FanFiction Bewertung - hier können Sie Bewertungen ansehen und eine Bewertung abgeben

Retelling a Story (Abzweigung 04)

Kapitel 40 - 21 Tage - Die Wissenschaftler

Geschrieben von Ulrich Alexander Schmidt

Legal Boilerplate:
Sämtliche Fehler in der Charakterisierung sind ganz allein mir selbst zuzurechnen.

Dieser FanFic enthält:
Spoiler, endlose langweilige Dialoge, Warm and Fuzzy Feelings, Asuka in Bestform, Sex, Drogen und sinnlose Gewalt

Ach ja, dies ist die FSK 16 - Version !
Nein, es gibt keine anderen Versionen.

Alle Figuren, die nicht Eigentum von GAINAX sind, sind frei erfunden, jede Ähnlichkeit mit lebenden, toten oder sonstigen Personen ist unbeabsichtigt und daher rein zufällig. Mich verklagen zu wollen, würde nichts bringen, schließlich habe ich kein Geld
Zu riesigen Problemen essen Sie bitte die Packungsbeilage und fragen Sie den Arzt Ihres Apothekers.

Tag 0

Im Laufe der Nacht war EVA-01 zurück in die Geofront gebracht worden. Entgegen der ins-geheimen Erwartungen Misatos und Ritsukos war er nicht plötzlich wieder erwacht. Jetzt hing er wie leblos in den Stahlhalterungen seines Käfigs. Nur die Klammern der Fesseln hielten ihn aufrecht.
Aus dem provisorisch aufgeräumten Kontrollraum kommandierte Akagi die Techniker und In-genieure, ließ Stück für Stück die Panzerung von EVA-01 entfernen. Unter dem Helm kam ein kahler Schädel zum Vorschein, über den sich eine vielfach aufgeplatzte fleckige Hautschicht straff spannte. Der Schädel erinnerte durch die wulstigen Augenbrauen und die sonstigen auf-fälligen Gesichtszüge tatsächlich an einen Urmenschen.

Misato äußerte ihre entsprechenden Gedanken.

„Du hast recht. Wir haben im endgültigen Design absichtlich auf dieses Aussehen zurückgegrif-fen. Unsere Vorfahren verfügten zwar nicht über die Gehirnkapazität, die wir besitzen, aber EVA-01 sollte ja auch nicht denken, sondern kämpfen. Sein Vorbild war der CroMagnon-Mensch, Platz genug für die Computeranlage und das andere Zeug war da allemal.“ rasselte Ritsuko Fakten hinunter.

„Und was ist nun mit Shinji?“

„Der EntryPlug widersetzt sich dem Evakuierungsbefehl, wir haben auch keine Verbindung mit den Systemen des EVAs, alles was wir wissen, ist daß die Lebenserhaltung des Plugs auf Hochtouren läuft und die Synchronverbindung immer noch mit unveränderter Stärke steht. Sobald die Rückenpanzerung entfernt ist, werde ich versuchen, eine Sonde in den Plug einzu-führen, vielleicht müssen wir ihn auch freischneiden, fragt sich nur, ob das dem EVA gefallen wird.“

„Du mußt Shinji da raus holen, Ritsuko! Du hast dieses Ding doch gebaut, wenn du es nicht schaffst, wer dann?“

„Jemand sollte immer hier sein und Einheit-01 im Auge behalten, ich traue dem Frieden nicht, er ist im Augenblick zwar inaktiv, aber die MAGI messen in seinem Inneren eine starke Ener-giequelle an.“

„Das S2-Organ?“

„Ja, wie ich es sehe, hat er es vollständig assimiliert, wie er es mit dem Arm gemacht hat. Das übersteigt die Fähigkeiten, die ich ihm gegeben habe, bei weitem. Mit genug Zeit, Energiezu-fuhr und einem stimulierenden LCL-Bad wäre er imstande gewesen, den Arm zu regenerieren, aber das hätte im besten Fall wenigstens zwei Wochen gedauert und optimale Umstände ge-braucht. Aber das Zellgewebe des Engels einfach dem seinen anzupassen... Mit dem S2-Organ ist er von externer Energiezufuhr unabhängig. Meinen Theorien nach funktioniert e wie ein verbessertes Perpetuum Mobile - es treibt sich selbst an und erzeugt dabei noch überschüssige Energie.“

„Ahm, Ritsuko, wie können wir den EVA dann noch kontrollieren? Stecker ziehen und warten, bis er umfällt, läuft jetzt nicht mehr...“

„Korrekt. Aber ich denke, er ist immer noch auf einen Piloten angewiesen. Ohne die Synchron-Verbindung fehlt ihm ein steuernder Geist. Es ist also immanent wichtig, Shinji aus dem Plug zu befreien.“

„Das sage ich doch schon die ganze Zeit.“

Ritsukos Handy piepte.
„Ja? - Ja, danke.“
Sie legte wieder auf.

„Wer war das?“

„Die Krankenstation. Ich wollte informiert werden, wenn Rei wieder zu sich kommt.“

„Oh Gott, die beiden anderen hatte ich ganz vergessen... Soll ich gehen?“

„Nein, laß mich das machen.“

„Willst du wirklich? Ich meine, wir wissen nicht, was mit Shinji ist... vielleicht...“

„Ich bringe es Rei schonend bei, versprochen. Aber vorher will ich mir ihre Untersuchungser-gebnisse ansehen.“

„Gut, ich halte hier die Stellung.“

Ritsuko verließ den Hangarbereich.

Die Korridore waren mittlerweile größtenteils wieder passierbar, an einigen Ecken häuften sich noch Schuttberge auf, aber eine einzelne Person konnte problemlos daran vorbeischlüpfen. In der Nähe der Kommandozentrale sah es schon schlimmer aus, dort stand ein Teil der Struktur vor dem Einsturz. Glücklicherweise war der Großteil der Anlage noch rechtzeitig geräumt worden, allerdings gab es eine Handvoll Verluste. Ganz oben auf der Liste der Vermißten stand der Stellvertretende Kommandant, Kozo Fuyutsuki.

Doktor Akagi war nicht die einzige Person, die hoffte, daß der Professor lebend und möglichst unverletzt aus den Trümmern geborgen wurde, war er doch die einzige Person, welche den Kommandanten etwas ausbremsen konnte.

*** NGE ***


Die Krankenstation war unmittelbar nach dem Angriff mit Verletzten fast übergequollen, doch inzwischen hatte sich die Lage beruhigt, leichte Verletzungen waren ambulant behandelt wor-den, ein paar Patienten in das Städtische Krankenhaus verlegt worden. In der Stadt selbst hatte es nur Sachschäden gegeben, der Engel war viel zu zielstrebig vorgegangen, als daß Unbetei-ligte zu Schaden gekommen wären.
Akagi humpelte ins Ärztezimmer, begrüßte die ihr eigentlich unterstellten Mediziner knapp und verlangte die Krankenblätter der Piloten. Dann ging sie selbige besuchen.

Asuka lief ihr bereits auf dem Flur über den Weg, barfuß und nur mit einem Krankenhaus-nachthemd bekleidet. Ihr Gesicht war immer noch dunkelblau angeschwollen, die Folge ihrer Kollision mit der Wand, doch das hielt sie nicht davon ab, die Hände in die Hüften zu stemmen und Akagi wütend anzusehen.
„Endlich kommt jemand, der etwas zu sagen hat!“

Akagi hob die Augenbrauen.
„Ja?“

„Ich will wissen, was mit meinem EVA ist. Und ich will meine Sachen und sofort entlassen werden. Und wehe, Sie versuchen mir auch ein Beruhigungsmittel zu spritzen, wie es die Schwester getan hat, noch mal lasse ich das nicht mit mir machen!“

„Dein EVA ist schwer beschädigt. Aber wir haben ausreichend Ersatzteile, um ihn wieder klar zu bekommen.“

„Gut, aber pronto, klar? Ich erwarte, daß EVA-02 vorrangig behandelt wird!“

Ritsuko schnaubte. Auf ihrer Stirn schwoll eine Zornesader an.
„Ich will, ich verlange, ich erwarte... ist das alles, was du kannst? Du bist nicht die einzige Pi-lotin im Team. Alle EVAs haben Schäden genommen, wir hatten vielleicht sogar Verluste un-ter den Piloten!“

„Ach, ist First abgekratzt?“

Ritsuko warf ihr einen finsteren Blick zu, ging dann an ihr vorbei.

„He, lassen Sie mich nicht einfach hier stehen! Ich will wissen, was passiert ist, die Schwestern wissen ja von nichts! Sie können mich nicht ignorieren! NERV braucht mich, ihr habt keine an-dere Pilotin!“

Ritsuko ließ sie zetern, drehte sich nicht um.
Das medizinische Personal hatte ihre Anweisung befolgt und die Pilotinnen getrennt voneinan-der untergebracht... gut... sie konnten es sich nicht leisten, wenn sie sich wieder an die Kehle sprangen...
Kurz verharrte sie vor dem Zimmer, in dem Kaworu Nagisa untergebracht worden war, blickte durch die Beobachtungsscheibe.
Der Junge schlief immer noch. Und immer noch fehlte eine Erklärung für seinen Zustand, eben-so wie beim Fourth Children, nur starrte er nicht unbeteiligt in die Welt...

Das nächste Zimmer...
Ritsuko streckte die Hand nach der Klinke aus, um einzutreten, zögerte dann aber und klopfte.

„Ja?“ kam von drinnen eine schwache Stimme.

Die Tür wurde von innen von einer Krankenschwester geöffnet.

Ritsuko trat ein.
„Lassen Sie uns allein.“ wies sie die Schwester an, trat dann an das Bett, in dem Rei lag. Ein dünnes Lächeln bildete sich auf ihren Lippen, zu mehr war sie angesichts de Zustandes, in welchem das Mädchen sich befand, nicht fähig.
„Hallo.“

„Doktor Akagi.“

„Wie fühlst du dich, Rei?“

„Ich spüre meine Beine nicht mehr.“
Rei blickte Akagi hilfesuchend mit ihren scharlachroten Augen an.
„Ich kann sie nicht bewegen. Es ist, als wären sie gar nicht mehr da, dabei kann ich sie doch noch sehen...“
Sie schlug die Decke zurück, stemmte sich mit den Armen in eine sitzende Position. Rei trug ein knielanges Krankenhausnachthemd, sie schlug sich mit der flachen Hand auf den Ober-schenkel.
„Ich fühle überhaupt nichts!“

Ritsuko nickte.
„Ich habe den medizinischen Bericht bereits gelesen. Der Engel hat deinen EVA zerfetzt, wäh-rend ihr noch synchron gewesen seid. Der Schock hat dein Nervensystem beschädigt, aber das heilt wieder. Bei deinen Regenerationskräften wirst du schon bald wieder gehen können.“
Sie korrigierte die Einstellung des Kopfteiles des Bettes, so daß Rei sich zurücklehnen konnte.
„Dein Körper ist derzeit nur der Ansicht, daß deine Beine im Augenblick nicht... gegenwärtig sind, dein Verstand sagt dir etwas anderes. Es ist doch häufig so, daß Instinkt und logisches Denken zu gegenteiligen Auffassungen kommen.“

„Ja... Ich werde also wieder gehen können. Gut. Ich wußte nicht, wie bedeutend derartiges ist - bis heute. Ich möchte niemanden zur Last fallen... auch nicht Shinji-kun. Wo ist er?“

„Ahm, Rei... es gibt schlechte Neuigkeiten...“ setzte Ritsuko an.

Tiefer Schrecken breitete sich auf Reis Zügen aus.
Shin-chan war verletzt... nach dem Tonfall und den Worten Doktor Akagis wahrscheinlich schwer... er verfügte nur über gewöhnliche menschliche Selbstheilungskräfte...
„Was ist mit ihm? Bitte, sagen Sie es mir!“

„Wir wissen es nicht. Rei... du mußt stark sein...“

„Was ist geschehen?“

„Während des Kampfes sind verschiedene Sicherheitssperren ausgefallen. Zwischen Shinji und Einheit-01 ist eine sehr starke Verbindung entstanden...“

„Eine sehr starke Verbindung?“

„Ja, sie besteht immer noch. Das Synchratio liegt jenseits der 400er-Grenze.“

„Nein...“ flüsterte Rei. „Das kann niemand überleben... die ersten Tests...“

„Ich weiß. Aber wir erhalten immer noch Signale aus dem Plug, welche den Erfahrungswerten widersprechen. Noch besteht Hoffnung.“

„Ich muß zu ihm. Ich muß ihn sehen.“

„Du bist noch zu angeschlagen, ruh dich noch ein wenig aus.“

„Doktor Akagi, ich muß sehen, was passiert ist... mein Shinji...“
Reis Augen schimmerten feucht.

Ritsuko schluckte.
Das Begehren des Mädchens widersprach jeder medizinischen Vorsicht.
„Wenn du etwas stärker bist... du mußt etwas essen und schlafen und...“

„Doktor Akagi... bitte... Ich weiß, Sie mögen mich nicht, vielleicht hassen Sie mich sogar, aber ich bitte Sie...“

Ritsuko spürte, wie ihre Hände zu zittern begannen.
Sie wußte es... sie hatte es die ganze Zeit über gewußt, hatte ihre finsteren Blicke richtig zu deuten verstanden... was hatte sie diesem Kind nur angetan...
Akagi ließ sich auf die Bettkante sinken, strich Rei zögerlich über den Kopf. Im ersten Moment zuckte das blauhaarige Mädchen zurück, saß dann aber still, blickte sie nur flehend an.
„Rei, ich hasse dich nicht... vielleicht habe ich dich einmal gehaßt, bevor ich Gendo... Kom-mandant Ikari durchschaut habe... weil ich Angst hatte, du könntest ihn mir wegnehmen...“

„Wegnehmen? Den Kommandanten?“

„Ja. Er und ich, wir haben... oder hatten, bin mir da nicht ganz sicher, ein Verhältnis... du weißt schon...“

„Sie und... der Kommandant?“ flüsterte Rei.
Ihr Bild von Gendo Ikari brach vollends zusammen. Der Kommandant, den sie immer für über die Gelüste des Fleisches erhaben gehalten hatte, war also nur ein ganz gewöhnlicher Mensch...

„Ich und er, ja. Am Anfang, vor langer Zeit, da war er noch zärtlich, hat mich umworben... doch als er hatte, was er wollte, kam sein wahres Gesicht zum Vorschein. Er hat mich nie so angesehen, wie Shinji dich ansieht - und er hat mir nie gesagt, daß er mich liebt, nicht einmal mit Blicken; er kennt nur Begehren und Verlangen, stellt Besitzansprüche über andere Men-schen... nein, ich hasse dich nicht, im Gegenteil, ich bin stolz darauf, was aus dir geworden ist.“

„Was bin ich in Ihren Augen?“

„Ein Mensch, Rei, ganz einfach ein Mensch. Mit menschlichen Gefühlen und menschlichen Schwächen, ich schätze, andernfalls hättest du niemals Shinjis Rei-chan werden können.“

„Shinji-kun... Doktor Akagi, können Sie mich nicht doch zu ihm bringen?“

Die Wissenschaftlerin seufzte.
Ihr weiblicher Mutterinstinkt schien ihr zuzurufen, die Bitte abzulehnen, schließlich hatte Rei in den letzten Stunden viel durchgemacht und brauchte dringend Ruhe. Doch als Frau verstand sie nur zu gut, was in Rei vorging..
„Gut. Warte noch einen Moment, ich organisiere einen Rollstuhl.“

„Danke, Doktor...“

„Ritsuko genügt, in Ordnung?“

„Ahm... Ritsuko-san...“

„Ja. ´Bin gleich zurück.“

*** NGE ***


Akagi kehrte mit dem versprochenen Rollstuhl zurück, schob ihn neben das Bett des Mäd-chens. Kurz überlegte sie die Krankenschwester zu rufen, entschied sich aber dagegen, die Frau würde nur ihr Urteil in Frage stellen. Stattdessen half sie Rei, die Beine über die Bettkante zu schwingen.
„So, Rei, jetzt kommt der etwas schwierige Teil - leg die Arme um meinen Hals, ich hebe dich in den Stuhl hinüber.“

„Ja, Dok... Ritsuko-san.“

Ritsuko verlagerte ihr Gewicht auf den gesunden Fuß, die ganzen letzten Strapazen hatten ih-rem während des Desasters mit EVA-03 angeschlagenen Knöchel überhaupt nicht zum Vorteil gereicht, wahrscheinlich würde sie die nächsten Tage wieder mit dem Stützverband herumlau-fen müssen.
„Auf drei. Eins... zwei... drei...“
Sie biß die Zähne zusammen, zog Rei in die Höhe und in den Stuhl, wunderte sich, wie leicht sie war.
„Das wäre geschafft.“

„Danke.“

„So, und jetzt statten wir EVA-01 einen Besuch ab...“

*** NGE ***


Ritsuko schob den Rollstuhl durch die Flure der Krankenstation.

Für Rei war es nichts neues in einem Rollstuhl zu sitzen, nach dem Amoklauf von EVA-00 während des allerersten Aktivierungstests hatte sie wegen ihrer inneren Verletzungen auch eine Zeitlang nicht laufen dürfen.

Natürlich stand Asuka immer noch auf dem Flur und suchte wütend nach jemandem, den sie anbrüllen konnte.
„Was, Wondergirl in einem Rollstuhl? Hat der Engel dir das Kreuz gebrochen?“

„Nein, Soryu“, antwortete Rei mit hörbarer Kälte.

„Pfff. Natürlich, du kriegst wieder die Sonderbehandlung.“

„Im Gegensatz zu dir kennt sie das Wörtchen ´bitte´, Asuka“, schnappte Akagi.

Der Rothaarigen fehlten die Worte.

*** NGE ***


Tag 1

Misato blickte schräg zu dem Laufsteg hinauf, auf dem Rei, eine Decke über den Knien, in ih-rem Rollstuhl saß, und mit EVA-01 stumme Zwiesprache zu halten schien.
„Mich nimmt das ja schon ganz schön mit, wie mag es dann erst bei ihr sein“, murmelte sie.

„Ja... Misato, behalte sie im Auge, ich gehe jetzt und mache mit Maya eine Bestandsaufnahme, wir haben die Auflistung der Schäden an den anderen EVAs endlich abgeschlossen.“

„Du hattest doch etwas von zwei Wochen gesagt...“

„Das war die erste vorsichtige Schätzung, einige Beschädigungen sind so stark, daß ich viel-leicht improvisieren muß. Ikari will bis heute Mittag meinen Bericht.“

Misato nickte.

*** NGE ***


Rei starrte EVA-01 an, doch in den Augen des Giganten zeigte sich keine Reaktion, kein Fun-keln, kein kurzes Aufglühen.
Äußerlich war sie völlig ruhig, doch innerlich brüllte sie auf den EVA ein, ihren Shin-chan frei-zugeben...

*** NGE ***


Maya und Ritsuko marschierten durch eine benachbarte Halle, eine der EVA-Einheiten nach der anderen in Augenschein nehmend.

EVA-00 und -02 lagen in langen Becken, welche mit LCL gefüllt waren. Die schwere Verle-tzung, welche EVA-00 im Bauchbereich davongetragen hatte, hatte bereits begonnen, zuzuwu-chern und sich zu schließen.

„Einheiten-00 und -02 sind schwer beschädigt, die können wir nicht einfach wieder zusammen-flicken.“ Mayas Augen waren auf ihren Laptop gerichtet.

„Es wird einige Zeit dauern, bis alles wieder im vorherigen Zustand ist. Vor allem mit EVA-02 wird es Schwierigkeiten geben - der Ersatzkopf paßt irgendwie nicht zu den Anschlüssen. Wir werden wohl den alten nehmen müssen, hoffentlich hat die Elektronik nicht zuviel abbekom-men.“

„Glücklicherweise können die MAGI wieder in Betrieb genommen werden, morgen können wir die Arbeit wieder aufnehmen.“ beeilte Maya sich, von dem Thema abzulenken. Immer wenn Sempai Akagi über EVAs und Ersatzteile sprach, fühlte sie sich wie die Assistentin von Doktor Frankenstein.

„Der Kontrollraum des Testcenters ist ziemlich beschädigt, ebenso die Zentrale, wir müssen in den Reserve-Kontrollraum ausweichen.“

„Ohne die MAGI?“

„Vorerst. Wir fangen morgen an. Heute versuche ich erst einmal, mit herkömmlichen Mitteln an weitere Information aus dem EntryPlug von EVA-01 zu kommen.“

*** NGE ***


Misato stand vor Einheit-01. EVA-01 befand sich in einem Käfig, die Gliedmaßen waren mit zusätzlichen Stahlbändern an die Käfigwände gefesselt
„EVA-01 wurde gefesselt wie ist sein Status?“

„Weder Hitze, Elektronen, noch elektromagnetische Wellen oder andere Energieausstrahlun-gen konnten festgestellt werden, das S2-Organ ist völlig inaktiv.“ las Ritsuko die Ergebnisse der Messungen von ihrem eigenen Laptop ab.
Die beiden Frauen und Maya standen neben Reis Rollstuhl auf dem Laufsteg.

„Dennoch hat sich Einheit-01 dreimal bewegt.“

Maya sah auf.
„Trotzdem ist es hoffnungslos, das Auswurfsignal für den EntryPlug wurde nicht akzeptiert.“

„Was ist mit dem Backup und dem Dummy-System?“

„Werden ebenfalls abgelehnt, Major, sogar die Direktverbindungen sind unterbrochen.“

„Er ist noch da drin, ich fühle ihn“, sagte Rei leise.

Ritsuko und Misato tauschten einen wissenden Blick aus.
„Die ständige Synchronverbindung zwischen den beiden?!“

„Genau, Misato, genau! Rei, versuch dich zu konzentrieren, vielleicht kannst du ihn errei-chen...“

„Nein, Ritsuko-san, das habe ich bereits versucht. Ich spüre Shinji-kuns Gegenwart, aber nicht mehr, es ist, als befände er sich hinter einer dicken Mauer.“

„Gut, aber versuch es weiter.“

Rei nickte.

„Du kannst nicht die ganze Zeit hier bleiben, du brauchst immer noch Ruhe, damit dein Körper sich erholen kann.“

„Ich benötige keinen Schlaf.“

„Aber du tust Shinji damit keinen Gefallen. EVA-01 läuft nicht weg...“

„Hoffentlich“, warf Misato düster ein.

Maya zuckte heftig zusammen.

„Danke, Misato, für deine Unterstützung“, brummte Ritsuko. „Rei, du brauchst nicht zurück auf die Krankenstation, du kannst, solange du auf den Rollstuhl angewiesen bist, in meiner Un-terkunft hier im Hauptquartier wohnen. Ich habe ein paar Räume gleich den Gang ´runter, schaffe es ohnehin nie, sie zu benutzen.“

„Weil du immer auf deinem Schreibtisch schläfst, Ritsuko.“

„Immer noch besser als auf dem Küchentisch. - Rei, wir gehen jetzt in den Kontrollraum und sehen uns an, ob die Ergebnisse der Sonde etwas Aufklärung bringen können.“

„Ja.“

Die drei Frauen stiegen die Treppe zum Kontrollraum des Testcenters hinauf.

Der Ersatzkontrollraum war kleiner als die während des Kampfes zerstörte Einrichtung, teil-weise lag Staub auf den Terminals und einige der Monitore waren noch mit einer schützenden Lage durchsichtiger Klebefolie bedeckt.

Makoto Hyuga hielt sich bereits oben auf und überwachte die Tätigkeiten der anwesenden Wissenschaftler.
„Wir konnten über die Sonde die Videoverbindung wieder herstellen, ich übertrage das Bild auf den Hauptmonitor.“

Der EntryPlug war leer, sah man von der LCL-Flüssigkeit ab. Von Shinji Ikari war nichts zu sehen. Allerdings schwammen seine Sachen in der Flüssigkeit - Hemd, Hose, Socken, Schuhe, Unterwäsche...

„Was...“ flüsterte Misato.

„Das also ist die Wahrheit hinter einer Synchronisationsrate von 400%.“
Akagis Stimme klang bitter.

„Das glaube ich nicht, was ist mit Shinji?“

„EVA-01 hat ihn absorbiert.“

„Wie meinst du das, Ritsuko?“

„Der EVA hat Shinjis genetisches Material ebenso assimiliert wie er den Arm des Engels assimiliert hat.“

„Was ist EVA?“

„Ein menschenähnliches Wesen, erschaffen von Menschenhand.“

„Erschaffen von Menschen? Es hieß doch, EVA wäre nach dem Vorbild des Engels erschaffen worden, der in der Antarktis gefunden worden war... auch wenn du und ein paar andere ein paar Modifikationen am Design vorgenommen habt...“

„Das ist keine einfache Kopie, ein menschlicher Wille steuert EVA.“

„Heißt das, Shinjis Zustand war gewollt?“

„Vielleicht von EVA, ja.“

„Verdammt, Ritsuko, tu etwas, du hast dieses... Ding geschaffen, oder? Du kennst es doch besser als jeder andere!“

Akagi nickte.
„Ich werde tun, was ich kann.“
Sie blickte aus dem Beobachtungsfenster zu Rei hinüber.
„Ich verspreche es.“

*** NGE ***


Tag 2

Im Hangar hatte sich nichts verändert.
Rei saß wieder auf dem Laufsteg und versuchte, EVA-01 mit ihrem starren Blick dazu zu zwingen, ihren Geliebten freizugeben.
Der EVA rührte sich nicht, sah man von Muskelzuckungen ab, die im Schnitt alle zwei Stunden auftraten. Inzwischen war die Panzerung komplett entfernt worden. Die Haut des EVAs hatte größtenteils die Farbe einer Wasserleiche. Der Koloß besaß kein Geschlecht, et-was das nicht nur Misato mit seltsamer Erleichterung festgestellt hatte - immerhin wäre es doch möglich gewesen, daß die EVAs andernfalls sich vielleicht sogar hätten fortpflanzen kön-nen...

*** NGE ***


Tag 3

„Ich habe sie!“ erklärte Ritsuko triumphierend und warf einen Schnellhefter auf den Tisch.

„Shinji-Bergungsprojekt?“ las Misato die Worte auf dem Deckblatt.

„Ja“, antwortete Ritsuko. „Shinji existiert noch, irgendwo da drinnen, ihn zu verlieren, ist nicht akzeptabel. Ich habe die Erlaubnis, alles zu versuchen, um ihn da rauszuholen.“

„Ich weiß nicht - was NERV will, ist doch nicht ein lebendiger Shinji, sondern Einheit-01 als Werkzeug.“

„Ich habe nur die Worte von Kommandant Ikari wiederholt.“

„Wirklich?“

„Naja, nicht ganz. Du hast eigentlich schon recht - aber ich habe freie Hand, alles zu tun, um den Plug zu entfernen und die Synchronverbindung zu unterbrechen.“

„Unserer Theorie nach befindet sich Shinji immer noch im EntryPlug in entstofflichter Form, weil er seine Körperlichkeit verloren hat.“ erklärte Maya.

„Du meinst, Shinji hat sich in etwas verwandelt, was wir visuell nicht identifizieren können?“

„Ja. Das LCL im EntryPlug entspricht momentan in seiner Zusammensetzung der sogenannten Ursuppe aus den Anfängen des Lebens auf der Erde.“

„Na, lecker.“

Ritsuko schaltete sich ein.
„Alle Stoffe, aus denen ein menschlicher - also auch Shinjis - Körper besteht, befinden sich im EntryPlug. Ebenso seine Seele. Bergung bedeutet, seinen Körper zu rekonstruieren und seine Seele darin zu fixieren.“

„Ist das möglich?“ fragte Misato mit blassem Gesicht.

„Mit Hilfe der MAGI.“

„Aber das nur die Theorie... seine Seele zu fixieren, das klingt sogar für deine Verhältnisse recht esoterisch.“

„Solange die Synchronverbindung zwischen Shinjis Bewußtsein und dem EVA noch besteht, wissen wir, daß es ihn noch gibt - und ich habe bereits gesagt, ich hole ihn da raus!“

*** NGE ***


Tag 5

„Hat irgend jemand eigentlich Kaji seit dem Angriff des Engels gesehen?“ fragte Misato plötz-lich.

Ritsuko sah sie überrascht an.
„Nein... seltsam...“

„Unter gewöhnlichen Umständen wäre er doch längst hier vorbeigekommen... schon vor Ta-gen...“

„Wo war er, als der Engel in die Geofront eindrang?“

„Keine Ahnung. Soweit ich weiß, wollte er Shinji etwas zeigen, aber... ihm wird doch nichts zugestoßen sein...“

„Kaji? Unwahrscheinlich. Unkraut vergeht nicht.“

„Und den Sub-Kommandanten hat man bisher auch nicht gefunden.“

„Bis alle beschädigten Sektionen wieder vom Schutt geräumt und sicher begehbar sind, können durchaus noch ein, zwei Wochen vergehen.“

*** NGE ***


Tag 9

„Würden Sie mir einen Gefallen tun, Misato-san?“

Misato blickte schräg nach unten in das Gesicht des Mädchens mit den scharlachroten Augen.
„Was kann ich für dich tun, Rei?“

„Würden Sie mir morgen, wenn Sie ins Hauptquartier kommen, meine Geige mitbringen? Sie befindet sich neben dem Schreibtisch, in der Nische zwischen Tisch und Nachtschrank.“

„Ja, gern...“

„Ich wollte Shinji-kun immer etwas darauf vorspielen... so wie er einmal für mich auf seinem Cello gespielt hat.“

„Verstehe...“

*** NGE ***


Tag 10

Dankbar nahm Rei den Geigenkasten entgegen, öffnete ihn auf den Knien, nahm Geige und Bogen heraus.
„Würden Sie...“

„Klar.“
Misato nahm ihr den Kasten ab und stellte ihn neben den Rollstuhl auf den Steg.

Rei setzte die Geige an die Schulter, rutschte etwas im Stuhl zurecht, summte eine Melodie mit geschlossenen Augen.

Misato sagte kein Wort. Sie sah, daß Ritsuko zu ihnen hinüberblickte.

Rei begann zu spielen, bewegte dazu lautlos die Lippen.
„Fly me to the moon and let me play among the stars
Let me see what spring is like on Jupiter and Mars
In other words, hold my hand
In other words, darling, kiss me
Fill my heart with song and let me sing forevermore
You are all I long for, all I worship and adore
In other words, please be true
In other words, I love you...“

Der EVA zeigte keine Regung...

*** NGE ***


Tag 13

„Innentemperatur des EntryPlugs konstant bei 36° Celsius. Elektromagnetischer Strahlungs-puls normal. Wellenmuster B. Alle Geräte arbeiten normal.“

Maya stand neben Ritsuko, die die Aufzeichnungen zum wiederholten Mal las.
„Sempai, nur Sie konnten einen Plan aufstellen, das Projekt innerhalb eines Monats zu verwirk-lichen.“

„Maya, behalte es bitte für dich, aber ich habe keine Ahnung, ob das klappt. Es gibt einfach zu-viele Unbekannte in der Gleichung. Mit einer Probe von Shinjis DNA könnte ich vielleicht ei-nen Klon von ihm erschaffen. Und vielleicht könnte ich sogar seine Seele in diesem neuen Kör-per verankern, aber hier geht es nicht darum, etwas neues zu schaffen, sondern das alte wieder-herzustellen.“

„Sie zweifeln an Ihren Theorien? Aber die MAGI haben sie bestätigt...“

„MELCHIOR nicht. Und MELCHIOR ist der Wissenschaftler von den dreien.“

„Konkurrenzneid, Sempai.“

Wider Willen mußte Ritsuko lachen.
„Maya, du machst mir Ehre. Es ist schön zu wissen, daß jemand an einen glaubt.“

„Ich bin nicht die einzige.“

Akagi folgte Mayas Blick.
„Ja... Rei...“

*** NGE ***


Tag 17

„Ritsuko wird es gelingen, ihn da raus zu holen“, sagte Misato zu Rei, die auf Krücken am Ge-länder des Steges lehnte.

„Wenn es Ritsuko-san nicht gelingt, dann niemandem... Misato-san, ohne Shinji kann ich nicht mehr leben.“

Misato legte ihr tröstend den Arm um die Schultern, am Vortag war der Gips entfernt worden.
„Es wird gutgehen, es muß einfach.“

*** NGE ***


Tag 20

Rei stand vor dem bis zur Brust im LCL-Becken versenkten EVANGELION-01. Der Entry-Plug war über zahlreiche Kabel mit den Meßgeräten im Testcenter verbunden.
„Komm zu uns... zu mir... zurück. Bitte, Shin-chan...“ flüsterte sie.

Vor einer Woche war das Gefühl langsam in ihre Beine zurückgekehrt, jeden Tag hatte sie et-was mehr Kontrolle zurückgewonnen, hatte zuerst die Hüften, dann die Knie, schließlich die Knöchel und endlich auch die Zehen bewegen können.
In der Zeit war sie täglich auf Krücken in den Hangar gekommen, hatte auf dem Laufsteg ge-standen, solange ihre Beine sie getragen hatten, dann hatte sie sich auf den Metallsteg gesetzt und weiter gewartet, daß der EVA, daß Shin-chan, ihr ein Zeichen gab. Einmal war sie im Hangar eingeschlafen und in Ritsuko-sans Quartier wieder aufgewacht, irgend jemand hatte sie dorthin gebracht.
Und einmal hatte sie den Kommandanten im Hangar gesehen, der sich unwirsch bei Ritsuko-san nach deren Fortschritten erkundigt hatte. Beim Anblick des Kommandanten war es ihr kalt den Rücken hinabgelaufen. Etwas war anders an ihm, völlig anders. Zugleich hatte EVA-01 wieder gezuckt, allerdings stärker als die vorherigen Male...

„Gib ihn frei, Einheit-01, gib meinen Shinji frei... Shin-chan, laß mich nicht im Stich, komm zu-rück... Ai shiteru...“
Ich liebe dich...

*** NGE ***


Tag 21

„Nadeln eingeführt, Verbindungen hergestellt. Elektromagnetisches Wellenmuster bei 0, -3 fixiert.“

„Ego-Grenzpuls verbunden.“ meldete Maya.

„Verstanden, Bergung beginnen!“ schnarrte Ritsuko.
Sie stand in der Mitte des Raumes, den Blick auf den EVA auf der anderen Seite der Scheibe gerichtet.
Neben ihr stand Rei, die sie aus Sicherheitsgründen in den Kontrollraum beordert hatte.

„Signal-1 gesendet und empfangen. Signal-2 und -3 gesendet. Kein Widerstand von EVA-01 gegen die Signale.“

Akagi nickte.
Die erste Phase war problemlos abgeschlossen... EVA-01 hatte die Matrizen für die Rekon-struktion von Shinjis Körper akzeptiert...
„Phase 2 beginnen.“

Abseits der arbeitenden Wissenschaftler stand Misato Katsuragi und betete, daß Ritsukos Plan Erfolg haben würde.

„Wir haben sein Muster lokalisiert! Beginnen mit Separationsvorgang!“

„Langsam, Hyuga, ganz langsam!“ flüsterte Ritsuko.

„Natürlich, Doktor.“

„Ego-Grenze befindet sich in einer Schleife.“ rief Maya plötzlich.

„Versuche, alle Wellenmuster in Einklang zu bringen, Maya!“

„Fehlschlag, die Signale werden abgelenkt.“

Rei starrte zu EVA-01 hinaus.
Er gab ihren Shin-chan nicht frei!

Misato trat rasch an Akagis Seite.
„Was heißt das?“

„Fehlschlag.“

„Was?“

„Stör jetzt nicht. Maya, Ablenkung umgehen...“
Sie gab rasch einige Befehle in ihr Terminal ein.

„Kernpuls auf plus 3.“ vermeldete Makoto.

„Temperatur des LCL steigt. 36°, 38°, 41°, 58°, 76°, 97°, 106°...“ rief Maya.

„Momentanen Zustand beibehalten.“ wies Ritsuko an, während sie weitere Befehle eingab. „Temperatur absenken! Externe Kühlung einleiten! Unter diesen Umständen können wir den Körper nicht im Plug rekonstruieren.“

„Werte werden kritisch. Plus 0,5. 0,8. Ich kann den Anstieg nicht aufhalten.“

„Was bedeutet das?“ Akagi blickte durch das Fenster. „Willst du nicht zurückkommen, Shinji?“

„EVA widersetzt sich den Signalen! Im EntryPlug steigt der Druck, Shinjis Egoformation zer-fällt!“

Rei stützte sich an dem Terminal ab, dessen Monitor immer noch die Bildübertragung aus dem Plug zeigte. Das LCL kochte...
Mit bebenden Fingern aktivierte sie die Sprechverbindung, flüsterte nur ein Wort: „Shinji...“

„Alle Vorgänge anhalten, Energieversorgung von EVA-01 unterbrechen.“

„EntryPlug wurde ausgestoßen!“

Misato rannte zum Fenster, starrte auf den zischenden EntryPlug, der aus dem Nacken von EVA-01 herausragte.

Die Bildübertragung zeigte, daß der Plug immer noch leer war.

Misatos Knie wurden weich, ihr Magen begann zu rebellieren, während Tränen in ihr aufstie-gen.
„Was ist eine Wissenschaft wert, die nicht einmal ein Menschenleben retten kann?!“ schrie sie.

Der Plug begann sich zu bewegen.

„EVA stößt den EntryPlug ab!“ meldete Aoba.

Misato rannte zur Tür, die Treppe hinab, in den Hangar. Sie eilte die Leiter, die zum Laufsteg führte, hinauf, Rei dicht hinter sich.

Der EntryPlug löste sich aus der Halterung, schlug auf den Steg, brach auf.
Heiße LCL-Flüssigkeit ergoß sich auf den Boden.

Misato wurde langsamer, stolperte fast auf die größer werdende Pfütze zu.
„Nein...“
Sie sank in die Knie, berührte das LCL mit den Händen.
„Nein! Shinji...“

Die Flüssigkeit war in Bewegung, zog sich zusammen, Misato bemerkte es nicht. Tränen liefen über ihre Wangen.

Hinter ihr kam Rei zum Stehen, begann zu schluchzen...
13. Zwischenspiel:

Tag 11

„Die uns vorliegenden Daten lassen nur einen Schluß zu - Ikari hat uns hintergangen. Mit ei-nem EVA, der von einem wahren S2-Organ angetrieben wird, steht ihm die ultimative Waffe zur Verfügung... ein lebender Gott“, erklärte der Monolith mit der Aufschrift SEELE-01.

„Und das er es nicht für nötig befunden hat, uns über diese Kleinigkeit zu berichten, spricht für sich.“ schlug SEELE-05 in dieselbe Kerbe.

„Ja, Ikari hat uns verraten! Er darf uns nicht weiter gefährlich werden.“ warf ein weiteres Mit-glied des Komitees ein.

„Stimmen wir ab... wer ist dafür, Gendo Ikari aus unserem Kreis auszuschließen?“ fragte der Vorsitzende.

Die Entscheidung war einstimmig.

„Dann ist es entschieden - Ikari wird nicht länger an unseren Treffen teilnehmen, sondern nur noch Anweisungen erhalten.“

„Er wird sich nicht daran halten.“

„Noch stellt er ein gutes Werkzeug dar, unter seinem Kommando hat NERV bisher jeden An-greifer besiegt, unserem Wissen nach werden noch wenigstens drei Engel erscheinen, wenn wir davon ausgehen, daß er uns bezüglich Iroul belogen hat.“

„Das hat er ohne Zweifel.“

„Gut, stimmen wir ein weiteres Mal ab. Ich schlage vor, einen Attentäter auf Ikari anzusetzen, der sich auf unseren Befehl hin um ihn kümmern wird.“ unterbrach SEELE-01 weitere Diskus-sionen.

„Ist das sicher?“

„Dafür verbürge ich mich.“
Etwa ein Viertel der Mitglieder des Komitees benutzte keine Monolithen zur Repräsentation, einer von ihnen war Wilforth Cedrick.
„Der Attentäter kann in spätestens zwei Tagen in Tokio-3 sein.“

„Stimmen wir ab.“

Wieder war das Ergebnis einstimmig...

*** NGE ***


Tag 12

„Ihr neuer Auftrag.“
ODIN-Direktor Rabinowitz schob einen Umschlag über den Tisch.

„Gendo Ikari.“
Wolf Larsen nickte.

„Eines der Oberhäupter der Verschwörung namens SEELE. Sie werden heute noch nach To-kio-3 aufbrechen, der japanische Geheimdienst war so freundlich, uns einen ihrer Unterschlupfe in der Stadt zu überlassen, zusammen mit einer etablierten Deckidentität. Graben Sie sich ein, finden Sie einen Weg, an Ihr Ziel heranzukommen. Warten Sie meine weiteren Befehle ab. In dem Umschlag finden Sie ein Handy, nur ich habe die Nummer, wenn es klingelt, wissen Sie, daß es soweit ist.“

„Verstanden.“

„Wir haben ferner bereits einen Mann vor Ort - Mister Roshenkov, Sie kennen ihn bereits.“

„Ja. Aber er gehört nicht zu ODIN.“

„Wir haben ihn als freien Mitarbeiter rekrutiert, es geschah auf Ihre Empfehlung, erinnern Sie sich nicht?“

„Ich... Sir, es gibt einiges, an das ich mich nicht mehr erinnere.“

„Decker meinte, das würde sich legen. Dieses Interface in Ihrem Kopf hat wohl Ihre Erinnerun-gen durcheinandergewirbelt.“

„So wird es wohl sein.“

„Viel Glück, Commander.“

*flash*

Kurzfristig verloren die Bilder seiner Erinnerung jede Farbe, dann wurde es dunkel. Als sich die Dunkelheit auflöste, befand er sich in einem Flugzeug im Landeanflug auf Osaka.

Larsen unterdrückte den Reiz, sich die Augen zu reiben.
Ähnliche Lücken fanden sich in seinen Erinnerungen zuhauf, laut Nicklas Decker eine Folge der zeitweiligen Deaktivierung des PROPHET-Interfaces. Manchmal hatten die Bilder etwas stark grobkörniges, dann wieder gingen verschiedene Farben verloren, oder waren Bewegun-gen und dazu gehörende Geräusche nicht mehr synchron.
Er konnte nur hoffen, daß es sich bald legte und die Ausführung seines Auftrages nicht beein-trächtigte...

Um sich abzulenken, klappte er seinen Laptop wieder auf und rief die von seinen Leuten ge-sammelten Daten ab. Die Mitglieder des RABEN-Teams, welche ihn auf die Kurdistan-Mission begleitet hatten, hatten sich wie angewiesen in der Nähe ihrer Ziele eingegraben - so lautete der Terminus dafür, wenn ein Agent eine Tarnidentität annahm oder längere Zeit während eines Einsatzes an einem Ort verharrte.
Dabei konnte er sich gar nicht erinnern, die vereinbarte Zustandsmeldung an sie abgeschickt zu haben...

Copyright of the Charakter by GAINAX / Text by Ulrich Alexander Schmidt