Als Yui ihre Augen öffnete, was das Erste, das sie sah, die rote Digitalanzeige ihrer Weckuhr. Es dauerte einen Augenblick bis ihr Gehirn die Abfolge der drei
Ziffern in eine für sie begreifliche Uhrzeit umgewandelt hatte, doch als es schließlich soweit war, wurde ihr schlagartig klar, das ihr Dienst in den Studios Micronax schon vor
einer halben Stunde begonnen hatte. Sie versuchte schnellstens aufzustehen um zu retten, was noch zu retten war, doch musste sie zu ihrem Bedauern feststellen, das jede übereilte
Bewegung den pochenden Kopfschmerz, den sie inzwischen verspürte, nur noch schlimmer machte. Sie stöhnte auf, als die Erinnerung an die vergangenen Stunden bruchstückhaft
zu ihr zurück kam.
Einen kleinen Schluck hatte sie trinken wollen, und was war daraus geworden? Warum nur hatte sie zugelassen, das Kaoru so oft nachgeschenkt hatte? Und warum hatte sie selbst so oft
nachgeschenkt? Sie hatte doch bereits einen Fehltag.- Und wenn sie nun noch einen weiteren Tag blau machte würde das sicher nicht gut in ihrer Akte aussehen.
Benommen rollte sie sich herum und stieß an einen Körper, der offensichtlich neben ihr im Bett lag.
Yui erschrak und war mit einem Schlag hellwach. Das Blut gefror ihr in den Adern und sie wagte es nicht einmal auch nur einen Muskel zu bewegen. Sie hatte ein ganze Menge getrunken und
erinnerte sich noch dunkel daran, dass sie müde, und wie ein Stein ins Bett gefallen war, doch mit wem genau sie gefallen war, das entzog sich ihrer Kenntnis.
"Kommt es mir nur so vor, oder hattest du an meiner Stelle jetzt jemand anderen erwartet?"
"Kaworu! Mein Gott hast du mich erschreckt.", fuhr Yui den Jungen an, während sie es nun endlich schaffte sich aufzusetzen. Ihr Herz schlug ihr immer noch bis zum Hals.
"Also hatte ich recht! Du hast wirklich erwartet jemanden anderen im Bett neben dir zu finden. Normalerweise würde ich ja fragen wer der Glückliche ist, doch
unglücklicherweise habe ich ihn bereits kennengelernt.", meinte Kaworu und setzte ein hinterhältiges, wissendes Grinsen auf während er aus dem Bett stieg.
"Was zum Teufel hast du überhaupt in meinem Bett gemacht?"
"Ich habe nur ein Auge auf dich geworfen während du schliefst. Ich will doch nicht, dass dir nachher noch was passiert. Immerhin könntest du dich im Schlaf übergeben und
dann an deinem eigenen Erbrochenen ersticken."
"Kaworu! Das ist ja ekelhaft!"
"Na was? Wäre es dir lieber wenn ich zusehen würde, wie du langsam und qualvoll erstickst? Aber falls es dich dahinrafft, hätte ich dann deine Erlaubnis, mich an deinen
Freund..."
"NEIN!"
Kaworu grinste sie an. "Woher willst du überhaupt wissen, was ich fragen wollte?"
"Weil ich dich kenne. Und ich weiß genau was in deinem kranken Kopf vor sich geht. Du bist doch nur darauf aus, mich mit irgendwelchen Anzüglichkeiten zu ärgern."
Das Grinsen des Jungen wurde noch größer...
"Ja, du hast es geschafft. Es hat gewirkt,- du hast mich für einen Moment total aus der Fassung gebracht,- zufrieden?" Yui seufzte als sie sah wie der Junge nickte. "Obwohl... Er
war hier, oder vertue ich mich da jetzt?"
"Natürlich war er hier! Und das war ja sooo süß, was ihr beiden angestellt habt. Ich wünschte ich hätte eine Kamera gehabt um den Moment aufzunehmen, wo er sich
ausgezogen hat, und dir mit einem Ruck deine Kleider vom Leib gerissen..."
"Kaworu!"
"Ach man, du verstehst aber auch gar keinen Spaß." Kaworu streckte seiner Tante die Zunge heraus und trollte sich schließlich ins Bad.
Also war er tatsächlich da gewesen,- und sie hatte es sich nicht nur eingebildet. Yui rappelte sich langsam hoch und kletterte aus dem Bett. Sie schüttelte den Kopf in der
Hoffnung so ein wenig klarer zu werden, doch es half nichts, und verschlimmerte ihren Zustand eher noch... Einen Haufen neugieriger, quengelnder Touristen durch die Studios Micronax
führen, während man sich mit einem ausgewachsenen Kater herumschlug, war sicherlich nicht förderlich... Weder für die Gesundheit noch für das Ansehen ihrer
Firma...
"Warum hast du mich denn nicht schon früher geweckt?", rief sie Kaworu zu, während sie auf wackeligen Beinen zum Kleiderschrank schwankte.
"Du hast geschlafen wie ein Baby, da konnte ich es einfach nicht übers Herz bringen.", kam die Antwort aus dem Bad.
"Na toll. Jetzt komme ich wieder zu spät zur Arbeit. Noch eine Abmahnung kann ich mir nicht leisten!", meckerte Yui und schob all die Kostüme und Kleider zur Seite, die ihr im
Moment nicht angemessen erschienen.- Ehrlich gesagt erschien ihr im Moment überhaupt nichts angemessen, und alles was sie wollte, war da und dort auf den Boden sinken und sich die
Seele aus dem Leib heulen.
"Warum solltest du eine Abmahnung bekommen?", fragte Kaworu während er aus dem Bad trat. Er trug sein ausgefallenstes und teuerstes Bishonen-Outfit, das unter anderem ein seidene
Hemd beinhaltete, das man sonst nur in einschlägigen Clubs zu sehen bekommt, sowie eine Jeans, die an den Hüften zwei Nummern zu klein, und an den Beinen fünf Nummern zu
groß erschien.- Ganz zu schweigen von den mit Glitzersternchen verzierten Plateau-Schuhen, die wohl ein Überbleibsel einer längst vergangenen Flower-Power-Revival-Bewegung
waren...
"Weil es gleich halb Neun ist und mein Dienst bereits um acht Uhr beginnt. Bei meinem Glück stehen die ersten Besucher bestimmt jetzt schon vor meinem Büro und warten
ungeduldig auf ihre Führung. Was meinst du was los ist, wenn sich einer von denen bei Direktor Lorenz oder seinen Arschkriechern beschwert!"
Kaworu kicherte, was Yui nur noch wütender machte.
"WAS!!!?"
"Ach Liebelein.", begann Kaworu und musste von Neuem ein Kichern unterdrücken. "Dein Dienst beginnt um Acht Uhr Morgens."
Yui starrte ihn verständnislos an,- was nicht allein an seiner geschmacklosen Kleidung lag...
"Es ist aber Halb Neun Abends!"
Yui erstarrte förmlich und blickte einfach nur in den Spiegel, aus dem heraus sie eine Frau mit ungekämmten, zerzausten Haaren und blutunterlaufenen Augen anzustarren schien.
Dann aber, als die Worte ihres Cousins einzusinken begannen und sich Verständnis in ihrem noch benebelten Kopf breit machte, begann sie wie ein Hafenarbeiter zu fluchen "Verdammt
nochmal! Das ist ganz und gar nicht witzig! Mein Gott Kaworu! Ich hatte schon gedacht ich müsste mir einen anderen Job suchen! Du verdammte kleine Kröte!"
Kaworu aber konnte sich vor Lachen kaum mehr halten. "Ich fasse es nicht! Wie kann man nur so betrunken sein, das man nichtmal weiß ob Tag oder Nacht ist? Das ist der Brüller
schlechthin! Du und deine flüchtigen Bekanntschaften, ihr schafft es immer wieder mich zum Lachen zu bringen." Kaworus breites Grinsen verschwand und machte seinem üblichen
Lächeln Platz. "Na gut, ich bin dann mal weg. Mal sehen was heute Abend noch so läuft. Aber sag meiner Mutter bloß nicht wo ich bin!" Er winkte Yui noch einmal zu und
schlich schließlich von dannen.
Yui sah dem jungen Mann noch eine Weile nach, und lauschte seinen Schritten, die sich immer mehr zu entfernen schienen. Doch erst als sie hörte, wie die Haustüre ins Schlo
fiel, war sie halbwegs sicher allein zu sein...
"Dieser verdammte kleine Schwuli!"
***
Kozo leerte sein Glas in einem Zug und deutete dem Wirt das nächste Bier schon einmal zu zapfen. Wenn auch viel passiert war, so hatte sich im Prinzip doch nichts verändert. Er
saß immer noch in der Kneipe am Ende der Straße und kippte zusammen mit seinem besten Freund ein Bier nach dem anderen, bis es schließlich an der Zeit war nach Hause zu
stolpern. Obwohl das mit dem Stolpern eigentlich mehr auf den guten Rokubungi zutraf. Er selbst schaffte es zumeist ohne Hilfe zu seinem Appartement zu finden...
"...so wunderschön... wollte sie da und dort..."
Der ältere Mann seufzte, als er Gendos unzusammenhängendes Gefasel hörte. Yui hatte seinem Freund offenbar verziehen, und das war etwas, das er der Frau sehr hoch
anrechnen musste. Immerhin hatte Gendo den Charme eines Ziegelsteins. Ein Ziegelstein mit Hormonen wohlgemerkt. Er täuschte nichts vor, und gab sich so wie er war. Was man sah, bekam
man auch.
Und das war dann auch das Erschreckende daran: Wie es schien mochte Yui das, was sie bei Gendo sah auch noch...
Wohingegen sie das, was Kozo zu bieten hatte, anscheinend völlig uninteressant fand.
Der Wirt hatte unterdessen das nächste Bier hingestellt und Kozo kippte es hinunter, als wäre er am Verdursten. Er seufzte von Neuem und stellte das leere Glas zu den anderen
auf den Tresen, um sich schließlich von seinem lieb gewonnenen Barhocker zu erheben.
Ungewollt fiel sein Blick auf Gendo, der mit dem Kopf auf der Bar lehnte all derweil er unverständliches Zeugs murmelte. Kozo fragte sich, wie es sein Freund nur schaffte selbst im
Halbschlaf sein nahezu leeres Glas so zu kippen, dass es seinen Mund berührte um den Anschein zu erwecken, dass er bei Bewusstsein war und trinken würde. Es musste wohl sowa
wie Trinker-Instinkt sein,- oder die Erfahrung aus früheren Zeiten, wo er des öfteren als Schnapsleiche aus diversen Spelunken geflogen war.
"Komm Gendo! Es ist schon spät!", meinte Kozo schließlich und rüttelte seinen Freund wach. "Du zahlst. Zeit zu gehen."
"...schon wieder? Ahh nee, lass mich noch ein wenig schlafen, Yui... ich bin noch so müde, Schatz..."
Welch wunderbaren Traum dieser Glückspilz gerade haben musste... "Komm jetzt! Aufwachen, du Suffkopp!" Kozo schüttelte seinen Freund noch ein wenig härter. "Guck mal, Yui
zieht sich gerade aus!"
"Wo???!!", platzte Gendo hervor und saß mit einem Mal kerzengerade auf seinem Barhocker, so als wäre er vollkommen nüchtern.
Kozo grinste. "In deinen Träumen! - Und jetzt komm, Zeit nach Hause zu gehen! Und vergiss nicht zu bezahlen!"
* * *
Yui nahm den Hörer des Telefons in die Hand... und legte ihn auch sofort wieder zurück auf den Tisch. Kaworu war auf Tour und würde vor dem Morgengrauen wohl nicht
zurück kommen, was bedeutete, dass sie zumindest für eine Weile ungestört war. Und genau darin lag ihre Chance. Sie hob den Hörer von Neuem auf.... doch nur um ihn
sofort wieder nieder zu legen. Das war ja sowas von peinlich! Nein, sie konnte es nicht tun!
* * *
Ritsuko nahm den Telefonhörer in die Hand und hielt einen Moment lang inne. Sie lauschte dem Geräusch des plätschernden Wassers, das aus dem kleinen Badezimmer zu ihr
herüber drang. Jetzt, da Maya unter der Dusche stand, hatte sie endlich Zeit den Anruf zu tätigen, den sie schon so lange hatte tätigen wollen...
Langsam begann Ritsuko eine Nummer zu wählen, als mit einem Mal die Dusche abgestellt wurde...
Hektisch legte sie wieder auf, griff nach der Illustrierte, die auf dem kleinen Wohnzimmertisch lag, und warf sich lang ausgestreckt auf die Couch um möglichst unbeschäftigt
und lässig auszusehen.
* * *
Yui nahm wieder einmal den Hörer in die Hand. Sie musste ihn anrufen. Es ging nicht anders. Auf der Arbeit würde sie ihn niemals ansprechen können. Da waren viel zu viele
Leute, die ihre Ohren spitzen würden. Und dummes Gerede war das letzte, das sie in dieser Situation brauchte. Nein, sie musste ihn anrufen. Das war der einzige Weg die Sache zu
bereinigen und ihm zu erklären, warum passiert war, was passiert war.
Doch allein schon der Gedanke ihn jetzt,- nach allem, was passiert war, anrufen zu wollen, war sowas von peinlich, dass Yui den Telefonhörer sofort wieder weg legte.
* * *
Als Ritsuko hörte wie Maya im Bad vor sich hin summte, stand sie leise auf und schlich hinüber zum Telefon. Wahrscheinlich war ihre Freundin wieder mal damit beschäftigt
ihr Gesicht mit dieser grünen Pampe einzukleistern, von der sie immer behauptete, dass sie ihr half ein jugendliches Aussehen zu bewahren. Mein Gott, die Frau war gerade mal
Zweiundzwanzig!
Immer wieder ging Ritsukos Blick hin zu der Badezimmertüre am Ende des Korridors, während ihre Hände beinahe wie von selbst die Telefonnummer in die Tasten tippen, die sie
mittlerweile auswendig kannte.
"Äh... Sempai?"
Ritsuko schlug vor Schreck den Telefonhörer regelrecht auf die Gabel und hetzte hinüber zur Mini-Bar. "Ich bin hier. Ich mach mir gerade einen Drink! Was gibt's denn,
Maya?"
"Weißt du wo die Seetang-Gurken-Wassermelonen-Möhren-Kartoffelschalen-Wasabi Hautlotion abgeblieben ist ??", kam Mayas Stimme aus dem Bad.
"Keine Ahnung. Sorry." Die Wahrheit war, dass sie das Zeugs am Morgen zuvor weggeworfen hatte. Es stank wie ein volle Mülltonne in der Sommersonne und sah aus wie eingefrorene
Kotze...
"Naja, macht nichts. Besorge ich morgen eben neues..."
* * *
Yui schaute sich derweil wie so oft Wiederholungen alter amerikanischer TV-Serien an, wobei sie zwischendrin immer wieder mal den Telefonhörer aufhob und mit den Fingerspitzen
über das Tastenfeld fuhr. Sanft und irgendwie zaghaft berührte sie die Tasten, die Gendo anrufen würden... Doch eben diese Tasten letztendlich zu drücken, traute sie
sich nicht...
Und so war alles was ihr blieb das Fernsehprogramm mit seinen uralten TV-Shows...
Vielleicht würden die ihr ja den Schubs geben, den sie brauchte...
Ob sie sich vielleicht noch eine Folge der 'Größten Helden Amerikas' ansehen sollte ?...
* * *
Maya pendelte unablässig zwischen Bad und Wohnzimmer hin und her, tat dies und das, wischte hier und da, und redete die ganze Zeit über wie ein Wasserfall während Ritsuko
das Telefon nicht eine Sekunde lang aus den Augen ließ
Kurzum, Maya benahm sich wieder einmal als müsse sie sich um alles und jeden kümmern... So, als könne niemand anders irgendetwas richtig machen... Und das war es, da
Ritsuko schon von je her genervt hatte.
Wie konnte sie als bekannte TV-Star-Reporterin das ihr zustehende Leben führen, wenn Maya ständig an ihr herumnörgelte und alles und jeden kritisierte, der es auch nur
wagte in ihr Leben zu treten.
Wenn Maya ihm doch nur eine Chance gäbe, dann würde sie ihn vielleicht am Ende auch ganz nett finden... Vielleicht sogar mögen... Sie musste ja nicht direkt mit ihm
schlafen, aber vielleicht würde ihr der Umgang mit einem Mann einmal ganz gut tun, und sie würde sich danach endlich von ihrem Miss-Perfect-Getue verabschieden.
Doch im Moment konnte Ritsuko nichts tun, außer dumm herumsitzen, in einer Illustrierte blättern, und hin und wieder sehnsüchtig das Telefon beäugen, während
Maya ihrer Lieblingsbeschäftigung nachging, und über andere herzog, während sie wie ein wild gewordener Derwisch in der Wohnung herum lief, immer darauf bedacht alles und
jeden unter Kontrolle zu haben.
* * *
Gendo lehnte an einem Laternenpfahl und versuchte seine Lungen mit soviel kühler Nachtluft zu füllen, wie nur eben möglich. Er begann von 100 an rückwärts zu
zählen um sich von diesem Gefühl der Übelkeit abzulenken, und schwor einmal mehr dem Alkohol ab. Als sich sein Magen schließlich ein wenig beruhigt hatte, und er sich
wieder halbwegs auf den Beinen halten konnte, stieß er sich von dem metallenen Lichtmast ab, an den er sich bisher geklammert hatte, und taumelte über die Straße hinweg,-
hinüber zu dem Wohnblock, in dem sich sein bescheidenes Appartement befand.
Er stolperte quer durch die wilde Müllhalde, die wohl einst sowas wie eine Eingangshalle war, und erreichte schließlich das Treppenhaus, wo er an einem Handlauf Halt fand und
von Neuem ausruhen konnte.
Vier Stockwerke lagen vor ihm,- was natürlich weniger problematisch gewesen wäre, hätten die Aufzüge funktioniert. - Doch die streikten nun schon seit etlichen Wochen
und ein Servicetechniker hatte sich bisher noch nicht blicken lassen.
Gendo ahnte bereits wie mies er sich am Morgen fühlen würde. Der Lärm von der Baustelle nebenan begann schon vor dem Morgengrauen, wobei das monotone Hämmern und
Grollen der schweren Baumaschinen stets im Einklang mit seinem pochenden Kopfschmerz war, und sein ohnehin vom Kater gezeichnetes, hypersensitives Gehör auf seine Belastbarkeit hin
testete.
Gendo hatte Schwierigkeiten das erste Stockwerk zu bewältigen. Beim Zweiten musste er sich noch ein wenig mehr anstrengen. Das Dritte war ein Alptraum, und das Vierte einfach nur
die Hölle,- besonders da er wusste was ihn in seiner Wohnung erwartete.
Auf wackeligen Beinen tastete er sich den Korridor entlang, wobei die Wandfarbe unter der Berührung seiner Hände zerbröselte und in großen weißen Flocken auf
den Boden und seinen dunklen Anzug fiel. Er blieb stehen um von Neuem dieses Gefühl der Übelkeit zu unterdrücken. Er musste sich ja nicht schon dort draußen im
Korridor übergeben,- obwohl das den Flecken auf dem Teppichboden nach zu urteilen sicher nicht das Schlimmste gewesen wäre, was dem Teppichboden jemals widerfahren war...
Schon aus einiger Entfernung erspähte er sein Appartement,- samt der Unmenge von Post, die die Briefkastenklappe in der Türe verstopfte. Er sah einfach keinen Sinn darin seine
Post durchzusehen. Rechnungen, Mahnungen, Werbung und sonstige Wurfsendungen waren alles, was er je bekam...
Es war traurig das trotz Gehaltserhöhung keine bessere Wohnung drin war... Alles andere als ein Appartement in einer derart heruntergekommenen Wohngegend würde seinen
Geldbeutel so sehr belasten, dass nichts mehr übrig bliebe um sich seinen Freunden gegenüber spendabel zu geben.... Na ja seinem einzigen Freund gegenüber, wohlgemerkt.
"Trautes Heim, Glück allein... Wer den Spruch erfunden hat, gehört erschossen...", murmelte Gendo, während er versuchte die Türe von Appartement 402
aufzuschließen. - Nur war die Türe überhaupt nicht verschlossen. Na ja, auch nicht schlimm, was sollte man bei ihm schon stehlen? Seine unbezahlten Rechnungen?
Kaum durch die Tür schlüpfte er aus seinen Schuhen, durchquerte das einzige Zimmer, das seine Wohnung zu bieten hatte, warf seine Brille auf einen kleinen Beistelltisch vor dem
Fenster, und ließ sich der Länge nach auf das einzige gepolsterte Möbelstück fallen, das Bett, Sitzcouch und einzige Sitzgelegenheit in Einem war.
Es verging nicht einmal eine Minute bis Gendo leise vor sich hin schnarchte.
* * *
Yui konnte es einfach nicht länger aushalten und wählte endlich die Nummer, die sie in Gedanken schon so oft in die Tastatur des Telefons getippt hatte.
* * *
"Ich brauche noch etwas Magerquark für meine neue Gesichtsmaske. Ich bin gleich wieder zurück, dauert nur eine Minute."
Kaum dass die Haustüre hinter Maya ins Schloss gefallen war, hatte Ritsuko auch schon das Telefon in der Hand und wählte die Nummer, die sie in Gedanken schon so oft eingetippt
hatte...
Erwartungsvoll hielt sie den Hörer an ihr Ohr und wartete...
* * *
*tut* *tut* *tut* *tut* *tut*
* * *
Yui blickte ungläubig auf den Telefonhörer in ihrer Hand... Besetzt? Ihre Oberlippe begann bedrohlich zu zittern...
Wahrscheinlich telefonierte er gerade wieder mit... mit dieser Reporterin! Na schön er konnte tun was er wollte, immerhin war er ein erwachsener Mann,- auch wenn er sich die meiste
Zeit über eher wie ein pubertärer Teenager benahm... Sollte er doch anrufen, wen er wollte,- auch wenn es eine Schlampe sondersgleichen war, die nur Aufmerksamkeit erregen
wollte... Jemand, der ihn nicht einmal richtig kannte,- und der sich einen Dreck um seine Gefühle scherte... Eine Frau, die ihn benutzen würde um ihn danach wie ein gebrauchte
Taschentuch wegzuwerfen... Doch scheinbar interessierte es ihn nicht einmal das da auch andere Frauen waren... Frauen, die sich wirklich etwas aus ihm machten... Frauen, die mit jeder
Minute älter wurden, und deren Mütter sie pausenlos nervten, wann sie endlich heiraten, und eine Familie gründen würden... Frauen, die so verzweifelt waren, dass sie
sogar jemanden wie Gendo nehmen würden...
Natürlich hatte er auch seine guten Seiten und konnte wirklich süß sein, wenn er wollte...
Trotzdem fühlte sich Yui im Moment noch nicht bereit, eine Beziehung einzugehen... Und gerade jetzt, wo sie sich dazu durchgerungen hatte ihn anzurufen, turtelte er wohl gerade mit
einer anderen!
Wütend schleuderte Yui das Telefon quer durch ihr kleines Zimmer, nur um danach wie ein geölter Blitz hinterher zu eilen und sicher zu stellen, dass es nicht kaputt gegangen
war. Immerhin könnte er ja anrufen.
* * *
Ritsuko kniff die Augenbrauen zusammen und brachte ein verächtliches Schnaufen hervor. Besetzt! Wahrscheinlich hatte er den Telefonhörer abgehoben um umgestört zu sein,
während er es mit dieser Yui soundso trieb,- dieses Schwein!
Schön! Von ihr aus sollte er bleiben wo der Pfeffer wuchs... Sie hatte ja immer noch Maya... Sie brauchte ihn doch gar nicht...
Jedenfalls nicht im Moment.
* * *
Es klopfte und sofort wusste Misato Katsuragi, ihres Zeichens Qualitätssicherungsbeauftragte der Studios Micronax, wer es war. Sie seufzte und legte ihre Stickereiarbeit bei Seite um
die Tür zu öffnen.
Sie konnte sein Rasierwasser schon riechen, noch bevor sie die Türe geöffnet hatte, und so begrüßte sie den Besuch dann auch sofort mit einem gleichgültig
klingenden: "Hallo Ryoji."
Kaji, der immer noch seinen teuren handgearbeiteten Maßanzug trug, trat ein und küsste Misato flüchtig auf die Wange. "Hi, Baby. Was ist los mit dir? Du siehst aus al
wär' dir eine Laus über die Leber gelaufen."
"Was willst du ?"
"Oh, so eine kühle Begrüßung. Was ist nur aus meinem kleinen Kuschelhäschen geworden? Willst du mich denn nichtmal richtig begrüßen?" Kaji setzte sein
verführerischstes Lächeln auf und öffnete die Arme, in der Hoffnung Misato würde wieder einmal dem berüchtigten Ryoji-Charme erliegen.
"Du hattest versprochen anzurufen,- und das ist mittlerweile schon drei Tage her.", antwortete Misato mit verschränkten Armen und halb enttäuschtem, halb vorwurfsvollem
Gesichtsausdruck.
"Die Arbeit, Schatz. Ich habe einfach zu viel um die Ohren. Du weißt doch selbst was zur Zeit bei uns abgeht.- Besonders seitdem der Boss diese zwei Idioten befördert hat, und
die beiden mittlerweile nichts besseres zu tun haben, als dumm herumsitzen und sich über mich lustig machen. Aber noch ist nicht aller Tage Abend. Irgendwann wird sich mir eine
Gelegenheit geben, Rache zu nehmen, und dann Gnade ihnen Gott. Wenn ich mit denen fertig bin, werden sie sich wünschen in der Postabteilung zu arbeiten, oder als Hausmeister, wo sie
täglich den Abfall durchwühlen müssen, um sicher zu stellen, dass keiner irgendwelche Unterlagen mit dem Müll 'rausschmuggelt. Wie ein Damoklesschwert wird mein Zorn
über ihren Köpfen schweben, bis zu dem Tag, an dem sie abtreten. Und wenn diese Idioten denken, dass sie mit ihrer blöden Idee das Rennen um das nächste große
Projekt der Studios Micronax gewonnen hätten, dann... -"
"Sei ruhig Ryoji.", unterbrach Misato, die immer noch mit verschränkten Armen bei der Eingangstür stand und keine Anstalten machte Kaji herein zu lassen. "Scheinbar hast du
schon vergessen, das ich die Qualitätssicherungsbeauftragte bin."
"Natürlich habe ich das nicht vergessen. Und wenn ich das sagen darf, finde ich, dass du deinen Job ganz hervorragend machst."
"Hör auf Süßholz zu raspeln. Fakt ist, das der Kleinkrieg, den du gegen deine Mitarbeiter führen willst, der ganzen Firma schadet. Und dass dir das bei meiner
nächsten Personal-Beurteilung keine Pluspunkte bringen wird, ist dir doch wohl klar. Und glaub nur nicht, dass ich mich durch Geschenke und ein paar Liebesnächte mit dir
umstimmen lassen werde." Misato gab sich größte Mühe standhaft zu bleiben und einen fest entschlossenen Eindruck zu machen, doch der Ausdruck von Schock auf Kajis Gesicht,
gepaart mit diesem treuen, unschuldigen Hundeblick aus seinen Augen ließ sie dann doch weich werden. "Sind die beiden denn wirklich so schlimm? Ich meine, sie versuchen doch nur
über die Runden zu kommen, so wie alle anderen auch..."
Kaji durchquerte den nur spärlich beleuchteten Eingangsbereich des Appartements und trat vor Misato, die inzwischen ein paar Schritte zurück in ihre Wohnung gemacht hatte.
Zärtlich legte er seine Hände um ihre Hüften und blickte ihr in die Augen. "Sie sind wirklich so schlimm. Ich schwöre.", erwiderte er mit einem Ausdruck des Zuneigung
in den Augen, der teils aus sexueller Begierde und teils aus Sorge um seinen Beruf geboren war. "Sie sind sogar noch schlimmer als das." Und mit diesen Worten nahm er Misato auf den Arm
und trug sie ins Schlafzimmer...
* * *
Shinji saß auf dem Bett seiner Schwester und sah sie interessiert, und mit großen Augen an. "Und dann hat er dich wirklich mit Handschellen gefesselt?"
Asuka runzelte die Stirn. "Na ja... eigentlich habe ich mich selbst gefesselt.", gab sie etwas kleinlaut zu. "Aber er hat zumindest keine allzu großen Anstalten gemacht un
voneinander loszuketten." Sie grinste. "Er ist nichts weiter als ein perverser Kinderschänder, der sich gern an jungen, unschuldigen Mädchen vergreift."
"Ich weiß nicht. Auf mich macht er gar keinen so schlechten Eindruck.", warf Shinji ein. "Immerhin ist er doch mit dieser Frau liiert, deren Neffe ich kenne. Und ich sage dir, der
ist ja sowas von schnuckelig. Sein Haar ist ganz weiß und so fein wie Engelshaar. Und dann erst seine Augen... so berauschend und hypnotisch, dass du dich glatt darin verlieren
kannst... Und seine Haut, so rein und so zart..." Shinji huschte ein sinnliches, begehrendes Schmunzeln über die Lippen als er einmal mehr an Kaworu denken musste.- Und daran wieviel
Spaß sie miteinander haben könnten.
"Schon gut, ich hab's schon kapiert. Aber erspar' mir um Gotteswillen den Rest deiner Homo-Phantasien!"
"Na gut, wie du willst. Aber wenn du mich fragst, dann hat es dir ganz gut gefallen an den alten Mann gefesselt zu sein. Ich denke du hast das so richtig genossen."
"Nein! Ich habe es gehasst! Er ist ein Perverser! Und ein Weichei! Er ist sogar noch ein viel größeres Weichei als du, Shinji!"
"Weißt du, nicht alle Männer können so stark, gut gebaut und männlich wie dein geliebter Kaji sein.", gab Shinji ein wenig mürrisch zurück. "Abgesehen
davon hat Ryouji doch eine Affäre mit Inspektor Katsuragi. Und du weißt ganz genau wie sehr Vater diese Frau hasst."
Asuka rümpfte die Nase. "Pah! Wen interessiert schon, was Vater denkt? Und Kaji ist nur mit dieser Misato zusammen, weil es zum Wohle des Studios ist. Das hat wenig mit Liebe zu
tun."
"So wenig wie du es geliebt hast mit Handschellen gefesselt zu sein?"
Asuka schlug Shinji mit ihrem Kopfkissen...
"Hey, du hast es nicht abgestritten! Also, wie war es, als er dich getragen hat? Hat er dir dabei an den Hintern gefasst?"
"SHINJI!"
* * *
Fuyutsuki betrat sein kleines Appartement und gähnte. Entweder wurden die Tage immer länger oder er selbst wurde immer älter... Da es aber in den letzten Jahrzehnten keine
globale Katastrophe mit Verschiebung der Erdachse gegeben hatte, war seine Müdigkeit und die nachlassende Leistungsfähigkeit dann wohl allein durch sein fortgeschrittenes Alter
zu erklären,- eine Erkenntnis, die ihn nicht gerade in Verzückung geraten ließ.
Doch bevor er seinen Kopf in den gasbetriebenen Backofen seiner Küche stecken würde, musste er erst noch ein wenig Geld aus dem neuen Projekt der Studios Micronax herau
schlagen. Immerhin war es das erste Mal, dass seine jahrelange Zusammenarbeit mit Gendo auch mal Früchte trug.
Jahre in denen er diesen Mann, der sich meist wie ein pubertärer Teenager benahm, mit durchgeschleppt, und seine Inkompetenz klaglos ertragen hatte.
Natürlich war Gendo auch sowas wie ein Freund für ihn.- Jemand mit dem er nach getaner Arbeit um die Häuser ziehen konnte, um beim Bier in der Stammkneipe über da
Leben zu philosophieren,- und über all die Stolpersteine zu jammern, die man ihnen in den Weg gelegt hatte.
Mein Gott, wie hatte sein Leben vor seinem Job bei den Studios Micronax und den allabendlichen Saufgelagen eigentlich ausgesehen? Hatte er damals überhaupt sowas wie ein Leben? Und
hatte er denn inzwischen überhaupt eines?
* * *
"Sag schon! Hat er sich an dir vergriffen und dich so richtig hart 'ran genommen?"
Asukas Kopfkissen traf wieder einmal Shinjis Kopf.
* * *
Yui umklammerte den Telefonhörer mit einem Ausdruck absoluter Entschlossenheit. Was als simpler Telefonanruf begann, hatte inzwischen schon die Ausmaße eines Kriege
angenommen. Sie wusste zwar nicht worum es ging und wofür sie kämpfte, doch Eines war klar: Sie würde Gendo anrufen, und nichts und niemand würde sie davon
abhalten.
* * *
"Hat er dich geküsst ? So richtig brutal, und dir dabei seine Zunge in den Hals geschoben?"
"Shinji! Hör endlich auf damit!"
* * *
Sie hörte wie es klingelte... und klingelte... und klingelte... Doch niemand hob ab.
Yui runzelte die Stirn, trennte die Verbindung, und legte das Telefon mit einem enttäuschten, aber auch irgendwie gequälten Ausdruck auf dem Gesicht zurück auf den Tisch.
Es tat weh... Sie wusste nicht genau warum, aber es tat weh, dass er nicht abhob. Nach dem Vorfall am Abend hatte sie gedacht, dass er etwas für sie empfinden würde, und da
tatsächlich etwas aus dieser Beziehung werden könnte. Doch nun, da sich die Indizien häuften, dass er wieder mit dieser Fernsehreporterin zusammen war, da war sie sich
seiner Gefühle nicht mehr sicher.
Er konnte doch unmöglich so spät immer noch mit Kozo durch die Kneipen ziehen. Nein, sicher lag er schon bei dieser, oder irgendeiner anderen Schlampe im Bett.
Und obwohl sie ihn in Gedanken verfluchte,- ihm die Pest an den Hals wünschte, und auf Rache sann, zeigte ihr Gesichtsausdruck nur zu genau, dass sie zutiefst verletzt war.
* * *
"Hallo?" Gendo hörte nur noch wie der Hörer am anderen Ende Leitung abrupt wieder aufgelegt wurde. "Arschloch!", murmelte er als er seinerseits ebenfalls wieder auflegte,- oder
besser gesagt, aufzulegen versuchte. Denn das Telefon stand irgendwo unter seiner Schlafgelegenheit, und auch wenn es einfach gewesen war abzuheben, so stellte sich das Auflegen nun
weitaus schwieriger dar...
Er streckte sich und reichte mit seiner Hand weit hinunter... Doch da war nichts... Also streckte er sich noch ein wenig mehr, und versuchte die Telefongabel zu ertasten... Doch er
konnte immer noch nicht richtig heran reichen, und so beugte er sich noch ein wenig weiter über die Kante... So weit, dass er schließlich das Gleichgewicht verlor und wie ein
nasser Sack auf den Boden plumpste.
Mit letzter Kraft legte er den Hörer wieder auf, und fiel Mitten auf dem dreckigen Teppichboden in einen tiefen Schlaf.
* * *
"Ich seh es dir doch an. Gib es zu, was auch immer da passiert ist, es hat dir gefallen, und du hast es richtig genossen. Ich wette dass du richtig scharf auf ihn warst, nachdem er mit
seinen großen Händen versehentlich deinen wohlgeformten, üppigen Busen berührt hat. Sicher hat er dir was zugeflüstert, das in deinen Ohren irgendwie schweinisch
geklungen hat, und jetzt träumst du jede Nacht von ihm..."
"Shinji! Ich warne dich! Bring' mich nicht dazu meinen einzigen Bruder abzumurksen!"
Shinji grinste. "Mein Gott ich hatte recht! Arme Asuka... Sicher fühlst du dich jetzt so richtig schlecht, weil er nicht bei dir ist, und allein schon wenn du seinen Namen
hörst, hast du Schmetterlinge im Bauch, und kannst es gar nicht erwarten ihn wieder zu sehen."
"NEIN! Ich hasse ihn! Er ist ein perverser Hentai!"
"Mir machst du nichts vor, liebe Schwester. Ich dachte zwar, du wärst erwachsen, aber im Augenblick benimmst du dich genau so wie kleine Mädchen im Kindergarten; die necken und
ärgern auch immer die Jungs, die sie in Wirklichkeit lieben. Das ist ja soooo süß... meine kleine Schwester ist bis über beide Ohren verliebt."
"Das reicht! Mach dich bereit zu sterben!"
* * *
Nein, sie würde nicht aufgeben. Sie würde immer wieder seine Nummer wählen und es klingeln lassen, bis er endlich dran ging. Und wehe, wenn er dann abhob, dann würde
sie ihm tüchtig die Meinung sagen. Und was er zu hören bekäme, würde ihm ganz und gar nicht gefallen.
Vorausgesetzt, dass er ihr überhaupt zuhören würde.
Yui hämmerte die Telefonnummer geradezu in das Tastenfeld, so wütend war sie, und wäre das jetzt ein billiges Anime dann wäre sicherlich Rauch aus ihren Ohren
gekommen.- So aber hielt sie einfach nur den Telefonhörer daran, und wartete darauf, dass er abhob. Oh, sie würde ihm zeigen, wo der Hammer hing, und wenn sie mit ihm fertig
wäre, würde er nicht mehr wissen, ob er Männlein oder Weiblein war...
"Wass'n los verdammt? Ich versuche zu schlafen..." kam Gendos Antwort, als er abhob.
"Warum hast du mich nicht angerufen?", schrie Yui ihm entgegen, während die ersten Tränen bereits ihre Wangen hinunter kullerten. "Ich versuche schon seit einer Ewigkeit dich
zu erreichen! Erst war besetzt und dann ging keiner dran. Ich hatte schon gedacht, dass du wieder mit dieser Ritsuko aus wärst und mich hassen würdest. Es tut mir wirklich leid,
dass du umsonst hergekommen bist, aber ich kann nichts dafür.- Ich war so nervös wegen deinem Besuch, und dachte, ich könnte mir ein wenig Mut antrinken, doch dann hat
Kaworu, diese kleine Ratte, immer wieder nachgeschenkt, und ehe ich es bemerkte war ich so betrunken, dass ich einfach eingeschlafen bin. Und jetzt habe ich einen schrecklichen Kater und
fühle mich mies, weil ich dich enttäuscht habe, und muss mir stundenlang blöde Talkshows reinziehen, um nicht an dich denken zu müssen..."
"Ähhh... das ist ja alles schön und gut,- aber wer spricht da überhaupt ??"
"Ich bin's, Yui!"
"Oh! Ach ja, Yui."
Eine bedeutungsschwere Pause setzte ein...
"Und?"
"Und was??"
"Willst du mir nicht sagen, dass du mir verzeihst, und anbieten noch schnell 'rüber zu kommen? Damit wir reden können, und.. na ja... sowas in der Art..."
"Äh... ich denke, ich könnte..."
Yui seufzte. "Ich meine, ich würde verstehen wenn du sagst, du hast keine Lust... Ich dachte halt nur, dass wir... na ja..."
Einen Moment lang sagte keiner von beiden ein Wort, und nur das leise, knirschende Geräusch der Zahnräder in Gendos Gehirn war zu hören.
"Ich bin gleich da!", kam mit einem Mal Gendos aufgeregt klingende Antwort, und noch bevor Yui etwas sagen konnte, hatte er auch schon aufgelegt.
Die junge Frau blinzelte und blickte verwundert auf den Telefonhörer in ihrer Hand. "Ähhh... _DAS_ hatte ich aber nicht gemeint..."
* * *
"Und dann -- autsch -- hat er dir langsam -- AUA -- dein Höschen ausgezogen, und dich -- autsch -- dazu gezwungen seinen langen, harten -- mmmpfff mhrr mpfhrrr!"
Asuka nahm für einen kurzen Augenblick das Kissen von Shinjis Gesicht, doch nur um feststellen zu müssen, dass der junge Mann noch immer wie ein hirnloser Vollidiot grinste.
"Du bist doch nur neidisch.", knurrte sie, und machte sich wieder daran ihren Bruder zum Schweigen zu bringen.
* * *
Inspektorin Misato Kaji. Frau Kaji. Nein, das war nicht das, was sie aus ihrem Leben machen wollte. Sie wollte ein besseres Leben führen,- und sie war sich ziemlich sicher, dass da
vielmehr ein Schritt zurück, als einer nach vorn wäre. Sicher würde es nicht gerade Pluspunkte bringen, ein solches Angebot abzulehnen, doch bei allem musste sie sich
selbst auch treu bleiben.
Klar, würde es Gerüchte geben.- Gerüchte verbreitet von alten Jungfern aus der Chefetage, die von einem Liebhaber wie Kaji nur träumen konnten, doch das kümmerte
sie wenig. Wenn die Kaji unbedingt anhimmeln wollten, sollten sie es doch ruhig tun.
Vielleicht würden sie ihre Meinung ja ändern, wenn sie erkannten, dass der Schweinehund einfach nicht treu sein konnte. Er war einer dieser gottverfluchten, gutaussehenden
Männer, der einer Frau in der einen Minute noch einen Heiratsantrag machten, um sich in der nächsten mit einer anderen zu vergnügen.
"Nein, Ryoji, ich kann dich jetzt noch nicht heiraten.", antwortete sie ihm schließlich,- so laut, dass er es selbst im Badezimmer hören musste.
"Schon gut, Baby.", erwiderte er, während er sich gehörig anstrengen musste mit seiner Stimme den Geräuschpegel seines Super-Luxus-Haarföns zu übertönen.
"Dann vielleicht ein ander Mal."
Misato seufzte. Es sah nicht danach aus, als würde sie jemals den Richtigen finden. Und ihr Vorhaben ein Waisenkind zu adoptieren vergrößerte die Chancen einen Mann zu
finden auch nicht gerade.
Apropos Kinder. Ryoji und Kinder, allein schon der Gedanke daran brachte sie zum Lachen. Diesem Mann die Verantwortung für ein Kind übertragen, wäre als würde man
einen Drittklässler zum Präsidenten der Vereinigten Staaten machen. Alles was diesen Mann interessierte, war doch ein gut sitzender Haarschnitt und ein sauberer, gebügelter
Anzug. Unvorstellbar, was passieren würde, wenn ein kleines süßes Baby auf seinen Maßanzug sabberte... Wahrscheinlich würde er auf der Stelle tot umfallen.
* * *
Yui war unterdessen vollauf damit beschäftigt ihr Appartement aufzuräumen. Sie wusste wie schnell Gendo sein konnte, wenn er wollte. Egal, ob todmüde oder nicht,- er
würde einen Sprint über die Länge eines Marathonlaufes hinlegen, wenn er sich auch nur im Entferntesten eine Chance ausrechnete, eine Frau ins Bett zu bekommen.
Doch würden sie wirklich... Wohl kaum. Immerhin waren sie noch nicht einmal zusammen ausgegangen. Nein, frühestens nach der ersten Verabredung würde sie daran denken mit
ihm zu schlafen. Alles andere wäre einfach nicht richtig.
Dennoch war sie aufgeregt wie ein Schulmädchen, und kicherte immer wieder während sie aufräumte. Mittlerweile hatte sie das gesamte Wohnzimmer schon ganze vier Mal
durchforstet, und dabei immer wieder aufs Neue die Sitzkissen aufgeschüttelt und die Bücher im Regal neu arrangiert.- Doch so richtig zufrieden mit ihrer Arbeit war sie
eigentlich nie. Klar, ihr Verhalten war lächerlich, doch sie konnte einfach nicht anders.
Sie musste einfach etwas tun, um sich abzulenken...
Yui hatte gerade zum x-ten Mal ihre Sammlung von Anime-Action-Figuren abgestaubt, als es plötzlich an der Türe klopfte.
Es gab keinen Zweifel, das musste er sein. Hektisch zupfte Yui noch einmal ihr Kleid zurecht und strich mit den Fingern durch ihr Haar, bevor sie zur Türe hastete, und ohne
Zögern öffnete.
Sie schrie erschrocken auf, als sie sich mit einem Mal in einer innigen Umarmung wiederfand.
"Nein Gendo! Lass das! AUS!", befahl sie, so als würde sie zu einem ungezogenen Hund sprechen, doch Gendo gab nicht auf.
Er versuchte bereits sie zu küssen, doch brachte Yui mit Müh und Not eine Hand zu seinem Gesicht und schob ihn rüde von sich. "Schluss jetzt! Das reicht!"
Gendo taumelte einige Schritte zurück und stieß dabei gegen die Eingangstür, die daraufhin ins Schloss fiel.
Yui hatte derweil ebenfalls den Rückwärtsgang eingelegt, und zog sich immer weiter in die Wohnung zurück,- so lange, bis sie die Rückenlehne der Sitzcouch an ihrem Po
spürte. Sie durfte diesen geradezu besessenen Mann jetzt keine Sekunde mehr aus den Augen lassen. Nein, mit solch einer Reaktion hatte sie weiß Gott nicht gerechnet,- und sie
spürte, wie sie langsam aber sicher in Panik geriet.
Wie hätte sie vorhersehen können, dass Gendo, der sich normalerweise immer wie ein Waschlappen benahm, plötzlich zu einer sexbessenen Bestie mutieren würde.
Oder ob sie insgeheim sogar damit gerechnet hatte???
"Geno, lass das jetzt! Ich habe dich nicht hierher eingeladen, um hemmungslosen wilden Sex mit dir zu haben.", meinte sie schließlich in einem letzten verzweifelten Versuch den
Teil von Gendos Gehirn zu erreichen, der noch nicht von seinen Trieben beherrscht war. "Ich wollte einfach nur mit dir reden!"
Und ihr Plan schien aufzugehen, denn mit einem Mal hielt Rokubungi inne und blinzelte. "Reden?"
"Ja, reden." wiederholte Yui, während sie schnell um die Couch herum ging, damit sie wie eine Barriere zwischen ihr und dem Angreifer stehen würde. "Reden, wie zivilisierte
Leute." Sie blickte ihm in die Augen. "Du verstehst doch, was ich sage, oder?"
Es dauerte eine Weile, bis die Worte den Weg in sein Gehirn gefunden hatten, doch schließlich... "Verstehe. Viel Bla-bla-bla, nix Sex."
Yui schmunzelte. "Na also, geht doch.", meinte sie schließlich und setzte sich auf die Couch. "Und jetzt komm her zu mir."
Gendo merkte auf und begann zu grinsen. Mit der Geschwindigkeit eines 100 Meter Läufers rannte er auf die Couch zu, überwand die Rückenlehne in einer Art und Weise, die
Turnvater Jahn neidisch gemacht hätte, und landete schließlich nur eine Handbreit von Yui entfernt, so dass er sie sofort in den Arm hätte nehmen, und küssen
können,- hätte, ja, hätte Yui das Ganze nicht schon vorausgeahnt, und sich so hingesetzt, dass sie ihn nötigenfalls mit Händen und Füßen von sich
fernhalten konnte.
"Jetzt ist aber wirklich Schluss, Gendo!"
Ihre Blicke trafen sich und für Sekunden verschwand das gierige Funkeln in Gendos Augen. Doch es kehrte umgehend zurück, als der gute Rokubungi feststellte, dass Yui ihn
fernhielt, in dem sie einen Fuß gegen seinen Brustkorb stemmte... und dass ihr Rock dabei mehr als weit nach oben gerutscht war... Er genoss den Anblick sichtlich...
Yui schrie auf, als sie Gendos Blicken folgte, und ihr klar wurde in welch peinlicher und gleichsam enthüllender Position sie sich gerade befand. Hektisch nahm sie ihr Bein hinunter
und richtete ihr Kleid. Unnötig zu erwähnen, dass die Farbe ihres Gesichtes in diesem Moment der Bezeichnung Rot alle Ehre machte. "Du Schwein!"
"Tut mir leid..."
Yui fuhr herum und starrte Gendo an, ihre Augen so groß wie Suppenteller. "Was hast du da gerade gesagt? Ich glaube ich habe mich da eben verhört!"
"Ich habe gesagt, dass es mir leid tut. Alles..." erwiderte Gendo und zuckte mit den Schultern, während ein dazu passender, wohl bemessener Ausdruck von Verlegenheit über sein
Gesicht huschte.
Yui begann zu lächeln und nahm entgegen besseren Wissens seine Hand. "Ich vergebe dir."
"Ich werde versuchen mich zu bessern.", fügte Gendo leise hinzu. "Und mich dir gegenüber nicht mehr wie ein Idiot zu benehmen."
Und egal ob ernst gemeint oder nicht, diese Worte brachten nun auch das letzte bisschen Eis zum Schmelzen und Yui konnte nicht anders als Gendo in den Arm zu nehmen.
Gendo erwiderte die Umarmung und begann sanft über ihren Rücken zu streicheln. Nachdem sie ungefähr eine Minute oder auch etwas länger so dagesessen hatten, legte
Gendo plötzlich seinen Kopf auf ihre Schulter. "Yui?", flüstere er leise in ihr Ohr.
"Ja, Gendo?"
"Meinst du, wir haben für heute genug geredet?"
"Ja."
"ENDLICH!"
Yui löste sich aus der Umarmung und stand auf, wobei sie aber stets seine Hand hielt. "Komm mit.."
"Und was ist mit deinem Neffen?", fragte Gendo, während er langsam aufstand und ihr folgte.
"Ach der ist ausgegangen. Hey, jetzt sag bloß nicht, dass du auf einmal kalte Füße bekommst!"
"Och, egal, welcher Körperteil von mir auch kalt sein sollte, ich bin sicher, dass du einen Weg finden wirst ihn aufzuwärmen."
Mit einem breiten Grinsen auf dem Gesicht öffnete Yui die Tür zu ihrem Schlafzimmer. "Weißt du Gendo, manchmal frage ich mich wo du diese Sprüche her hast. Du
klingst ja schon fast wie ein Callboy..."
"Danke, ich geb' mir auch größte Mühe.", erwiderte er und schloss die Tür, bevor er sie zum Bett geleitete.
"Ich hoffe, dass es breit genug für uns beide ist."
"Oh, es reicht, wenn es breit genug für einen ist."
"Gendo?" meinte Yui mit ernster Miene, bevor sie sich mit einem kleinen, frivolen Lächeln auf den Lippen auf das Bett legte.
"Ja?"
"Möchtest du dich neben mich legen?"
Das ließ sich Gendo natürlich nicht zweimal sagen, und er war an ihrer Seite noch bevor Yui den Satz so richtig beendet hatte.
"Du warst schon mit vielen Frauen zusammen, stimmt's?", fragte Yui leise, während sie ihn im halbdunkel ihres Schlafzimmers ausgiebig musterte.
"Mit einigen. Aber wahrscheinlich weniger, als du jetzt vielleicht denkst.", antwortete er, wobei er sich allergrößte Mühe gab den Ausdruck auf ihrem Gesicht zu
interpretieren.
Ein Grinsen huschte über Yuis Gesicht. "Oh glaub mir, ich denke dass es in Wirklichkeit noch nicht mal annähernd so viele waren."
Gendo seufzte. "Yui, du bist einfach nur wunderschön, und... ich liebe dich!"
Unwillkürlich begann sie zu lächeln und ihr wurde klar, dass sie überhaupt keinen Alkohol brauchte, um den Mut zu fassen, das zu tun, was sie tun wollte... Und so kam e
dann auch, dass sie sich ohne weiter darüber nachzudenken zu ihm hinüber lehnte, und ihm einen Kuss gab. Es stimmte schon, sie hatte von Anfang an gewusst wie dieser Abend enden
würde,- nur hatte sie es sich nicht eingestehen wollen...
Und was Gendo betraf, so machte seine romantische Ader gerade Überstunden, während er verzweifelt versuchte all die Signale richtig zu deuten, und seine Triebe im Zaum zu
halten... Vergeblich...
Yui versuchte noch seine Hände unter Kontrolle, und sozusagen auf sicherem Terrain zu halten, doch er war einfach zu schnell für sie. Offensichtlich machte er keine Anstalten
das ganze langsam anzugehen, und irgendwie kamen ihr dann doch Zweifel an der Richtigkeit ihres Vorhabens, und sie zögerte einen Moment lang, als er sich daran machte ihren Pulli
auszuziehen. Doch als sie schließlich, von dieser Lage beschützender Kleidung befreit, seine Hände auf ihrem Bauch spürte, war ihr Widerstand endgültig
gebrochen. Ein Teil von ihr befahl ihr nochmals sich zu wehren als Gendo sich anschickte ihr die Bluse zu öffnen, doch ihre Hände wollten einfach nicht gehorchen. Sie waren
bewegungsunfähig, fast schon wie eingefroren,- so als ob sie sich nicht im Klaren waren, ob ihr Eingreifen nun gut oder schlecht für ihren Besitzer wäre...
Und ehrlich gesagt, nun, da sie seine Hand auf ihrer nackten Haut spürte, wusste sie, dass ihn aufzuhalten, ein Fehler gewesen wäre.
Ein wenig abrupt setzte Yui sich auf und stieß Gendos Hände von sich. Er war verwirrt, das konnte sie seinen Augen nur zu deutlich ansehen, doch legte sich das schon bald
nachdem sie begann ihre Bluse vollends abzulegen.
Als sie sich ihrer letztlich entledigte, konnte sie schon beinahe das Feuer spüren, das in Gendo brannte, und sich in seinen Blicken widerzuspiegeln schien.
Lustvolle Blicke, mit denen er jeden Zentimeter ihrer unbedeckten Haut musterte, besonders jetzt, da sie langsam nach hinten reichte um den Verschluss ihres BHs zu öffnen.
"Wie machst du das nur?" fragte Gendo plötzlich verwundert. "Ich meine wie schaffst du es, deine Arme nur so zu verdrehen?"
"Tjaha," lachte Yui. "Das ist ein Trick, den nur wir Frauen und vielleicht noch Transvestiten beherrschen." Sie machte sich noch einige Sekunden an besagtem Kleidungsstück zu
schaffen, doch dann... "Äh.. Gendo, darf ich dich mal was fragen?"
Gendo schluckte. "Wenn's denn sein muss."
"Kannst du dir eigentlich vorstellen, was passiert wenn ein stützendes Kleidungsstück wie ein Büstenhalter am Ende eines langen, harten Arbeitstages einfach so entfernt
wird?"
Gendo schluckte von Neuem. "Ähh. Nein.", antwortete er kleinlaut.
"Würdest du es denn gerne herausfinden wollen?", fragte Yui und ließ mit einem Augenzwinkern einen der beiden Träger ihres BH ein Stück weit ihre Schulter hinunter
gleiten.
"Und wie gern!", hechelte Gendo und leckte ungeduldig seine Lippen...
Yui schmunzelte, als sie nun auch den anderen Träger hinunter gleiten ließ, und sich anschickte den Arm wegzunehmen, den sie bisher quer vor ihre Brust gehalten hatte.
Verführerisch langsam entblößte sie die samtweiche, elfenbeinfarbene Haut ihres Busens, bis hinunter zu ihren zartrosa...
"Ich bin wieder dahaaaaa!!!"
"Verdammt, das ist Kaworu! Schnell versteck' dich!", flüsterte Yui, während sie sich hektisch ihren Pulli wieder anzog.
Gendo stöhnte auf, und mehr als eine Körperpartie von ihm sackte schlaff in sich zusammen.
"Tantchen??"
"Ich komme gleich!" antwortete Yui, und bemühte sich so schnell sie nur konnte unter einem, zum Kartoffelsack mutierten Gendo hervor zu krabbeln. An der Tür ihres Schlafzimmer
angekommen, hielt sie einen Moment lang inne und gönnte sich eine kurze Verschnaufpause, um die Fassung wieder zu erlangen.
Dann nahm sie einen tiefen Atemzug und trat hinaus...
... direkt unter die Augen ihres wissend grinsenden Neffen... "Hast du was, Tantchen? Ist dir nicht gut? Deine Stimme hat so aufgeregt und außer Atem geklungen..."
"Nein, mir fehlt nichts! Alles fit!", antwortete Yui hastig und mit einem großen, viel zu unschuldig wirkenden Lächeln. "Sag, was bist du so früh schon wieder
zurück?"
Kaworu runzelte die Stirn und hob eine Augenbraue. Ihr Schlafzimmer war abgedunkelt und in rötliches Licht getaucht, ihr Lippenstift verschmiert, und - oh Gott - trug sie etwa
keinen BH? "Äh, ich habe dich doch nicht etwa gestört, oder?"
"Ach i wo." meinte Yui wie aus der Pistole geschossen. "Nein, nein." Sie winkte ab. "Du hast mich nicht gestört. Ich habe nur gerade... gelesen. Ja, ich habe ein Buch
gelesen..."
"Im Dunkeln?"
"Na ja... Ich... Es war ein Buch in Blindenschrift..."
Kaworu klopfte ihr aufmunternd auf die Schulter und grinste. "Ist schon gut. Ich werde die Lautstärke am Fernseher einfach etwas weiter aufdrehen als sonst. Mach dir mal keine
Sorgen um mich. Tu einfach so, als wäre ich garnicht da." Sein Grinsen wurde noch ein wenig breiter als er mit seinem Kopf in Richtung ihres Schlafzimmers nickte. "Und jetzt los,
Tantchen. Dein Buch wartet sicher schon auf dich. Viel Spaß..."
Yui streckte ihrem Neffen noch schnell die Zunge raus, bevor sie die Tür schloss.
Kaworu lachte. "Du kannst es ja mal versuchen.", erwiderte er laut, so dass sie es selbst durch die geschlossene Türe hindurch hören musste. "Ich wette es würde ihm
gefallen."