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Retelling a Story (Abzweigung 04)

Kapitel 25 - Tanz auf dem Vulkan

Geschrieben von Ulrich Alexander Schmidt

Legal Boilerplate:
Sämtliche Fehler in der Charakterisierung sind ganz allein mir selbst zuzurechnen.

Dieser FanFic enthält:
Spoiler, endlose langweilige Dialoge, Warm and Fuzzy Feelings, Asuka in Bestform, Sex, Drogen und sinnlose Gewalt

Ach ja, dies ist die FSK 16 - Version !
Nein, es gibt keine anderen Versionen.

Alle Figuren, die nicht Eigentum von GAINAX sind, sind frei erfunden, jede Ähnlichkeit mit lebenden, toten oder sonstigen Personen ist unbeabsichtigt und daher rein zufällig. Mich verklagen zu wollen, würde nichts bringen, schließlich habe ich kein Geld
Zu riesigen Problemen essen Sie bitte die Packungsbeilage und fragen Sie den Arzt Ihres Apothekers.

Misato Katsuragi, deren Jacke jetzt einen weiteren Streifen trug, erwartete die Piloten bereits mit Subkommandant Fuyutsuki im Besprechungsraum.
Kaji und Akagi fehlten, letzteres war der ebenfalls bereits anwesenden und in ihre PlugSuit ge-kleideten Asuka herzlich egal, ersteres jedoch nicht. Ihrer Ansicht nach war Ryoji Kaji der ein-zige Mensch, der sie wirklich verstand; Misato war zwar ganz nett, doch ihr gluckenhaftes Verhalten ging ihr kräftig auf die Nerven.
Als Shinji und Rei schließlich den Raum betraten, hatte Asuka für die beiden keinen Blick übrig. Es war ja kein Wunder, daß die Stadt über der Geofront immer wieder schwere Schäden hinnehmen mußte, wenn die beiden derart langsam waren, daß die Engel bis ins Stadtgebiet vordringen konnten!

Misato nickte Shinji zu, wandte sich dann dem Monitor zu, dieser zeigte einen Berg.
„Das ist der Asamayama, ein inaktiver Vulkan. Wir haben in den letzten Wochen immer wieder schwache Signale aus dieser Region aufgefangen, die auf das Vorhandensein eines Blauen Mu-ster hindeuteten. Mit Hilfe einiger Vulkanologen und einer Experimentalsonde konnten wir das Magma tief genug ausloten, um die Anwesenheit eines Engels bestätigen zu können. Der Engel ist inaktiv, laut den MAGI befindet er sich in einer Art Verpuppungsstadium. Kommandant Ikari hat die Anweisung des Komitees bestätigt, den Engel gefangenzunehmen. Wir werden also versuchen, ihn nach Möglichkeit lebend zu bergen und festzusetzen. Doktor Akagi hat hierfür einen Spezialkäfig konstruiert. Zur Zeit wird am Hang des Vulkans ein Basis-lager errichtet, von dem aus die Operation befehligt wird, alle drei EVAs werden sich vor Ort befinden, allerdings wird nur einer von euch mit seiner Einheit in den Vulkan selbst vordringen, um die Bergung durchzuführen.“

Asukas Arm schoß in die Höhe.
„Das mache ich!“ rief sie.

Rei bedachte sie mit einem schwer deutbaren Seitenblick.
Ihrer Ansicht nach bestanden gute Chancen, daß Soryu mit ihrer übereilten Handlungsweise bei der Operation versagte.

Misato zögerte kurz, nickte dann.
„Gut, Asuka, du übernimmst den Job. Doktor Akagi hat im Augenblick spezielle Schutzanzüge für dich und den EVA in Arbeit. Punkt zwölf Uhr mittag brechen wir auf. Die anderen beiden EVAs werden als Rückendeckung fungieren.“

„Die brauche ich nicht!“ erklärte Asuka. „Das schaffe ich allein.“

Misato warf ihr einen Blick zu, der nur eines aussagte: Wir machen es so, wie ich gesagt habe, oder du bist draußen.
„Asuka, du solltest zu Doktor Akagi in die Werkstatt gehen.“

„Okay.“
Mit weitausholenden Schritten verließ die Rothaarige den Raum.

„Uhm, und wir?“ fragte Shinji.

„Ihr beide fahrt mit mir, bis zwölf habt ihr frei, vielleicht wollt ihr noch ein bißchen Gepäck ho-len, vor morgen abend kommen wir garantiert nicht zurück.“

„Ja...“
Auch Shinji und Rei verließen den Besprechungsraum.

Fuyutsuki blickte Misato mit gerunzelter Stirn an.
„Kann ich kurz mit Ihnen sprechen, Major?“

„Sicher, Subkommandant.“

„Es geht um die beiden Kinder... Rei und Ikaris Sohn.“

„Ja...?“

„Ich frage mich, wann sie gedachten, mich oder Ikari darüber in Kenntnis zu setzen, daß die beiden zusammenwohnen...“

„Uhm... also, Sir, das...“

„Kein Grund zur Aufregung, Major. Es ist zwar alles andere als üblich, aber wenn ich Akagis letzte Berichte richtig deute und in Zusammenhang bringe, dürfte das der Grund für das An-steigen der Synchronraten der beiden sein. Von dieser Warte aus gesehen, kann ich schlecht et-was dagegen unternehmen. Nur Ikari wird das ganze bitter aufstoßen, er betrachtet Rei als sein Eigentum.“

„Wirklich?“

„Sonst hätte er kaum soviel Zeit und Ressourcen in sie investiert. Rei sollte für ihn die Engel bekämpfen, doch dann kam es bei den Aktivierungstests zu diesem Unfall und sie wurde ver-letzt, weshalb er seinen Sohn aus dem Exil zurückbeordern mußte... - Der Ausdruck Exil er-staunt Sie, Major?“

„Ja.“

„Er konnte ihn nicht mehr brauchen, also schickte er ihn fort.“

„Warum konnte der Kommandant seinen Sohn nicht mehr brauchen?“

Fuyutsuki schüttelte den Kopf.
„Es gibt Fragen, auf die Sie besser die Antwort nicht wissen sollten.“
Er konnte ihr ja nicht erzählen, daß Shinjis Mutter nur noch des Jungen wegen bei Ikari geblie-ben war...

„Wie Sie meinen, Sir.“

„Die beiden machen einen recht zufriedenen Eindruck auf mich... vielleicht sogar einen glückli-chen... aber das ist schwer zu sagen. Wissen Sie, ob bereits Kontakte intimer Art stattgefunden haben?“

„Ich... ahm, Sir, über derartiges habe ich mich nicht mit ihnen unterhalten.“

„Ja, natürlich.“
Fuyutsuki seufzte.
„Sie sind eigentlich noch zu jung... andererseits ist das hier kaum noch die Welt, in der ich auf-gewachsen bin... Gut, Major, solange Sie ihm nichts über die Angelegenheit sagen, wird Ikari von mir ebenfalls nichts darüber erfahren.“

„Zu Befehl.“ grinste Misato.

„Die beiden haben bereits viel für uns getan, daß es mir nur recht und billig erscheint, ihnen ein wenig Glück zu gönnen, solange dies noch möglich ist.“

*** NGE ***


Der Konvoi an Fahrzeugen wälzte sich über die Straßen, allen voran Misatos blauer Sportwa-gen, dem drei Schwertransporter und mehrere Geländewagen folgten, alle in olivgrün und mit dem NERV-Symbol an den Seiten, ferner wurde der Konvoi von zwei Hubschraubern beglei-tet.
In Misatos Wagen saß vorn auf dem Beifahrersitz Ritsuko Akagi, wie Misato hatte sie eine Sonnenbrille aufgesetzt. Aus dem Radio kam Musik, bei welcher die beiden Frauen mitsangen.
Auf dem Rücksitz saßen Shinji und Rei, beide schon in einem fast komaartigen Zustand von Misatos Fahrkünsten und dem unstimmigen Gesang.

„Ein Vulkan...“ überlegte Shinji laut. „Asuka will tatsächlich mit ihrem EVA in einen Vulkan springen...“

Ritsuko unterbrach ihren Gesang und warf einen Blick über die Schulter.
„Einer von euch mußte es machen, und sie hat sich freiwillig gemeldet, ist doch besser als Streichhölzer ziehen.“

„Uh, ja, aber hält der EVA das aus?“

„Tja, gute Frage, ist ja keiner von meinen...“
Als sie Shinji erschrockenen Gesichtsausdruck sah, lachte sie.
„So war das nicht gemeint. Die EVAs halten die Temperaturen schon aus, problematisch wird es nur mit dem Druck im Inneren des Vulkans, ich habe daher eine spezielle PlugSuit au hitze-abweisenden Material für Asuka und einen gekühlten Druckanzug für EVA-02 hergestellt.“

„Einfach so? Das... uhm... das ist beeindruckend.“

„Nein, so gut bin ich nun auch wieder nicht - aber ich arbeite daran. Wir haben bereits Ausrü-stung für die EVAs für Unterwassereinsätze, die ich etwas modifiziert habe, seitdem wir zum ersten Mal das Signal aus der Region des Vulkans aufgefangen haben. Von gestern auf heute hätte ich das nun doch nicht geschafft. Aber der Käfig für den Engel, der ist wirklich genial, wie ein Haikäfig, nur aus der gleichen Substanz, mit der auch die Panzerung der EVAs be-schichtet ist.“

„Ja, Ritsuko, wir sind alle schwer beeindruckt“, gähnte Misato. „Sag mal, am Fuße des Vul-kans gibt es doch heiße Quellen, oder?“

Ritsuko sah Misato genervt an.
„Ein Thermalbad, ja.“

„Super! Dann können wir dort feiern, wenn der Einsatz beendet ist.“

„Denkst du eigentlich nur ans Saufen?“

„Nein, manchmal denke ich auch an Kerle“, entgegnete Misato fröhlich.

Ritsuko seufzte laut.

Rei schwieg. Nur ihre Hand lag zwischen ihr und Shinji wie eine Aufforderung.
Und als Shinji sie endlich bemerkte, und als er endlich sein Zögern überwand und sie in seine Hand nahm, lehnte sie sich zurück und schloß die Augen.

„Schau mal, Misato!“ flüsterte Ritsuko und blickte bedeutsam in den Rückspiegel.

„Ui!“ Misato lächelte, als sie die beiden auf der Rückbank sah, beide mit geschlossenen Augen und scheinbar schlafend, dabei händchenhaltend.

„Gendo würde verrückt werden, wenn er das sehen könnte. Sein eigener Sohn und seine Lieb-lingspilotin, Hand in Hand!“

„Hm, einen durchgeknallten Kommandanten können wir uns nicht leisten, die Engel und Asuka reichen mir eigentlich.“

„Nun, dann sollte er es vielleicht nicht erfahren.“

„Stimmt, Ritsuko, stimmt...“
Misato grinste breit.
Anscheinend war sie wirklich nicht die einzige, welche die zwischen den beiden Teenagern auf-keimende Beziehung beschützen wollte...

*** NGE ***


Am späten Nachmittag desselben Tages stand Shinji mit EVA-01 am Rand des Vulkankraters.
Schräg hinter ihm stand EVA-00, beide waren an externe Energiequellen angeschlossen.
Wenn es glattging, würden sie nicht gebraucht werden, dann hatte das ganze für sie eher den Charakter einer Trainingsmission. Die Last der Gefahr lag ganz auf Asukas Schultern, welche sich immer noch in jenem Lkw aufhielt, in dessen Container sich Ritsuko Akagis transportable Werkstatt und die Kommandozentrale für den Einsatz befanden.

In Gedanken ging Shinji verschiedene Gleichungen durch, die er für den Physiktest in der näch-sten Woche benötigen würde, welcher als Schwerpunkt Thermodynamik haben würde.
Wenn man einen Gegenstand erwärmte, dehnte er sich aus...
Angesichts der Hitze im Inneren des Vulkans würde EVA-02 einen wirklich guten Schutzan-zug brauchen, oder er würde mächtig auseinandergehen...
„Was da wohl so lange dauern...“ murmelte Shinji.
Er sah auf dem kleinen Monitor, welcher das Bild aus dem EntryPlug des anderen EVAs über-trug, wie Rei mit den Schultern zuckte, eine Geste, die sie sich erst in letzter Zeit angeeignet hatte
Shinji war wirklich froh, daß weder er noch sie diesen Einsatz durchführen mußten, selbst wenn Akagi erklärt hatte, daß die EVAs zumindest einen kurzfristigen Kontakt mit der Lava überstehen konnten, ohne daß Gefahr für den jeweiligen Piloten bestand.

„Kanal drei.“ sagte Rei plötzlich.

„Uh? Ahm, Moment...“
Er nahm eine entsprechende Schaltung an einem der Regler neben den kleinen Monitoren der ComPhalanx vor. Eigentlich waren die Kanäle bereits eingestellt, mal sehen, was Rei entdeckt hatte...
Der Bildschirm blieb dunkel, allerdings drangen Stimmen aus dem Lautsprecher.

„Nein, das darf doch nicht wahr sein! Damit gehe ich nicht raus!“
Das war Asuka...

Shinji sah Rei fragend an, doch sie reagierte nicht, schien selbst konzentriert zu lauschen.

„Ohne den Schutzanzug kannst du nicht in den Plug, der Druck im Inneren des Vulkans würde dich zerquetschen, bevor dein EVA auch nur die erste Delle zeigt.“
Akagi...

„Aber so...“

„So ich den Einsatz einem der beiden anderen geben?“
Das war Misato, deren Stimme sehr resolut klang.

„Nein! Ich mache das... aber unter Protest!“

Eine Tür wurde zugeschlagen, dann erklang noch einmal Akagis Stimme:
„Warte erst, bis sie ihren EVA sieht...“

Shinji ließ EVA-01 eine Vierteldrehung machen, so daß er das Kommandomodul besser im Blick hatte.

Eine Tür an der Außenseite des Containers wurde geöffnet, ein roter Haarschopf lugte vorsich-tig ins Freie, ein knallrot angelaufenes Gesicht blickte nach links und rechts, dann huschte Asu-ka Soryu Langley an der Wand entlang auf den Transporter zu, auf dessen Ladefläche sich ihr EVA befand, überwand ein Stück offenen Geländes mit weiten Sprüngen und verschwand im Transportcontainer.

Shinji konnte nur mit großer Mühe ein lautes Lachen unterdrücken.
Asuka hatte einfach zu komisch ausgesehen... der Druckanzug, welcher von der Farbgebung her ihrer normalen PlugSuit ähnelte, war aufgeblasen gewesen wie ein Luftballon, so daß sie eher gehüpft als gelaufen war, gerade so, als hätte sie mit einem Schlag etwa fünfhundert Pfund an Gewicht zugelegt.
„Rei, hast du das gesehen?“ prustete er schließlich.

„Gesehen und aufgezeichnet.“ antwortete Rei in ihrer monotonsten Stimme.

„Uh... Bin ich froh, daß wir soetwas nicht tragen müssen...“

„Bestätigt, Shinji-kun. Das wäre äußert... hinderlich.“
Ihre Stimme bebte leicht, verriet, daß sie selbst ebenfalls vom Anblick Soryus belustigt gewe-sen war.

Der Transportcontainer öffnete sich, das Dach klappte auf, erlaubte dem EVANGELION sich aufzusetzen.

Shinji starrte den Hauptmonitor nur an.
Das wurde ja immer besser...

EVA-02 steckte in einem riesigen roten Taucheranzug, der an verschiedenen Stellen viel zu weit war. Langsam kletterte er von der Ladefläche, ging dabei leicht geduckt, als wollte er nicht gesehen werden. Aus der Steuerkapsel kam noch kein Funksignal, anscheinend war Asuka nicht gerade nach Gesprächen zumute.
Umständlich befestigte EVA-02 zuerst das Kabel der externen Energieversorgung, dann insge-samt vier Leitungen für Kühlflüssigkeit und ein Halteseil am Rückentornister.
Und schließlich ging Asuka selbst online und ihr Bild erschien auf einem der Monitore.

„Wehe, irgendwer lacht“, knurrte sie und ließ ihren EVA mit weiten Schritten auf den Krater-rand zutreten.

Misato gab das Signal zum Beginn der Operation.
Ziel war die Gefangennahme des Zieles: Sandarphone...

*** NGE ***


Der Abstieg in den Vulkan verlief ohne Komplikationen, die Schutzmaßnahmen erwiesen sich als äußerst wirksam, in Asukas EntryPlug kletterte die Temperatur auf 40° Celsius und ver-blieb dort.
Langsam wurde sie tiefer in die flüssige Lava hinabgelassen, bis sie schließlich in Sichtweite des Engels kam.

„Das sieht aus wie ein großes Ei!“ vermeldete sie keuchend.

„Benutz jetzt den Käfig, wir holen euch beide dann wieder raus!“ wies Misato an.

„Okay. ´Kann´s kaum erwarten, hier wieder rauszukommen...“
Sie brachte den Käfig in Position.
„Hab ihn! Holt mich hoch!“

Da brach das Ei auf...

*** NGE ***


Für die Menschen an der Oberfläche, welche die Übertragung des EVAs in der Tiefe beobach-teten, hatte der Engel nur schattenhafte Umrisse, Asuka vermeldete allerdings eine starke Ähn-lichkeit mit dem Riesenfisch, den sie bekämpft hatte.
Offenkundig war der Engel erwacht. Und ebenso offenkundig war er in den ersten Minuten sei-ner Existenz um einiges gewachsen. Die Hitze und der Druck im Inneren des Vulkans schienen ihm nicht auszumachen, im Gegenteil, er schien sich völlig in seinem Element zu befinden, je-denfalls ging er fast sofort zum Angriff über, zerfetzte den Käfig, mit dem er an die Oberfläche hätte gebracht werden sollen, und zerrte EVA-02 in seiner Strömung mit sich.

Die Bilder, die EVA-02 sendete, wurden unscharf und grobkörnig, obwohl Doktor Akagi in-zwischen mehrere Signalverstärker zwischengeschaltet hatte.
Die Kabel und Leitungen auf ihren überdimensionalen Spulen wickelten sich beängstigend schnell ab, dann gab es einen Ruck, als das Kabel der Energieversorgung mit seinen 1000m ab-gespult war und straff in der Luft hing.

Aus den Lautsprechern kamen verzerrt wütende Flüche, zwischen denen Asuka das Verhalten des Engels beschrieb.

„Er kommt auch mich zu... verfehlt... nein... Verdammter Dreck!“

Einer der Kühlflüssigkeitsschläuche hing schlaff durch.

„Asuka, wir holen dich hoch!“ rief Misato. Zugleich begannen sich die Spulen des Versor-gungskabels, der Schläuche und des Halteseiles in umgekehrter Richtung zu drehen. „Shinji, Rei, macht euch bereit, um EVA-02 notfalls ´rauszuziehen!“

„Bestätigt.“ kam es von Rei.

„Ja, uhm, klar.“
Shinji starrte auf die Oberfläche des Lavasees im Krater, die Oberfläche schien völlig ruhig, verriet nichts von den Geschehnissen in der Tiefe. Ab und an stiegen Gasblasen an die Ober-fläche.
Was, wenn Asuka unterlag... wenn der Engel alle Verbindungen kappte und ihr EVA im Vul-kan versank... wären sie ohne die Rothaarige nicht viel besser dran? Er und Rei waren ein eingespielte Team, während Asuka eher ein Störfaktor war... war es nicht vielleicht besser, wenn sie verlor?

Dann wurde der zweite Schlauch durchtrennt, zugleich riß das Halteseil und der Aufstieg von EVA-02 kam ins Stocken, da niemand riskieren wollte, daß die beiden übrigen Schläuche ris-sen oder das Versorgungskabel sich vom Tornisteranschluß löste.

Shinji ließ EVA-01 am Kraterrand in die Knie gehen, während EVA-00 ein mitgebrachtes Posi-tronengewehr bereitmachte für den Fall, daß der Engel EVA-02 folgen sollte.
Die Synchronverbindungen der Piloten zu den EVAs waren auf ein Mindestmaß reduziert wor-den, um Rechnerkapazität in der Hinterhand behalten zu können, die Geräte des mobilen Kom-mandostandes waren alles andere als den MAGI gleichwertig.

„Ich brauche hier unten ein Messer! Mit irgendwas muß ich doch kämpfen!“
Asukas Stimme war nun wieder einigermaßen frei von Verzerrungen, die Übertragung der Außenkameras des Schutzanzuges zeigte jedoch nur ein unscharfes rotes Wabern.

„Shinji, wirf ihr dein PROG-Messer zu!“

„Ja...“
Er zog das Messer aus dem Schulterhalfter, holte aus.
Sein taktischer Bildschirm zeigte ihm die ungefähre Position des anderen EVANGELIONs.
Er zögerte.
War das nicht die Gelegenheit, Asuka loszuwerden?
Shinji blinzelte.

„Shinji, worauf wartest du? Wirf das Messer!“

Er versuchte, Misatos Stimme zu ignorieren.
Asuka mochte eine Nervensäge, ja, ein Miststück, sein, die ihm und Rei das Leben alles ande-re als angenehm machte... aber sie war auch ein Mensch... ein anderer EVA-Pilot...
Shinji schluckte.
Wenn er länger zögerte... oder absichtlich danebenwarf... dann würde er sich nie wieder um Asuka Gedanken machen brauchen... nein, das war falsch... ganz im Gegenteil... wahrschein-lich würde er nie wieder Ruhe finden mit einer solchen Tat auf seinem Gewissen...
Hätte er doch nur Zeit, weiter abzuwägen... oder würde doch nur Rei etwas sagen...
Er konnte nicht untätig bleiben... konnte nicht einfach abwarten, bis der Engel EVA-02 erledigt hatte...
Dann schleuderte er das Messer...

Asukas Reaktion war zu entnehmen, daß sie das Messer aufgefangen hatte.
„Sein Panzer ist zu dick!“

„Natürlich“, mischte sich erstmals Ritsuko Akagi ein. „Er ist imstande, bei den dort unten herr-schenden Druck- und Hitzeverhältnissen zu überleben.“

Im nächsten Moment hing plötzlich das Kabel der Energieversorgung durch.

„Misato, er hat das Kabel durchgebissen! Der Druckanzug des EVA...“

„Asuka, die Kühlflüssigkeit!“

„Was? - Ja! - Friß das!“
Die dritte Kühlflüssigkeitsleitung hing plötzlich durch, als Asuka sie von sich aus durchtrennte und dem heranjagenden Engel direkt in das weitaufgerissene Maul stieß. Der Engel blähte sich auf und zerplatzte wie eine Seifenblase, als er mit dem eisigen Kühlmittel in Kontakt kam.

Shinji stieß die angehaltene Luft aus. Asuka hatte es geschafft! Jetzt mußten sie sie nur noch vorsichtig wieder nach oben ziehen...
Und dann sah er, wie direkt neben dem Fuß seines EVAs die letzte Leitung direkt an der Kra-terkante langsam auseinanderriß, wie das Material sich dehnte, wie erste Löcher entstanden, wie anstelle der dicken Leitung nur noch einzelne langgezogene Fasern den EVA im Vulkan hielten... und wie auch diese schließlich rissen...

Misato schrie auf, als der Computer Alarm schlug.

Asuka schrie auf, als ein plötzlicher Ruck durch EVA-02 ging.

Und Shinji handelte - und sprang in den Vulkankrater...

Rei schrie seinen Namen...

*** NGE ***


Einen Herzschlag später hatte EVA-01 das zerfetzte Ende von Asukas Schlauch in der Hand, spürte den Ruck, als sich sein eigenes Versorgungskabel straffte, da die entsprechende Trom-mel noch gesperrt war, so daß sie sich nicht abspulen konnte.
„Asuka... ich habe dich!“
Er hing wenige Meter über der Lava, aus dieser Perspektive waren die aufsteigenden Luftbla-sen, die an der Oberfläche zerplatzten, regelrecht beängstigend.
Ein Ruck ging durch seinen EVA, als sich der Stoppbolzen der Kabelspule löste.
Die Oberfläche des Lavasees kam rasend schnell näher.

„Baka-Shinji, was machst du denn?“ rief Asuka panikerfüllt.

Ein weiterer Ruck ging durch EVA-01, als dieser direkt über der Lava gebremst wurde.

„Ich habe dich, Shinji-kun.“ flüsterte Rei und begann, ihn nach oben zu ziehen.

„Sehr gut, Rei!“ rief Misato. „Du hast den ganz großen Fang gemacht!“

*** NGE ***


Für die vereinten Kräfte der beiden EVAs am Kraterrand war es eine Leichtigkeit, EVA-02 ebenfalls aus der Lava zu ziehen, nachdem EVA-00 EVA-01 über die Kante geholfen hatte.
Als EVA-02 wieder auf festem Boden stand, sah Asuka Shinji über die Com-Verbindung an und nickte ihm mit ernstem Gesicht zu.
„Danke, Shinji, ich schulde dir etwas.“

Shinji nickte nur zurück.

*** NGE ***


Das Team übernachtete in einer Herberge am Fuß des Berges, die EVAs würden noch in der Nacht unter dem Kommando Ritsuko Akagis wieder nach Tokio-3 zurückgebracht werden, während Misato mit den Piloten am nächsten Vormittag die Rückfahrt antreten wollte; eben-falls in der Herberge untergekommen waren die Ingenieure, welche die Einrichtungen am Kra-terrand aufgebaut hatten und in den nächsten beiden Tagen wieder demontieren würden.
Nach einem herzhaften Abendessen lud Misato ihre drei Schützlinge zu einem Bad in den heis-sen Quellen ein. Natürlich gab es getrennte Abteilungen für Männer und Frauen, so daß Shinji recht einsam in seiner Hälfte des Wassers hockte, während von der anderen Seite eines hohen Bretterzaunes lautes Johlen kam, als Misato und Asuka sich gegenseitig mit Wasser bespritz-ten.

Shinji watete an die Bretterwand heran, besah sie sich näher, doch wie er es sich gedacht hatte, gab es keine Löcher im Holz.

Es platschte und planschte auf der anderen Seite und Shinjis Phantasie lieferte ihm die entspre-chenden Bilder weiblicher gutgebauter Wesen, die spitterfasernackt im Wasser herumtobten.
Im nächsten Augenblick war er wirklich froh, alleinzusein, wünschte sich aber trotzdem eine Badehose...
Verdammte thermische Ausdehnung...

„Major Katsuragi?“

Shinji horchte auf, als er Reis Stimme hörte, bis jetzt war er sich nicht sicher gewesen, ob sie sich ebenfalls auf der anderen Seite im Wasser befand.

„Ja, Rei?“

„Weshalb ist Shinji-kun nicht hier bei uns?“

Auf seiner Seite des Zaunes lief Shinji rot an.
Die Tatsache, daß ihm das Blut in den Kopf schoß, beseitigte zugleich seine anderweitigen Probleme.

„Ähm, Rei...“ setzte Misato an.

„Weil das gegen die Regeln wäre, Wondergirl!“ fauchte Asuka.
Dann machte es ´Plantsch!´.
„Misato, hör auf, mich von hinten...“
Wieder machte es ´Plantsch!´

„Welche Regeln, Pilot Soryu?“

„Die Regeln von Sitte und Anstand, Wondergirl! Er ist ein Junge, wir sind Mädchen, er hat auf unserer Seite nichts verloren.“

„Warum nicht?“

„Weil... weil... weil es nicht richtig ist... oder soll er dich nackt sehen?“

„Das hat er bereits.“

Mit einem Schlag war es still, sehr still.
Shinji glaubte, sein eigenes Herz überlaut in seiner Brust schlagen zu hören.

„Er hat... was?“

„Asuka, die beiden wohnen zusammen, da kann soetwas schon passieren...“ setzte Misato ner-vös an.

„Aber... aber das geht doch nicht! Das ist völlig falsch... Das ist obszön!

„Es stört mich nicht.“

„Das darf doch nicht wahr sein... Schlaft ihr etwa auch zusammen?“

„Ja, Soryu, das tun wir.“ erklärte Rei völlig ruhig. - Schließlich teilten sie und Shinji-kun sich wirklich ein Bett.

„Ah... ah... ah...“ kam es von Asuka.

Insgeheim bereitete Shinji sich auf eine Explosion vor und wich langsam von der Bretterwand zurück.

„Ich verstehe deine Aufregung nicht, Soryu.“

„Das... ich... warum interessiert mich überhaupt, was ihr beide macht? Die Musterschülerin und der Junge-ohne-Rückgrat!“

„Ich verstehe nicht, weshalb du Shinji-kun meinst erwähnen zu müssen.“

Asuka gab ein Schnauben von sich.

Wieder wurde es still.

Dann rief Asuka:
„Shinji, wirf mal die Seife ´rüber, du Perverser!“

„Ugh...“

„Ich will gar nicht wissen, was du da drüben machst, ich möchte nur die Seife.“

„Ja... kommt...“
Shinji watete zum Ufer und holte die Seife, holte aus und schleuderte sie über den Zaun.

Das erwartete Platschen allerdings blieb aus, kam erst später nach einem lauten ´Bonk´. Dafür platschte es dann zweimal.

„Oh, Gott! Asuka!“ rief Misato.

„W-was ist denn?“ stammelte Shinji und versuchte, ein Loch in die Bretterwand zu starren.

„Shinji-kun, ich möchte dich davon in Kenntnis setzen, daß du einen Volltreffer gelandet hast.“

„Ahm, wie... wie meinst du das, Rei?“

„Du hast Pilot Soryu getroffen. Es ist damit zu rechnen, daß sie ein blaues Auge davontragen wird.“

„Uh...“
Er war sowas von tot... Asuka würde ihn in der Luft zerreißen...
„Ich... ah... tut mir leid...“

Er hörte ein dumpfes Grollen, dessen Quelle nur Asuka sein konnte.

„Alles in Ordnung, Shinji. Das konntest du nun wirklich ahnen... - nicht wahr, Asuka?“

„Ja, ja... So gut ist er nun wirklich nicht...“

*** NGE ***


In der Herberge teilte Shinji sich ein Zimmer mit zwei Technikern, aber er konnte nicht schla-fen. Dies lag nicht daran, daß die beiden Erwachsenen ohrenbetäubend schnarchten, sondern er sich furchtbar einsam fühlte, viel zu sehr hatte er sich bereits an Reis Nähe in der Nacht ge-wöhnt.
Entsprechend müde war er während der Rückfahrt am nächsten Tag, wo er neben Rei auf der Rückbank saß. Schon kurz nach dem Aufbruch war er eingeschlafen, so daß er weder die wü-tenden Blicke bemerkte, die Asuka ihm immer wieder über die Schulter hinweg zuwarf - ihr eines Auge war tatsächlich von einem dunklen Veilchen umgeben -, noch daß Rei wieder lok-ker seine Hand hielt.

„Misato, die beiden sind doch nicht wirklich ein Paar, oder?“

„Warum nicht, Asuka?

„Aber stört dich das gar nicht? Sie sind doch auch EVA-Piloten und unterstehen deinem Kom-mando... und sie sind doch erst vierzehn...“

„Asuka, als ich vierzehn Jahre alt war, durfte ich den Second Impact näher miterleben, als mir lieb war. Du hast doch die Narbe gesehen, die quer über meinen Bauch verläuft, oder?!“

„Und was hat das mit den beiden zu tun?“

„Ihr drei... ihr riskiert bei jedem Einsatz eure Leben. Da denke ich, daß ihr auch alt genug seid, um bei manchen Dingen selbst entscheiden zu können. Und wenn uns im Gegenzug dafür ein Third Impact erspart bleibt, haben die beiden meinen Segen.“
Misato rückte ihre Sonnenbrille zurecht und drehte das Radio lauter, um anzuzeigen, daß für sie das Thema beendet war. Sie hatte ja auch noch am gestrigen Abend mit Rei gesprochen und erfahren, wie deren Aussage wirklich gemeint gewesen war...

Copyright of the Charakter by GAINAX / Text by Ulrich Alexander Schmidt