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Retelling a Story (Abzweigung 04)

Kapitel 19 - Das Mädchen, das Messer und der Fisch

Geschrieben von Ulrich Alexander Schmidt

Legal Boilerplate:
Sämtliche Fehler in der Charakterisierung sind ganz allein mir selbst zuzurechnen.

Dieser FanFic enthält:
Spoiler, endlose langweilige Dialoge, Warm and Fuzzy Feelings, Asuka in Bestform, Sex, Drogen und sinnlose Gewalt

Ach ja, dies ist die FSK 16 - Version !
Nein, es gibt keine anderen Versionen.

Alle Figuren, die nicht Eigentum von GAINAX sind, sind frei erfunden, jede Ähnlichkeit mit lebenden, toten oder sonstigen Personen ist unbeabsichtigt und daher rein zufällig. Mich verklagen zu wollen, würde nichts bringen, schließlich habe ich kein Geld
Zu riesigen Problemen essen Sie bitte die Packungsbeilage und fragen Sie den Arzt Ihres Apothekers.

Nach zwei endlosen Wochen auf See näherte sich der Konvoi endlich den japanischen Inseln.
An Bord der ´Over the Rainbow´ war kaum jemand, der nicht den Moment herbeisehnte, in dem man in der Hafenstadt Matsushiro vor Anker gehen und die Fracht löschen würde - und das beschränkte sich nicht auf den roten EVANGELION, der unter einer riesigen Plane auf dem Deck des zweiten Flugzeugträgers des Konvois ruhte.
Insgesamt waren mit der ´Over the Rainbow´ zwei Flugzeugträger und fünf schwere Kreuzer unter der Flagge der UN ausgelaufen. Jetzt ging die Reise langsam zu Ende und nicht nur Ad-miral James D. Horner von der britischen Marine war froh, seine Passagiere in Bälde loswer-den zu können - der NERV-Agent Ryoji Kaji ging ja noch, der hielt sich im Hintergrund und man erschreckte sich bestenfalls darüber, wenn man feststellte, daß er schon seit längerem an-wesend war, ohne daß man ihn bemerkt hatte, seine rothaarige Begleiterin, deren Namen auch dem verschlafensten Wartungstechniker an Bord bekannt war, immerhin gab sie ihn bei jeder passenden und häufig auch unpassenden Gelegenheit bekannt, hätte Horner hingegen liebend gern mehr als einmal in den letzten Wochen höchstpersönlich über Bord geworfen - ohne Ret-tungsweste oder gar Schlauchboot. Das Mädchen verhielt sich wie ein Filmstar und hatte mehr als einmal versucht, dem Admiral ins Handwerk zu reden, wenn es plötzlich und unerlaubt die Brücke betreten hatte. Da Asuka Soryu Langley - allein der Name löste bei Horner inzwischen mittlere Schüttellähmung aus - nicht seinem Kommando unterstand, sondern einerseits Zivilist und andererseits Lieutenant Junior Grade bei NERV war, hatte er sie nicht einmal unter Deck in ihrer Kabine einsperren lassen können, ihm war sehr wohl bewußt, daß er damit seinen Rang, sein Kommando und seine Pension riskiert hätte, schließlich sollte diese rothaarige Göre dabei helfen, die Welt zu retten. Aber noch eine Woche auf See mit ihr an Bord hätten weder der Admiral noch die Hälfte seiner Offiziere bei klarem Verstand überlebt.
Daß sie, sobald man sich Land näherte, auf Möwen zu schießen begann, hatte Kaji ihr glückli-cherweise während der Durchfahrt durch den Panamakanal ausreden können, auch daß sie nachmittags das warme Klima und die pralle Sonne in einem Liegestuhl auf dem Vorderdeck genoß, hätte Horner notfalls noch übersehen können, möglicherweise sogar, daß sie dies in ei-nem knappen zweiteiligen rot-weiß gestreiften Badeanzug tat, dessen Oberteil gerade noch ge-eignet war, ihre Oberweite bedeckt zu halten, auch wenn es die männlichen Besatzungsmitglie-der seine Mannschaft mehr als nur irritierte. Doch ihr ständiges Gezeter zehrte gewaltig an den Nerven des alternden Admirals, an allem hatte sie etwas auszusetzen, das begann beim Kanti-nenessen, so daß der Koch schließlich schweigend dazu übergegangen war, für sie separat zu kochen, setzte sich bei den Vibrationen fort, welche die vom Flugzeugträger abhebenden und wieder landenden Jäger erzeugten, schloß Horners Kursentscheidungen mit sein, der es doch tatsächlich gewagt hatte, mitten durch ein heftiges Gewitter steuern zu lassen - nicht nur zu seiner Genugtuung hatte Fräulein Langley stundenlang über der Reling gehangen und der See geopfert - und endete beim Namen des Schiffes. Horner konnte eine ganze Menge ertragen - er hatte oft mit Bürokraten zu tun und daher ein recht dickes Fell - doch für ihn hörte der Spaß auf, wenn sich jemand über den Namen seines Schiffes lustig machte, schließlich hatte ihre Ma-jestät die Queen es selbst so getauft.
Und wenn er nicht Anweisung gehabt hätte, den EVA mitsamt Pilotin in Matsushiro abzulie-fern, hätte er sie längst eigenhändig an Bord eines Langstreckenkurierjäger gebracht, auf dem Kopilotensitz festgebunden und nach Japan geschickt.
Aber morgen... morgen würden sie im Zielhafen ankommen... morgen würde der Alptraum ein Ende haben... wenigstens hielt Asuka Soryu Langley - die Hände des Admirals zitterten bei dem Gedanken kurz unkontrollierbar - sich nicht ständig an Bord seines Schiffes auf, sondern quälte die Hälfte der Zeit die Besatzung des anderen Trägers unter Captain Marshell, welcher den Riesenroboter transportierte. Aber morgen, morgen würde er bis auf die Notbesatzung je-des Mitglied seiner Crew an Land lassen und anweisen, gehörig zu feiern, während er selbst sich mit einer guten Flasche Scotch in seine Kabine zurückziehen würde.
Ja, morgen...

In diesem Augenblick heulte der Alarm los, anscheinend um den bevorstehenden Weltunter-gang zu verkünden...

*** NGE ***


Asuka stand unter der lichtdurchlässigen Plane, welche ihren EVANGELION bedeckte, und war damit beschäftigt, verschiedene Stellen an der Panzerung auf Hochglanz zu polieren. Ihrer Ansicht nach hatte, wer auch immer den EVA lackiert hatte, an mehreren Stellen gehörig ge-pfuscht. Und die salzige Meeresluft schadete ihrem Liebling noch mehr! Wenn dieser alte Bock von einem Admiral doch bloß ihrem Wunsch gefolgt wäre und ein paar Leute abgestellt hätte, die sich der Sache angenommen hätten, dann hätte sie nicht selbst mit Eimer, Politur und Putz-lappen auf dem EVA herumklettern müssen!
Sie trug ihre Jeans und das Bikinioberteil, da sie auf ihre anderen Sachen Rücksicht nehmen wollte.
Da ging ein heftiger Ruck durch das Schiff, welcher sie von den Füßen holte.
Fluchend kam sie wieder auf die Beine.
Konnten diese Seeleute denn nichts richtig machen? Und wahrscheinlich würde sie, wenn sie sich beschwerte, nur wieder zu hören bekommen, sie hätte jemanden durch ihre Kleidung abge-lenkt - na klar... besser eine bescheuerte Ausrede als gar keine...
Der Eimer war umgefallen, das Wasser war über das Deck gelaufen, die Flasche mit der Politur rollte gerade unter der Plane hindurch.
Toll, wirklich toll... sie konnte doch nicht mit einem EVANGELION in Japan ankommen, des-sen rote Panzerung stumpfe Flecken am rechten Arm aufwies! Sicher würde man ihr zu Ehren eine Parade geben, schließlich war sie extra den weiten Weg aus Deutschland gekommen, um sich mit ein paar Aliens herumzuschlagen, denen die Japaner allein nicht Herr werden konnten - und da mußte ihr EVA schließlich glänzen, als kämen alle Teile frisch aus dem Herstellerwerk!
Sie duckte sich unter der Plane hindurch, nahm die Verfolgung der Flasche mit der Politur auf.

Da gingen die Alarmsirenen los, riefen alle Besatzungsmitglieder auf ihre Stationen und ver-kündeten volle Gefechtsbereitschaft.

Asuka sah sich um.
Weshalb wurde Alarm gegeben? War es vielleicht nur ein Probealarm, um die faule Mannschaft in Trab zu bringen? Oder... wurde der Konvoi angegriffen? Von wem? Und woher?
Einer der Kreuzer, welche die Träger begleiteten, wurde urplötzlich in zwei Hälften zerrissen, die langsam sanken.
Asuka nahm einen großen dunklen Schatten wahr, welcher sich von dem versenkten Schiff ent-fernte, dann eine Kehrtwendung machte und unter starker Beschleunigung auf einen anderen der schweren Kreuzer zuraste, diesen rammte und ein gewaltiges Loch in den Rumpf riß. Das angeschlagene Schiff legte sich fast mit zeitlupenhafter Geschwindigkeit auf die Seite, während winzig kleine Besatzungsmitglieder über Bord ins Wasser sprangen.
„Ein Engel...“ zischte Asuka.
Ihre Mundwinkel wanderten langsam auseinander, formten ein breites Grinsen.
Sie mußte war nicht mehr warten, bis sie in Japan war und der nächste Gegner auftauchte - der Feind war zu ihr gekommen...

Ihre PlugSuit befand sich in einem Aktenkoffer, welchen sie stets in ihrer Nähe hatte, man konnte ja nie wissen.
Asuka griff sich den Koffer, verschwand wieder unter der Plane, öffnete dabei das Koffer-schloß.
Ein rascher Handgriff öffnete das Bikinioberteil, während sie bereits ihre Schuhe von den Füs-sen kickte. Dann stieg sie gleichzeitig aus Jeans und Slip, warf die Sachen einfach auf den Bo-den und zog sich ihre PlugSuit über, deren mit schwarz abgesetztes Material ansonsten von demselben kräftigen Rot war wie ihr EVA.
Das war die Gelegenheit, zu beweisen, daß man sich in ihr nicht geirrt hatte, daß das jahrelange Training nicht umsonst gewesen war... wenn sie im Alleingang einen Engel besiegte, konnte sie beweisen, daß sie besser war, als die beiden anderen Piloten, daß Können und nicht Beziehun-gen ausschlaggebend waren.

EVA-02 lag auf dem Rücken, der EntryPlug steckte teilweise in den Steuernerv eingeführt in seinem Nacken, war ansonsten mit Seilen ebenso wie der Mecha selbst dagegen gesichert, bei unruhigem Seegang fortzurutschen.
Asuka sprang in die Einstiegsluke, blieb mit den Füßen auf dem Lukenrand stehen und hangelte sich dann aufwärts in den Pilotensitz, wobei ihr der geriffelte Boden zugutekam.
Sie aktivierte die Steuerung, überprüfte die internen Batterien. Den Angaben zufolge waren die Akkus voll aufgeladen und würden Energie für fünf Minuten liefern, fünf Minuten, um den En-gel zu besiegen, denn natürlich hatte NERV nicht daran gedacht, ein Versorgungskabel an Bord des Trägers zu installieren, um den Atomreaktor des Schiffe anzuzapfen, schließlich hat-te niemand damit rechnen können, daß ein Angriff fernab von Tokio-3 erfolgen könnte.
Während sie mit einer Hand einen Schalter nach dem anderen umlegte und dabei nach und nach die Systeme des EVAs aktivierte, befestigte sie mit der anderen die Verstärkerclips in ihrem Haar.
EVA-02 war die erste in Serienfertigung erstellte Einheit, besser, schneller und stärker als der Prototyp und sicher auch besser als das Testmodell. Vor allem war sie nicht darauf angewie-sen, daß der Startvorgang von außerhalb eingeleitet wurde.
Der Plug wurde eingeführt, jagte auf dem Schienensystem in den Nacken des EVAs hinein. Mit lauten klickenden Geräuschen wurde er verankert.
Taktischer Computer bereit... erste Informationen wurden verarbeitet, als der EVA die Or-tungssysteme des Flugzeugträgers anzapfte.
Synchronisation stand... Asuka spürte, wie ihr Geist sich mit dem EVANGELION verband, fühlte plötzlich nicht mehr den Pilotensitz in ihrem Rücken, sondern das Deck de Trägers, starrte plötzlich durch die Augen des EVAs auf die hellgraue Plane, die ihn bedeckte. Die An-zeigen des taktischen Computers erschienen als Einblendungen direkt auf ihrer Netzhaut.
Der Engel hatte gerade den dritten Kreuzer versenkt und das Flaggschiff gerammt, doch die ´Over the Rainbow´ hatte dem Treffer standgehalten. Gerade entfernte der Engel sich wieder unter schwerem Beschuß der übrigen Schiffe. Den Hochrechnungen des Computers nach rich-tete das Trommelfeuer allerdings ebensowenig Schäden an wie die Torpedos, welche auf den Engel abgeschossen wurden.
Der Sonarortung nach hatte der Engel die äußere Form eines riesigen Fisches. Die Systeme ih-res EVAs waren bereits damit beschäftigt, festzustellen, wo sich sein Kern befand.
Diesesmal kam der Engel direkt auf den Flugzeugträger zu, welcher EVA-02 transportierte... na, dem würde sie es zeigen... sie würde den Engel zu Sushi verarbeiten! Er würde den Tag be-reuen, an dem er sich entschlossen hatte, in die Nähe von Asuka Soryu Langley zu kommen!

EVA-02 setzte sich auf, zog die Beine an, stützte sich auf das Schiffsdeck, richtete sich zu seiner vollen Größe auf, zerriß dabei teilweise die Plane.

Das Schiff unter ihm schwankte, Kampfflugzeuge, welche eigentlich sturmsicher an Deck ver-täut waren, rutschten über das Deck und über die Reling, klatschten ins Meer. Millionenwerte versanken in der Tiefe, noch bevor der Engel das Schiff überhaupt erreicht hatte. Zahlreiche Besatzungsmitglieder, hauptsächlich Piloten, welche ihre Maschinen hatten startklar machen wollen, verschwanden im Wasser...
Der Riesenfisch stand immer noch unter schwerstem Beschuß. Jetzt röhrten auch die mächti-gen Schiffskanonen der Trägerschiffe auf, konnten das AT-Feld des Engels aber trotz der Tat-sache, daß er sich genau zwischen den Flugzeugträgern befand, nicht einmal ankratzen.

EVA-02 stand immer noch auf dem Flugdeck, die Plane um seine Schultern geschlungen wie einen grauen Umhang, eine Hand am Saum der Plane.

„Komm...“ flüsterte Asuka und ihre Augen funkelten.
Ihr EVA war völlig willig, erwartete den Feind mit derselben Anspannung und Vorfreude wie sie, wartete darauf, ihn zerfetzen und sein Herz herausreißen zu können. Asuka verspürte die-selbe Blutgier, ließ sich von langsam aus den Tiefen des EVAs aufsteigenden Dunkelheit ein-hüllen. Die Finsternis ängstigte sie nicht, machte sie nur stärker, schärfte ihre Sinne, machte sie bereit für das, was vor ihr lag - die Vernichtung des Engels.

Eines der Felder der Kommunikationsphalanx leuchtete auf, es zeigte den alten Horner, dessen schneeweißer Schnurrbart in seinem hochrot angelaufenen Gesicht grell hervorstach.
„Langley, schalte sofort deinen Roboter ab! Du versenkst noch das Schiff!“

Asuka grinste ihn breit an.
„Ich mache meinen Job!“
Damit unterbrach sie die Verbindung.
Der Engel kam...

*** NGE ***


Ryoji Kaji stand auf dem Flugdeck der ´Over the Rainbow´ neben einem startbereiten Hub-schrauber. In der Hand hielt er einen Koffer, dessen Inhalt ihm befohlen worden war nach To-kio-3 zu bringen und niemandem anders als dem NERV-Kommandanten Gendo Ikari zu über-geben. Kaji wußte nicht, was sich in dem Koffer befand, nur daß das Überbringen de Behäl-ters als ´Operation Adam´ Vorrang hatte. Er hatte nur den Verdacht, daß der Angriff des En-gels nicht dem Konvoi oder EVA-02 im besonderen, sondern dem Inhalt de Koffers galt, wie anders war zu erklären, daß seine Anweisungen auch explizit den Fall miteingeschlossen hat-ten, daß es zu einem Kampf kommen konnte, bei dem er Asuka und EVA-02 zurücklassen sollte...
Jetzt beobachtete er, wie EVA-02 sich auf dem anderen Träger aufrichtete und in eine Lauer-stellung ging. Noch wollte er nicht von Bord gehen und das ihm anvertraute Mädchen alleinlas-sen, er war es ihrem Onkel schuldig, daß er bis zum letzten Moment ausharrte. Er hatte einmal einen Fehler gemacht, hatte einmal zu lange gezögert, was Asuka hatte büßen müssen, er wür-de sie nicht noch einmal enttäuschen... und er wollte nicht wieder jemanden im Stich lassen wie vor so langer Zeit
„Mach ihn fertig...“ feuerte er das rothaarige Mädchen leise an.

*** NGE ***


Der Engel schoß aus dem Wasser auf EVA-02 zu.

Der rote EVANGELION schleuderte die Plane von sich und über den Engel, blendete ihn kurzfristig, schleuderte ihn auf das Deck.
Erneut ging ein Ruck durch den Flugzeugträger, erneut hüpften mehrere Maschinen über Bord.
Ein Funkmast brach ab, eine Radarschüssel krachte auf das Deck.
Der Engel war wenigstens zehnmal so groß wie der rote EVA, hing teilweise im Wasser, be-deckte trotzdem das komplette Deck des Trägers, zerquetschte die übrigen Flugzeuge und mehrere Besatzungsmitglieder, die nicht schnell genug von Deck hatten verschwinden können.
Asuka bemerkte es nicht, deckte den Riesenfisch mit Schlägen und Tritten ein.
Die Haut des Engels war stahlhart, sie konnte sie nicht durchdringen.

Mit einem kräftigen Schlag der Schwanzflosse fegte der Engel das Deck leer und legte den Kommandostand und die Geschützsektion in Trümmer. Dann wälzte er sich herum, stieß sich ab und prallte gegen EVA-02, riß diesen mit sich ins Wasser.

Der EVANGELION sank wie ein Stein.

Asuka war außer sich.
Der Engel hatte sie ihres Vorteiles beraubt und sie in sein Element geholt.
Hastig ließ sie ihren EVA Schwimmbewegungen durchführen, sie hatte naturgemäß kein Inter-esse daran, in den Tiefen des Ozeans zu verschwinden. Wenn ihr EVA doch wenigsten mit der D-Ausrüstung versehen gewesen wäre, dann hätte sie über Jetpacks verfügt, die es ihr erlaubt hätten, durchs Wasser zu schießen wie eine Rakete.
Der taktische Computer zapfte immer noch das Sonar der Schiffe an, zeigte ihr den Engel, der sich ihr rasend schnell näherte.
Sie riß die Augen auf.
So hatte sie sich ihren ersten Kampf nicht vorgestellt...
So durfte es nicht enden!
Ihr EVA sandte ihr Signale, nicht in Panik zu geraten. Die Dunkelheit verdichtete sich, ver-stärkte ihre Wut, sicherte ihre Entschlossenheit.
Sie würde sich doch nicht von einem blöden Fisch unterkriegen lassen!
Schon zog sie ihre PROG-Messer aus den in den Aufsätzen der Schulterpanzerung unterge-brachten Scheiden, während sie heftig mit den Beinen wassertrat, um nicht tiefer zu sinken.
„Komm doch... komm doch... komm doch...“

Der Engel schoß auf sie zu, passierte sie haarscharf, als sie zur Seite auswich.
Ihre stark vibrierenden Klingen durchstießen sein AT-Feld, kratzten jedoch nur über seine Aus-senhaut.
Dann erwischte sie die Schwanzflosse, schleuderte sie aus dem Wasser und zurück an die Luft.
EVA-02 krachte genau auf das Deck eines der beiden übrigen Kreuzer, durchschlug es ohne Probleme, raste durch sämtliche Decks und riß ein gewaltiges Loch in die Schiffshülle.
Der Aufprall raubte Asuka die Luft, als sie trotz des bewegungsmomentabsorbierenden LCLs kurz aus ihrem Sitz gehoben und von den Gurten wieder zurückgerissen wurde.
Sicher würden die Gurte Abdrücke auf ihrem Busen hinterlassen...
Wieder schickte ihr der EVA belebende Impulse, die ihr Bewußtsein klärten. Solange sie eins war mit dem EVA-Bewußtsein, konnte dieses sie unterstützen...
Haß kam in ihr auf, während sie sich mit kräftigen Schwimmstößen der Oberfläche näherte.
Niemand verfuhr so mit Asuka Soryu Langley!
Der taktische Computer teilte ihr mit, daß die Außenhaut des Engels mit den PROG-Klingen nicht zu durchbrechen war.
Verdammter Dreck... wie sollte sie ihn denn dann aufschlitzen...
Aber... wenn sie von außen nicht an seinen Kern herankam...
Ein schneller Blick auf die Ladungsanzeige der Batterien verriet ihr, daß sie noch etwas mehr als zwei Minuten hatte, den Engel zu besiegen und wieder an die Oberfläche zu einem der Schiffe zu kommen.
Der Engel kam ihrem Plan entgegen, indem er mit weit aufgerissenem Maul auf sie zukam.
Beim Anblick der klippenartigen weißglänzenden Zähne verspürte sie einen Anflug von Furcht, welche jedoch von Haß und Wut fortgespült wurde.
„Komm näher...“
Diesesmal machte sie nicht einmal den Versuch, dem Gegner auszuweichen, schoß direkt in sein offenes Maul hinein, die Messerklingen voran.
Hinter ihr schloß sich das Maul, die scharfen Zähne verfehlten den EVA nur knapp.
„Großer Fehler. Dummer Engel...“
Sie gab sich ganz dem Haß und dem Zorn hin, erlaubte dem EVA, beinahe ohne ihr Zutun zu handeln, ließ sich von der rasenden Wut mitreißen, als sie mit den Messern auf das Innere des Engels einhackte, seine bockenden Bewegungen ebenso wie die im Maulinneren herumpeit-schende Zunge ignorierte, bald in einer öligen Mischung aus Blut und Schleim watete, schließ-lich die Membran hinter dem Rachenraum durchtrennte, beinahe nebenbei das Rückgrat des Engels mit kräftigen Tritten zerschmetterte und schließlich durch den blutigen Nebel vor ihren Augen hindurch das Herz des Monsters sah, es mit beiden Händen ergriff und zerquetschte, während Energie von dem Kern zu ihrem EVA überströmte.
So mächtig...
So berauschend...
Mit vollen Zügen trank sie das Leben des Engels, lachte dabei aus vollem Hals.
Die Ladungsanzeige der Batterien veränderte sich sprunghaft, zeigte plötzlich wieder volle Ka-pazität. Asuka nahm es mit einem Lächeln zur Kenntnis, widerstand dem Drang, sich mit dem Handrücken über die Lippen zu wischen.

Der Kern glühte auf, wurde heller und heller.

Reflexartig verstärke Asuka das AT-Feld ihres EVAs, noch bevor die Erkenntnis, daß der Kern explodieren würde, ihr Gehirn erreicht hatte.
In einer grellen Explosion schien die Welt unterzugehen, Asuka wurde kräftig durchgerüttelt, der EVA flog durch die Herzkammer des Riesenfisches, blieb an einer riesigen Rippengräte hängen.
Doch das AT-Feld, welches EVANGELION und Pilotin schützte, hielt stand. Ihre gemeinsame Wut war stärker als der Feind.

Wasser drang ein.

Die Explosion mußte den Engel auseinandergerissen haben!
Asuka ließ EVA-02 gegen den Strom waten, teilte die Wassermassen mit ihrem auf Keilform konfigurierten AT-Feld. Das konnten die anderen Piloten sicher nicht, dabei war es so ein-fach... wenn man erst einmal begriffen hatte, daß die Kugelform des herkömmlichen AT-Feldes allein im Geist des Piloten entstand, welcher eine schützende Hülle errichten wollte, waren auch andere Formen kein wirkliches Problem mehr... theoretisch ließ sich das AT-Feld sogar offensiv einsetzen! Aber das wußten diese Dumpfbacken garantiert nicht... und sie würde es ihnen nicht verraten, wie kam sie schließlich dazu, diese Verlierer auch noch zu unterstützen, die es sicher nicht geschafft hätten, den Fischengel zu besiegen, nicht einmal zu zweit! Ha!
Der Siegestaumel, der sie erfaßt hatte, war wie ein Rausch.
Doch dieser endete, als sie die fransigen Ausläufer des Loches in der Haut des Engels erreich-te, das von der Explosion des Kerns gerissen worden war.
Draußen war es völlig dunkel und der taktische Computer konnte nur ungefähr die Tiefe nen-nen, in welcher sie sich befanden. Aber wenigstens konnte er ihr zeigen, in welcher Richtung ´oben´ war...

Kräftig stieß sie sich ab, ließ die PROG-Messer zurück, die lautlos mit dem toten Engel in der schwarzen Tiefe des Pazifiks verschwanden, schwamm auf die Oberfläche zu.
Immer wieder wurde ihr schwarz vor Augen, schnappte sie nach Luft.
Tiefendruck... Druckausgleich... hämmerte es hinter ihrer Stirn, ohne daß sie hätte sagen kön-nen, ob es ihre Gedanken waren, oder die des EVAs.
Die automatischen Systeme handelten, veränderten den Druck innerhalb der Steuerkapsel.
Schon fiel ihr das Atmen leichter.
Sie nahm einen schwachen Schimmer wahr, die Oberfläche kam näher!
Die Energieanzeige schien schneller abzulaufen als gewöhnlich, was auch stimmte, schließlich führte der EVA Handlungen aus, welche einen erhöhten Energieaufwand forderten.
Sie hatte gewonnen, doch wenn es ihr nicht gelang, mit der verbleibenden Energie an die Ober-fläche zu kommen, würde sie ebenso wie der Engel in der schwarzen Tiefe enden...
Sie wollte nicht sterben, jedenfalls nicht so! Das war ihrer unwürdig... nicht beim ersten Ein-satz! Eine Asuka Soryu Langley wurde nicht von einem rottigen Riesenfisch besiegt, und erst recht nicht von einem toten!
Das Licht über ihr wurde heller und heller - und schließlich durchstieß sie die Wasseroberflä-che...
Die Energieanzeige sprang gerade auf 00:00:00, als sie mit einer der dunkelrot gepanzerten Hände von Einheit-02 über die Reling der ´Over the Rainbow´ griff, dabei da Schiff kurz in ei-ne bedrohliche Schräglage brachte und sich verankerte, indem sie die Finger in das Deck grub.

Schlagartig erlosch die Synchronisation mit dem EVA.
Asuka spürte eine bleierne Müdigkeit, die sie in ihrem Pilotensitz nach vorn sinken und ein-schlafen ließ, gehalten von den Kreuzgurten, die verhinderten, daß sie in die Steuerung knallte.

*** NGE ***


Admiral James D. Horner bebte.
Von der stolzen Flotte, mit der er aufgebrochen war, die ihm von ihrer Majestät, der Königin von England, anvertraut worden war, waren nur noch ein Schwerer Kreuzer und die beiden Flugzeugträger übrig, wobei der andere Träger steuerungslos auf dem Ozean dümpelte, sein aufgerissenes Deck ein einziges Feld der Verwüstung. Und um die ´Over the Rainbow´ war es auch nicht gerade gut bestellt, das Schiff hatte starke Schlagseite, nicht nur, daß dieser ver-dammte Riesenfisch eine mächtige Delle in die Hüllenpanzerung geschlagen hatte, es hing auch der rote Riesenroboter dieses verfluchten Mädchens an seinem Schiff wie eine Klette, dessen Pilotin auf keinen Funkanruf antwortete. Die Göre hatte selbst einen der Kreuzer versenkt und war in seinen Augen für den Zustand auf dem anderen Flugzeugträger verantwortlich. Der Ge-danke, daß die Royal Navy den Vereinten Nationen und NERV die Rechnung dafür präsentie-ren würde, gab ihm keine Genugtuung. Im Wasser schwammen die Überlebenden der versenk-ten Schiffe, auch der andere Träger würde geräumt und in Schlepp genommen werden müssen, die japanische Marine war bereits informiert und unterwegs, um Hilfeleistung zu bringen.
Horner wollte gar nicht wissen, wieviele Tote es auf den Schiffen gegeben hatte, wieviele Ver-letzte, und wieviele dieser Verletzten den nächsten Sonnenaufgang nicht mehr erleben wür-den...
5. Zwischenspiel:

Schlagartig war er wieder da.
Dunkelheit wich Licht, als seine künstlichen Augen die Arbeit wieder aufnahmen.
Geräusche drangen an sein Ohr, wurden von seinem zerebralen Corteximplantat zu Worten übersetzt.
Das Gefühl kehrte in seine Gliedmaßen zurück, als die größtenteils künstlichen Nervenenden stimuliert wurden.
Der Steuercomputer seiner kybernetischen Implantate und Prothesen checkte selbige durch, er-mittelte Fehlerquellen und erstellte Diagnosen.
Demnach war er zu 100% einsatzbereit.

Der Raum, in dem er sich befand, war eine der Werkstätte unter dem ODIN-Hauptquartier, um genau zu sein handelte es sich um den Arbeitsplatz von Commander Nicklas Decker, der für die Computeranlage HEIMDALL zuständig war, welche die Einsätze der Agenten des Geheimdienstes koordinierte, Informationen miteinander abglich und Strategien vorschlug.
Er lag auf einem Tisch, über ihm befanden sich mehrere große Lampen.
Er wollte aufstehen, stellte aber fest, daß sein Körper nicht reagierte.

Das Diagnoseprogramm vermeldete, daß seine Gelenke immer noch blockiert waren, ebenso daß das PROPHET-Schädelimplantat offenlag und mit dem ODIN-Hauptrechner verbunden war.

Zwei Gesichter tauchten in seinem Blickfeld, Commander Decker und Direktor Rabinowitz..

„Commander Larsen, können Sie mich verstehen?“ fragte der Direktor.

Er versuchte, die Lippen zu bewegen. Sein künstlicher Kehlkopf formte rauh klingende Silben.
„Ja. Ich. Verstehe. Sie.“

Rabinowitz wandte sich an Decker.
„Remodulieren Sie die Sprachausgabe.“

„Schon dabei, Sir. - Versuchen Sie es noch einmal, Commander!“

Larsen versuchte zu schlucken, erinnerte sich im gleichen Augenblick, daß er längst keinen Speichel mehr besaß, daß sein künstlicher Sprachapparat dies nicht benötigte.
„Was ist geschehen?“
Diesesmal klang es besser, natürlicher. Noch lange nicht so wie seine eigene Stimme, wie seine Stimme vor dem Impact, aber das würde der künstliche Kehlkopf ohnehin niemal schaffen.

„Wir haben glücklicherweise Spenders falsches Spiel durchschaut. Sie können sich bei Com-mander Decker bedanken, er hat darauf bestanden, ihre Erinnerungsprotokolle abzurufen, so daß wir erfuhren, was wirklich gespielt worden war.“

„Danke, Nick. Sie haben... meine Erinnerungen durchleuchtet?“

„Nur die relevanten, keine Sorge. Ich habe mich bemüht, um ihre Intimsphäre einen weiten Bo-gen zu machen.“

„Wie...“

„HEIMDALL hat ihr Interface angezapft und darüber Zugriff auf ihr Gedächnis genommen.“

„Was ist mit Spender? Konnten Sie ihn aufhalten?“

„Ja. Er ist tot“, erklärte Rabinowitz. „Wir konnten ihn stoppen, ehe er HEIMDALLs Komman-docodes auf sich allein verschlüsseln konnte, er wurde auf der Flucht erschossen.“

„Ah...“

„Im Nachherein muß ich sagen, daß er alles sehr raffiniert durchdacht hatte... aber er hat eben nicht mit Herrn Deckers Hartnäckigkeit gerechnet.“
Der frühere MOSSAD-Leiter kratzte sich am Kinn.

„Warum kann ich mich nicht bewegen?“

„Das sind noch Auswirkungen der Notabschaltung. Ich wollte Sie erst aufwecken und sehen, wie Ihr Gehirn das ganze überstanden hat, bevor ich weiter am Corteximplantat herumbastele.“ meldete sich Nick Decker von außerhalb seines Blickfeldes.

„Ich glaube, ich bin in Ordnung. Wie lange war ich weg?“

„Fast zwei Wochen. Am Anfang sah es recht kritisch aus, aber wie es scheint, habe ich die Le-bensversorgung der Hirnkapsel rechtzeitig wieder in Gang bekommen.“

„Und mein Körper?“

„Ich sagte doch - ich arbeite daran.“

Rabinowitz räusperte sich.
„Hören Sie, Commander, sobald Herr Decker Sie wieder auf die Beine gebracht hat, wartet ein neuer Auftrag auf Sie.“

„Natürlich höre ich, kann ja schlecht weglaufen, oder?“

„Sie werden nach Japan reisen, nach Tokio-3. Dort werden Sie einen Brückenkopf errichten, von dem aus unsere Teams gegebenenfalls in das NERV-Hauptquartier eindringen können, sollte es die Situation erzwingen. Ich bin inzwischen auf dem Laufenden, was die Gruppe na-mens SEELE betrifft, und ich bin zu dem Schluß gekommen, daß wir sie nicht wirken lassen können, auch wenn ich skeptisch bin, was die Verwirklichbarkeit ihrer Ziele anbelangt. Wir sollten jedoch kein Risiko eingehen. Sie werden ferner nach Mittel und Wegen suchen, wie Sie in die sogenannte Geofront und das NERV-HQ allein eindringen können, um den Oberbefehls-haber, Gendo Ikari, zu eliminieren. Bezüglich letzterem werden Sie jedoch einen entsprechen-den Befehl abwarten, der kommen wird, sobald wir erfahren, daß SEELE zur Ausführung ihres Planes schreitet. Wir rechnen damit, daß es soweit sein wird, sobald der letzte der Engel von NERV aufgehalten wurde.“

„Verstanden. Ich werde Ihre Anweisungen ausführen, sobald ich dazu in der Lage bin.“

„Gut, Commander.“

„Geduld, Geduld“, seufzte Decker. „Ich kann doch nicht zaubern... ein wenig wird´s noch dau-ern. Vor allem werde ich Ihre sensorische Wahrnehmung wieder abschalten müssen, wenn ich an Ihrem Corteximplantat arbeitete - und sicherheitshalber versetzte ich Sie wieder in einen künstlichen Tiefschlaf, möchte schließlich nicht, daß sie sich später daran erinnern, wie ich in Ihrem Kopf herumgewerkelt habe. - Wenn Doktor Naoko Akagi noch am Leben wäre, könnte sie das sicher schneller und besser erledigen.“

„Sie machen mir richtig Mut, Commander Decker“, murmelte Larsen. „Moment... was ist mit Asuka?“

Rabinowitz tauchte wieder in seinem Blickfeld auf.
„Sie wurde von NERV nach Japan beordert, eigentlich müßte sie innerhalb der nächsten Stun-den dort eintreffen.“

„So... ich hätte ihr gerne... aber wenn sie in Japan ist, werde ich sie sicher bald wiedersehen.“

„Commander, ich weiß nicht, ob das so klug wäre. Es würde Ihren Einsatz unverhältnismäßig gefährden.“

„Ja... ich verstehe... Und wie geht es meiner Frau?“

Der Direktor machte ein betretenes Gesicht.
„Sie ist vor einer Woche verstorben, ohne das Bewußtsein zurückerlangt zu haben. Es tut mir sehr leid.“

Larsen schloß die Augen.
„Decker, würden Sie bitte... fangen Sie an.“

„Ja, Commander Larsen.“

Und er versank wieder in Dunkelheit und Vergessen.

*** NGE ***


Cedrick nickte mit unverhohlener Begeisterung.
„Das ist großartig, wirklich, sehr gut.“

Sergej zuckte mit den Schultern.
„Hauptsächlich das Werk der MAGI, von mir stammte nur der Dialog. Die Bilder wurden von den moskoviter Rechnern hergestellt.“

„Dennoch, ich bin immer wieder stark beeindruckt von den Möglichkeiten. Und er wird sich auch an diese Bilder erinnern?“

„Sobald er aufwacht, genau. Ebenso wie das Attentat auf Sie Teil seiner Erinnerungen sein wird. Er wird nicht versuchen, mit dem Hauptquartier Kontakt aufzunehmen, er wird auch nicht bei seiner Frau anrufen wollen... er wird nur auf den Befehl warten, diesen Ikari zu töten, schließlich wurde er dazu ja gewisserweise geschaffen.“

„Gut. Wenn Ikari sich wirklich von SEELE abwenden sollte, wie einige von uns befürchten, unterzeichnet er damit sein Todesurteil...“

Copyright of the Charakter by GAINAX / Text by Ulrich Alexander Schmidt