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Retelling a Story (Abzweigung 04)

Kapitel 20 - Second Children

Geschrieben von Ulrich Alexander Schmidt

Legal Boilerplate:
Sämtliche Fehler in der Charakterisierung sind ganz allein mir selbst zuzurechnen.

Dieser FanFic enthält:
Spoiler, endlose langweilige Dialoge, Warm and Fuzzy Feelings, Asuka in Bestform, Sex, Drogen und sinnlose Gewalt

Nein, es gibt keine anderen Versionen.

Alle Figuren, die nicht Eigentum von GAINAX sind, sind frei erfunden, jede Ähnlichkeit mit lebenden, toten oder sonstigen Personen ist unbeabsichtigt und daher rein zufällig. Mich verklagen zu wollen, würde nichts bringen, schließlich habe ich kein Geld
Zu riesigen Problemen essen Sie bitte die Packungsbeilage und fragen Sie den Arzt Ihres Apothekers.

Shinji hatte in der letzten Nacht so gut geschlafen, wie selten zuvor in seinem Leben, obwohl es ihm schwergefallen war einzuschlafen. Selbst am nächsten Morgen glaubte er noch, Reis Lippen auf seiner Wange zu spüren. Pfeifend schwang er sich schließlich auf sein neues Fahr-rad und fuhr zur Schule in der Gewißheit, das Mädchen, welche ihn sogar bis in seine Träume verfolgt hatte, dort wiederzuse Ach ja, dies ist die FSK 16 - Version !
hen.

*** NGE ***


Rei hingegen hatte an diesem Morgen unerwarteten Besuch gehabt - sie war gerade soweit ge-wesen, ihr Apartment zu verlassen, um zur Schule zu gehen, als es laut und ungeduldig an der Tür klopfte.
Vielleicht war das Shinji-kun, der sie abholen wollte...
Nein, Shinji-kun hätte ganz sicher anders geklopft, nicht so fordern und... befehlend...
Sie öffnete die Tür.

Auf dem Korridor standen drei Männer, zwei davon trugen dunkle Anzüge und Sonnenbrillen, die Ausweise, welche sie am Revers ihrer Jacken trugen, wiesen sie als Angehörige de NERV-Sicherheitsdienstes aus. Bei dem dritten Mann handelte es sich um niemand anderen als Gendo Ikari.

Rei trat automatisch einen Schritt zurück.
Was wollte der Kommandant bei ihr, noch dazu zu dieser Zeit?
Sein Gesicht war wie üblich regungslos, verriet keinen seiner Gedanken.
„Kommandant?!“

Der bärtige Mann nickte seinen Begleitern zu.
„Warten Sie auf mich.“
Dann schob er sich an Rei vorbei in die Wohnung und schloß die Tür.

Nur kurz flackerte in ihr der Gedanke auf, daß sie ihn nicht eingeladen hatte, ihre Räume zu betreten. Allerdings war er der Kommandant, ihr Schöpfer, sein Wort war Gesetz.

Ikari blickte sich kurz in der Wohnung um, nahm die verstreuten Bandagen und die allgegen-wärtige Unordnung zur Kenntnis.
Rei-II hatte also immer noch nichts an ihren Lebensumständen geändert... gut... sie soll funk-tionieren, gerade gut genug, damit kein Verdacht bezüglich ihrer wahren Herkunft auf-kommt...
Alles Weitere wäre unerwünscht gewesen... ein zu menschlicher Klon hätte seine Pläne gefähr-det. Er wollte sie nicht jetzt schon ersetzen müssen, nicht in diesem frühen Stadium.

„Rei, ich habe erfahren, daß du gestern bei Captain Katsuragi warst, um an einer... Party... teil-zunehmen.“
Er spie das Wort ´Party´ aus, als handle es dabei um etwas Unanständiges.

„Ja, Kommandant.“
Rei schluckte.
Was hatte sie falsch gemacht?
Was hatte sie getan, das dem Kommandanten mißfiel?
- Daß sie auf Shinji-kuns Geburtstagsfeier gegangen war?

„Etwas derartiges wird sich nicht wiederholen.“
Rei-II durfte keinen näheren Kontakt mit anderen Menschen haben, es könnte seine Kontrolle über sie in Frage stellen...

„Ich... Ja, Kommandant.“

„Gut. Mir wurde ferner mitgeteilt, daß du das Third Children... geküßt hättest...“

„Das ist... korrekt, Kommandant. Ich habe Shinji-kun auf die Wange geküßt.“

Shinji-kun...
Gendo Ikari unterdrückte einen Fluch.
Daß er Rei-II benutzt hatte, um seinen Sohn dazuzubringen, Einheit-01 zu steuern, war eine Sache, doch er hatte niemals beabsichtigt, daß sein Sohn und der Klon einander näherkamen.
„Auch das wird sich nicht wiederholen. Habe ich mich deutlich genug ausgedrückt?“

Seine Worte zehrten an ihrem Herzen.
Sie hatte etwas falsch gemacht, hatte ihn enttäuscht, hatte ihren Schöpfer enttäuscht.
Dabei hatte sie doch nur Shinji-kun nahe sein wollen...
„Ja, Kommandant.“

„Gut. Du wolltest zur Schule?“

„Ja.“

Ikari nickte.
„Dann geh. Heute nachmittag wird ein Update des DummyPlugs durchgeführt.“

„Ja, Kommandant.“
Sie ergriff ihre Tasche und verließ die Wohnung, gefolgt von dem Kommandanten, der sie kei-nes weiteren Blickes würdigte.

*** NGE ***


Shinji betrat den Klassenraum, sah sich um.
Rei saß bereits an ihrem Platz, blickte aus dem Fenster. Doch ihr Gesicht schien ihm nicht so ruhig und ausdruckslos wie gewöhnlich, sondern irgendwie bekümmert.
Was war mit ihr?
Ging es ihr nicht gut?
Shinji ging geradewegs zu ihr.
„Hallo, Rei.“

Sie blickte nicht zu ihm auf.
„Hallo, Shinji-kun.“ antwortete sie leise.
Einerseits ließ seine Nähe ihr Herz schneller schlagen, andererseits dachte sie an die Worte des Kommandanten.

„Rei, stimmt etwas nicht?“
Besorgt stellte Shinji die Tasche ab und ging vor Reis Pult in die Hocke, um ihr ins Gesicht se-hen zu können.

„Nein, alles ist... ordnungsgemäß.“
Wie hohl... wie leer...
Sie fror.

„Ich sehe doch, daß etwas nicht in Ordnung ist...“

Rei sah nach draußen.
Irgendwo in den umliegenden Gebäuden hielten sich die Angehörigen des Sicherheitsdienstes auf, die ihr als Leibwächter zugeteilt worden waren, sechs Personen insgesamt, die sie auf Schritt und Tritt beobachteten... oder beobachten sollten, denn sie konnte sich nicht sicher sein, ob die Überwachung wirklich lückenlos war. Allerdings beobachteten sie wahrscheinlich gera-de jetzt, was sie tat, um es an den Kommandanten weiterzumelden.
„Shinji-kun, ich darf es dir nicht sagen.“

„Was sagen, Rei?“

„Daß...“
Sie preßte die Lippen zusammen.
Ihre Hand tastete über die Tischplatte, fand die seine, mit der er sich festhielt, berührte sie kurz.
„Geh zu deinem Platz... bitte... es geht mir gut.“

„Rei...“

„Ich darf nicht...“

Shinji riß die Augen auf.
Rei durfte nicht...? Durfte nicht was? Was hatte man ihr verboten? Und wer hatte es ihr ver-boten? – Eigentlich kam nur eine Person in Frage
„Was hat mein Vater dir verboten?“

Rei zögerte.
Wie sollte sie es Shinji-kun erklären?
Dann überlegte sie, ging die Befehle des Kommandanten noch einmal durch.
Sie durfte keiner weiteren Geburtstagsfeier bei Captain Katsuragi teilnehmen gut, Shinji-kuns nächster Geburtstag würde erst in einem Jahr stattfinden.
Und sie durfte ihn nicht wieder auf die Wange küssen doch das schloß andere Stellen nicht aus andererseits sie wußte genau, daß der Befehl anders gemeint gewesen war, daß sie je-den körperlichen Kontakt mit Shinji-kun unterlassen sollte aber das hatte der Kommandant nicht gesagt ihr ging auf, daß sie zum ersten Mal seit Beginn ihrer Existenz einen Befehl nicht nur in Frage zog, sondern sogar zu interpretieren begann noch dazu einen Befehl des Kommandanten!
„Shinji-kun, der Kommandant war nicht damit einverstanden, daß ich zu deiner Überra-schungsparty gegangen bin.“

„Mein Vater war nicht einverstanden?“ echote Shinji und fühlte sich, als hätte er einen Tritt in die Eingeweide erhalten.
„Was kümmert es ihn? Er selbst konnte gar nicht kommen, mit welchem Recht will er“
Shinji schnappte nach Luft, war hochrot angelaufen, doch nicht vor Verlegenheit, sondern vor Wut.

„Er ist der Kommandant. Ich ich hätte ihn vorher informieren müssen.“

„Und du gehorchst ihm“ flüsterte Shinji. „Gehorchst ihm blind, nach allem, was wir durchge-macht haben“
Er blinzelte heftig, als er spürte, wie seine Augen feucht wurden.
„Ich dachte du wärst meine Freundin“
Er ergriff seine Tasche und stürmte aus dem Raum, seine gute Laune war verflogen, hatte Ver-bitterung Platz gemacht, Verbitterung über seinen Vater, der ihm wieder einmal einen Men-schen wegnahm, der ihm etwas bedeutete

*** NGE ***


Tief im Herzen der Geofront, unter dem pyramidenförmigen Hauptquartier von NERV, wel-ches die Bezeichnung CentralDogma trug, lagen die Tiefgeschosse des Hauptquartiers, welche al TerminalDogma bezeichnet wurden. Der Zugang in diese Bereiche war nur einer Handvoll Menschen erlaubt.

Gendo Ikari verließ seinen persönlichen Aufzug, der ihn aus seinem Büro in die geheimen An-lagen gebracht hatte. Ein schmaler Korridor, der nur ihm zugänglich war, erstreckte sich vor ihm. Zu beiden Seiten gingen Türen ab.
Er öffnete die dritte Tür auf der rechten Seite, betrat ein Labor.

In der Mitte des Raumes stand ein durchsichtiger Glaszylinder, der mit LCL gefüllt war. Und in dem Zylinder befand sich Rei-II. Der Klon hatte die Augen geschlossen, er war nackt.
Um das Mädchen herum stiegen Bläschen auf.
Ikari betrachtete Rei-II. Wenn sie die Augen geschlossen hatte, glich sie Yui fast aufs Haar. Yui Ikari, seine verstorbene Frau, deren Namen er angenommen hatte, um seine Strafakte, wel-che auf seinen Geburtsnamen Rokubungi lautete, loszuwerden. Yui, welche die Grundlagen des Synchronisationsprozesses entwickelt hatte, die aus dem Gewebe der Engel ADAM und LILITH die Basis-DNA der EVA geklont hatte, Yui, die während des ersten wirklichen Test-laufes des EntryPlug-Systems von EVA-01 derart komplett absorbiert worden war, daß nur ein paar fast unbrauchbare DNA-Stränge übriggeblieben waren, die jedoch ausgereicht hatten, das Äußere der Klone zu stabilisieren Yui, die er geliebt, aber dennoch aus dem Weg hatte schaffen müssen, als sie zuviel über seine Pläne in Erfahrung gebracht hatte ein notwendiges Opfer, ebenso wie Naoko Akagi ebenso wie er bereit war, jeden Menschen unter seinem Kommando zu opfern, um sein Ziel zu erreichen ein Gott zu werden
Ja, der Klon ähnelte Yui stark und er gehörte ihm, er würde nicht zulassen, daß Rei-II Ge-fühle für einen anderen Menschen entwickelte, sie mußte ihm bedingungslos gehorchen an-dernfalls mußte sie ersetzt werden!
Und damit es dabei nicht zu allzu großen Verlusten kam, wurde ihr Gedächnis in regelmäßigen Abständen in die Anlagen des DummyPlugs kopiert, mit dem sie sich in Synchronisation be-fand. Von dort aus konnten ihr Wissen und ihre Erfahrungen bei Verlust eines Klons jederzeit binnen vierundzwanzig Stunden in einen anderen Klon übertragen werden.
Er ließ den Blick über den nackten Klon wandern.
Die Rei-Klone waren perfekt, entsprachen genau seinen Vorgaben

„Die Übertragung ist fast abgeschlossen“, erklang eine Stimme in Ikaris Rücken.
Ritsuko warum hatte sich die Schlampe anschleichen müssen?
Ikaris ausgeprägte Selbstbeherrschung verhinderte, daß er zusammenzuckte. Ohne den Blick abzuwenden, um Akagi mit Mißachtung zu strafen, nickte er.

Ritsuko Akagi konnte ein dünnes Lächeln nicht verkneifen, während sie auf den Monitoren den Datenstrom verfolgte, der über die Synchronverbindung in den DummyPlug gelangte. Deutlich waren die Abweichungen zu erkennen, welche auf das Vorhandensein von Emotionen bei Rei hindeuteten, doch die MAGI-Rechner schlugen nicht Alarm, dafür hatte sie gesorgt.
Mit einem einfachen Tastendruck überschrieb sie die alten Daten mit den aktuellen, löschte zu-gleich frühere Protokolle. Jetzt gab es nur noch die jetzigen Daten und die Grunddaten, die ko-piert worden waren, nachdem Rei die Reifungskammer verlassen hatte Daten, welche nicht ihre Erfahrungen im Zusammenhang mit den EVANGELIONs beinhalteten. Sollte Gendo sich entschließen, Rei mit einem anderen Klon zu ersetzen, würde er sich entscheiden müssen zwi-schen einem Klon, der über Gefühle verfügte und einen, der nicht in der Lage war, einen EVA zu steuern, ohne vorher ein gutes halbes Jahr ausgebildet worden zu sein
Weitere Tastendrücke verschleierten die Spuren ihrer Handlungen.

In der Kapsel öffnete Rei die Augen.
Sie spürte, wie die Verbindung zum DummyPlug-System langsam schwächer wurde, wie die Synchronisation heruntergefahren wurde.
Der Kommandant stand vor dem Zylinder und sah sie an
Rei wurde kalt, eiskalt
Sein Blick galt nicht ihr, sondern allein ihrem Körper
Warum sah er sie so an?
Wollte er sichergehen, daß sie keine körperlichen Makel aufwies? Daß ihre Verletzungen ver-heilt waren?
Aber warum schien es ihr dann so, als drücke sein Blick Begehren aus?
Er sollte aufhören, sie so anzublicken!
Sie war kein Objekt, sie war ein Mensch!
Ihr Magen revoltierte
Endlich wandte er sich ab.
Ob er etwas bemerkt hatte?
Nein, dazu hatte sie ihre Mimik viel zu gut im Griff, sogar besser noch als er
Und wenn sie sich irrte? Der Kommandant konnte kein Interesse sexueller Art an ihr haben, das war völlig ausgeschlossen er war ihr Schöpfer, er war er mußte über so etwa erha-ben sein!

Ikari runzelte leicht die Stirn, nachdem er grußlos das Labor verlassen hatte.
Hatte der Klon eben merkwürdig reagiert, als er ihn angesehen hatte? Hatte in den Augen von Rei-II ein Anflug von Angst gelegen? - Eigentlich unmöglich. Die Rei-Klone waren nicht geschaffen worden, um selbständig zu denken, um Furcht zu verspüren... und wenn... solange sie ihn nur fürchtete... Furcht machte gehorsam...

Ritsuko Akagi atmete auf, als Gendo den Raum verließ.
„Rei, du kannst die Synchronkammer gleich verlassen.“
Sie drehte an einem Ventil. Das LCL im Glaszylinder lief ab.
„So... Warte...“

Tropfendnaß stieg Rei auf der Kapsel.
Der Boden war kalt unter ihren bloßen Füßen.
Der Kommandant... er sah nicht sie... er sah die Person, deren Gesicht sie hatte...

„Hier.“
Akagi reichte ihr einen Bademantel.
„Zieh den über.“

Mechanisch befolgte sie die Anweisung.
Früher hatte es ihr nichts ausgemacht, das kurze Stück zwischen der Kapsel und dem Dusch-raum auf der anderen Seite des Korridors unbekleidet zurückzulegen, doch jetzt verspürte sie eine seltsame Dankbarkeit, sich bedecken zu können.

„Rei, die Übertragung ist komplikationslos verlaufen. Alles, was du heute bist, all das ist gesi-chert, egal, was morgen geschieht.“

Wie meinte der Doktor das?
Alles was sie heute war...
Was sie heute war...
Sollte sie ersetzt werden, dann... dann waren ihre Erinnerungen an den gestrigen Tag geret-tet, würde sie diese auch in ihrer nächsten Existenz besitzen... sie würde Shinji-kun nicht ver-gessen, auch nicht die Gefühle, welche sie für ihn verspürte...
Mit ihren Worten hatte der Doktor ihr ein besonderes Geschenk gemacht, das Geschenk der Hoffnung...
Ihre Gedankengänge wurden unterbrochen, als die Computeranlage an der Wand schrille Piep-töne von sich gab.

Ritsuko zuckte zusammen.
Die MAGI gaben Alarm!
Ein Blick auf den Bildschirm verriet ihr, daß die Supercomputer, welche ihre Mutter entwickelt hatte, einen Engel geortet hatten.
„Rei, schnell, nach oben und in die PlugSuit! Sollte Shinji nicht rechtzeitig hiersein, schreibe ich die Steuerung von EVA-01 auf dich um!“

„Ja.“
Rei eilte davon, ihre nackten Füße erzeugten auf dem Fliesenboden des Labortraktes ein rhyth-misches Patschen.

*** NGE ***


Mit gehetztem Gesichtsausdruck rannte Shinji in die Umkleidekabine.
Hätte er auf die Uhr gesehen, hätte er feststellen können, daß er den Weg von Misatos Apart-ment in die Geofront, zum Hauptquartier und zum Hangarbereich in Rekordzeit zurückgelegt hatte. - Ohne das ausgeklügelte Frühwarnsystem der MAGI hätte all dies jedoch kaum etwas genützt, da auch alle Expreßaufzüge und -bahnen unter günstigsten Umständen immer noch et-wa fünf Minuten für die Strecke brauchten.
Die Tür war hinter ihm noch nicht zugefallen, da hüpfte er schon in einem halbbekleideten Zu-stand auf einem Bein herum und kämpfte mit seiner Hose, faßte dabei im Stillen den Vorsatz, künftig definitiv immer erst die Schuhe auszuziehen.
Der Bademantel, der achtlos hingeworfen auf der anderen Bank vor Reis Spind lag, fiel ihm gar nicht auf.
Die Sachen landeten einfach in seinem Spind, wo die zusammengelegte PlugSuit im obersten
Fach darauf wartete, zum Einsatz zu kommen.
Er stand spitternackt vor seinem Spind und griff gerade nach der PlugSuit, als die Tür zum an-gegliederten Waschraum geöffnet wurde.

„Iiiek!“ stieß Shinji hervor, als er sich unvermittelt Rei gegenübersah, die sich in einem ähnli-chen Zustand von Bekleidetheit befand wie er.
„Argh... Rei...“
Seltsamerweise machte es ihm nichts aus, von ihr so gesehen zu werden, allerdings war es ihm peinlich, sie so zu sehen, vor allem, da sein Körper auf den Anblick entsprechend reagierte.

„Shinji-kun.“
Rei zögerte. Etwas hielt sie davon ab, einfach ihre PlugSuit anzuziehen.
Wenn sie nicht noch rasch geduscht hätte, um die LCL-Rückstände herunterzuspülen, ehe sie die Suit anzog, hätte sich diese Situation vermeiden lassen... dabei verspürte sie im Gegensatz zu vorhin, als der Kommandant sie gesehen hatte, keine Scham, nicht Shinji-kun gegenüber.
Allerdings war ihr klar, daß es ihm wieder peinlich sein würde, sie nackt gesehen zu haben... ja, er lief bereits rot an, versuchte, sein Geschlechtsorgan mit den Händen zu verbergen, welches ein Eigenleben zu entwickeln schien.
„Ich...“
Sie wollte nicht, daß er sich ihretwegen schämte.
Rasch griff sie nach der Tür ihres Spinds und holte die PlugSuit hervor, huschte wieder in den Waschraum zurück.
„Ich bin gleich fertig.“
Ihr war ganz heiß...

„Uh... uh... uh... ja...“
Sie brauchten wirklich getrennte Umkleideräume...

*** NGE ***


Die angelaufenen Startvorkehrungen wurden auf Anweisung Gendo Ikaris unterbrochen.
Die Piloten wurden in einen Besprechungsraum beordert, wo Misato, Ritsuko und Subcom-mander Fuyutsuki bereits auf sie warteten.
Kozo Fuyutsuki saß zurückgelehnte in seinem Stuhl, überließ das Feld gänzlich dem leitenden taktischen Offizier.

Shinji war froh, seinem Vater nicht zu begegnen, da er immer noch stinksauer auf ihn war.
Rei teilte Shinjis Einstellung, wenn auch aus anderen Gründen.

„Uhm, war es ein Fehlalarm?“ fragte Shinji in Richtung Misato.

Diese schüttelte den Kopf.
„Nein. Aber der Engel befindet sich außerhalb unserer Reichweite, um genau zu sein, hat er ein Ziel auf dem Meer attackiert.“

„Auf dem Meer?“

Rei ahnte, worum es ging.
Ihren Informationen nach sollte das Second Children mit Einheit-02 in Bälde in Japan eintref-fen. Aber warum sollte ein Engel einen Angriff auf einen EVA starten? Das, was sie suchten, befand sich schließlich im TerminalDogma tief unter ihren Füßen...

Misato schaltete einen großen Bildschirm ein.
„Das hier ist eine Aufzeichnung, die wir über Satellit gemacht haben, die MAGI haben sie et-was aufbereitet. Schaut es euch an.“

Zu sehen waren zunächst zwei große Schiffe, die sich in Begleitung von fünf kleineren befan-den. Dann tauchte ein dunkler Schatten unter der Wasseroberfläche auf und zerfetzte zwei der Begleitschiffe.
Auf einem der großen Schiffe, einem Flugzeugträger, entstand Bewegung.
Das Bild zoomte heran.
Unter einer Abdeckung erschien ein roter Gigant, unter dessen Bestrebungen aufzustehen das Schiff ins Wanken kam.

„Das ist ja ein EVA...“ flüsterte Shinji und sah zur Seite, blickte Rei fragend an.

Ohne den Kopf zu bewegen erwiderte sie seinen Blick.
„Ja. Einheit-02.“

„Was...“

„Fragen am Ende, jetzt kommt der gute Teil!“ erklärte Misato.

Aus dem Wasser schoß ein riesiger Fisch auf den EVA zu, welcher ihn packte und auf das Deck des Schiffes schleuderte, dieses dabei fast auseinanderriß. Der Fisch war riesig, viel grös-ser als der rote EVA, welcher daneben wie ein Zwerg wirkte.

„Das ist der Engel.“

Der Fischengel fegte den EVA von den Beinen und über Bord, folgte ihm dann.
Das Wasser schäumte auf, kurz darauf kam der rote EVA wieder an die Oberfläche, flog direkt durch eines der Begleitschiffe hindurch.
Wieder verlagerte sich der Kampf ins Wasser, die Kämpfenden wurden zu zwei dunklen Flek-ken, waren schließlich nicht mehr zu sehen.
Das Schiff, welches der EVA getroffen hatte, versank derweil langsam.

Shinji hielt den Atem an.
Der rote EVA war nicht wieder aufgetaucht... seine Akkus mußten inzwischen erschöpft sein... hatte der Engel gewonnen?

Dann brodelte das Wasser wieder, eine Fontäne jagte in den Himmel, die verbliebenen Schiffe kämpften plötzlich mit starkem Wellengang.

Rei nickte unmerklich.
Der Engel war zerstört worden, dem Sephiroth nach mußte es sich um Gaghiel gehandelt ha-ben...

Misato schaltete auf schnellen Vorlauf, ging aber sofort wieder auf Normalgeschwindigkeit, als eine rote Hand die unruhige Wasseroberfläche durchbrach und sich in das Deck des zweiten Flugzeugträgers krallte.
Dann beendete sie die Vorführung.
„Um gleich ein paar Dinge vorwegzunehmen: Bei dem roten EVANGELION handelt es sich um die in Deutschland in der dortigen NERV-Zweigstelle hergestellte Einheit-02, das erste Se-rienmodell. NERV hat es unter strenger Geheimhaltung mittels eines UN-Konvois nach Japan bringen wollen. Anscheinend ist der Feind jedoch darauf aufmerksam geworden. Der Angriff ist jedoch gescheitert, die Vernichtung des Engels wurde von den MAGI inzwischen bestätigt. Der EVA selbst wurde nicht beschädigt.
Bei der Pilotin handelt es sich um das Second Children, ihr Name ist Asuka Soryu Langley aus Deutschland, sie wird im Laufe des morgigen Tages hier eintreffen.
So, Fragen?“

Shinji hob die Hand, kam sich im gleichen Moment reichlich dämlich vor, schließlich waren sie nicht in der Schule.
„Uhm, wie ist sie so, diese Asuka Soryu... ahm...“
Wie konnte jemand nur einen derart langen Namen haben...

„Langley. Nun, von euch ist sie wohl die am ehesten ernstzunehmende.“ warf Akagi ein.

Rei blinzelte.
Was sollte das bedeuten?
Natürlich, die Synchronrate des Second Children war höher als Shinji-kuns, der wiederum bes-ser war als sie selbst, doch was hatte das damit zu tun, ob jemand von ihnen ernstzunehmen war?

„Häh?“

Offenbar hatte Shinji-kun ähnliche Gedanken...

„Nun, sie war auf einer Begabtenschule, wo sie bereits einen Oberschulabschluß gemacht hat. Dazu kommen eine zehnjährige Ausbildung bei NERV und eine Scharfschützenausbildung.“

„Zehn Jahre... kein Wunder, daß sie ihren EVA so gut unter Kontrolle hat... diese schnellen Bewegungen...“

Reis linke Augenbraue wanderte einen Millimeter nach oben.
Warum lag in Shinji-kuns Stimme Bewunderung? Er kannte die andere Pilotin doch gar nicht...

„Krisenmanagement, Urteilsvermögen, Steuertechnik - alles perfekt.“ faßte Ritsuko die Ein-drücke zusammen.

Reis andere Augenbraue hob sich ein Stückchen.
Gut, das Second Children hatte ausgezeichnet reagiert und den Engel vernichtet, dabei aber ei-ne erhöhte Risikobereitschaft an den Tag gelegt. Und was die Kontrolle über den EVA anging - die Serienmodelle verfügten diesbezüglich über Eigenschaften, welche sowohl dem Prototyp, wie auch dem Testmodell fehlten. Wenn Shinji-kun näheres aus der Akte des Second Children bekannt gewesen wäre, hätte er sich nicht derart bewundernd geäußert.

„Wir erwarten Asuka für übermorgen im Hauptquartier, dann stelle ich sie euch vor.“
Misato schaltete den Bildschirm ab, der bis dahin immer noch ein Standbild gezeigt hatte.

Shinji und Rei verließen den Besprechungsraum und kehrten in die Umkleidekabine zurück.
Beide standen vor ihren Spinden, die Hände an den Dekompressionsschaltern ihrer PlugSuits, und blickten sich betreten an.

„Uh... ahm... Rei, ich warte draußen, bis du fertig bist...“ stotterte Shinji und wandte sich der Tür zu.

„Das ist nicht nötig, Shinji-kun. Es macht mir nichts aus.“

Shinjis Mund wurde trocken, als ihre Worte sein Gehirn erreichten.
Das konnte sie doch nicht ernst meinen...
„Ah...“

„Aber wenn es dir peinlich ist, gehe ich in den Waschraum, um mich umzuziehen.“

„Uhm... nein... bleib hier... uh... ich meine... ich gehe in den Waschraum... und... ah... ich kom-me auch nicht raus, bevor du mir sagst, daß du fertig bist.“
Damit raffte er seine Sachen zusammen und verschwand im Nebenraum.
Raus aus der PlugSuit, rein in seine Unterwäsche, dann in seine Hosen, das Hemd übergestreift und zugeknöpft...

„Ich bin soweit, Shinji-kun.“ hörte er Reis leise Stimme.

„G-gut, ich komme.“
Die PlugSuit unter dem Arm, seine Schuhe und eine Socke in der anderen Hand, hüpfte er auf einem Bein in die Umkleidekabine und ließ sich auf die Bank fallen.

Rei saß ihm gegenüber in ihren Alltagssachen, die Hände im Schoß gefaltet, und sah zu, wie er seine Socke über den Fuß zog.
Jeder andere seines Alters hätte wahrscheinlich sabbernd die Gelegenheit ergriffen, ihr beim Umziehen zuzusehen, doch nicht ihr Shinji-kun...
Innerlich lächelte sie bei dem Gedanken, auch wenn ihre Lippen starr blieben.
Irgendwie tat ihr der Respekt, mit dem er ihr begegnete, gut.

„Sag mal, Rei... wußtest du, daß es noch weitere EVAs gibt? Äh, na ja, die Nummerierung macht so wohl auch mehr Sinn... und ich hatte mich auch schon gefragt, weshalb wir als First und Third Children bezeichnet werden, wenn es kein zweites gibt, aber...“

„Ja.“ beantwortete sie knapp seine Frage.

„Hm...“
Er fixierte Rei mit seinem Blick, machte prompt einen dicken Knoten in seine Schnürsenkel statt der beabsichtigten Schleife.
Was man ihr auch sagte, ihr Gesichtsausdruck veränderte sich nicht... dabei wußte er, daß sie lächeln konnte... und er hätte sie gerne zum Lachen gebracht... wie e wohl klang, wenn sie lachte?
Sie blinzelte nicht einmal...
Schließlich brach er den Blickkontakt ab und wandte seine Aufmerksamkeit seinen Schuhen zu. Das sah gar nicht gut aus...
Mit einem leisen Aufstöhnen zog er den Schuh aus und begutachtete den Knoten.
„Das könnte länger dauern... Rei, vielleicht solltest du schon vorgehen...“

„Nein. Ich schätze deine Gegenwart.“

„Uh... ahm...“
Sie schätze seine Gegenwart... das hieß doch, daß sie gern mit ihm zusammen war, oder?
Er konzentrierte sich auf den Knoten... wie hatte er das nur fertiggebracht...
Sie hielt sich gern in seiner Nähe auf...
Dann fiel ihr Schatten auf ihn und ihre kühlen Hände nahmen ihm den Schuh aus den Händen.

„Zeig her.“

„Öh, das... na ja...“

Sie setzte sich neben ihn, wohl wissend, daß sie damit gegen den Sinngehalt der Anweisungen verstieß, die sie am Morgen vom Kommandanten erhalten hatte. Aber rein objektiv half sie doch nur einem Mitstreiter bei einem kleinen Problem... und sie hätte am liebsten die Augen geschlossen und sich gegen Shinji-kun gelehnt hätte, um ihm noch näher zu sein...
Aber der Knoten war wirklich kompliziert, kaum zu glauben, daß Shinji-kun das in einem Au-genblick der Unachtsamkeit geschafft hatte... er brauchte wirklich jemanden, der auf ihn ein wenig acht gab...

„Rei, das brauchst du nicht... ich kann auch so gehen...“

„Und wenn du über die Schnürsenkel stolperst und dich verletzt?“

„Uh...“

Dieses Ende hier durch und jenes... der Knoten fiel auseinander.
Sie reichte ihm den Schuh.
„Hier.“

„D-Danke.“
Er nahm den Schuh von ihr entgegen, seine Finger berührten die ihren, ohne daß sie ihre Hände fortzog. Sie hatte zarte Hände, ihre Haut fühlte sich an wie Seide... bei der Berührung schienen Stromstöße durch seine eigenen Hände zu wandern.

Schließlich zog Rei die Hände fort, senkte den Blick, bemühte sich, ihre Atmung und ihren Herzschlag zu beruhigen.
Etwas unverfängliches, ja, das wäre jetzt wohl das richtige Thema.
„Es war mir bekannt, daß auch an anderen Orten EVAs gebaut werden.“

„Äh... ja...?“
Shinji blinzelte.
Welcher Zauber auch eben noch zwischen ihnen bestanden hatte, welche Magie ihn auch eben noch dazu hatte verleiten wollen, sie in die Arme zu nehmen, es war verflogen.

„NERV hat Zweigstellen in Deutschland, China und den Vereinigten Staaten, sowie den Arabi-schen Emiraten. Dort werden die neuen Serienmodelle hergestellt und weitere Piloten ausgebil-det. Ferner verfügt NERV über Außenstellen in den wichtigeren Hauptstädten, welche mit Backup-Einheiten der MAGI-Serie ausgestattet sind. Sollte der Fall eintreten, daß da Haupt-quartier nicht mehr benutzt werden kann, besteht die Möglichkeit, in eine dieser Zweigstellen überzuwechseln.“

„Was du alles weißt...“

Das klang nicht höhnisch oder von oben herab, sondern bewundernd, genauso bewundernd, wie er sich über die Pilotenfähigkeiten des Second Children geäußert hatte.
„In der amerikanischen Zweigstelle wird zur Zeit EVA-04 fertiggestellt. In der Außenstelle in Matsushiro befindet sich EVA-03 kurz vor der Vollendung.“

„Das... ah... dann bekommen wir also bald Verstärkung.“

„Wahrscheinlich.“

Shinji band die Schleife seines zweiten Schuhes zu und stand auf.
„Uhm, wir können gehen.“

Kurz darauf fuhren sie mit dem Aufzug der Oberfläche entgegen.
Die beiden lehnten in gegenüberliegenden Ecken der Liftkabine gegen die Wand und schwie-gen.

„Diese Aufzugfahrten kommen mir immer wie eine Ewigkeit vor“, brach Shinji das Schweigen nach etwa zwei Minuten, in denen er den Satz wieder und wieder geübt hatte.

„Der Aufzug benötigt genau vier Minuten und neunundvierzig Sekunden für die Fahrt von der Geofront an die Oberfläche.“

„Uh, ähm, das weißt du?“

Sie nickte.
„Ich habe die Zeit mitgestoppt.“

„Wa...“
In seiner Phantasie stellte er sich Rei vor, wie sie mit einer Stoppuhr in der Hand im Aufzug stand. Das Bild hatte überhaupt nichts ungewöhnliches, trotzdem mußte er lachen. Ihre Erklä-rung war so herrlich normal...

Rei blickte ihn fragend an.
Warum lachte Shinji-kun? Hatte sie etwas komisches gesagt? Oder lachte er sie aus, weil es sie interessiert hatte, wieviel Zeit sie benötigte, um von ihrem Apartment in den Hangar zu gelangen?
Jedoch klang sein Lachen nicht böse oder gehässig, sondern viel eher befreit.
„Weshalb lachst du?“

Schlagartig verstummte er.
„Weil... uhm... das ist nicht so einfach zu erklären...“
Ausweichen... er mußte ausweichen... ablenken...
„Ahm, Rei, hast du die Hausaufgaben von heute schon fertig?“

„Nein.“
Wie auch, schließlich konnte sie nicht hexen, sondern hatte fast den ganzen Nachmittag in der Synchronkammer des DummyPlugs verbracht... und war vom Kommandanten angegafft wor-den...
Da war er wieder dieser Gedanke, dieser Zweifel an der Integrität ihres Schöpfers.
Sie mußte ihn verdrängen... wenn sie dem Kommandanten nicht vertrauen konnte, wem dann? Die Antwort lag sehr nahe... und die betreffende Person hielt sich sogar in derselben Liftkabine auf wie sie... Nur gut, daß sie sich so gut unter Kontrolle hatte...

„Dann... uh... hättest du vielleicht Lust, mit zu mir... also zu Misato zu kommen und... ahm, wir könnten die Hausaufgaben zusammen machen?“

Sie war versucht, ja zu sagen, erinnerte sich jedoch an die Anweisung des Kommandanten, der-nach sie der Wohnung des Captains fernbleiben sollte... auch wenn die Anweisung sich eigent-lich auf Geburtstagspartys bezogen hatte... aber es war einfacher, den Befehl zu umgehen, als ihn zu ignorieren.
„Ich schlage vor, daß wir zu mir gehen.“

Shinji wollte protestieren.
Bei Rei war es unordentlich und chaotisch, wie sollten sie dort arbeiten können?
Andererseits hieß die Alternative wahrscheinlich, wieder allein über den Aufgaben zu brüten.
„Hast du denn Platz?“

„Natürlich.“

„Ich meine, ahm, einen Tisch zum Arbeiten und Stühle?“

„In der Küche.“

„Ah. Hm.“
Er nickte. Die Küche hatte er bei seinem kurzen Aufenthalt nicht gesehen... es hatte andere Dinge gegeben, die seine Aufmerksamkeit gebannt hatten...
„Und... ahm... Arbeitsmaterialien? Ich habe meine Stifte und Hefte noch in Misatos Woh-nung...“

„Ich bin ausreichend ausgestattet.“

„Ja, dann... gut...“

Sie erreichten die Oberfläche, stiegen in die Bahn, die in Richtung von Reis Gegend fuhr.

„Shinji-kun... ich möchte dich bitten, mir erst in... fünf Minuten zu folgen.“ erklärte Rei, als sie an ihrer Haltestelle die Bahn verließen.
Es würde auffallen, wenn sie zusammen das Haus betraten, die Sicherheitsleute würden dies garantiert dem Kommandanten melden. Einzeln jedoch durfte es keine große Sache darstellen. Außerdem mußte sie noch etwas in ihrem Apartment fortstellen, Shinji-kun sollte nicht sehen, daß seine Handschuhe den Platz der Brille seines Vaters eingenommen hatte... noch nicht...

„Äh, ist gut... warum?“

„Ich... muß noch etwas erledigen.“

Sie wollte doch nicht etwa rasch aufräumen?
„Ja, ich warte dann... fünf Minuten, ja?“

Sie nickte, eilte voraus.

*** NGE ***


Ihr Apartment schien ihr mit einem Mal recht düster und kalt.
Rei zog die Jalousien hoch, drehte die Heizung auf - und hatte den Griff des Thermostats in der Hand. Mit einer resignierenden Geste legte sie den Griff auf den Heizkörper, sah sich um.
Ihre Wohnung war unordentlich... was würde Shinji-kun denken... das Apartment, welches er mit Captain Katsuragi bewohnte, war so ordentlich, sauber und freundlich... und das war sein Werk, wie der Captain am gestrigen Abend leise erklärt hatte...
Hastig sammelte sie die Bandagen ein, die seit Wochen in der Ecke lagen, stopfte sie in einen Müllsack und ließ diesen unter ihrem Bett verschwinden. Dann hob sie die ganzen herumlie-genden Papiere auf und stapelte sie vor dem Bett, zog die Bettdecke gerade, um den zerwühl-ten Zustand ihres Bettes zu verbergen.
Schon besser...
Was noch?
Die Handschuhe!
Sie zog die zweite Schublade auf, legte die Handschuhe zwischen ihre Unterwäsche, schob die Schublade wieder zu.
Ja, wirklich besser...
Und wenn sie noch einen ganzen Tag und ausreichend Putzmittel gehabt hätte, wäre wahr-scheinlich auch die Unsicherheit verschwunden, die sie gerade verspürte...

An der Tür klopfte es, nicht laut und fordernd, wie am Morgen, sondern sacht und trotzdem hörbar.
„Rei?“

„Komm rein, die Tür ist offen!“
Vielleicht sollte sie noch lüften...
Also riß sie das breite Fenster auf.
Gleichzeitig trat Shinji-kun ein und der entstehende Durchzug ließ die Papiere, welche sie zu-vor erst aufgesammelt hatte, wild durchs Zimmer fliegen.

„Oh... ahm, das... tut mir leid!“ stotterte Shinji und schloß eilig die Tür hinter sich, bückte sich dann schon, um die Blätter in seinem direkten Umfeld aufzusammeln.

Rei ging ebenfalls auf die Knie, rutschte auf dem Boden herum und sammelte Papiere auf.

Sie trafen sich in der Nähe des Durchganges vom Korridor in den Hauptraum.

„Hier.“
Shinji gab ihr die von ihm gesammelten Blätter.

Sie legte den Stapel an der Wand ab und beschwerte ihn mit ihrem Drehstuhl.
Shinji-kun beobachtete sie... sie konnte seinen Blick fast spüren...
„Die Küche ist dort...“
Sie deutete auf die andere Tür, die von ihrem Schlafraum abging.

„Äh, ja... Der Raum wirkt viel freundlicher, wenn Licht hineinfällt...“ sagte er, nur um etwas zu sagen, ehe er ihr in die Küche folgte. In seinen Augen war die Wohnung trist und grau, trotz des Lichts. Er nahm sich fest vor, ihr das nächste Mal, wenn er bei ihr vorbeikam, Blumen mit-zubringen, mit Blüten von heller, kräftiger Farbe.

„Möchtest du Tee?“
Rei holte eine Kanne aus dem Hängeschrank über der Spüle, füllte sie mit Wasser und stellte sie auf die Kochplatte, dann begann sie, nach einem Paket losen Tee zu suchen, da sie ver-meinte, in einem der Schubfächer aufzubewahren... nur für den Fall, daß sie einmal Besuch er-halten sollte...

Die Küche war ein kleiner Raum, in der Ecke, unter einem schmalen Fenster, stand ein Tisch mit zwei Stühlen, die Längswand wurde von der Spüle und einem Vorratsschrank ausgefüllt, ferner ging eine weitere Tür ab, hinter welcher Shinji das Bad vermutete.
Er beobachtete, wie Rei eine Packung Tee zutage förderte und aufriß, dann einen Löffel begut-achtete, auf dem sich ein wahrer Berg von schwarzem Tee befand.

Rei mußte sich eingestehen, daß sie was das Teekochen anbelangte, ein klares Defizit aufwies, da sie noch nie welchen gekocht hatte.
Ob der Tee auf dem Löffel ausreichte? Oder war es vielleicht zuwenig? Vielleicht mochte Shinji-kun seinen Tee extra stark - und je mehr von dem losen Tee sie ins Wasser gab, umso stärker mußte doch der Geschmack sein, oder?

„Mach dir wegen mir keine Mühe.“ sagte Shinji, der sich fragte, wieviele Tassen Tee Rei denn zu kochen gedachte. Es kam ihm schon merkwürdig vor, sie in der Küche stehen zu sehen, ir-gendwie konnte sie nicht mit derartigen Dingen in Verbindung bringen, aber vielleicht lag dies daran, daß er sie als EVA-Pilotin kennengelernt hatte.

„Ist das in Ordnung so?“ sie hielt ihm den Löffel hin.
Sie sollte sich keine Mühe machen wegen ihm... und wenn sie sich seinetwegen Mühe machen wollte?!

„Ahm, ist das nicht zu viel?“

„Ja?“

„Uhm, glaube schon... die Hälfte sollte für die Kanne genügen.“

„Aha.“
Sie griff nach der Kanne auf der Heizplatte... und zog rasch die Hand zurück.
„Au.“

Sofort war Shinji neben ihr.
„Was ist?“

„Ich habe mich verbrannt.“
Sie wunderte sich selbst darüber, wie ruhig sie nach außen hin bleiben konnte, schließlich tat die Stelle, mit der sie mit der heißen Kanne in Berührung gekommen war, höllisch weh.
Die Haut war tief gerötet.

Shinji blickte sie entsetzt an.
Wie konnte sie nur so ruhig sein? Er selbst hätte garantiert vor Schmerzen geschrieen, sie hatte ja die heiße Kanne voll angefaßt, so wie ihr Finger aussah.
„Du mußt es kühlen!“ stieß er hervor, griff ihr Handgelenk und zog sie nach vorn, so daß die Hand unter den Wasserhahn kam, dann drehte er mit der anderen Hand das kalte Wasser auf.
Sie zuckte zurück, als der Wasserstrahl direkt auf die Verbrennung traf, ihre Kraft erstaunte ihn, doch er hielt ohne nachzudenken dagegen.
Wenn sie die Verbrennung gleich kühlte, hielt sich der Schaden vielleicht in Grenzen...
Wenn sie nicht für ihn hätte Tee kochen wollen... wenn er nicht in ihr Apartment gekommen wäre... wenn er sie nicht gefragt hätte, ob sie zusammen Hausaufgaben machen wollten... ohne ihn wäre das nicht passiert!
Erschrocken registrierte er, wie fest er ihr Handgelenk hielt, lockerte den Griff.
Hoffentlich hatte er ihr nicht auch noch wehgetan...
Ihre Haut fühlte sich so zart an, glatt wie Seide...
Er spürte, wie ihm das Blut in den Kopf schoß.
„Äh...“
Shinji bemerkte, daß sich über Reis Wangen eine feine Rötung ausgebreitet hatte.
Es war ihr peinlich, daß er ihr Handgelenk festhielt... sicher war es ihr auch peinlich, daß er ihr so nah war...
Sofort ließ er ihren Arm gänzlich los, trat zur Seite.
„Ähm, den Tee mache ich schon... bleib du erstmal so, ja?“

„Ja... danke...“
Er war ihr sofort zu Hilfe gekommen... war ihr so nahe gewesen... sein Griff war so stark ge-wesen, obwohl sie ihn ohne große Probleme hätte brechen können... so nahe...
Ihr war heiß...
Wie er sie angewiesen hatte, beließ sie den Finger unter dem eiskalten Wasserstrahl.
Nein... es war kein Befehl gewesen... keine Anweisung, der sie unbedingt folgen mußte... aber Shinji-kun wollte, daß sie die Verbrennung kühlte, also tat sie es, obwohl sie ohnehin bald von selbst verschwunden sein würde, ihr Körper regenerierte derartige Schäden sehr schnell...

Shinji holte zwei Tassen aus dem Hängeschrank, häufte den losen Tee auf dem Tassenboden, suchte kurz nach einem Topflappen, mit dem er schließlich den nicht isolierten Kannengriff umfaßte. Dann goß er das heiße Wasser in Tassen und rührte um.
„Etwas ziehenlassen...“ murmelte er. „Uhm, Rei, ich habe dir doch nicht wehgetan...“
Nervös beäugte er ihr Handgelenk, meinte, schwach die Abdrücke seiner Finger zu sehen.
„Ah, das... das tut mir leid, ich wollte ni...“

„Nein. Du hast mir nicht wehgetan.“
Rei sah ihm direkt in die Augen.
„Du könntest mir niemals wehtun.“

„Das... ahm...“
In ihren Augen sah er, daß sie es völlig ernst meinte.
Und sie hatte Recht, schon der Gedanke, ihr in irgendeiner Weise Schmerzen zuzufügen, ver-ursachte bei ihm schwere Übelkeit.
„Uhm, geht es?“

Sie betrachtete ihren Finger, die Rötung ging bereits zurück, heute abend würde sie die beschä-digte Hautschicht abziehen können, da sich darunter eine neue, gesunde gebildet haben würde. Und morgen würde diese kleine Episode nur noch Erinnerung sein.
„Ja. Mein Körper heilt schnell.“

„Das... uhm... das ist mir auch schon aufgefallen. Du bist eben etwas besonderes...“

Seine letzten Worte klangen betrübt. Was bekümmerte Shinji-kun?
„Was hast du?“ fragte sie leise in einem Tonfall, der bar jedes Desinteresses war.

„Ach, nichts... es ist nur... ich weiß nicht, was ich eigentlich hier soll...“

Rei blickte ihn eine ganze Weile lang sprachlos und erschrocken an.
Er wußte nicht, was er hier sollte? Hier - in ihrem Apartment? Aber er hatte doch selbst vorge-schlagen...
„Wir wollten gemeinsam Hausaufgaben machen.“ erinnerte sie ihn.

„Nein, das doch nicht... ich meine... was ich hier soll.“
Er machte eine Geste, mit welcher er die ganze Stadt zu meinen schien.
„Ich bin nichts besonderes... nicht im Vergleich zu dir und dieser Asuka Soryu...“ er suchte nach dem Rest des Namens der neuen Pilotin.

„Langley. Asuka Soryu Langley.“

„Genau. Sie ist bereits mit der Schule fertig und hat bei ihrem ersten Einsatz diesen Fischengel quasi vor dem Frühstück besiegt... und ich habe es nur geschafft, die ersten beiden Engel mit viel Glück zu vernichten, nachdem sie mich durchgeprügelt hatten... und du... ich meine... ah... du bist... uhm...“
Das Wort, welches ihm auf der Zunge lag, lautete ´perfekt´, aber das konnte er ihr nicht sagen, nicht ohne daß zugleich ein Geständnis nach dem anderen aus ihm herausgesprudelt wäre, was er für sie empfand.

Wieder sah sie ihn lange an. Ihre Gesichtszüge wurden weich, verloren ihre Ausdruckslosig-keit.
„Shinji-kun, auch du bist etwas besonderes...“

„Was kann ich denn schon? Ich bin weder besonders schnell oder stark, meine Leistungen in der Schule sind mittelmäßig... und wenn ich mich so verbrannt hätte, würde ich jetzt noch vor Schmerzen jammern.“

Sie fand, daß er sich selbst unrecht tat.
Aber wie konnte sie ihm denn sagen, daß er in ihren Augen ein ganz besonderer Mensch war... soweit war sie einfach noch nicht...
Doch was konnte sie ihm sagen...?
„Du bist ein Naturtalent.“

„Hm?“

„Du konntest den EVA gleich beim ersten Anlauf kontrollieren, während ich - und auch das Second Children - lange dazu ausgebildet worden sind.“

„Ja... aber wozu ist das gut? Du hast doch selbst gesagt, daß noch andere Piloten ausgebildet werden. Wenn du nicht verletzt worden wärst, hätte Vater mich sicher nicht nach Tokio-3 kommen lassen.“

Das stimmte... leider... Und dann hätte sie ihn nie wirklich kennengelernt, wäre er immer nur eine Figur auf irgendwelchen Überwachungsvideos gewesen, die angefertigt wurden, wenn der Kommandant ihn besuchte... Auch das konnte sie ihm nicht sagen, nicht jetzt.
„Aber jetzt bist du hier. Oder willst du wieder fort?“
Bei dem letzten Satz konnte sie ein leichtes Zittern in ihrer Stimme nicht unterdrücken. Shinji-kun durfte nicht fortgehen!

„Nein... ich habe nichts anderes mehr... es gibt keinen anderen Ort, wo ich noch hingehen könnte...“

„Shinji-kun, du bist mir immer willkommen... es gibt also wenigstens einen Ort, wo du hinge-hen kannst.“

„Rei, das...“
Shinji seufzte.
„Ich glaube, der Tee ist soweit.“
Er schob ihr eine Tasse hinüber.

Rei drehte den Hahn zu.
Der vormals brennende Schmerz war nur noch ein dumpfes Prickeln, Shinji-kuns Maßnahme hatte wirklich geholfen.
Sie nahm die Tasse mit dem dampfenden Getränk und führte sie vorsichtig zum Mund.
„Schöne Farbe.“

Shinji lächelte scheu.
„Paß auf, daß du dir nicht die Lippen verbrennst.“

„Ja.“
Sie trank einen Schluck, ließ den heißen Tee ihre Kehle hinabrinnen, spürte, wie Wärme sich in ihrem Magen ausbreitete.
„Und schön warm... du kannst gut Tee kochen, Shinji-kun.“

„Ach, das ist nicht schwer...“ erklärte er verlegen. Wann kam es denn schon einmal vor, daß ihm ein Mädchen ein Kompliment machte...
„Ist es nicht zu bitter?“

„Etwas, aber das macht nichts... es gibt noch einen Grund, weshalb du besonders bist...“

„Welchen?“

„Du bist mein Freund.“

Shinji blickte sie an, sein Gesicht spiegelte ein ganzes Kaleidoskop an Gefühlen wieder – Über-raschung, Freude, Verwirrung, Verlegenheit.
„Das, ahm, also...“
Er schluckte.
„Danke.“

Sie nickte nur.

„Darf ich dich etwas fragen?“

„Ja, Shinji-kun.“
Sie hielt die Tasse auf halber Höhe, erwartete seine Frage.

„Ich habe neulich gesehen, wie mein Vater und du miteinander gesprochen habt...“

„Ja.“
Rei ließ die Tasse sinken, stellte sie auf der Spüle ab.
Hoffentlich wollte Shinji-kun nicht von ihr wissen, worüber sie sich unterhalten hatten...

„Es ist nur... ich wüßte gern, wie ich mich mit ihm unterhalten könnte... oder worüber... wir haben seit meiner Ankunft in Tokio-3 nicht mehr miteinander gesprochen und das war auch nicht... eigentlich haben wir nie richtig miteinander gesprochen...“

„Du möchtest mit ihm reden?“
Shinji-kun wollte mit dem Kommandanten sprechen... nein, nicht mit dem Kommandanten, mit seinem Vater... so seltsam es war, auch der Kommandant besaß verschiedene Gesichter – Oberbefehlshaber von NERV, Vater von Shinji-kun... ihr Schöpfer... -, ebenso wie sie ver-schiedene Gesichter besaß, mit denen sie sich der Welt präsentierte... EVA-Pilotin, Schülerin... nein, eigentlich besaß sie nur ein Gesicht, denn es gab nicht wirklich Unterschiede. Nur in Shin-ji-kuns Gegenwart konnte sie ihre Maske ein wenig fallenlassen...

„Ja... Es würde zwar wohl nichts ändern, aber... wenn alles so bleibt... und ich ihn hasse... ist es schwer, ein EVA-Pilot zu bleiben... vor allem wegen der Dunkelheit in den EVA und dem Haß, der von ihnen ausgeht... ich habe Angst, daß mein eigener Haß und der Haß des EVAs sich vermischen könnten... daß ich mich in der Dunkelheit verlieren könnte...“

„Aber während des letzten Einsatzes sind diese Eindrücke nicht aufgetreten.“

„Nein... wir wurden ja auch nicht in einem Nahkampf verwickelt... unsere EVAs konnten... sie konnten den Engel nicht wittern... sie konnten sein Blut nicht riechen...“

Blut... warum hatte er diesen Vergleich verwenden müssen... das Blut der Engel entsprach in ihrer Zusammensetzung dem LCL, welches den EVAs als Blut diente... denn es war Blut... das Blut des Engels LILITH...
„Wenn du...“
Sie setzte neu an.
„Sag deinem Vater, was du wirklich denkst.“
Sein Vater würde vielleicht verstehen, was der Kommandant völlig ignorieren würde...

„Das... ahm...“
Shinji trank einen Schluck Tee, überlegte, nickte dann.
„Ja, du hast Recht, diese eine Chance muß ich ihm... und mir... geben...“

„Ja.“

„Ahm... dein Finger?“

„Besser.“

„Gut... uhm, die Hausaufgaben...“

„Ja. Setz dich.“

„Ich habe nichts zum Schreiben, könntest du mir mit einem Stift und etwas Papier aushelfen?“

Rei öffnete die Tür des Vorratsschrankes.
„Bedien dich.“

Shinjis Unterkiefer klappte nach unten.
Der Schrank war von oben bis unten gefüllt mit Heften, Schreibblöcken, Federhaltern, Kugel-schreibern, Bleistiften und allem anderen, was in einer Schule benötigt wurde, wo kein alter Lehrer die Zeit damit totschlug, über den Second Impact zu erzählen.
„Das... das ist ziemlich viel...“

„Es handelt sich um den veranschlagten Gesamtbedarf an Materialien bis zum Abschluß der Schule... ich verbrauche nicht soviel, wie mir zugewiesen wurde.“

„Uh... ja...“
Shinji entnahm ein Heft, dessen Seiten er herausreißen konnte, sowie einen Stift, schloß die Schranktür wieder und setzte sich, während Rei ihr Aufgabenheft herausholte und offen auf den Tisch legte. Sie hatte wirklich eine sehr kleine Schrift, klein, aber dennoch sauber und les-bar.
Langsam entstand für Shinji ein Bild - sein Vater ließ nicht nur zu, daß Rei allein in dieser wahrscheinlich rattenverseuchten Bruchbude wohnte, er hatte ihr mit Sicherheit auch den ge-samten nichtverderblichen Bedarf zum Leben in den Korridor stellen lassen und sie dann im wahrsten Sinne des Wortes sich selbst überlassen.
Und dennoch vertraute sie ihm immer noch...

„Shinji-kun, können wir beginnen?“

„Uh, ja...“

Copyright of the Charakter by GAINAX / Text by Ulrich Alexander Schmidt