist... der Versuch, Fehler wiedergutzumachen."

Maya lächelte obwohl immer noch Tränen über ihre Wangen liefen. "Hai. Du hast recht, Rei-chan."

Das blauhaarige Mädchen nahm all seine Kraft zusammen und griff nach der Hand des Doktors. Ritsuko staunte über die Wärme und die Zärtlichkeit die ihrer Berührung inne wohnte. "Ich danke euch beiden..." murmelte sie noch leise und mit von Herzen kommender Dankbarkeit, doch dann forderten die Medikamente und der Stress der letzten Stunden ihren Preis, und sie fiel von Neuem in einen tiefen Schlaf.

Ritsuko blickte auf die so zerbrechlich scheinende, und dennoch so lebendige kleine Hand und ließ ihren Tränen freien Lauf. "Nein, ich danke, Rei...", schluchzte sie und ihr Körper zitterte. "Ich habe zu danken..."

"Ich denke wir alle haben einen Grund dankbar zu sein.", entgegnete Maya während ein kleines Lächeln ihre Lippen umspielte.






Rei zuckte zusammen, als sie die Augen öffnete und sich mit einem Mal dem hellen Licht der Mittagssonne gegenüber sah... doch es war ein süßer Schmerz, der sie durchzuckte... ein Schmerz den sie zu jeder Zeit, noch eine Million Mal, und mit wachsender Begeisterung ertragen hätte...

Denn das Sonnenlicht sehen zu können bedeutete, dass sie lebte...

"Hey, Schlafmütze!"

Sie blinzelte ein paar Mal bis sich ihre Augen an die Helligkeit gewöhnt hatten und der Rest ihrer Müdigkeit verflogen war. Sie blickte sich um, und das Erste, was sie sah, war ein bis über beide Ohren grinsender Toji, der neben ihrem Bett stand. "T...Toji-san?"

Toji nickte, und sein Grinsen verwandelte sich in ein von Herzen kommendes, glückliches Lächeln. "Sie erinnert sich an mich! Also wenn ihr mich fragt; das Mädchen ist okay!"

"Wenn sie sich selbst an einen BAAAKAAA wie dich erinnern kann...", meinte Asuka mit einem sanften Lächeln und drängte sich an Reis Bett "...dann hoffe ich, dass sie sich auch an mich erinnert."

"Asuka-chan!"

Noch bevor Rei überhaupt wusste wie ihr geschah, hatte Asuka sie bereits derart fest in die Arme genommen, dass sie fast keine Luft mehr bekam.

Erst als das blauhaarige Mädchen nach Luft schnappte, bemerkte der Rotschopf seinen Fehler...
"Ich bin froh, dass es dir gut geht, Wunderkind!", meinte sie schließlich mit einem von Herzen kommenden Lächeln und aufrichtigen Freudentränen in den Augen.

"Ich... ich hoffe, es macht dir nichts aus, dass wir dich einfach so überfallen...", kam plötzlich die Stimme von Shinji, dessen Gesicht völlig von dem riesigen Blumenstrauß verdeckt war, den er gerade ins Zimmer trug.

Rei blinzelte verwundert. Noch nie zuvor hatte sie derart viele, und vor allem farbenfrohe und wunderschöne Blumen gesehen... Und dazu dann noch der große glitzernde Luftballon mit der Aufschrift <Gute Besserung, Rei-chan>... Sie war einfach überwältigt und sprachlos... "Ah...uh...WOW!"

Ein zufriedenes und glückliches Lächeln machte die Runde.

Toji räusperte sich. "Naja..", meinte er. "Wir dachten halt, dass es der beste Weg wäre dem Mädchen zu danken, das im Alleingang den letzten Engel zur Strecke gebracht hat."

"Und nicht zu vergessen unser altes Schulgebäude!", setzte Asuka mit einem glücklichen Lächeln hinzu.

Rei merkte auf und schnappte nach Luft. "Wurde... wurde jemand verletzt?"

Asuka wurde rot. "Nein, es ist nur..." Sie musste schlucken und setzte ein einfältiges Lächeln auf. "Na ja... deine Einheit-00 ist..."

Rei ließ ihren Kopf hängen, doch kurz darauf sah sie auch schon wieder zu ihren Freunden auf. "Das ist schon Okay... Ich verstehe..."

Shinji trat an ihr Bett und nahm Rei sanft in den Arm. "Vielen Dank, Rei. Ohne dich, und das was du getan hast... na ja... wären wir jetzt vielleicht alle tot. Die Stadt hat zwar etwas abbekommen, aber es ist nichts, das man nicht mit ein wenig Beton und Steinen wieder hinbekommen könnte. Das Wichtigste ist, dass du uns alle gerettet hast."

Rei wurde rot wie ein Feuermelder - zumindest für ihre Verhältnisse - und begann scheu zu lächeln. "Freut... freut mich, dass ich behilflich sein konnte..."

"Behilflich?", erwiderte Toji mit einem breiten Grinsen. "Rei-chan, du hast dem Engel ganz allein den Arsch aufgerissen!"



Draußen, vor der Tür von Reis Krankenzimmer, zuckte Misato zusammen als ihr einfiel, dass sie sich am kommenden Tag wohl durch mannshohe Berge von Schadensberichten würde kämpfen müssen. "Ich hasse mein Leben."



"Lasst uns feiern!", meinte Toji schließlich. "Ich bin dafür, dass wir alle noch einmal zusammen ein Fass aufmachen, bevor sie beginnen, die Leute wegen des Wiederaufbau umzuquartieren."

Rei nickte. "Ja, bei der Gelegenheit kann ich mich auch noch mal bei jedem entschuldigen. "

Asuka seufzte und setzte sich neben das blauhaarige Mädchen auf das Bett. "Du hast getan, was du tun musstest. Es war unausweichlich. Und außerdem kommt NERV doch für die Schäden und die Unterbringungskosten der betroffenen Leute auf. Glaub mir, wenn wir die Engel erst mal los sind, wird sich alles wieder normalisieren."

Reis Augen begannen zu funkeln. "Vie...Vielleicht könnten wir dann ja mal alle zusammen zu einem Konzert gehen?"

Ein verwundertes Blinzeln machte die Runde.

"Was? Bist du etwa auch so ein großer Fan der 'Toten Hundebabies', wie ich?", fragte Toji. "Ich bin sicher, dass sie auf ihrer Konzerttour auch nach Tokio-3 kommen..."

"Die 'Toten Hundebabies'?", fragte Shinji und blinzelte verwundert.

"Ja, die eine echt starke Gruppe. Mit einem super-genialen Schlagzeuger!", erwiderte Toji mit einem seligen Grinsen.

"Ähm...Ich meine... ich hatte da eher an ein... klassisches Konzert gedacht...", warf Rei schüchtern ein.

Ein Lachen machte die Runde. "Na klar! Machen wir!", meinte Asuka schließlich.

Rei entspannte sichtlich und ließ sich zurück in ihre Kissen sinken. "Arigato.", seufzte sie glücklich.

"Kommt, wir sollten ihr noch ein wenig Ruhe gönnen.", sagte Asuka und stieß ihren Freund behutsam an, um ihm anzuzeigen, dass sie es für besser hielt, wenn sie gehen würden.

"Oh! Stimmt!" Shinji und Toji standen auf, und verbeugten sich leicht. "Wir kommen dich morgen wieder besuchen, Rei."

"Gern!", antwortete Rei mit einem glücklichen, aber erschöpft wirkendem Lächeln. "Bis morgen dann!"



Kaum dass sie aus dem Zimmer waren, versetzte Asuka Toji einen Schlag vor den Hinterkopf.
"DIE TOTEN HUNDEBABIES? ANTA BAKA? Warum sollte sie zu einem Konzert einer Gruppe gehen wollen, die sich die 'Toten Hundebabies' schimpfen!??"

Toji musste nach Luft schnappen und machte einmal mehr eine mentale Notiz, dem roten Dämon möglichst weit aus dem Weg zu gehen. "Ab...aber sie hab... haben gute Texte!"

Shinji und Asuka stöhnten auf und ließen Toji einfach im Gang vor den Krankenzimmern stehen.

Toji blinzelte als er die beiden Hand in Hand davon stürmen sah. "SCHÖN!", rief er ihnen hinterher und streckte die Zunge raus. "Dann schenke ich die beiden Bühnenausweise für das Konzert eben jemand anderem."

Copyright of the Charakter by GAINAX / Text by Strike Fiss, 1999
Translated by Melissa Schneider / Edited by Christian Winkler,Markus Ehreke and Stefan Tumczak