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Retelling a Story (Abzweigung 04)

Kapitel 32 - First Impact

Geschrieben von Ulrich Alexander Schmidt

Legal Boilerplate:
Sämtliche Fehler in der Charakterisierung sind ganz allein mir selbst zuzurechnen.

Dieser FanFic enthält:
Spoiler, endlose langweilige Dialoge, Warm and Fuzzy Feelings, Asuka in Bestform, Sex, Drogen und sinnlose Gewalt

Nein, es gibt keine anderen Versionen.

Alle Figuren, die nicht Eigentum von GAINAX sind, sind frei erfunden, jede Ähnlichkeit mit lebenden, toten oder sonstigen Personen ist unbeabsichtigt und daher rein zufällig. Mich verklagen zu wollen, würde nichts bringen, schließlich habe ich kein Geld
Zu riesigen Problemen essen Sie bitte die Packungsbeilage und fragen Sie den Arzt Ihres Apothekers.

In der Kommandozentrale von NERV herrschte Schweigen.
Nur aus den Lautsprechern kam ein leises Schluchzen, dessen Quelle die Pilotin von EVAN-GELION-Einheit-00 war.

Gendo Ikari lächelte hinter der Barriere seiner gefalteten Hände.
Die Ereignisse hatten eine unerwartete Wendung genommen, doch dafür würde es ihm jetzt leichtfallen, den Klon wieder unter seine Kontrolle zu bringen Ach ja, dies ist die FSK 16 - Version !
. Er mußte nur noch ein wenig warten und ihr dann bei bietender Gelegenheit väterlich die Hand auf die Schulter legen, als wollte er sie über ihren Verlust hinwegtrösten. Und dann...
...würde sie ADAMs Gegenwart spüren...
Ikaris Lächeln erlosch schlagartig, als ihm klarwurde, daß er diesen einen entscheidenden Punkt nicht bedacht hatte!

Kozo Fuyutsuki stützte sich schwer auf die Balustrade.
„Einfach weg... Die ganzen anderen Engel haben alle keinen Erfolg und dieser...“

Misato stand neben Ritsukos Konsole.
„Ritsuko, bitte... was...“

Akagi selbst hatte den Schock noch nicht verdaut, trotzdem zog sie bereits alle ihr zur Verfü-gung stehenden Register.
„Wir erhalten immer noch Signale von EVA-01! Zwar nur die Freund-Feind-Erkennung und ein schwaches Signal der Lebensversorgung des EntryPlugs, aber EVA-01 wurde nicht zer-stört!“

Misato beugte sich vor, las die Angaben selbst.
„Bist du dir ganz sicher? Shinji lebt?!“

„Und die anderen Signale... es ist die Freund-Feind-Erkennung von EVA-04!“

„Die Einheit, die mitsamt der US-Zweigstelle verschwunden ist?“

„Ja. Ich schätze, dieser Engel hier hat eine recht weite Reise hinter sich.“

„Aber - wie ist das möglich?“

„Ich habe bereits eine Theorie... der Schatten des Engels stellt eine Art Tor dar. Alles, was er sich einverleibt, landet dann im Inneren der Kugel.“

„Im Inneren... - Asuka, Beschuß einstellen! Hörst du? Nicht weiterfeuern!“

Brummend kam Asuka dem Befehl nach, hörte auf, Positronenladungen in den Himmel zu ja-gen.

Fuyutsuki richtete sich auf.
„Doktor Akagi, Ihnen ist bewußt, daß das Volumen des Engels, so wie wir ihn wahrnehmen, nicht ausreicht, um zwei EVAs und möglicherweise noch der US-Anlage und Gott-weiß-was Platz zu bieten?!“

„Natürlich, Professor. Aber vielleicht haben wir hier einen Beweis für die Existenz einer Dirac´schen See.“

Der Subcommander nickte.

„Dirac... was?“

„Eine Dirac´sche See, Misato, ist ein extradimensionaler Raum außerhalb unserer Realität... quasi ein Loch ohne Boden. Bisher war das ganze allerdings nur eine Theorie. Wenn ich aller-dings recht haben sollte, dann ist der Engel imstande, sich den Weg in die Geofront Stück für Stück zu öffnen, indem er sich einfach den Weg freifrißt.“

„Und wir können gar nichts tun?“

„Im Augenblick nicht, aber ich arbeite daran. Solange wir noch Signale von EVA-01 erhalten, ist Shinji nicht verloren.“

„Aber wo ist EVA-01? Der Engel ist von unserer Ortung verschwunden!“

„Er bewegt sich sehr schnell... im Augenblick befindet er sich fast im Orbit über der Stadt... ich benutze die MAGI zur Kreuzpeilung... hm, vielleicht kann man die Dirac´sche See knacken, in-dem man sie irgendwie umpolt...“

„Du willst den Engel zum Kotzen bringen?“

„Wäre doch eine Idee, oder?“

„Los, Ritsuko! Shinjis Leben hängt davon ab!“

„Ich weiß. Die Lebenserhaltung des Plugs hat nur für sechs Stunden Energie, danach wird das LCL nicht mehr gefiltert und verliert seine Atembarkeit!“

„So schnell?“

*** NGE ***


„Ich könnte versuchen, Shinji-kun mit einem Seil in die Dirac´sche See zu folgen.“ schlug Rei leise vor.
Noch immer saß sie im EntryPlug von EVA-00, der immer noch auf dem Boden kniete. Tränen liefen aus ihren Augen, wurden sofort vom LCL fortgewaschen.
Die Worte des Doktors hatten einen kleinen Hoffnungsschimmer erzeugt.

„Nein, Rei, dem Seil würde es genauso ergehen, wie dem Versorgungskabel - sobald der Engel den Zugang verschließt, würde es gekappt werden.“

„Und wenn ich schnell genug...“

„Rei...“
Akagi, die sich mittlerweile in die interne Kommunikation eingeklinkt hatte, schüttelte den Kopf, sah Rei bedauernd an.
„Wir wissen nichts über die Gegebenheiten im Inneren des Engels, alles was aus einer solchen Aktion resultieren könnte, ist der Verlust einer weiteren Einheit.“

Rei setzte zum Protest an.
Immerhin wäre sie dann bei Shinji-kun... wie mochte es ihm gerade ergehen, was mochte er fühlen?
Seit er und EVA-01 verschwunden waren, verspürte sie eine quälende Leere in ihrem Herzen, einen Schmerz, welcher ihr das Atmen erschwerte, so als ob ihre Seele entzweigerissen worden wäre.
Sie konnte nur warten, daß der Doktor einen Weg fand... doch sollte Shinji-kun etwas zustoßen, dann würde sie den Engel mit eigenen Händen zerreißen, egal, welche Folgen es haben würde, wenn sie der Dunkelheit im Inneren ihres EVAs nachgab...

*** NGE ***


Shinji war kalt, das LCL im Inneren des Plug hatte nur noch eine Temperatur von knapp 13° Celsius.
Er hatte die Knie angezogen und schlotterte am ganzen Leib, da das Material seiner PlugSuit von der Flüssigkeit getränkt war, hätte er genausogut nackt sein können.
Die Ladung der Akkus war längst aufgebraucht, nur die Energie des Lebenserhaltungssystems sorgte noch dafür, daß das LCL gereinigt und aufbereitet wurde. Vor ihm blinkte ein Count-down, der bei sechs Stunden begonnen hatte und nun bereits zur Hälfte abgelaufen war.
Drei Stunden waren vergangen, seit der Engel ihn verschlungen hatte...
Seit drei Stunden befand er sich in einer Umgebung, welche der taktische Computer als absolut lebensfeindlich klassifiziert hatte, bevor ihm der Saft ausgegangen war und die Systeme des Plugs auf Minimalkonfiguration umgeschaltet hatten, um den Piloten so lange wie möglich am Leben zu erhalten.
Draußen, außerhalb des Plugs, gab es nur eine tintige träge Flüssigkeit, das Medium, in dem EVA-01 schwamm. Es gab kein Oben und kein Unten, gleich nachdem Shinji sich an diesem Ort wiedergefunden hatte, hatte er versucht, sich herumzuwerfen und wieder hinauszugelan-gen, hatte jedoch feststellen müssen, daß sich hinter ihm ebenfalls nur dunkle Flüssigkeit be-funden hatte. Die Computer hatten Daten gesammelt und analysiert, solange sie noch Energie hatten, hatten ihm schließlich mitgeteilt, daß er sich in einem Raum mit unendlicher Ausdeh-nung befand.
Unendlich...
Selbst wenn der EVA noch Energie gehabt hätte, selbst wenn er eine Ewigkeit geradeaus ge-schwommen wäre... die Grenzen der Unendlichkeit hätte er niemals erreichen können...
Es gab keinen Weg hinaus... keinen Weg zurück...
Er würde Rei-chan niemals wiedersehen...

In der kurzen Zeit, in welcher er über die Synchronverbindung noch durch die Augen des EVAs hatte sehen können, hatte er erkennen können, daß er nicht allein in der dunklen Flüs-sigkeit war. Um ihn herum trieben Gegenstände... Autos, Straßenlaternen, Pflanzen samt ihrer Erde, Asphaltstücke... Stahlpfeiler... ganze Gebäude... und Leichen...
Er hatte geschrieen, als direkt vor ihm die Leiche eines Mannes in einem Wissenschaftlerkittel vorbeigetrieben war, die Haut bläulich aufgedunsen... es war nicht bei diesem einzigen Toten geblieben, aber wenigstens war er noch in einem Stück gewesen...
Und er hatte vermeint, am Rande seines Sichtfeldes den zerfetzten Körper eines EVANGE-LIONs zu erkennen...

Jetzt saß er seit einer halben Stunde in der Dunkelheit, nur die Energieanzeige vor ihm gab et-was Licht ab.
Wie lange mochten die Toten schon dort draußen herumschwimmen?
Und hatte er wirklich einen EVA, oder dessen Reste, gesehen?
Welche Schrecken befanden sich vielleicht noch dort draußen, was alles mochte der Engel noch verschlungen haben?
Wenn doch nur Rei-chan bei ihm wäre... nein, das sollte er sich nicht wünschen, denn dann hätte sie sich in derselben Lage befunden... es war gut, daß Asuka sie aufgehalten hatte...

Da nahm Shinji etwas wahr, eine schwache Präsenz... es war, als würde jemand leise gegen die Pforten seines Verstandes klopfen und um Einlaß bitten... jemand, der die gleiche Angst ver-spürte wie er... nein, nicht jemand, etwas...
Es war EVA-01...
Der EVANGELION baute von sich aus eine Synchronisation zu seinem Piloten auf!
Shinji öffnete sich den Impulsen, selbst die Gegenwart der Bestie, die in EVA-01 lauerte, war besser als die Einsamkeit, die er verspürte. Doch was er verspürte, waren weder Hunger nach Leben, noch der Wunsch zu zerstören, sondern der Wille zu überleben!
Der EVA teilte sich ihm in Bildern mit, benutzte seine eigenen Erinnerungen, um sich ihm ver-ständlich zu machen, schlug ihm einen Weg vor, wie sie vielleicht gemeinsam überleben konn-ten... schlug ihm vor, mit dem EVA eins zu werden...

In rascher Abfolge sah Shinji Gesichter, es dauerte ein wenig, bis er einzelne hinausfiltern konnte. Da war Misato in der knappsten Kleidung, in der er sich erinnern konnte, sie gesehen zu haben. Dann war da Asuka, nicht in ihrer gemeinen teuflischen Version, sondern in der en-gelsgleichen Version, die sie ihm in den ersten Tagen vorgespielt hatte, wie sie sich wie zufällig vorbeugte und ihm einen Blick in ihren Ausschnitt erlaubte. Und dann war da Rei, die plötzlich auf seinen Oberschenkeln zu sitzen schien und ihren Büstenhalter ablegte... sie alle forderten ihn auf, sich mit ihnen zu vereinen... die Bilder wirbelten schneller und schneller durch seinen Geist, der EVA schien seine Reaktion zu analysieren, sortierte bald Asuka aus, dann Misato, bis nur noch Rei-chan übrigblieb... Rei-chan im Waschraum unter der Dusche... Rei-chan, de-ren Gesicht sich langsam dem seinen näherte, um ihn zu küssen... Rei-chan, die ihn umarmte... Rei-chan, die nackt unter ihm lag, eine Erinnerung an jenen Tag, an dem er ihr ihre neue ID-Karte hatte bringen wollen, die sich jetzt jedoch veränderte, denn sie sah ihn nicht emotionslo an, sondern zog ihn plötzlich nach unten, vergrub eine Hand in seinem Haar, küßte ihn... flü-sterte ihm zu, mit ihr eins zu werden...

„Ja...“ wisperte Shinji.
Wenn so die Ewigkeit aussah...
Dann nahm er ein grelles Licht wahr, welches nur in seinem Geist existierte, die Bilder jedoch gnadenlos fortbrannte, nahm eine weitere Präsenz wahr... eine Präsenz, die ihm nicht unbe-kannt war, die er bereits früher in EVA-01 verspürt hatte... als ob zwei Seelen in dem EVAN-GELION wohnten, einmal die Persönlichkeit der Künstlichen Intelligenz und dann noch etwas anderes...

„Es gibt noch Hoffnung...“ flüsterte die andere Stimme.

Die Bilder erloschen vollends, stattdessen stellte Shinji fest, daß er sich wieder in Synchronität mit dem EVA befand, daß er wieder durch seine Augen sehen konnte. Einige der Instrumente vor ihm leuchteten auf, zugleich gab die Energieanzeige einen weitaus schnelleren Verbrauch an.

Aus den Lautsprechern kam erst ein Knacken, dann ein Flüstern.
„Benötige Hilfe... Energie fast aufgebraucht...“
Eine leise Stimme...

Shinjis Hände verkrampften sich um die Armlehnen seines Sitzes.
Da war noch jemand im Inneren des Engels!
„Wer... wer ist da?“

„Hört mich jemand?“
Die Stimme klang jung und ängstlich.

„Ja... wer bist du?“

„Kaworu... Kaworu Nagisa... Fifth Children... Pilot von EVA-04... wer?“

„Ich... ah... ich bin Shinji... ah... ich bin mit EVA-01 hier...“

„Dann sitzt du auch fest? Ich bin schon so lange hier... Tage... Wochen... nur Stille und Kälte...“

„Wo...“
Da sah Shinji den anderen EVA, einen grauen Riesen mit drei nebeneinanderliegenden Augen, oder besser, was davon noch übrig war. Der EVA hatte keine Beine mehr und nur noch einen Arm, ebenso fehlte ein Teil des Rumpfes.
„Ich sehe dich!“

„Hast du noch... Kontakt zu deiner Einheit?“

„Ja, etwas...“
EVA-01 setzte sich in Bewegung, machte ungeschickte Schwimmbewegungen, ruderte mit den Armen, überwand die Distanz.
„Ich bin gleich bei dir.“
Das Gespräch lenkte Shinji von seinen eigenen Problemen ab, mittlerweile war die Notenergie zu zwei Dritteln aufgebraucht, der EVA benötigte viel mehr Energie für ein paar Bewegungen, als die Lebenserhaltung in ein paar Stunden.
Er erreichte den anderen EVA, packte diesen am Oberarm.
„Bist du in Ordnung?“

„Ich bin... unverletzt...“

„Wie bist du hierher gekommen?“

„Schatten... plötzlich wurde es dunkel... Schreie...“
Die Verbindung wurde schlechter.
„Kaum noch... Energie...“

„Kaworu... sprich weiter!“ schrie Shinji, der seinen Verstand langsam zu verlieren glaubte, der sich wie verzweifelt an diese leise Stimme klammerte, die aus dem Lautsprecher kam.

„Kein Ausweg...“

„Hör zu... ich habe noch etwas Energie... gib nicht auf! Ich suche nach einem Ausweg!“

Die Anzeige der Notenergie raste dem Nullwert entgegen, als wollte sie ihn der Lüge bezeich-nen.
Die Umwälzpumpen kamen ins Stocken, arbeiteten langsamer, hielten dann an...

Noch einmal versuchte der EVA ihn dazu zu überreden, sich mit ihm zu vereinen, verstummte dann ebenfalls, übermittelte Shinji ein letztes Bild, das Bild eines Menschen, der von einer Flutwelle erfaßt und gegen eine Betonwand geschleudert wurde... eine Erinnerung der digita-lisierten Persönlichkeit, welche das Herzstück der Grundprogrammierung bildete...

Und dann wurde es dunkel...

Zugleich glaubte Shinji, daß zahllose Finger nach seinem Geist griffen, daß im Augenblick seines Todes unzählige Hände sich bemühten, die Mauern um seinen Geist niederzureißen.
Und er sah...


*** NGE ***


Ein schier endloses Grün überzog die Landmassen der Erde. Die Kontinente lagen zum Teil anders als in der Gegenwart, Nordeuropa und Südamerika waren von Eis überzogen, wäh-rend die Antarktis nicht nur noch komplett eisfrei, sondern auch von einem dichten Dschungel überzogen war.
Und diesem Dschungel existierte Leben, ebenso wie auf der ganzen Welt Leben existierte, so-wohl über wie unter Wasser... intelligentes Leben...
Es waren keine Menschen, keine Abkömmlinge von Primaten, welche durch die Wälder streif-ten, welche aus Holz und Stein Städte errichteten, welche Metalle bearbeiteten, welche mit Booten über das Wasser fuhren oder in der Tiefe Siedlungen aus Korallen errichteten. Es wa-ren große aufrechtgehende Echsenwesen, die im Einklang mit ihrer Umwelt lebten, die nur jagten und töteten, um sich und ihresgleichen zu ernähren.
Ein Volk, welches keinen Krieg kannte...
Ein Volk, dessen Götter auf derselben Erde wandelten...
Die Echsenwesen verehrten ihre Götter in Schreinen und Tempeln, brachten ihnen kleine Opfergaben dar, welche sie selbst gefertigt hatte.
Und die Götter zeigten ihren Dank, indem sie ihrem Volk zur Seite standen...
In den Tiefen des Meeres verjagte GAGHIEL einen Schwarm Haie, der einer der Siedlungen der Unterwasserbewohner zu nahe gekommen war...
Über einer endlosen Savanne erzeugte RAMIEL ein Gewitter, welches einen Steppenbrand in wenigen Minuten löschte...
Bei einem Fest der Echsenwesen erschienen die ISRAFEL-Brüder überraschend und spielten zum Tanze auf...
Im dichtesten Urwald rang ein mächtiger Götter-Krieger einen Raubsaurier ohne Mühe nie-der, welcher ein Dorf bedroht hatte...
Und über allen wachte die Urmutter, aus der alles Leben hervorgegangen war, die ihren älte-ren Sprößlingen den Auftrag gegeben hatte, über ihre jüngeren Abkömmlinge zu wachen.
Die Bewohner des Dschungels, der Städte und der Meere priesen ihren Namen...
Ihr Name war LILITH.

Langsam entwickelte sich die Zivilisation der Echsen weiter, entdeckte das Rad und Methoden zur Verarbeitung von Eisen. Die Welt war groß genug, um ihnen Platz zu bieten, so daß Re-vierstreitigkeiten zwischen einzelnen Stämmen die Ausnahme blieben und schnell und unblutig geregelt wurden. Unter dem wachsamen Auge eines bleichschuppigen Echsenwesens mit roten Augen wurden Konflikte in hitzigen, aber friedlichen Wettkämpfen gelöst.

Doch der Frieden war nicht von Dauer.
In einer Nacht wurde ausgelöscht, was sich in Jahrtausenden entwickelt hatte.
Ein feuriger Stern fiel vom Himmel, machte die Nacht zum Tage, kündigte die Ankunft des Vernichters an, verkündete das Nahen von Armageddon...
Krachend schlug der Stern mitten in den Urwald, vernichtete eine der größten Städte des Echsenvolkes in der Sekunde seines Einschlages, setzte den Urwald in Brand, schleuderte ei-ne gewaltige Staubwolke empor, welche auf Jahrhunderte das Licht der Sterne verdunkeln würde, ließ die Erde erzittern.
Und aus den Flammen schritt ADAM, hinterließ feurige Spuren, vernichtete, was sich in seinem Weg befand, löschte die Kultur der Echsen aus.
Die Götter eilten herbei, um ihren Schützlingen, ihren jüngeren Halbgeschwistern, zur Seite zu stehen, doch sie wurden hinweggefegt wie Laub im Wind.
Die Meere brodelten, Berge spuckten Feuer aus.
Noch immer bebte die Erde, befand sich alles in Aufruhr.
Landmassen versanken im Ozean, andere tauchten aus der Tiefe auf.
Es war der Untergang der Welt...

Und ADAMs Lachen schallte durch den Äther, wie lange hatte er nach der Zuflucht seines abtrünnigen ersten Weibes und ihrer beider Kinder gesucht, die sich geweigert hatten, sich ihm unterzuordnen...
Der mächtigste der Götter trat ihm gegenüber, die beiden lieferten sich einen erbitterten Kampf, der sich Tage und Nächte hinzog, dabei weitere Zerstörungen anrichtete, die Welt selbst aus den Angeln hob...
Die letzten der Echsenwesen schrieen gepeinigt auf, als Feuer vom Himmel fiel und sie aus-löschte...

Schließlich schleuderte ADAM seinen Sohn fort, fügte ihm eine tiefe Wunde an der Brust zu, trat ihn über Berge und Täler, setzte nach, um den ungehorsamen endgültig zu bestrafen, so wie er alle seine abtrünnigen Kinder bestrafen würde, so wie er LILITH bestrafen würde. Daß er alles vernichtet hatte, was sie geschaffen hatten, genügte ihm bei weitem nicht.
Plötzlich sah er sich LILITH gegenüber, erstarrte für einen langen Augenblick.
Sie trat ihm nicht als demütige Büßerin entgegen, wie er es erwartet hatte, nicht als unterwür-figes Weib, sondern in der Gewandung einer Kriegerin. Ihr Haar von der Farbe des klaren Firmaments wehte im Sturmwind, ihr Gesicht verbarg sich hinter einer siebenäugigen Maske. Und in ihren Händen trug sie einen Speer mit doppelter Spitze.
LILITH stieß zu, rammte den Speer tief in ADAMs Leib, nagelte ihn an den Boden.
Dann wandte sie sich ab, ließ ihn zurück wie einen Haufen Abfall, um von ihren Kindern zu retten, welche noch zu retten waren.

Doch ADAM war nicht tot... er war geschlagen worden, er war gebannt worden, doch LILITH hatte ihn noch lange nicht besiegt...
Als die Brände sich gelegt hatten, kam das Eis und überzog die Erde, löschte alle Spuren der alten Kultur aus.
Im Laufe der nächsten Jahrhunderte senkte sich der aufgewirbelte Staub wieder aus der Atmosphäre nieder, erlaubte es den wärmenden Strahlen der Sonne, die Erde wieder zu er-reichen.
Langsam zog sich das Eis zurück, machte neuem Leben Platz.
Langsam breitete sich wieder pflanzliches Grün aus, als würden die Pflanzen aus einem lan-gen Winterschlaf erwachen.
Tiere fanden wieder genug Nahrung, vermehrten sich.
Zwischen den zahllosen Tierarten erschien eine, welche den ausgestorbenen Echsenwesen ent-fernt ähnelte, wie diese hatte sie zwei Arme und Beine und ging aufrecht, zuerst noch gebückt und sich zuweilen noch auf die langen Arme abstützend, dann im Laufe der Jahrtausende mehr und mehr ausschließlich auf den Hinterbeinen, während die Arme kürzer wurden, dafür Greifwerkzeuge ausbildeten.
Aus dumpfen Gegrunze wurden differenzierte Laute, als die Wesen eine Sprache entwickelten, nach langer Zeit erfanden sie die ersten Werkzeuge, beseitigten auch den letzten Zweifel da-ran, daß sie vielleicht nicht die neue vorherrschende Rasse sein würden.
Doch in ihren schlummerte ADAMs Saat, wie sich bald herausstellte.

Kaum hatten die frühen Menschen erste Werkzeuge entwickelt, benutzten sie diese als Waffen, um ihresgleichen zu unterwerfen oder einfach auszulösen. Ganze Seitenlinien der Spezie Mensch erloschen in kurzer Zeit, weil ihre Angehörigen sich nicht rasch genug an den Fort-schritt anpassen konnten, oder weil in ihnen das Erbe LILITHs zu stark war.
Und der Mensch machte sich die Erde untertan.
In seinem Schlaf lachte ADAM. Auch wenn LILITH ihn besiegt hatte, den Krieg würde er ge-winnen, er brauchte nur noch ein passendes Werkzeug, einen dieser Menschen, welcher von genug Machtgier getrieben wurde, um ihn wiederzuerwecken...

Im Zweistromtal von Euphrat und Tigris lebten Ewigkeiten später zwei Brüder, der eine betrieb Ackerbau, der andere Viehzucht. Beide huldigten dem Eingott ihres Volkes auf ihre Art, der Bauer brachte einen Teil seiner Ernte als Opfer, während der andere mehrere seiner Tiere schlachtete und den Al-tar mit ihrem Blut wusch.
In seinem Gefängnis unter einem Panzer aus Eis, das sich im Laufe der Jahrmillionen gebil-det hatte, regte ADAM sich, nahm unter größtem Einsatz seiner Kräfte Einfluß, ließ als Zei-chen seiner Gunst einen Sternenregen über dem Altar des Viehzüchters niedergehen.
Blut war Leben... und der Viehzüchter war von ihm ausersehen worden, einen neuen Kult zu bilden, welcher ihn letztendlich befreien würde.
Doch der andere, der Bauer, welcher unter Mühen dem kargen Boden die Ernte entrissen hat-te, ließ es nicht geschehen, griff in ADAMs Pläne ein, ohne es zu wissen. Angetrieben von Neid auf seinen Bruder, den der gemeinsame Gott mit seiner Gunst überschüttete, während er ihn ignorierte, stürmte er auf seinen Bruder zu, einen spitzen Stein in den Händen.
So erschlug Kain seinen Bruder Abel, nicht der erste und auch nicht der letzte Brudermord in der Geschichte der Menschheit, doch für ADAM ein deutliches Zeichen, daß die Menschen genug Potenzial besaßen, um einen wichtigen Teil in seiner endgültigen Rache an LILITH und ihrer Brut zu nehmen.
Er mußte nur warten... und er hatte Zeit...

*** NGE ***


„Er hat alles gesehen, was ich ihm zeigen sollte“, flüsterte Leriels Stimme im Bewußtsein seines Bruders, der glaubte, daß sein Kopf platzen würde, daß der Körper des Lilim, den er sich ausgeborgt hatte, in der Gegenwart seines älteren Bruders einfach vergehen würde.

„Dann ist es an der Zeit.“

„Dein Plan hat viele Unsicherheiten, Tabris.“

„Ich weiß.“

„Und vielleicht ist er der falsche.“

„Shinji Ikari hat gezeigt, daß er mir... daß er dem Lilim namens Kaworu... helfen wollte. Das ist zumindest ein Anfang.“

„Ja.“

„Unsere Brüder werden sich um die anderen Lilim kümmern, welche diese Kampfmaschinen steuern. Wenn wir jene, die die Waffen bedienen, überzeugen können, uns zu helfen, wird Mutter bald frei sein.“

„Ich teile deinen Optimismus nicht, das ist eine Angewohnheit der Lilim, Tabris. Verliere dich nicht!“

„Ich werde aufpassen, großer Bruder.“

„Gut. Dann ist es wohl an der Zeit, diese Ebene zu verlassen.“

„Ja, Leriel.“

„Werden meine Schmerzen groß sein?“

„Ich weiß es nicht.“

„Ich wünsche dir Erfolg.“

„Wir werden uns wiedersehen.“

„Natürlich.“

*** NGE ***


Vor EVA-01 entstand eine leuchtende Kugel. Sie pulsierte leicht.

Das Herz des Engels...
Shinji hatte Mühe, den Gedankengang zu Ende zu führen, eigentlich wollte er nur schlafen.
Die Kälte und der Sauerstoffmangel machten ihn ganz schläfrig.

Fast erloschen war auch das Bewußtsein des EVAs, wurde nur von einem dumpfen Hunger existend erhalten. Leise flüsterte es Shinji zu, seine Kräfte mit ihm zu vereinen, gemeinsam den Kern des Engels zu zerreißen...

Shinji reagierte nicht.
Sein unter Sauerstoffentzug leidendes Hirn gaukelte ihm Trugbilder vor, er befand sich wieder bei Rei-chan, lag in ihren Armen, nahm den Geruch ihres Haars wahr, spürte ihre seidige Haut unter seinen Händen, hörte sie leise Worte in sein Ohr flüstern, die er nicht verstand...
Langsam driftete er weg.

Über die Oberfläche der pulsierenden Kugel zuckten plötzlich Blitze, kleine und große, wan-derten fort und erloschen. Und dann schoß ein kräftiger Überschlagblitz vor, schlug in die Brust von EVA-01.

Mit einem Schlag sprangen die Umwälzpumpen wieder an, aktivierten sich alle Instrumente und Geräte im EntryPlug, wurde die Synchronverbindung voll hochgefahren, als die Akkus sich mit Energie vollsogen!
EVA-01 brüllte auf!
Der Blutdurst erwachte mit voller Kraft, riß Shinji mit sich, der keine Kraft mehr hatte, Wi-derstand zu leisten.
Wuchtig schlug die Faust des EVAs mitten in das Herz des Engels, riß es auseinander.
Dahinter entstand ein Loch, ein gewaltiger Riß mitten im Nichts, von dem ein starker Sog ausging.
EVA-01 fetzte das Herz des Engels weiter auseinander, bemerkte gar nicht, daß es längst erloschen war, daß Leriels Präsenz nur noch ein Schatten war, da der Engel selbst sich in-zwischen mit fast seiner ganzen Essenz in seine eigene Sphäre zurückgezogen hatte. Und zugleich erweiterte der EVANGELION den Riß, zerrte dann EVA-04 mit sich, fetzte die Öffnung weit genug auseinander, daß er hindurchpaßte, stieß wieder ein lautes Brüllen aus...

*** NGE ***


„Ich habe ihn! Sektor T-7!“ rief Ritsuko, unterbrach das betretene Schweigen, welches sich erneut in der Zentrale breitgemacht hatte, nachdem sie verkündet hatte, daß die Lebenserhal-tung von EVA-01 ausgefallen war.

„Auf den Schirm!“ befahl Fuyutsuki, überging dabei ohne nachzudenken Gendo Ikari, der dumpf brütend hinter seinem Tisch im Kommandostand saß und über die gefalteten Hände hinwegstarrte.

Der ganze Monitor zeigte eine ganze Reihe von Dingen:
Sektor T-7 lag am Stadtrand, bezeichnete eine Gegend, in welcher nur Lagerhäuser standen.
Über den Lagerhallen schwebte der schwarz-weiße Ball des Zieles: Leriel.

EVA-00 war im gleichen Augenblick losgerannt, als Doktor Akagi das Ergebnis der Ortung mitgeteilt hatte. In Rei regte sich keine Emotion - seitdem Akagi erklärt hatte, daß Shinji-kun Lebenserhaltung ausgefallen war, fühlte sie sich innerlich nicht nur leer, sondern beinahe schon tot.
Der Engel würde dafür bezahlen, was er getan hatte...

EVA-02 war EVA-00 dicht auf den Fersen, doch Reis Vorsprung wuchs, da Asuka unterwegs zweimal die Versorgungskabel auswechselte, während EVA-00 auf seinen Akkus lief.

Die schwarz-weiße Kugel platzte auf!
Die Oberfläche riß wie unter starkem Druck auf, gleich darauf erschien ein Paar Hände, die den Riß erweiterten.
Dunkle brodelnde Flüssigkeit ergoß sich auf die Häuser und Straßen, Gegenstände wurden aus dem Inneren des Engels hinausgespült, klatschten auf den Boden, wurden weitergespült von den nachfolgenden Flüssigkeitsmassen.

EVA-01 brüllte auf, machte allen klar, daß er gesiegt hatte!
Dann sprang er aus der Öffnung, zerrte dabei die Reste von EVA-04 mit sich, schleppte sich und den halbzerstörten EVA noch weiter, fort aus der unmittelbaren Zone, in welcher da In-nere des Engels niederging.

Der Strom ließ nach, nur noch tröpfchenweise quoll Flüssigkeit aus dem Riß.
Etwas schien ihn zu verstopfen!
Teilweise war die Unterseite eines Gebäudes zu sehen.

EVA-02 eröffnete das Feuer, nahm den Engel unter Beschuß.
Jeder Schuß war ein Treffer, wurde von keinem AT-Feld aufgehalten, schlug ungehindert in den Ball ein.
Leriel explodierte, überschüttete die ganze Stadt mit Trümmern und seinem Blut...

Rei rannte EVA-01 entgegen.
„Shinji! Shinji-kun, hörst du mich?!“

EVA-01 hob den Kopf, sah sie mit dämonisch-glühenden Augen an, schien sein Gesicht zu ei-nem Grinsen zu verziehen.

Ihr wurde klar, daß es nicht Shinji-kun war, der den EVA kontrollierte...

Das Glühen erlosch.
Der EVA knickte ein, stürzte nach vorn.

*** NGE ***


„Keine Schäden an EVA-01. Lebenszeichen des Piloten stabil! EVA-04 jenseits der Hayflick-Grenze. Lebenszeichen des Piloten schwach!“ meldete Ritsuko Akagi mit mühsam aufrechter-haltener äußerer Ruhe, während um sie herum die Zentrale sich in einen Bienenstock verwan-delte.

„Überschwemmungen im Südteil der Stadt. Die Kanalisation wird mit diesen Mengen nicht fer-tig! Alle Teams sind unterwegs, um die Schäden zu beseitigen und einer biologischen Kontami-nation vorzubeugen!“ vermeldete Shigeru Aoba.

„Besteht Kontakt zu den EntryPlugs?“ fragte Fuyutsuki.

„Negativ, Sir. Weder Shinji noch EVA-04 antworten.“

Misato eilte hinaus, traf auf dem Flur Kaji, der ebenfalls in Richtung der Garage unterwegs war.

*** NGE ***


Rei leitete bei EVA-04 die manuelle Evakuierung des Plugs ein, indem sie den Verschluß im Nacken des zerstörten EVAs öffnete und mit den Händen von EVA-00 den Plug herauszog, genauso wie sie es bereits bei EVA-01 getan hatte. Sie legte den geborgenen Plug neben Shin-ji-kuns, während sie die ganze Zeit über versuchte, Kontakt zu Shinji aufzunehmen. Doch die-ser schwieg.

Die Aufräumteams waren inzwischen ebenso eingetroffen wie Sanitäter, Ärzte und Techniker.
Die beiden Piloten wurden aus den Plugs geborgen.
Rei hatte nur Augen für Shinji-kun, ignorierte den anderen Piloten völlig.
Jemand hob Shinji-kun gerade aus dem Plug, reichte ihn an einen Sanitäter weiter, der draußen stand und ihn auf eine Liege verfrachtete.
Rei zoomte heran auf sein Gesicht.
Wie blaß er war...
Shinji-kun hatte die Augen geschlossen... hoffentlich schlief er nur vor Erschöpfung... hoffent-lich wachte er gleich auf...
Die Energie ihres EVAs war zu Ende. Im letzten Moment evakuierte sie ihren EntryPlug und verließ EVA-00.

Der Krankenwagen mit Shinji wollte gerade abfahren, als Rei herangelaufen kam, ihre PlugSuit und ihre Haut waren von einem LCL-Film bedeckt und sie hinterließ feuchte Fußabdrücke.
„Nehmen Sie mich mit!“

Wortlos öffnete der Sanitäter noch einmal die Ladetür, ließ sie hineinklettern.

Shinji-kun lag ausgestreckt auf der Liege, eine Sauerstoffmaske über dem unteren Teil seines Gesichts, hatte die Augen immer noch geschlossen.
Rei verspürte Angst, doch zugleich nahm sie seine Gegenwart wahr, welche die Leere in ihrem Herzen füllte.
„Was ist mit ihm?“ fragte sie den Arzt, der neben ihm hockte, während der Wagen sich in Be-wegung setzte.

„Unterkühlung und Anzeichen für Sauerstoffmangel.“

„Shinji-kun...“ flüsterte sie.

„Wir bringen die beiden gleich ins städtische Krankenhaus, die Fahrt in die Geofront dauert viel zu lange.“

„Ja.“

*** NGE ***


EVA-02 stand inmitten des Geschehens wie ein stummer Wächter, zu dessen Füßen ein Amei-senstaat den Tagesgeschäften nachging.
Die Straßen waren überschwemmt von einer dunkelblauen Brühe, überall lagen irgendwelche Trümmerstücke - auf dem Dach einer Lagerhalle stand ein von blauem Schleim überzogenes Auto - dazwischen die eine oder andere Leiche. Letztere wurden inzwischen von Männer und Frauen in hermetisch abgeschlossenen Schutzanzügen geborgen und in Leichensäcke verfrach-tet.
Der dunklen Brühe Herr zu werden, versuchten sie gar nicht erst, sämtliche Tankwagen der Stadt waren nicht imstande, diese Mengen abzupumpen. Allerdings wurden Proben genommen und eiligst an die Labore in der Geofront weitergeleitet, um den Stoff auf seine mögliche Ge-fährlichkeit hin zu analysieren.

Asuka saß mit vor der Brust verschränkten Armen in ihrem Pilotensitz.
War ja klar gewesen, daß Ikari sich die ganze Show sicherte... vielleicht hatte er sich sogar ab-sichtlich verschlingen lassen, um den Engel von Innen heraus auseinanderzunehmen, so hatte sie selbst es ja auch mit dem Riesenfisch gemacht... verfluchter Nachahmer!
Und Wondergirl war jetzt auch weg... Shinji-kun, Shinji-kun... dieses Süßholzgeraspel machte Asuka ganz krank, das war doch ohnehin alles nur Lüge...
Wenn Ikari nicht zurückgekommen wäre, dann wäre sie wieder die Nummer Eins gewesen, sie, Asuka Soryu Langley...

*** NGE ***


Misato und Kaji stürmten durch den Eingangsbereich des Krankenhauses, ließen sich den Weg zu den Behandlungsräumen zeigen, stießen vor diesen auf die wartende Rei Ayanami.

„Rei, wie ist die Lage?“ rief Misato schon von weitem.

„Die Ärzte sind sich sicher, Shinji-kun wieder auf die Beine zu bekommen, Major“, gab sie die letzte Stellungnahme eines Mediziners wieder.

Noch jemand betrat den Gang - Toji Suzuhara.
„Hey! Dann war das eben wirklich Ikari, den sie ´reingebracht haben!“
Als er Rei sah, unterdrückte er den Drang, laut zu pfeifen, schließlich sah er sie erstmalig in ih-rer PlugSuit.

„Was machst du denn hier?“ fragte Misato.

„Ah, Misato-san... ich habe meine Schwester besucht, wegen des Engelangriffes ist die Schule ausgefallen...“
Er trat an die Schwingtüren des Behandlungsraumes.
„Ist es Ikari?“

„Ja, Suzuhara-kun.“ erklärte Rei leise.

„Oh, Mann... aber ihr habt doch gewonnen, oder?“

„Ja.“

„Ikari kommt schon durch, der ist zäher als er aussieht.“

Die Tür des anderen Behandlungsraumes wurde geöffnet und ein Arzt im weißen Kittel trat auf den Flur, kurz konnten sie den mageren blaßhäutigen mit dem grauen Haar sehen, der auf dem Behandlungstisch lag und medizinisch versorgt wurde.

„Doktor, können Sie uns näheres sagen?“ fragte Kaji.

„Sind Sie die Eltern?“

Einen Moment lang sahen Misato und Kaji sich entgeistert an.
Dann präsentierte Kaji seinen NERV-Ausweis.
„NERV, die beiden gehören zu uns.“

„Verstehe. Also...äh... beide sind stabil und unverletzt, zeigen aber Spuren von Unterkühlung und Sauerstoffmangel, der Albinojunge ist zudem stark geschwächt. Aber der andere dürfte in Bälde wieder aufwachen.“

„Shinji-kun...“ unterbrach Rei den Mann.

„Wir bringen ihn gleich auf ein Zimmer. Mit ihm hier“, der Arzt deutete über seine Schulter, „werden wir noch ein wenig zu tun haben, aber keine Sorge, sie sind beide schon längst außer Gefahr.“

„Sehr gut“, bestätigte Kaji und klopfte Misato leicht auf den Oberarm. „Wir warten hier.“

Kurz darauf wurde Shinji aus dem Behandlungsraum gebracht.
Er schlief immer noch, sein Gesicht war aber nicht mehr so blaß, wies schon wieder einen leichten rosigen Schimmer auf.

Rei spürte, wie ihr bei dem Anblick die Tränen in die Augen stiegen, erinnerte sich an die Un-terhaltung, die sie mit Shinji-kun nach dem Sieg über Ramiel geführt hatte, daß man auch vor Freude weinen konnte.

„Ich sagte doch, daß er zäh ist“, murmelte Toji. „Der wird schon wieder.“

„Danke für deinen Zuspruch, Suzuhara-kun.“

„Wozu sind Freunde denn da? Ich werde mal wieder zu meiner Schwester gehen, es hat sich nämlich wie ein Lauffeuer im ganzen Haus verbreitet, daß zwei EVA-Piloten eingeliefert wor-den seien, da hatte sie richtig Sorge. Hm, wer ist eigentlich der andere?“

„Das ist...“ setzte Rei an.
´Geheim´, hatte sie sagen wollen.

Doch Misato kam ihr zuvor.
„Ein weiterer Testpilot, der bei dem Einsatz verletzt wurde.“

„Ach so... könnte glatt ein Verwandter von dir sein, Ayanami.“

Rei verzichtete darauf, ihn zu korrigieren und auf die Unmöglichkeit seiner Aussage hinzuwei-sen, nickte ihm stattdessen zu und eilte Shinji hinterher, der gerade fortgebracht wurde.

Misato verständigte sich mit Kaji dahingehend, daß dieser auf den anderen Piloten warten wür-de, und folgte Rei dann.

*** NGE ***


Misato und Rei saßen bereits seit über einer Stunde neben Shinjis Bett und warteten darauf, daß er zu sich kam. In der Zwischenzeit war Misato mehrmals zum Telefonieren auf den Flur gegangen, hatte Ritsuko angerufen und sich vergewissert, daß die Aufräumarbeiten vorangin-gen, sowie das keine Gefahr einer Kontamination der ganzen Stadt durch das Blut de Engels bestand. Ferner hatte sie mit Kaji gesprochen, der im Nachbarzimmer über Kaworu Nagisa wachte, welcher im Gegensatz zu Shinji an verschiedene Apparate angeschlossen war und in-travenös mit Aufbaupräparaten versorgt wurde.

Schließlich wachte Shinji auf, rollte sich sofort zu einem Ball zusammen.
„K-kalt.“ preßte er durch die Zähne, nahm dann erst seine Umgebung wahr, entspannte sich ein wenig.

„Du hast uns einen ganz schönen Schrecken eingejagt“, seufzte Misato und drehte die Heizung des Zimmers voll auf.

„Ich... ich lebe noch...“ flüsterte Shinji erstaunt.
War seine letzte Erinnerung nicht gewesen, daß Kälte und Dunkelheit nach ihm griffen?

„Shinji-kun...“
Rei setzte sich auf die Bettkante, nahm seine linke Hand in die ihren und blies ihren warmen Atem darüber.
„Ich hatte Angst um dich.“

Shinji wollte sich aufsetzen, wurde aber von Misato zurückgehalten.
„Liegenbleiben - Anweisung des Arztes. Du bist unterkühlt, erschöpft und brauchst Ruhe.“

„Uh... ahm... zu Befehl.“

Misato grinste.
„Na sowas, jetzt kriege ich ja doch noch den braven Soldaten Shinji in meine Truppe.“

„Misato!“

Sie lachte.
„Okay, Shinji, kannst du dich erinnern, was passiert ist?“

„Ähm... der Engel... ich bin plötzlich in seinem Schatten versunken... und dann war ich in ihm, in seinem Inneren... und da war noch mehr... Autos und Gebäude... und Leichen...“
Er fröstelte bei der Erinnerung.

Rei blickte ihn besorgt an.

„Und... ahm... da war noch ein EVANGELION... ich habe mit dem Piloten gesprochen... uh... wo ist er?“

„Du hast mit ihm gesprochen?“

„Ja, Misato. Kaworu... Kaworu Nagisa, das Fifth Children.“

„Er ist im Nebenraum und schläft noch. Ich würde sagen, er verdankt dir sein Leben.“

„Also ist er in Ordnung?“

„Sagen wir mal so, ihm geht es nicht gerade hervorragend, aber laut den Ärzten gibt es keine Probleme. Er war halt um einiges länger im Inneren des Engels als du.“

„Es war so kalt... und dann ging die Energie zur Neige... ich habe auf die Energie der Lebens-erhaltung zurückgegriffen, um EVA-01 in die Nähe der anderen Einheit bringen zu können... Konntet ihr den Engel vernichten?“

„Das hast du doch selbst getan.“

„Ich? Ich erinnere mich an nichts... ich meine, eigentlich müßte ich tot sein...“

„Sag das nicht, sag das bitte nicht.“ kam es von Rei, die immer noch seine Hand hielt.

„Anscheinend hast du das Herz des Engels gefunden und ihn vernichtet.“

„Misato, ich weiß nichts davon.“

„Na, sicher kommt die Erinnerung wieder, wenn du ein wenig ausgeruhter bist. - Ach, ich schätze, ich muß mal kurz weg, sollte mich als Einsatzleiterin vielleicht mal vor Ort sehen las-sen, laut Ritsuko steht Asuka immer noch dort ´rum wie bestellt und nicht abgeholt.“
Wieder grinste Misato.
„Anscheinend hat niemand ihr gesagt, daß sie ins Hauptquartier zurückkehren soll.“

„Ich bleibe hier bei Shinji-kun, Major.“

„Ist in Ordnung, Rei. Soll ich vielleicht noch bei euch vorbeifahren und dir ein paar Sachen mitbringen?“

„Das würde ich begrüßen.“ erklärte Rei, welche immer noch ihre PlugSuit trug.

„Okay. Und falls es irgendetwas wichtiges geben sollte, ist Kaji auch noch im Gebäude.“

„Ja.“

Misato lächelte ihn zu, winkte noch einmal und verließ dann den Raum.

Rei sah Shinji eine Weile schweigend an, stand dann auf und schloß die Tür ab.

„Rei-chan... uhm, was...“

Sie betätigte den Kontakt am Handgelenk ihrer PlugSuit, legte diese dann ab, stand völlig nackt im Raum, ging langsam auf das Bett zu und hob die Decke an.

„Rei-chan, was hast du vor... uh...“

„Ich werde dafür sorgen, daß dir nicht mehr kalt ist, Shinji-kun.“
Sie schlüpfte unter die Decke, rutschte an ihn heran.

Shinji wurde ein bedeutendes Detail bewußt.
„Rei, ich habe selbst nichts an, das... äh... also... uh...“

Sie unterbrach ihn, indem sie ihn mit geöffnetem Mund küßte. Ihre Zunge glitt in seinen Mund, suchte die seine, fand sie, umspielte sie, berührte sie, zugleich strichen ihre Hände über seinen Körper, rutschte sie über ihn...
11. Zwischenspiel:

Ritsuko Akagi starrte durch das Elektronenmikroskop auf die Probe des Engelsblutes, welche ihr gerade gebracht worden war. Die Zellen waren am Absterben... Gut, von dieser Seite be-stand keine Gefahr für die Stadt, ein besiegter Engel mehr. Laut dem Systema Sephiroth waren es nicht mehr viele, nur noch fünf...
Shinji lebte und EVA-01 wies keine äußeren Schäden auf, was nicht jedoch hieß, daß sie es sich leisten konnte, keine Extraschicht einzulegen und die Systeme des EVA zu überprüfen. Aber es lenkte sie ab, alles war besser, als tatenlos herumzusitzen und die Bilder vom Tod ihrer Mutter erneut Revue passieren zu lassen. Und Gendo hatte sie seit seiner Rückkehr auch nicht mehr zu sich zitiert, damit sie ihm zu Diensten war... sie wußte nicht, ob sie noch imstande war, ihn auch nur mit dem kleinen Finger zu berühren, ohne sich zu übergeben.

An der Tür ihres Büros klopfte es.
„Doktor Akagi?“

Die Stimme gehörte Shigeru Aoba...
„Ja? Kommen Sie ´rein.“

Aoba betrat das Büro, einen Stapel Akten im Arm.
„Der... der Kommandant schickt Ihnen dies.“
Er legte den Aktenstapel auf eine freie Fläche des Tisches.

„Hm, ja...“
Ritsuko musterte die Akten.
Personalakten... Akten der Mitglieder der Testgruppe... und ganz oben ein Zettel in Gendos Handschrift: Ritsuko, wähle den Vierten aus.

Copyright of the Charakter by GAINAX / Text by Ulrich Alexander Schmidt