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Retelling a Story (Abzweigung 04)

Kapitel 14 - Glaube

Geschrieben von Ulrich Alexander Schmidt

Legal Boilerplate:
Sämtliche Fehler in der Charakterisierung sind ganz allein mir selbst zuzurechnen.

Dieser FanFic enthält:
Spoiler, endlose langweilige Dialoge, Warm and Fuzzy Feelings, Asuka in Bestform, Sex, Drogen und sinnlose Gewalt

Ach ja, dies ist die FSK 16 - Version !
Nein, es gibt keine anderen Versionen.

Alle Figuren, die nicht Eigentum von GAINAX sind, sind frei erfunden, jede Ähnlichkeit mit lebenden, toten oder sonstigen Personen ist unbeabsichtigt und daher rein zufällig. Mich verklagen zu wollen, würde nichts bringen, schließlich habe ich kein Geld
Zu riesigen Problemen essen Sie bitte die Packungsbeilage und fragen Sie den Arzt Ihres Apothekers.

„Ich will nicht sterben...“

„Ich will so nicht sterben...“

„Ich will leben...“

Drei Stimmen, welche dieselben Worte wieder und wieder wiederholten, drei verschiedene Stimmen, die eine seine eigene, die anderen eine Frauen- und eine Männerstimme, von denen ihm nur die Frauenstimme vertraut vorgab... woher nur...

Das Gefühl, lebend gekocht zu werden...

Nach Atem schnappen...

Das rasende Herz, welches in seiner Brust zu explodieren scheint...

Schmerz...

Der Schmerz, als sich sein Körper in seine Bestandteile auflöst...

Die Dunkelheit, welche nach ihm greift, ihn fortträgt ins Vergessen...

Schmerz...

Das Krachen brechender Knochen...

Wasser, das über ihm zusammenschlägt...

Schmerz, der ihn fortträgt...

„Ich will leben...!“

*** NGE ***


Shinji Ikari fuhr in die Höhe.
„Ich will leben...“ stieß er hervor.
Eben noch hatte er sich im EntryPlug von EVA-01 befunden...
War bei lebendigem Leibe geröstet worden...
War in seine Moleküle aufgelöst worden...
War an einer Betonmauer zerschmettert worden...
War tausendfach gestorben.
„Mama...“ flüsterte er, als eine halb verschüttete Erinnerung in ihm hochkam, seine Mutter, die an seinem Bett gesessen und ihm Gute-Nacht-Geschichten vorgelesen hatte, seine Mutter, die er vor vielen Jahren verloren hatte und die ihm jetzt in diesem Moment doch so nahe zu sein schien...
Da saß tatsächlich jemand an seinem Bett...
„Ah...“
Sein Blick klärte sich.
Das Bild seiner Mutter, welches er eben noch vor Augen gehabt hatte, verblaßt, schrumpfte, nahm andere Farben an, obwohl sich die Züge seltsamerweise nur geringfügig veränderten.
„Ayanami...“

Rei zuckte zusammen, als Ikari-kun in die Höhe schoß, plötzlich aufrecht im Bett saß.
Seine Decke rutschte von seiner Brust, entblößte seine Hühnerbrust. Ikari-kun war nicht kräf-tig gebaut, aber das war für die Mission auch nicht nötig, die Muskeln lieferte der EVA.
Doch als er nach seiner Mutter rief, überlief es sie eiskalt, so daß sich ihre Freude darüber, daß er endlich aufgewacht war, in Grenzen hielt.
Sie blickte ihn schweigend an, sah, wie er die Augen zusammenkniff, sie endlich erkannte, ich-ren Namen flüsterte.
Ayanami... der Name, den man ihr gegeben hatte, mit dem jeder sie ansprach. Sie verband nichts damit. Doch Ikari-kun... wenn er sie ansprach, dann voller Respekt. Niemand sonst sprach mit Respekt zu ihr... der Captain war freundlich, aber sie kannte sie nicht... der Doktor schien sie nicht leiden zu können, ihr schien es Vergnügen zu bereiten, sie mit Nadeln zu pie-sacken und endlos zwischen den Tests warten zu lassen... und der Kommandant... ihr Schöpfer sah sie an und wenn er einmal etwas anderes sah, als ein Werkzeug in seinem Plan, dann sah er sie, jene nach deren Vorbild sie erschaffen worden war, deren Gesicht sie hatte...
Aber Ikari-kun... er schien in ihr eine Person zu sehen.
„Du bist wach.“ stellte sie fest.
Etwas in ihr schien ihr zurufen zu wollen, daß sie etwas anderes hätte sagen sollen, doch ihr war nicht klar was.

„Wo...“
Er sah sich um.

„Krankenstation. NERV-Hauptquartier. Geofront.“ gab sie ihm die gewünschte Auskunft.

Er nickte.

Sie stand auf, drückte erst den Rufknopf neben der Tür und holte dann den Wagen, der auf dem Gang stand, und auf dem sich ein Tablett mit Essen befand.
Es war das übliche Krankenhausessen, Rei hätte es nicht angerührt, wenn ihr Leben davon ab-gehangen hätte, die Hälfte davon bestand mit ziemlicher Sicherheit aus Stoffen, welche ihr Körper nicht vertrug. Während ihres eigenen längeren Aufenthaltes auf der Krankenstation war sie intravenös ernährt worden. Aber vielleicht konnte Ikari-kun der seltsam gefärbten Pampe etwas abgewinnen, die sich in den Mulden des Tabletts befand.
„Dein Essen. Du sollst essen, sobald du aufgewacht bist.“
Nahrungsaufnahme war wichtig für den Erhalt der menschlichen Funktionsfähigkeit. Auch sie mußte essen.
Dennoch starrte er das Tablett nur an.

„Ich will nichts essen.“

„Du solltest aber, wir brechen in...“ sie sah auf die Uhr, berechnete die verbleibende Zeit bis zum Beginn des Einsatzes, „zweiundsiebzig Minuten auf.“

„Was?“

Sie holte ihr Notizbuch hervor, um sein Wissen auf den aktuellen Stand zu bringen.
„14:00 Uhr - Die Piloten treffen im Hangar ein.
14:30 Uhr - EVA-00 und EVA-01 werden aktiviert
15:00 Uhr - Ausrücken, die EVAs verlassen den Stützpunkt über Schacht 14.
16:00 Uhr - die EVAs treffen beim provisorischen Hauptquartier am Fuß des Fugotoyama ein.
19:30 Uhr - die EVAs gehen am Hang des Fugotoyama in Stellung und graben sich ein.
Von da an Bereithalten für weitere Befehle.
19:37 Uhr - Sonnenuntergang. Zu diesem Zeitpunkt sollten die EVA spätestens einsatzbereit sein.
23:50 Uhr - Voraussichtlicher Beginn des Einsatzes - die Geschützstellung wird mit der Ener-gie von ganz Japan versehen.
23:55 Uhr - Voraussichtlicher Zeitpunkt, zu dem die Geschützstellung einsatzbereit ist.
00:13 Uhr - Voraussichtlicher Zeitpunkt des Third Impact, so es nicht gelingt, den Engel auf-zuhalten.“

Shinji trat der Schweiß auf die Stirn, zugleich begann er zu frieren.
„Ich soll... ich soll wieder in das Ding steigen? Bei dem, was mir gerade passiert ist?“
Die Erinnerung an den Schmerz kehrte zurück, an den Eindruck, wieder und wieder zu ster-ben, gekocht, atomisiert, aufgelöst, zerschmettert und zerrissen zu werden.

Rei sah ihm in die Augen, sah die Furcht, die ihn erfaßt hatte.
Nur konnte sie seine Angst nicht verstehen, er hatte doch überlebt! Jeder von ihnen konnte im Einsatz fallen... auch wenn sie es auf eine Art bedauern würde, die sie selbst nicht genau hätte beschreiben können, sollte ihm etwas zustoßen. Die Mission hatte doch Vorrang! Wenn sie den Engel nicht aufhielten, würde dies das Ende bedeuten, für sie, für ihn, für alle. Wenn sie fiel, so war sie ersetzbar... doch er war es nicht... deshalb würde sie ja auch den Schild benutzen und ihm und EVA-01 die nötige Deckung geben statt umgekehrt...
Aber er mußte sich entscheiden, was er tun wollte, noch war Zeit, den Einsatzplan zu ändern und auf einen EVA umzuarbeiten, vielleicht konnten die Konstruktionsteams, die jetzt schon am Berg arbeiteten, auch noch eine feste Stellung errichten...
Dann erinnerte sie sich daran, wie Ikari-kun ursprünglich dazu gebracht worden war, in den EVA zu steigen, wie sie es in den Aufzeichnungen gesehen hatte.
„Wenn du nicht willst, dann geh. Dann steuere ich EVA-01.“
Er sah sie an, sein Blick veränderte sich... sie hatte also die richtigen Worte gewählt.
„Ein Feigling würde die Operation ohnehin nur gefährden.“
Ikari-kun kniff die Augen zusammen...
„Die Personaldaten sind schnell umgeschrieben.“
Sie stellte sich seinem Blick. Ikari-kun schien es nicht ausstehen zu können, als Feigling be-zeichnet zu werden... zugleich fühlte sie zum ersten Mal in ihrem Leben Scham, sie schämte sich dafür, derart mit ihm umzuspringen, fühlte sich seiner Freundschaft nicht wert, weil sie ihn ausnutzte.
Sie wandte sich ab, konnte seinen Blick nicht mehr ertragen... noch wenige Augenblicke und sie hätte... sich bei ihm... entschuldigt... Sie hatte sich noch nie zuvor bei jemandem entschul-digt... oder auch nur den Drang dazu verspürt...
„Und iß etwas...“ murmelte sie beim Rausgehen.

Shinji starrte auf die zugefallene Tür.
„Ayanami...“ murmelte er.
Die Angst war seltsamerweise fort, wenigstens für den Moment.
Sie hielt ihn für einen Feigling...
Und obwohl ihm das eigentlich hätte egal sein können - schließlich wollte sie, daß er sich in Lebensgefahr begab -, aber das war es nicht. Ihre Worte nagten an ihm.
Jeder hätte ihn einen Feigling nennen können, angesichts seiner jüngsten Erlebnisse hätte er wohl nur mit den Schultern gezuckt, doch Ayanamis Worte hatten ihn tiefer getroffen. Was an-dere von ihm dachten, war ihm egal, wenn sie ihm schon den Respekt und die Anerkennung verwehrten, die er sich seiner Ansicht nach mit den beiden letzten Kämpfen verdient hatte, konnten sie seinetwegen von ihm denken, was sie wollten... nur bei ihr war es ihm nicht egal...
Langsam griff er nach dem Tablett...

*** NGE ***


Punkt drei Uhr nachmittags öffnete sich in der Tokio-3 abgewandten Seite eines Hügels ein bis dahin unter der Vegetation verborgenes Metallschott.
Mit stampfenden Schritten verließen EVA-00 und EVA-01 den versteckten Zugang zur Geo-front.
Der Einsatz hatte begonnen...

Zwischen den Piloten herrschte Funkstille, der eine war der Ansicht, der anderen nichts mehr zu sagen zu haben, bis er ihr bewiesen hatte, kein Feigling zu sein, die andere wußte nicht, wa sie hätte sagen sollen - und zum ersten Mal in ihrem Leben zerbrach sie sich den Kopf darüber.
Sie umrundeten die Stadt weitläufig, blieben dabei auf der anderen Seite der Hügel und außer Sicht des Engels.
Wie im von den MAGI aufgestellten Zeitplan vorgesehen, erreichten sie eine Stunde später das Basislager am Fuß des Berges, wo Misato Katsuragi und der taktische Stab Quartier bezogen hatten, während Subcommander Fuyutsuki in der Geofront die Stellung hielt.
Das Gelände und die Rückseite des Berges waren übersät von würfelförmigen Kühlaggregaten, die mit dicken Kabeln untereinander vernetzt waren. Vor Ort befand sich auch ein neuer Netz-anschluß für die Versorgungskabel der EVAs.
Dann machten sie sich an den Aufstieg zur Geschützstellung.
Provisorische EVA-Käfige waren in der Geschützstellung vorbereitet worden, so daß die Pilo-ten zum letzten Briefing ihre EntryPlugs verlassen konnten. Zwischen den Käfigen verliefen mehrere Verbindungsstege. Das Areal wurde von zahlreichen großen Scheinwerfern ausge-leuchtet, die EVAs hingegen erschienen als gewaltige Schattenwesen, die am Rand de er-leuchteten Feldes zu lauern schienen.

Misato Katsuragi, Ritsuko Akagi und Maya Ibuki waren noch anwesend, nach der letzten Be-sprechung würden sie sich in das Basislager zurückziehen.
Misato deutete auf die Gegenstände in der Stellung.
„Das dort ist eine Positronenkanone, allerdings nur ein Prototyp. Wir haben ihn mit dem Ab-zugsystem eines gewöhnlichen Gewehrs versehen, die Montage ist jedoch nur provisorisch, die Waffe ist unseren Berechnungen zufolge imstande, das AT-Feld des Engels zu durchschlagen, allerdings ist sie für einen mehrfachen Gebrauch noch nicht zu gebrauchen, da jeder Schuß an ihrer Präzision zehrt. Das heißt, daß maximal drei Schüsse möglich sein werden.
Dieser Schild dort ist eigentlich das Unterteil eines Space Shuttles, es wurde im Laufe des Ta-ges speziell behandelt und sollte imstande sein, dem Feuer des Gegners siebzehn Sekunden lang standzuhalten, maximal zwanzig.
Das Gewehr nachzuladen nimmt dreißig Sekunden in Anspruch, die Prozedur entspricht dem Laden eines gewöhnlichen Positronengewehres, allerdings kommt eine längere Kühlphase da-zu. Der erste Schuß muß sitzen.
Shinji, du wirst das Gewehr abfeuern, deine Synchronrate ist höher.“

„Verstanden.“
Shinji nickte knapp, bemühte sich, ein entschlossenes Gesicht zu machen.

„Rei, du bist für die Defensive zuständig.“

„Verstanden.“
Sie hatte vorher schon gewußt, daß sie diesen Part übernehmen würde. Sie würde für Ikari-kuns Sicherheit verantwortlich sein... und sie würde nicht scheitern...

Akagi trat vor, wandte sich direkt an Shinji, ignorierte Rei völlig.
„Shinji, der Energieausstoß des Gewehrs wird vom Magnetfeld der Erde, der Erdrotation und einigen anderen Dingen beeinflußt, das mußt du bei deinem Schuß berücksichtigen.“

„Uhm... das habe ich nicht geübt.“ warf er ein, fühlte seine größtenteils ohnehin nur vorge-täuschte Entschlossenheit bröckeln.

„Ich habe den Zielcomputer entsprechend neu programmiert, es werden jetzt zwei Fadenkreuze auf deinem Monitor auftauchen, wenn diese sich in der Mitte treffen und überlappen, mußt du feuern. In der Kapsel wurde ferner ein Zielvisor montiert, der die Daten des Zielcomputers gleich auf die Netzhaut überträgt und dadurch die Reaktionszeit um einige Millisekunden ver-ringert.“

„Ja, verstanden.“

„Wegen der langen Kühlphase wird jeder Schuß nach dem ersten zu einem unkalkulierbaren Risiko. In dieser Zeit mußt du eventuellem Gegenfeuer des Engels ausweichen. Al letzte Möglichkeit steht der Schild zur Verfügung.“

Shinji sah zur Seite, wo Ayanami in ihrer PlugSuit unbeweglich wie eine Statue mit ausdrucks-losem Gesicht neben ihm stand.
Wenn sein erster Schuß nicht saß, würde er Ayanami in Gefahr bringen, die dann den Gegen-schlag abwehren müßte... wenn er versagte, konnte sie verletzt oder gar getötet werden... er durfte nicht scheitern...

„Gut, macht euch fertig und wartet auf weitere Anweisungen! Es ist nicht mehr viel Zeit, jetzt, in diesem Augenblick, werden die ersten Schaltungen vorgenommen, um uns den Strom des ganzen Landes zur Verfügung zu stellen.“

Beide bestätigten, gleichzeitig und völlig synchron.

„Viel Glück“, flüsterte Misato, sah beiden noch einmal in die Augen und ging dann zu dem Ge-ländewagen, wo Akagi und Ibuki bereits auf sie warteten.

*** NGE ***


Mitternacht rückte näher.

Die beiden Piloten saßen auf den metallenen Laufstegen an der Oberseite der provisorisch auf-gebauten Käfige, jeweils getrennt durch einen Abgrund.

Shinji Ikari hockte im Schneidersitz neben dem riesigen Kopf seines EVAs, dessen Augen jetzt noch tot und leblos waren, in Bälde jedoch aufglühen würden, wenn der Roboter mit Energie versorgt wurde. Immer wieder sah er zur Seite, hoffte auf eine Reaktion seiner Kampfgefähr-tin.

Rei Ayanami blickte starr geradeaus, die Arme um die angezogenen Beine geschlungen, wirkte in Shinjis Augen irgendwie verloren und dennoch entschlossen. Ihre ohnehin blasse Haut schien im Mondlicht noch bleicher, ihr bläuliches Haar hatte etwas gespenstisches, ebenso ihre schar-lachroten Augen.
Sie wußte, daß Ikari-kun sie immer wieder anblickte, doch diesesmal war sie es, die einen Kloß im Hals zu spüren schien, der jedes Wort abwürgte. Was konnte sie schon sagen? Ihn um Ver-zeihung bitten, daß sie ihn in diese Lage gebracht hatte? Sie hatte sich noch nie bei jemandem entschuldigen müssen, hatte immer nur getan, was man ihr gesagt hatte...
Wann nur hatte sie begonnen, ihre eigenen Gedanken zu denken...
Bevor Ikari-kun in Tokio-3 aufgetaucht war, war alles einfacher gewesen. Danach war alles viel zu kompliziert geworden... Plötzlich hatte sie sich verpflichtet gefühlt, den anderen Piloten zu beschützen. Seine Handlungen hatten in ihr den Wunsch geweckt, ihn zu verstehen, um bes-ser mit ihm zusammenarbeiten zu können. Er hatte sich besorgt über ihre Verletzungen ge-zeigt, war ihr mit Freundlichkeit und Respekt begegnet, hatte ihr seine Freundschaft angebo-ten... Sie hatte versucht, ihre Gefühle zu unterdrücken und zu ignorieren, so wie sie es seit Be-ginn ihrer bewußten Existenz getan hatte, doch sie konnte sich der Erkenntnis nicht ver-schließen, daß sie für ihn Sympathie empfand, daß sie Ikari-kun mochte. Nicht, weil er der Sohn des Kommandanten war, nicht weil er ebenfalls EVA-Pilot war, auf den sie sich mit ich-rem Leben verlassen können mußte, sondern weil er der war, der er war, weil er ihr ähnlich war... und jetzt hatte sie es nicht nur mit dieser Sympathie, sondern auch noch mit einem Ge-wissen zu tun.

„Wir könnten sterben...“ murmelte Shinji.
Ayanami war mutig, sie schien keine Angst zu kennen, ihm hingegen schlotterten die Knie beim Gedanken daran, was sie vorhatten. Wenn der Engel schneller reagierte, als man es berechnet hatte... wenn er die Leistung seines Energiestrahles verstärken konnte... wenn der Prototyp des Geschützes versagte... wenn er vorbeischoß... wenn der Schild eher unter der Hitze nachgab... wenn, wenn, wenn...

„Warum sagst du soetwas?“
Ikari-kuns Worte machten es ihr nicht leichter.
Nur zu gut erinnerte sie sich an die bangen Momente, in denen sie darauf gewartet hatte, daß der beschädigte EVA-01 nach der ersten Begegnung mit dem Ziel: Ramiel in den Hangar zurückkehrte, erinnerte sich der Wut, die in ihm aufstieg, als sie von Ikari-kuns Zustand erfuhr, eine Wut, die nicht der Dunkelheit aus dem Herzen des EVAs entsprungen war.

„Ist es dir völlig egal, was geschehen könnte?“ fragte er überrascht.

Es war ihr nicht egal, deshalb würde sie ja dem Schild halten und nicht EVA-01... aber das konnte sie ihm schlecht sagen, konnte ihm nicht sagen, daß sie ersetzbar war, daß sich im Ter-minalDogma noch Dutzende an Ersatzkörpern für sie befanden, von denen sie einen nach dem Ende der Existenz dieser Hülle in Besitz nehmen konnte... und vielleicht würde dies auch der bessere Weg sein, denn der Übergang würde ihre Erinnerungen teilweise auslöschen, so daß sie sich vielleicht nicht mehr mit verwirrenden Gefühlen herumschlagen mußte... Jedenfalls hatte Doktor Akagi ihr so die Begleiterscheinungen einer neuen Inkarnation mit seltsam hämischen Unterton erklärt.
„Es ist meine Aufgabe, EVA-00 zu steuern.“

„Ja, aber weshalb tust du es?“

Sie blickte kurz zur Seite, sah ihn einen Moment lang an, ehe ihr Blick wieder in die Ferne schweifte. Zu seiner Überraschung lag in ihrem Blick Traurigkeit, und er fragte sich, ob sie sich vielleicht genauso einsam fühlte wie er selbst.
„Wegen meiner Verbindung.“
Warum mußte Ikari-kun so viele Fragen stellen? Wie sollte sie ihm erklären, daß sie zum Teil auch hier war, um dafür zu sorgen, daß er nicht zu Schaden kam? Schließlich war er nicht er-setzbar... wahrscheinlich würde der Kommandant schnell einen anderen geeigneten Piloten fin-den, doch Ikari-kun war nicht ersetzbar... nicht in ihrem Herzen...

Shinji war überrascht.
Verbindung...
Was meinte Ayanami damit?
„Verbindung? Zu meinem Vater?“
Der zweite Satz war voller Bitterkeit. Er erinnerte sich, wie er vor kurzem seinen Vater und Rei beobachtet hatte, wie sie sich unterhielten, wie sein Vater ihr die Aufmerksamkeit gewid-met hatte, die er ihm, seinem eigenen Sohn, verweigerte.

Zum Kommandanten? Wie kam Ikari-kun auf den Gedanken? Ihre Mission diente dem Schutz und der Rettung aller Menschen...
„Nein, zu allen Menschen.

„Zu allen... Du besitzt innere Stärke, Ayanami, du bist viel stärker als ich es je sein werde.“ flüsterte er resignierend. Sie mußte ein große Verantwortungsgefühl besitzen, um so reden zu können.

„Ich habe nichts anderes.“ antwortete sie ebenfalls flüsternd, hoffte, daß ihm die Traurigkeit nicht auffiel, welche sie verspürte.

Ihr monotoner Tonfall jagte ihm einen Schauder über den Rücken.
„Nichts anderes?“ wiederholte er. Seine Kehle wurde trocken.

In diesem Moment erloschen in der Stadt alle Lichter.

Rei stand auf.
Die Operation begann... ab jetzt durfte sie nicht zulassen, daß irgendwelche Gefühle die Ober-hand bekamen, in Ikari-kuns und der ganzen Welt Interesse.
„Es ist soweit.“

„Ja.“
Er erhob sich aus seinem Schneidersitz, schüttelte die Beine aus.
Sein Blick fiel auf das halb im Schatten verborgene Gesicht des EVAs, ihm war, als funkelten die Augen kurz auf.
„Ayanami...“

„Ja?“

„Ich habe Angst.“
Das Geständnis war gar nicht schwer, sie wußte es doch ohnehin.

Rei verharrte an der Zugangsluke, preßte die Lippen zusammen, wollte zuerst keine Antwort geben und einsteigen. Doch sie konnte es nicht, spürte seinen stummen Blick in ihrem Rücken.
„Du wirst nicht sterben... Ich werde dich beschützen.“

Shinji schluckte trocken. Ihrem Tonfall entnahm er, daß sie es absolut ernst meinte.
„Ayanami...“

„Leb wohl...“
Ikari-kun konnte nicht wissen, wie weit sie bereit war zu gehen, um ihn zu schützen.
Vielleicht würde sie an diesem Abend ihre zweite Existenz beenden, nur um in wenigen Tagen wieder zu erwachen, ohne sich an ihn oder seine Freundlichkeit zu erinnern. Die Situation rechtfertigte einen Abschiedsgruß.

*** NGE ***


Die EVAs waren inzwischen völlig aktiv, EVA-01 kniete hinter dem Geschütz, während EVA-00 schräg vor ihm hockte, den Schild bereit.

„Shinji, Rei?“

„Ja, Misato?“ - „Ja, Captain Katsuragi?“

„Es ist jetzt gleich zwölf Uhr. Die Operation beginnt. Shinji, wir geben dir die gesamte Energie von Japan.“

„Bereit.“
Seine Stimme verriet die Unsicherheit und die Angst nicht, die ihn erfüllten. Er wollte Misato nicht beunruhigen. Und er wollte sich selbst keine Schwäche gestatten, mußte seine Gefühle unter Kontrolle halten, damit der EVA sie nicht reflektierte und vielleicht wieder zum Berser-ker wurde und angriff, was sich in seiner Nähe befand...
Shinji verfolgte die Anzeigen, welche den Energieanstieg anzeigten. Immer mehr Energie wur-de in das Gewehr geleitet. Die Waffe in seinen Händen schien zu vibrieren, das Zittern übertrug sich auf die Hände des EVAs, wurde stärker mit jedem Meßstrich, den der Pegel anstieg.
Er klappte das Zielvisier nach unten.
Sein Herz schien viel schneller zu klopften als normal, als er den Engel in der Vergrößerung se-hen konnte.

Ramiel hatte inzwischen bis auf die letzte Panzerschicht alle durchdrungen, stand kurz davor, in die Geofront einzudringen. Es war höchste Zeit...

Der Anblick brach noch einmal die Erinnerung auf, noch einmal sah er durch die Augen von Einheit-01 den grellen Energiestrahl auf sich zurasen, glaubte er den Aufprall zu spüren, ver-meinte er, in der sich aufheizenden LCL-Flüssigkeit lebendig gekocht zu werden. Dann war da nichts mehr, nur Dunkelheit, eine stille, kalte Dunkelheit, nicht die haßerfüllte Finsternis, die er kennengelernt hatte, sondern die Stille des Todes.
Plötzlich fürchtete er sich vor dem Tod, eine Angst, von der er vor seiner Ankunft in Tokio-3 geglaubt hatte, sie wäre ihm fremd - warum auch nicht, weshalb hätte es ihm auch nicht egal sein sollen, ob er lebte oder starb, wenn der eigene Vater ihn wie Dreck behandelte, die Ziehel-tern eigentlich nur immer auf den nächsten Unterhaltscheck warteten und die Mitschüler ihn als Waisenkind verhöhnten... doch jetzt hatte sich etwas geändert, es gab Menschen, denen er et-was bedeutete... Misato, sie hatte ihn bei sich aufgenommen... in seiner neuen Klasse wurde er respektiert, nicht nur weil er einen EVA steuerte... er hatte Freunde gefunden, auch wenn Su-zuhara ihm anfangs ein neues Gesicht hatte verpassen wollen... Suzuhara, Aida... und Ayana-mi... Ayanami, schweigsam, geheimnisvoll...
Wegen ihr saß er im Pilotensitz - damit sie ihn nicht für einen Feigling hielt... und wenn er den Kampf überlebte und gleich im Anschluß damit begann, dann konnte er sich vielleicht erfolg-reich einreden, daß es ganz anders war, daß er aus anderen Gründen in den EVA gestiegen war... genauso wie beim ersten Mal nach seiner Ankunft... es war alle nur eine Frage des Selbstbetruges...
Trotzdem hatte er Angst.
Doch die Angst zu sterben war nicht so stark wie die Furcht vor der Dunkelheit und dem Haß, welche ihn überkamen, sobald EVA-01 in den Kampf ging.
Er aktivierte das Interkom, stellte eine Verbindung zu Einheit-00 her, um es ihr zu sagen, um diese vielleicht letzte Gelegenheit nicht ungenutzt verstreichen zu lassen.
„Ayanami?“

„Ja, Ikari?“

Was er ihr eigentlich hatte sagen wollen, war vergessen, sein Mut verloren, stattdessen fragte er nur:
„Bist du bereit?“

„Ja.“

Die Zeitanzeige sprang auf Mitternacht. Das Gewehr hatte genug Energie.

Er zielte.

Die Zielvorrichtung half ihm, die Haltung von EVA-01 zu korrigieren, der Engel war nun ge-nau im Fadenkreuz.
„Feuer“, flüsterte Shinji und drückte ab. Ein heller Energiestrahl schoß aus der Gewehrmün-dung auf den Engel zu.

Im gleichen Moment reagierte Ramiel, vielleicht hatte er seine Feinde schon vorher entdeckt, sich aber absichtlich ignorant verhalten, solange sie keine Gefahr für ihn darstellten, vielleicht verfügte er aber auch über entsprechende Reflexe. Sein eigener Energiestrahl jagte auf die Schützenstellung zu.

Die Strahlen trafen sich über Tokio-3, lenkten einander ab.

„Daneben...“ zischte Shinji und befolgte die Anweisungen, die er über Funk erhielt, um einen weiteren Schuß vorzubereiten. Er war plötzlich ganz ruhig, es gab nur noch ihn, das Gewehr und den Engel. Einen Moment lang wurde Ramiel in seiner Vorstellung vom Gesicht seines Vaters ersetzt.
Wut stieg in ihm auf, doch es war seine eigene Wut, eher hilfloser Zorn als zerstörerischer Haß.

Wieder feuerte der Engel.

EVA-00 brachte den Schild in Position, der Energiestrahl traf auf die Keramikschichten, be-gann sie langsam zu schmelzen.

Shinji blickte auf den Chronometer, verglich die beiden Countdowns miteinander. Der eine zeigte an, wie lange es noch dauern würde, bis das Gewehr wieder bereit war. Der andere sagte ihm, daß der Schild diese Zeit nicht standhalten würde, daß zwei Sekunden fehlen wür-den.

Der Kanal zu Einheit-00 war noch offen, er sah, daß Ayanami ihr Gesicht vor Anstrengung verzog. Shinji begriff - der Schild mochte den Strahl aufhalten, doch die Energie war stark ge-nug, entfaltete genügend Hitze, daß sich auch EVA-00 erhitzte, daß sich das LCL im Inneren des Plug langsam erwärmte... Ayanami schwebte in Lebensgefahr... und alles nur, weil er ver-sagt hatte...
„Ayanami, wenn der Schild geschmolzen ist, dann wirf ihn weg und lauf!“
Es war ihm plötzlich egal, daß er dann ungeschützt war, daß er wahrscheinlich den nächsten Sonnenaufgang nicht mehr erleben würde. Sie war viel mutiger als er, sie mußte leben... Sicher kam sie ohne ihn besser klar, ohne jemanden, der ständig Furcht zeigte, der sich nur entschul-digte...

„Nein.“
Der Schild gab nach, zerfiel. EVA-00 richtete sich auf, fing den Energiestrahl mit seinem eige-nen Körper auf.
Ikari-kun mußte leben!
„Ich werde dich... Ahhhh!“
Die Verbindung brach ab.

„Ayanami!“ brüllte Shinji aus Leibeskräften.

„Gewehr bereit!“ drang Misatos Stimme aus dem Lautsprecher. Sie war aufgeregt, nervös, aber nicht so nervös wie der Junge unter dem Visier.

Shinji mußte nicht mehr zielen. Er wußte, wo sich der Engel befand, konnte ihn fast spüren, es war, als führte jemand seine Hand, ein wohlwollender unsichtbarer Mitstreiter, welcher den Haß zurückhielt, der nun aus der Dunkelheit aufzusteigen schien.
Er drückte ab...

Die folgende Explosion zeigte ihm, daß er getroffen hatte, daß Ramiel vernichtet worden war, doch das war ihm fast egal, seine Mitstreiterin war wichtiger.

„Ayanami!“ brüllte er wieder ihren Namen, auf eine Antwort hoffend.
Es kam kein Funkkontakt zustande, der Bildschirm blieb dunkel. Einheit-00 war reglos neben Einheit-01 zusammengesunken, die Brustpanzerung völlig zerschmolzen.
„Das darf nicht...“
Kurz entschlossen packte er das Element der Rückenpanzerung, die den EntryPlug-Zugang bedeckte, riß es heraus.
Es war ihm egal, ob er dabei den EVA beschädigte oder vielleicht sogar zerstörte,

Der EntryPlug von Einheit-00 schoß hervor, heiße LCL-Flüssigkeit wurde ausgestoßen.

„Shinji, wir sind unterwegs, in einer Viertelstunde sind wir...“
Er schaltete die ComPhalanx ab, durfte sich von Misato jetzt nicht ablenken lassen.
Für Ayanami ging es vielleicht um Sekunden...

Er ließ EVA-01 den Plug ergreifen und sanft auf dem Boden ablegen, brachte den Roboter dann in eine liegende Haltung und führte manuell die Evakuierung des eigenen Plugs durch, so daß er auf Bodenniveau die Einstiegsluke verlassen konnte.
Eilig hastete er zu dem anderen Plug hinüber, griff nach dem Handrad der Zugangsluke.
Shinji zuckte zurück. Die Plastikummantelung war heiß.
Wie sollte er die Luke öffnen, wenn er sie nicht entriegeln und aufziehen konnte, ohne sich da-bei die Hände zu verbrennen? - Und wenn schon, Ayanami war wichtiger...
Erneut ergriff er das Handrad mit beiden Händen, hatte mit einem kräftigen Ruck bereits eine halbe Umdrehung geschafft, bevor er der Hitze gewahr wurde, die sich durch seine Handschu-he fraß.
Eine weitere Vierteldrehung... es stank nach angekokelten Plastik, der Gestank kam von seinen Handschuhen... Shinji biß die Zähne zusammen.
Noch eine halbe Umdrehung... ein leises Knacken... der Schmerz war inzwischen unerträglich, in seinen Augen standen Tränen.
Mit einem letzten Kraftakt zog er die Luke auf, kletterte in dunkle Innere, zerrte sich dabei die Handschuhe herunter und ließ sie achtlos fallen.
In seinen Händen pochte und pulsierte es.
Wo war Ayanami?
Der Pilotensitz... vorsichtig tastete er nach der Lehne, unterdrückte bei der Berührung seiner geschundenen Hände mit der Rückenlehne einen Schmerzenslaut. Ob er ähnliche Narben da-vontragen würde wie sein Vater? Er verscheuchte den Gedanken sofort wieder. Schmerz war relativ, er würde vergehen. Ayanami war wichtiger. Sie hatte ihn beschützt...

*** NGE ***


Ikari-kun hatte den Engel verfehlt!
Doch es war nicht sein Fehler gewesen, vielmehr hatten sie den Engel unterschätzt, hatten ge-glaubt, er würde die Vorbereitungen auf dem Berg nicht bemerken, würde die beiden Riesen in der Geschützstellung übersehen...
Ihren Gedanken fehlte die ansonsten immanente Logik, statt mit taktischer Analytik betrachtete sie die Lage voller Emotion.
Jetzt war ihr Part gekommen, wie sie es versprochen hatte.
Sie stemmte sich mit dem Schild gegen den nächsten Energieschuß, hielt die Glut von EVA-01 und Ikari-kun fern.
Ihre Lippen bildeten Worte, eine stumme Bitte...
Der Schild gab nach.
Ikari-kun forderte sie auf, sich zurückzuziehen...
Warum wollte er sich opfern? Oder verkannte er, daß nur sie zwischen ihm und dem Engel war?
Er durfte nicht zu Schaden kommen... sie hatte es ihm versprochen... sie würde ihn beschü-tzen... sie wollte ihn beschützen... und wenn sie überlebte, dann würde sie ihn auch in Zukunft beschützen...
Mit ausgebreiteten Armen sprang sie in die Bahn des Energiestrahls, ließ EVA-00 ihn mit der Brust abfangen, erkauft Ikari-kun die nötige Zeit für den nächsten Schuß.
Im Plug wurde es unerträglich heiß. Sie spürte, wie sie die Kontrolle über den EVA verlor.
Dann erloschen unter Begleitung heller Blitze die Monitoren, verstummte der Lautsprecher.
Ein lauter Schrei hallte durch ihren Kopf.
Dann versank sie in Dunkelheit.

Schmerz...

Der Anblick einer riesigen Flutwelle, welche den Himmel verdunkelte...

Das konnte nur ein Traum sein, doch sie hatte noch nie geträumt... also vielleicht eine Einbildung, eine Halluzination?

Die Wassermassen schlugen über ihr zusammen, begruben sie, schleuderten sie fort...

Sie wollte so nicht sterben...

Hart wurde sie gegen einen Betonpfeiler geschleudert, spürte, wie in ihr etwas brach.

Schmerz...

Noch mehr Schmerz...

Mehr Schmerz als sie glaubte auszuhalten...

Ihre Lungen füllten sich mit Wasser, brodelndem Wasser...

Sie war allein... ganz allein...

Niemand war mehr da...

War dies der Third Impact?
Hatte er alles fortgerissen, was existiert hatte?
War nur sie übriggeblieben?
Warum?
Warum nur sie?
Warum war sie nicht ebenfalls gestorben, endgültig gestorben?
War dies die Strafe?
Ikari-kun... sie hatte ihn verloren...

Schmerz...

*** NGE ***


Shinji fuhr erschrocken zusammen, als er ein schmerzerfülltes Stöhnen hörte.
Eilig schob er sich um den Sitz herum.
Durch die Luke fiel nur wenig Licht in Innere des Plugs, dennoch konnte er Ayanami erkennen, die bewußtlos in ihren Gurten hing wie ein nasser Sack.
„Ayanami...“ stieß er hervor, berührte sie an den Schultern. „Ayanami!“
Sie zuckte leicht unter seiner Berührung.
„Ich... ich bringe dich hier ´raus!“
Seine suchenden Hände fanden die Verschlüsse der Gurte und öffneten sie, erneut ergriff er sie an den Schultern und schüttelte sie leicht.
„Ayanami, komm zu dir! Bitte, komm doch zu dir!“

Langsam öffnete sie die Augen.
„Ikari-kun...“
Er lebte... er hatte es geschafft... und jetzt war er bei ihr!
Sie fühlte sich schwach und elend, zitterte stark.
War er es wirklich? Oder wieder nur ein Trugbild?

Im nächsten Augenblick hielt Shinji eine am ganzen Körper zitternde Rei Ayanami in den Ar-men, wußte nicht, wie er reagieren sollte, hielt sie einfach nur fest und strich sanft über ihren Rücken, obwohl seine Hände ihm zuzuschreien schienen, es zu lassen, während sie leise schluchzende Laute von sich gab.
„Es ist gut... Aya... Ayanami... es ist gut...“ flüsterte er.

Auch nachdem der Schock abgeklungen war, ließ sie Ikari-kun nicht los, hielt ihn weiter fest, ließ sich weiter festhalten, fühlte sich zum ersten Mal in ihrem Leben außerhalb der Reifungs-kammer geborgen und sicher...
Er hatte sie nicht im Stich gelassen, war gekommen, um ihr zu helfen, nicht weil sie ein Werk-zeug, ein Teil eines größeren Planes war, sondern weil er sie als Person sah.
Von diesem Tag an gab es zwei Menschen, an die sie glaubte...

Copyright of the Charakter by GAINAX / Text by Ulrich Alexander Schmidt