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Retelling a Story (Abzweigung 04)

Kapitel 62 - Am Morgen eines neuen Tages

Geschrieben von Ulrich Alexander Schmidt

Legal Boilerplate:
Sämtliche Fehler in der Charakterisierung sind ganz allein mir selbst zuzurechnen.

Dieser FanFic enthält:
Spoiler, endlose langweilige Dialoge, Warm and Fuzzy Feelings, Asuka in Bestform, Sex, Drogen und sinnlose Gewalt

Nein, es gibt keine anderen Versionen.

Alle Figuren, die nicht Eigentum von GAINAX sind, sind frei erfunden, jede Ähnlichkeit mit lebenden, toten oder sonstigen Personen ist unbeabsichtigt und daher rein zufällig. Mich verklagen zu wollen, würde nichts bringen, schließlich habe ich kein Geld
Zu riesigen Problemen essen Sie bitte die Packungsbeilage und fragen Sie den Arzt Ihres Apothekers.

Plötzlich war das Licht wieder verschwunden.

Kozo Fuyutsuki stand immer noch an der Brüstung des Kommandostandes und blickte nach unten, begegnete dem verwirrten Blick Maya Ibukis, wobei sein eigener Gesichtsausdruck auch nicht gerade auf Allwissenheit schließen ließ.

Eben war es doch noch taghell in der Zentrale gewesen... und hatte er nicht geglaubt, in dem Licht das Gesicht Yuis zu Ach ja, dies ist die FSK 16 - Version !
erkennen?
Und seltsamerweise fühlte er sich auch um einiges besser, die Kopfschmerzen waren fort, ebenso wie seine Nackenschmerzen. Zudem sah er so scharf wie schon lange nicht mehr.

„Leutnant Ibuki, ich benötige einen Lagebericht“, sagte er langsam.

Maya schluckte.
„Subcommander... was... was war das...?“

„Leutnant, was ist mit den Engeln im TerminalDogma?“
Er bemühte sich, die Erinnerung an den kurzen Moment zu unterdrücken und sich auf die ge-genwärtige Lage zu konzentrieren.

„Die... die Blauen Muster werden von den MAGI nicht mehr wahrgenommen. Und... Sempai!“
Sie rannte unvermittelt los.

„Leutnant!“

Maya Ibuki hatte die Zentrale bereits verlassen.

„Was zum...“
Fuyutsuki blickte auf den Monitor des Terminals im Kommandostand, las die knappe Mittei-lung, daß Doktor Akagi sich schwerverletzt bei den MAGI-Rechnern befand.
Er nickte knapp, sollte der Leutnant sich um den Doktor kümmern. Allerdings verhalf ihm das noch lange nicht zu seinem Lagebericht - und vor allem nicht zu der dringend benötigten Ab-lenkung von der Frage, was da eben passiert war, was er gerade eben gesehen hatte. Es war gewesen, als ob die Zeit kurzfristig angehalten hätte...
Mit fliegenden Fingern begann er nach einem Headset zu suchen, über das er sich in die Funk-verbindung zwischen den NERV-Streitkräften einklinken konnte.

*** NGE ***


„Was. War. Das?“ stieß Misato Katsuragi hervor.
Gerade eben war ihre Verteidigungsstellung am Haupteingang des CentralDogmas von einer Lichtwelle überrollt wurden. Einen endlos langen Augenblick hatte das Licht sie berührt...

Die Waffen waren verstummt.
Offenbar waren die eingedrungenen Truppen ebenso verwirrt wie die Verteidiger...

Katsuragi rief über ihr Funkgerät die verschiedenen Stellungen auf, erhielt die erhofften Rück-meldungen. Sie hielten sich gut, hatten bisher nur die äußeren Korridore aufgeben müssen, welche von den MAGI bakelitversiegelt wurden, um den Vorstoß der JSSDF-Truppen aufzu-halten.

Immer noch machten die Eindringlinge keine Anstalten, die Kampfhandlungen wieder aufzu-nehmen. Misato nutzte die Zeit, um einen weiteren Überblick über die Situation zu bekommen, ihre eigene Waffe nachzuladen und Verwundete von der unmittelbaren Frontlinie fortbringen zu lassen. Bisher hatten sich ihre Verluste in Grenzen gehalten...
Sie versuchte sich ganz auf ihre Aufgabe, das Hauptquartier zu verteidigen, zu konzentrieren, versuchte so die Erinnerung daran, daß Kajis Leichnam zur Zeit auf dem Tisch de Konferenz-raumes neben der Zentrale lag, zu verdrängen. Im Augenblick hatte für sie jeder der Eindring-linge das Gesicht des Mannes, der ihren Geliebten erschossen hatte...

Am anderen Ende des Ganges wurde ein weißes Tuch geschwenkt.

„Nicht schießen!“ rief einer der eingedrungenen Soldaten, trat dann, das Gewehr über den Kopf haltend, aus seiner Deckung.

Hinter ihrer aus Tischen eilig hergestellten Barrikade richtete Misato sich auf, zielte mit ihrer Waffe auf die Brust des Mannes.
„Ich höre!“

„Wir haben Befehl zum Rückzug erhalten. Wir wollen nur das Gelände verlassen.“

Misato atmete tief durch.
Diese Soldaten waren einfach in das Hauptquartier eingedrungen, hatten das Feuer eröffnet, ohne unbewaffneten Technikern und Ingenieuren Gelegenheit zu geben, sich zu ergeben...
Und dieser Mann sah Kajis Mörder ziemlich ähnlich...
Trotzdem senkte sie die Waffe.
„Gehen Sie.“

*** NGE ***


Asuka blinzelte.
Das Licht, welches sie eben noch geblendet hatte, war fort.
Und verschwunden war auch der bleiche Riese, welche aus der Höhle hinter dem gewaltigen Panzertor gekommen und alles in seinem Weg absorbiert hatte.

Sie war noch am Leben...
Warum war sie noch am Leben?
Warum hatte der Engel sie verschont?

Dort, wo eben noch der Engel gestanden hatte, befand sich nun eine viel kleinere Gestalt.

„Shinji...“ flüsterte Asuka.
Sie fühlte Erleichterung darüber, daß er noch lebte, daß sie ihn nicht getötet hatte.

Ohne etwas zu sagen, trat er auf sie zu.
Sein Gesicht war ausdruckslos, die Augen hart.
Er hob die Hand zum Schlag.

Asuka hielt den Atem an.
Sollte er sie schlagen, sie hatte es wohl verdient...

„Weißt du eigentlich, was du getan hast?“ flüsterte Shinji völlig ruhig, seine Stimme war kalt wie Eis.

„Es... es tut mir leid... ich wollte dich nicht mit dem Messer...“

Er gab ein verächtliches Schnauben von sich.
Es war so schwer, nicht zuzuschlagen, ihr nicht mit aller Kraft ins Gesicht zu schlagen.
Dabei war längst vergessen, daß sie ihm ein Messer in den Bauch gestoßen hatte. Doch daß sie auf Rei geschossen hatte, das konnte er weder vergeben noch vergessen...
Doch Rei hatte ihn darum gebeten...
Er ließ die Hand sinken, ging wortlos an ihr vorbei.
Er mußte Rei suchen... wie hatte sie doch gesagt... sie würden sich dort treffen, wo sie einan-der zum ersten Mal getroffen hatten...

„Shinji, warte, bitte...“

Er drehte sich nicht um.
„Ich habe besseres zu tun.“

Asuka blieb zurück, während er auf den Zugang des Zentralen Schachts zurannte und die scheinbar endlose Wendeltreppe hinaufstürmte.

Wo sie einander zum ersten Mal begegnet waren...
Es schien erst wenige Tage zurückzuliegen, daß er Rei zum ersten Mal getroffen hatte... da-mals im Hangar... die Erinnerung war immer noch klar und deutlich... das schwerverletzte Mädchen auf der Rollliege, welches sich so verzweifelt - und zugleich vergeblich - bemüht hatte, sich aufzusetzen, während die Sanitäter die Flucht ergriffen, als sich erste Risse in der Hangardecke zu bilden begannen...

Schweratmend stürmte er durch die offenen Tore bis in den EVA-Hangar.

Der Hangar war leer, keiner der EVANGELIONs befand sich in seinem Käfig.
Kurz hielt Shinji inne, um sich zu fragen, wo wohl EVA-01 war, doch andere Dinge waren wichtiger.

„Rei-chan!“ brüllte er aus Leibeskräften.

Im Hangar gab es ein Echo. Und das war auch die einzige Antwort, die er erhielt.

Shinji sah sich gehetzt um, kletterte die nächste Metalleiter zu den Laufstegen hinauf, lief jeden einzelnen von ihnen ab auf der Suche nach Rei.
Doch sie war nicht da...

Verzweifelt ließ er sich auf die Knie sinken...

*** NGE ***


Vier physisch nicht mehr existierende Personen trafen sich in einem Raum, der ebenfalls nicht wirklich existierte.
Es war derselbe Raum, in dem sich die Mitglieder der SEELE-Verschwörung getroffen hatten.
Und irgendwie paßte es, denn an diesem Tag sollte eine neue Verschwörung ihren Anfang nehmen, welche SEELE bei weitem in den Schatten stellen würde.

Naoko Akagi stand am Kopf des langgezogenen Tisches und blickte ihre Schicksalsgefährten an.
„Ich begrüße Sie. Es ist sehr lange her, seit wir uns das letzte Mal gesehen haben.“

Diese vier kontrollierten die MAGI. Und über das Primärsystem kontrollierten sie die Bac-kup-Systeme. Die Backup-Systeme ermöglichten ihnen die Kontrolle über das Internet und sämtliche an dieses angeschlossene Systeme.

„Warum sind wir hier?“ fragte Yui Ikari.

„Wir müssen entscheiden, was geschehen soll.“

„Worauf wollen Sie hinaus?“

„Die MAGI sind ein uneinschätzbares Machtmittel. Sie dürfen keiner Partei in die Hände fallen.“

„Und was soll dann geschehen?“ warf Kyoko Soryu ein.

„Wir werden die physische Kontrolle über die MAGI erlangen“, erklärte Larsen.

„Wie gedenken Sie das zu tun?“

„Mittels der EVAs. Im Augenblick befinden sich zehn Einheiten unter unserem Kommando, das sollte genügen, um die Geofront in unsere Hand zu bringen.“
Er erhob sich.
„Mit den MAGI stehen uns die Mittel zur Verfügung, nicht kontrollierend, sondern regulie-rend zum Wohle der Menschheit tätig zu werden. Wir verfügen über die Ressourcen um na-hezu jedes logistische Problem zu lösen, wir können beratend und stabilisierend tätig wer-den.“

„Und das können wir nur, wenn wir wirklich unabhängig sind.“ folgerte Yui Ikari.

„Ja.“ bestätigte Naoko. „Deshalb habe ich Sie hierher gebeten. Wir vier verfügen über die nötigen Fähigkeiten, um den Plan zu verwirklichen. Herrn Larsen habe ich bereits überzeu-gen können.“

„Ich bin der Ansicht, daß wir es versuchen sollten. Wir können mit den Mitteln, über die wir verfügen, den Menschen helfen.“

Yui nickte.
„Ich bin dabei. - Doktor Soryu?“

Kyoko Soryu zögerte, überlegte.
„Gut. Aber... ich will nicht wieder von meiner Tochter getrennt werden.“

„Ja...“

Naoko sah in die Runde.
„Jetzt benötigen wir noch einen Namen.“

„Hm.“ machte Larsen. „Ich schlage vor, wir operieren unter dem Namen... ERZENGEL.“

„Ziemlich ironisch, wenn man bedenkt, was in den letzten Monaten geschehen ist...“

*** NGE ***


Die eingedrungenen Truppen hatten sich tatsächlich zurückgezogen. In Tokio-3 und der Geofront hatten die NERV-Streitkräfte wieder die Oberhoheit.
Rund um das Hauptquartier hatten sich die EVANGELIONs der Massenproduktionsserie versammelt.

*** NGE ***


In New-New York war der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen wenige Minuten nach dem Beginn des Angriffes der japanischen Streitkräfte auf Tokio-3 zu einer Krisensitzung zusam-mengetreten.
Zu behaupten, daß bei den Anwesenden die Nerven blanklagen, wäre die reinste Untertreibung gewesen. Verdächtigungen und Anschuldigungen, wer hinter der Aktion stand, füllten den Si-tzungssaal. Schließlich kam die Mitteilung, daß der Angriff abgebrochen worden war.
Kurz darauf kam eine Videoverbindung zum NERV-Hauptquartier zustande.

Auf einem großen Bildschirm an der Stirnwand des Raumes erschien das NERV-Logo, wurde dann von einem Bild Kozo Fuyutsukis ersetzt. Der Stellvertretende Kommandant kam sofort zur Sache.
„Meine Damen und Herren, ich möchte Sie darüber informieren, daß die Stadt Tokio-3 und das NERV-Hauptquartier in der Geofront ohne Provokation von den Streitkräften der JSSDF angegriffen worden sind.
Der Angriff konnte abgewehrt werden, jedoch sind sowohl unter der Zivilbevölkerung wie auch unter den NERV-Angehörigen zahlreiche Opfer und Verletzte zu beklagen. Ich beantra-ge, diese Vorgehen auf das Schärfste zu verurteilen und die Verantwortlichen zur Rechen-schaft zu ziehen. Über die Datenleitung lasse ich Ihnen soeben umfangreiche Informationen über eine Gruppierung namens SEELE zukommen, welche ich persönlich für die Drahtzieher des feigen Übergriffes halte.
NERV wurde ins Leben gerufen, um die Menschheit gegen die Bedrohung durch die Engel zu verteidigen; der Versuch, das Hauptquartier zu übernehmen, hat der Organisation möglicher-weise großen Schaden zugefügt. Nähere Berichte hierzu folgen, sobald ich selbst über die ent-sprechenden Daten verfüge. Wir bitten um Unterstützung von Seiten der UN-Streitkräfte, in erste Linie benötigen wir medizinisches Personal und Ausrüstung, da während der Kämpfe un-ter anderem das Städtische Krankenhaus zerstört wurde. Danke.“
Er unterbrach die Verbindung, ehe die Wut, die er fühlte, seine zur Schau getragene Maske der Ruhe zerbrechen konnte.
Wieder erschien das NERV-Logo auf dem Bildschirm, ehe dieser gänzlich dunkel wurde.

*** NGE ***


Fuyutsuki begann seine Schadensaufnahme auf der Krankenstation des Hauptquartiers. In ei-nem unbenutzten Seitentrakt lagen die Gefallenen dieses Tages unter weißen Laken.
Es waren viel zu viele, wie eine stumme Prozession von langen weißen Hügeln.

Neben einem der Toten kniete Misato Katsuragi.

„Wurde Major Kaji mittlerweile auch hierher gebracht?“ fragte der Professor.

„Ja...“ murmelte Misato.

„Ohne ihn wäre das Hauptquartier SEELE in die Hände gefallen.“

Sie sah auf.
„Sie wissen also auch darüber Bescheid.“

„Dann hat er mit Ihnen darüber gesprochen?!“

„Ja.“

„Hm... Es kann sein, daß Sie als ranghöchster diensttauglicher Offizier bald das Kommando übernehmen werden. Ich habe den UN-Sicherheitsrat alles zukommen lassen, was ich über SEELE und Ikaris Verbindungen zu dieser Gruppe gesammelt habe... und was Kaji gesammelt hatte - er hatte mir eine Kopie seiner Daten anvertraut.“

„Ja.“

„Ich habe zugesehen und geschwiegen.“
Fuyutsuki hob die Schultern.
„Wenn man mich dafür zur Rechenschaft ziehen will, werde ich mich nicht widersetzen. Und deshalb... ich wollte Sie bitten...“
Er schluckte.
Nein, jetzt war nicht der richtige Augenblick...
„Später.“
Damit wandte er sich ab.

Ritsuko Akagi befand sich bereits im Operationssaal. Derzeit waren insgesamt fünf Ärzteteams dabei, die Schwerverletzten zusammenzuflicken. Akagi wies eine Schußwunde an der Schulter und leichte Verletzungen der Wirbelsäule und des Beckens auf, letztere resultierten aus ihrem Sprung von dem Laufsteg.

Fuyutsuki machte sich einen Überblick über die Zahl der Verletzten und die Schwere der Ver-wundungen, erhielt vom leitenden Arzt die Information, daß mit weiteren Todesfällen zu rech-nen sei.
Für den Professor wuchs mit jedem Schritt, mit jedem Wort, das er mit den Leuten, welche ihm begegneten, wechselte, die Last auf seinen Schultern.
Endlich hatte er die Krankenstation verlassen, steuerte jetzt den EVA-Hangar an.

Keiner der EVANGELIONs befand sich an seinem Platz.
Dafür fand er Shinji, der auf einem der Stege hockte und die Beine in die Tiefe baumeln ließ.

„Shinji?“

Der Junge blickte nicht auf.
„Sie sind alle fort...“

Fuyutsuki ging neben ihm die Knie.
Sein Sohn...
Sein und Yuis Sohn...
„Wer ist fort?“

„Rei... Kaworu... Mutter...“

Der Professor sog scharf die Luft ein.
„Yui...?“

„Ja. Ihre Seele befand sich in Einheit-01, wußten Sie das?“

Fuyutsuki schloß die Augen.
Natürlich hatte er das gewußt... deshalb hatte er sich doch nur an dem ganzen Wahnwitz betei-ligt... um sie zu befreien...
„Ja. Es war mir bekannt.“

„Das dachte ich mir... EVA-01 ist auch verschwunden. Er ist nicht im TerminalDogma. Und hier ist er auch nicht.“

„Shinji, was ist geschehen? Wir wissen, daß im Dogma fünf Engel erschienen sind.“

„Ja. ADAM, LILITH, Tabris und...“
Shinji schluchzte.
„Sie ist fort... Rei ist fort... dabei hatte sie mir gesagt, sie würde dort auf mich warten, wo wir uns zum ersten Mal begegnet sind...“

Fuyutsuki setzte sich neben Shinji auf den Laufsteg.
Die Hilflosigkeit, die er bereits die ganze Zeit über verspürt hatte, schlug voll durch.
Er konnte nur dasitzen und schweigen, konnte sich nicht dazu durchringen, den Jungen, seinem Sohn, die Wahrheit zu berichten...

*** NGE ***


„Misato?“ fragte Asuka zögernd.

Noch immer kniete Katsuragi neben Kajis Leichnam.

Asuka trat neben sie, erkannte, wer sich unter dem Tuch befand.
„Kaji ist...“

„Ja, Asuka.“
Misato machte eine weit ausholende Geste.
„Sie sind alle tot. Und wir haben überlebt.“

„Das...“
Asuka schniefte. Die Tränen kamen ganz von selbst.
„Misato... ich wollte dir sagen... es tut mir leid.“

„Was?“

„Alles... ich war gemein zu euch allen, ich habe viele Fehler gemacht... und zuletzt... ich war nicht mehr ich selbst...“

Misato sah auf, nickte.

„Kann ich... kann ich mich irgendwie nützlich machen?“

„Zieh dir erst einmal etwas richtiges an. Und dann... vielleicht kann man dich auf der Kranken-station gebrauchen, du hast doch einen Erste-Hilfe-Kurs hinter dir?!“

„Ja.“

*** NGE ***


Die nächsten Tage kam eigentlich niemand wirklich zur Ruhe.

Noch am Abend des ersten Tages war die angeforderte Hilfe eingetroffen. Dann begannen die Aufräum- und Bergungsarbeiten. Von Tokio-3 waren nur noch wenige Straßenzüge intakt, die Überlebenden verließen die Stadt in Strömen, wurden zunächst in Auffanglagern in der Nähe untergebracht.

Shinji irrte drei Tage lang durch das Hauptquartier, dann durch die Geofront, schließlich durch die Ruinen an der Oberfläche. Er suchte all jene Orte auf, an denen er mit Rei gewesen war - die Schule, von welcher nur noch ein Seitenflügel stand, ihr altes Apartmentgebäude, das den Angriff der JSSDF seltsamerweise völlig unbeschadet überstanden hatte, den kleinen verwil-derten Park, in dem sie sich zum ersten Mal geküßt hatten, die Ruine, die sich an der Stelle er-hob, wo sich noch vor wenigen Tagen das Wohnhaus befunden hatte, in dem Misato ihr Apart-ment gehabt hatte. Shinji erkannte, daß er alles verloren hatte, selbst wenn irgendwo unter den Trümmern noch intakte Dinge aus seinem Besitz existierten, so waren sie vollkommen außer-halb seiner Reichweite. Und Misato hatte auch ihre persönliche Habe verloren, aber wenigstens war PenPen nicht zu Schaden gekommen...
Nur Rei fand er nicht, so sehr er sich auch den Kopf zermarterte, ob sie ihre letzte Äußerung vielleicht anders gemeint hatte.
Trotzdem glaubte er immer noch, ihre Gegenwart zu spüren, ganz wie vor einer knappen Wo-che, nachdem EVA-01 EVA-00 zerfetzt hatte.
War es wirklich erst eine Woche her - oder noch nicht einmal eine ganze Woche...
Was war in der Zeit alles geschehen... für ihn waren mehr als fünfzehn Jahre vergangen, ob-wohl man es ihm äußerlich nicht mehr ansehen konnte.

Am dritten Tag - Shinji hockte auf der Türschwelle von Reis Haus - fiel ein Schatten auf ihn.
Müde blickte Shinji hoch, wußte bereits, daß es nicht seine Rei-chan sein konnte.
„Misato...“

„Ich habe dich gesucht... eigentlich hat dich eine ganze Reihe Leute gesucht.“

„Tut mir leid.“ murmelte er.

„Nein, mir tut es leid.“ flüsterte Asuka, welche hinter Misato hervorgetreten war.
Sie trug ihr rotes Kleid, sowie eine Augenklappe aus schwarzem Leder.

„Meinst du es dieses Mal ehrlich?“

„Ich... ja... bitte, glaube mir.“

„Asuka, ich kann dir viele Dinge verzeihen, sogar daß du mich angegriffen und fast getötet hast... aber was du im Dogma getan hast...“

„Im Dogma...?“
Jetzt dämmerte es ihr.
All die vielen Reis... und schlußendlich die beiden im Korridor unter dem Zentralen Schacht, die eine bereits halb zerfallen, die andere verletzt...
„Ich habe... nein... bitte, sag mir, daß ich nicht... daß ich nicht die echte...“

„Doch, Asuka.“

„Nein...“
Asuka brach in die Knie.
„Nein... bitte... ich wollte das nicht... ich dachte... das...“

Misato blickte Shinji betroffen an.
Asuka hatte Rei erschossen...
„Das also ist wirklich im TerminalDogma geschehen...“

Shinji stand auf.
„Ja. Mein... Vater war von ADAM, dem Ersten Engel übernommen wurden. Kaworu, Rei und ich wollten den anderen Engel, LILITH, befreien. Kaworu war in Wirklichkeit Tabris, der letz-te der Engel. Unten trafen wir auf die andere Rei. Es kam zu einem Kampf... sie verfügte eben-falls über die Kräfte eines Engels. Und... dann tauchte Asuka auf.“

„Ich wollte deiner Rei nichts tun... da waren so viele Reis... und sie wollten alle eine Seele... ich dachte...“

„Ja, Asuka. Und deshalb ist sie jetzt fort. Und ironischerweise hast du zugleich die Welt geret-tet...“

*** NGE ***


Am vierten Tag wurden die Gefallenen in der Geofront bestattet.
Kozo Fuyutsuki hielt an diesem Tage mehrere Reden.
Die Zahl der Toten ging in die Hunderte, hauptsächlich Zivilisten. Unter ihnen war auch Toji Suzuharas Großvater.

Tonlos drückte Shinji Toji sein Bedauern über den Tod des alten Mannes aus, den er selbst kurz kennengelernt hatte, damals an jenem schicksalshaften Tag, an dem er erstmals mit Rei in einem Bett geschlafen hatte.

„Was machst du jetzt, Toji?“

„Weiß noch nicht... keine Ahnung, was mein Vater vorhat. Aber vielleicht ziehen wir in diesel-be Stadt, in die Hikari und ihre Leute gezogen sind, Mari und ich bearbeiten unseren Vater je-denfalls entsprechend. Kensuke würde auch nicht sehr weit weg wohnen... wer weiß...“

„Ja, wer weiß...“

*** NGE ***


Am Nachmittag des fünften Tages sagte Shinji vor einem UN-Tribunal, welches in Tokio-3 zusammengekommen war, um verschiedene Dinge zu klären, über die Ereignisse und seine Verbindung zu seinem Vater aus.
Auch Misato, die sich auf dem Weg der Genesung befindliche Ritsuko und eine ganze Reihe weiterer Offiziere mußte aussagen.
Am Ende der Anhörung wurde unter anderem bestätigt, daß Kozo Fuyutsuki keine Schuld an den Vorkommnissen traf, dem Professor wurde aber nahegelegt, seine Position niederzulegen, was er noch am selben Tag tat.
Ungeklärt blieben der Aufenthaltsort von EVA-01, sowie das Rätsel, welches das First Chil-dren umgab.

*** NGE ***


Als Misato Kajis Büro im Hauptquartier ausräumte, fiel ihr ein an sie adressierter Brief in die Hände, mit welchem sie sich in ihr eigenes Büro zurückzog und die Tür abschloß.
Lange überlegte sie, ob sie den Brief wirklich lesen wollte
Schließlich riß sie ihn auf, entnahm den Zettel aus dem Umschlag und faltete ihn auseinander...

Katsuragi-chan,
irgendwie ist es seltsam, es gibt so vieles, das ich dir sagen möchte, doch ich finde meistens nicht die richtigen Worte. Gerade war ich Zeuge, daß Kommandant Ikari sich in ein Monster verwandelt hat, allerdings konnte er gestoppt werden, aber das weißt du ja schon. Ich habe keine Ahnung, ob ich den Ausgang des ganzen erleben werde, hoffe es aber. Aber wenn du diese Zeilen liest, wird es wohl nicht so geklappt haben, wie ich es mir dachte.
Katsuragi... Misato... ich habe einen ganzen Haufen Fehler gemacht in meinem Leben, würde ich an die Wiedergeburt glauben, müßte ich wahrscheinlich diesbezüglich Furcht empfinden, zum Glück bin ich Atheist, was auch immer daraus erwachsen mag.
Ich wünsche dir nur das Beste, in Liebe, Ryoji.

*** NGE ***


Am sechsten Tag erhielt Fuyutsuki auf Anfrage von den MAGI die Auskunft, daß Shinji sich im EVA-Hangar aufhielt.

Mittlerweile war der Hangar in seinen Aufnahmekapazitäten ausgelastet, in den Käfigen stan-den EVA-02 und sieben der Serienproduktionsmodelle, alle bis zur Brust in den jetzt ansonsten leeren Becken versenkt, da die LCL-Zufuhr mangels unfreiwilligem Spender versiegt war.

Shinji stand auf dem Hauptsteg zwischen den Becken.
Und wenn er nicht immer noch Reis Präsenz hätte spüren können, hätte er in einem Schritt über die nächste Beckenkante eine durchaus attraktive Alternative zur Fortführung seiner Exi-stenz gesehen.

Fuyutsuki verspürte eine starke Traurigkeit, als er seinen Sohn mitten im Hangar stehen sah.
„Shinji!“

„Subcommander.“

Fuyutsuki seufzte.
„Nicht mehr. Ich habe meinen Rang abgegeben. Shinji, es gibt da etwas, über das ich mit dir sprechen muß.“

„Ja. Ich höre.“

„Also... deine Mutter und ich, wir kannten uns gut.“

„Das dachte ich mir schon.“

„Ah?“

„Ich war glücklich, als ich erfuhr, daß Gendo Ikari nicht mein leiblicher Vater war.“

„Hm... Shinji... ich...“

„Ich weiß es. Aber ich möchte jetzt nicht darüber sprechen.“

Fuyutsuki wich einen Schritt zurück.
„Ich verstehe. Aber... wenn du dich etwas erholt hast...“

Shinji lächelte schwach.
„Ja. Aber zuerst muß ich Rei finden.“

„Shinji...“

„Keine Sorge, ich beabsichtige nicht, sie im Totenreich zu suchen... sie ist hier irgendwo, ich kann ihre Nähe spüren.“

Der Professor nickte schwach.
„Ich habe die Hinterlassenschaften deines... des Kommandanten gesichtet. Die Kommission hat Hinweise darauf fallengelassen, daß er vielleicht Gelder veruntreut und zur Seite geschafft hat... große Geldbeträge. Nun, ich habe keine Ahnung, ob das stimmt und wenn, wo sich diese Gelder befinden könnten.“

„Ich weiß es auch nicht.“

„Natürlich. Aber ich habe das hier gefunden.“
Er reichte Shinji einen nicht adressierten Umschlag.

„Ist der für mich?“

„Nein. Aber er enthält vielleicht alles, was als dein Erbe in Frage kommt.“

Shinji schüttelte den Inhalt des Umschlages in seine Hand.
Es war ein kleiner Schlüssel, in den eine Nummer eingraviert war: 666.

„Das scheint mir ein Schließfachschlüssel zu sein. Der Kommandant hat sich in den letzten Jah-ren mehrfach in der Schweiz aufgehalten.“

„Ja?“

Fuyutsuki griff in seine Jackentasche.
„Ich habe hier eine Zugfahrkarte für dich, sowie ein Flugticket nach Genf - natürlich mit Rück-flug. Und etwas Geld, sowie ein paar weitere Informationen, etwa das Hotel, in dem Gendo abzusteigen pflegte. Wenn du das Fach findest, zu dem der Schlüssel paßt, findest du auch dein Erbe.“

„Aber es ist gestohlenes Geld.“

„Geld, das zum Bau von Waffen eingesetzt werden sollte. Ich denke, du kannst damit sinnvol-leres anfangen. Oder du gibst es zurück. Egal, wie du dich entscheidest, ich möchte dir noch eins sagen - wenn... ah... wenn ich dir irgendwie helfen kann, dann zögere nicht, dich an mich zu wenden, ja?“

„Ja... Gut, ich werde herausfinden, zu welchem Schloß der Schlüssel paßt...“

*** NGE ***


Am Morgen des siebten Tages klopfte Shinji leise gegen Misatos Bürotür. Zwar war sie derzeit Oberbefehlshaberin der Operation, allerdings hatte sie sich in den letzten Tagen seit der Beerdi-gung kaum blicken lassen.

„Es ist offen.“

Shinji betrat das abgedunkelte Büro.
„Uhm... Misato...“

„Ja? Shinji, was gibt es?“

„Ich... Ich wollte dir nur sagen, daß ich mich auf eine Reise begeben werde... ich weiß nicht, wann wir uns wiedersehen werden...“

„Ja, der Subcommander hat es mir bereits gesagt.“
Misato seufzte.
„Du mußt wohl deinen Weg allein gehen... wann bist du nur erwachsen geworden...“

„Uh... ich glaube, das war an dem Tag, als ich nach Tokio-3 kam.“

„Ja... möglich... wir hätten dich nie gegen deinen Willen dazu zwingen dürfen.“

„Misato... wenn ich es nicht getan hätte, hätte Rei EVA-01 steuern müssen. Und sie war be-reits verletzt...“

„Könnte es sein, daß du mir damals nicht die ganze Wahrheit gesagt hast, als du meintest, du hättest es nicht für sie getan?“

„Ahm...“

Misato lachte kurz.
„Ich werde immer für dich da sein, egal, worum es geht. Wenn du mit jemandem über Rei...“

„Nein, Misato. Das... das möchte ich nicht.“

„Du glaubst, sie wäre noch am Leben? Aber du hast mir doch erzählt, Asuka hätte...“

„Rei-chan hat es mir versprochen... ich... ah... Misato...“

„Shinji-kun... vielleicht wird eine Reise dir gut tun, vielleicht kommst du auf andere Gedanken. Und wenn ich könnte, würde ich mitkommen, ich könnte auch einen Tapetenwechsel gebrau-chen. Aber derzeit bin ich der ranghöchste Offizier hier. Und offiziell könnten immer noch En-gel angreifen. Aber darauf wären wir vorbereitet mit den ganzen EVAs unter Fernsteuerung der MAGI.“

Shinji nickte.
„Ich vermisse Kaji-san auch.“

„Ja.“
Misato schniefte.

„Misato... Danke für alles. Du hast mich bei dir aufgenommen und mir ein Heim gegeben... zweimal. Du hast mich und Rei gedeckt... du warst wie eine Mutter zu mir.“

„Ach, Shinji...“

„Danke für alles.“ wiederholte er leise und verließ das Büro.

*** NGE ***


Auch der Bahnhof von Tokio-3 hatte seinen Teil an Zerstörungen abbekommen. Zwar waren die Gleise mittlerweile geräumt worden, doch Züge fuhren nur wenige, seitdem Tokio-3 zu einer Geisterstadt geworden war.

Shinji stand auf dem Bahnsteig, eine kleine Reisetasche in der Hand.
Sein Blick wanderte über die Skyline der Stadt, welche sehr unregelmäßig und von Ruinen ge-prägt war. Der Angriff der JSSDF hatte keine Zeit gelassen, die Hochhäuser und sonstigen An-lagen in die Geofront zu holen, ebenso wie es keine Zeit gegeben hatte, um eine Evakuierung durchzuführen.
Die meisten Engel waren gnädiger gewesen als die Menschen...

„Der Mensch ist des Menschen Feind...“ murmelte Shinji eine alte Weisheit, welche vor ihm schon ganz andere entdeckt hatten.
Das Gefühl, daß Rei in der Nähe war, existierte noch immer. Jedesmal, wenn er in sich hinein-horchte und versuchte, sie auf diesem Weg zu finden, jedesmal, wenn er erfolglo aufgab, über-kam ihn eine tiefe Traurigkeit.

Über Lautsprecher wurde durchgegeben, daß sein Zug in fünf Minuten eintreffen würde.

Noch einmal blickte Shinji zu der Stadt hinüber, der Bahnhof lag leicht außerhalb.
Ein Schwarm Tauben zog über den Himmel.

Tauben...
Shinji blinzelte.
Eine Erinnerung...
Er war gerade in Tokio-3 angekommen, hatte auf dem Bahnsteig gestanden und sich nach Misato umgesehen, als die Warnsirenen die Bewohner der Stadt zur Evakuierung in die Bun-keranlagen aufgefordert hatten.
Und da hatte er sie gesehen...
Sie hatte nur dagestanden, der Wind hatte mit ihrem hellblauen Haar gespielt, sie hatte eine Schuluniform aus weißer Bluse und dunkelblauer Jacke und Rock, dazu weiße Socken und blaue Schuhe getragen und ihm den Eindruck vermittelt, ihn direkt anzusehen.
Und plötzlich war sie wieder fortgewesen, als ein Taubenschwarm durch sein Blickfeld geflo-gen war...

Shinji schnappte nach Luft.
Er hatte Rei gar nicht im Hangar finden können, weil sie sich dort nicht zum ersten Mal begeg-net waren...

Hinter ihm kam lautes Flügelschlagen auf.

Shinji bewegte sich nicht, preßte nur die Arme an den Körper und zog den Kopf zwischen die Schultern, als mehrere Flügel ihn berührten.
Plötzlich befand er sich mitten in einem Vogelschwarm.
Doch das Erlebnis war ebenso schnell wieder vorbei, als der Schwarm ihn passierte.
Es waren keine Tauben, sondern Schwalben...

In der christlichen Mythologie heißt es, daß eine Schwalbe die Seele eines Neugeborenen vom Himmel zur Erde trägt...
Woher das Wissen kam, ob es eine Eingebung war, oder eine Erinnerung an etwas, daß er ein-mal - vielleicht von Misato - aufgeschnappt hatte, konnte Shinji nicht sagen. Er konnte mit leicht offenstehenden Mund zusehen, wie die Schwalben auf dem Bahnhofsvorplatz einen Tanz aufzuführen schienen, einen wilden Reigen, bei dem die Vögel sich schnell flatternd im Kreis bewegten und dann in die Höhe schraubten, einen Augenblick lag eine Säule aus Vogelleibern bildeten und dann wieder am Himmel davonzogen.

Doch der Schwalbenschwarm hatte etwas zurückgelassen...

Sie stand nur da, der Wind spielte mit ihrem kurzen hellblauen Haar, sie trug eine Schuluniform aus weißer Bluse und dunkelblauer Jacke und Rock, dazu weiße Socken und blaue Schuhe und blickte ihn direkt an.

Shinji begann zu weinen vor Freude, als er langsam auf sie zuging und Rei schließlich in die Arme schloß...
Epilog:

Mit Hilfe der von Kozo Fuyutsuki übermittelten Informationen wurde die SEELE-Verschwö-rung komplett ausgehoben. Die meisten der Mitglieder von SEELE, welche die Aktionen der RABEN überlebt hatten, wurden gestellt und festgesetzt.
Ein halbes Jahr später wurden sie von einem internationalen Gericht der Verschwörung gegen die Menschheit für schuldig befunden und zu lebenslanger Haft verurteilt, zwei von ihnen be-fanden sich zu diesem Zeitpunkt noch auf der Flucht und wurden in Abwesenheit verurteilt. Die Nachforschungen des Tribunals ergaben, daß die fünf ranghöchsten Angehörigen der Ver-schwörung bereits von Agenten des UN-Geheimdienstes ODIN ausgeschaltet worden waren, weitere Recherchen führten zu der Erkenntnis, daß der verstorbene Stellvertretende Direktor George Spender den ebenfalls zu Tode gekommenen Commander Wolf Larsen mit der Sache betraut hatte, auf dessen Auftrag hin die RABEN gehandelt hatten, was zu einer posthumen Ehrung der beiden Offiziere führte.

*** NGE ***


Am vierzehnten November des Jahres 2015 übernahm Misato Katsuragi das Kommando über NERV, mit der Kommandoübernahme war eine Beförderung zum Colonel verbunden, aller-dings war ihr Status alles andere als einredefrei; die UN installierten ein dreiköpfiges Berater-corps, welches imstande war, jede Entscheidung der Kommandantin aufzuheben.

Am gleichen Tag erhielt Misato einen Brief, der in der Schweiz aufgegeben worden war.
Inliegend waren ein engbeschriebener Zettel und ein Photo, das Bild zeigte Shinji Ikari und Rei Ayanami vor dem Hintergrund der Alpen.
Misato blieb die Luft weg.
Also hatte Shinji-kun seine Rei-chan wiedergefunden...
Mit zitternden Fingern faltete sie den Zettel auseinander und überflog die Zeilen in Shinjis or-dentlicher Schrift.

Liebe Misato,
Wie du sicher auf dem Bild gesehen hast, sind Rei und ich wieder zusammen. Und wenn ich dabei auch nur das Geringste zu sagen habe, wird sich daran auch nichts ändern.
Meine andere Suche war ebenfalls von Erfolg gekrönt, wir befinden uns, wenn du diese Zeilen liest, voraussichtlich bereits wieder in Japan. Wir werden jedoch nicht nach Tokio-3 zurück-kehren, dort gibt es zuviele Erinnerungen, hab bitte Verständnis dafür. Du warst mir Beschü-tzerin, Mitbewohnerin, Vertraute, Schwester und Mutter, dafür danke ich dir. Grüß bitte PenPen von mir. Und auch Doktor Akagi, Maya und den Subcommander. Und auch von Rei. Wir werden versuchen, uns ein eigenes Leben aufzubauen. Ich kann dir nicht versprechen, ob und wann wir uns wiedersehen, da weder Rei noch ich wieder etwas mit dem Militär und NERV zu tun haben wollen. Bitte, richte Asuka von Rei aus, daß sie ihr nicht nachträgt, viel-leicht lindert das die Schuld, welche sie verspürt.
Shinji.

„Viel Glück euch beiden...“ flüsterte Misato.

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Ritsuko Akagi, kaum aus der Krankenstation entlassen, begann auf den Rat der MAGI hin mit der Konstruktion einer Serie humanoider Arbeitsroboter, einfacher Maschinen, die unter der Kontrolle der MAGI imstande waren, sich um die Instandhaltung der EVAs und der Hangaran-lagen zu kümmern.

Zwei Wochen nach der Kommandoübernahme Misato Katsuragis traf die von SEELE benutzte Fernsteuerungseinrichtung für die Serienmodelle ein und wurde im TerminalDogma in der großen Höhle installiert.

*** NGE ***


Im Militärkrankenhaus von Wilhelmshaven zeigten mehrere der Geräte, mit denen Ann Larsen verbunden war, plötzliche Aktivitäten. Allerdings deutete nichts darauf hin, daß die Patientin aus ihrem Koma erwachen würde.
Der Versuch, den Gehirntumor operativ zu entfernen, war erfolglos verlaufen, zuviel Gewebe war bereits befallen. Dennoch wurde ihr Körper aufgrund einer mittlerweile längst vergessenen Anordnung George Spenders am Leben erhalten.

Nach und nach schalteten sich diese Geräte jetzt von selbst ab, ohne daß auf der Wachstation der Nachtschwester ein Alarm zu blinken begann.

„Schlafe wohl, meine Geliebte“, schien eine leise Stimme zu flüstern...

*** NGE ***


Am dritten März 2016 erschütterten schwere Beben den Untergrund von Tokio-3 - und damit die Decke der Geofront. Später sollte sich herausstellen, daß die Beben von exakt abgestimm-ten Explosionen hervorgerufen wurden.
Tokio-3 war mittlerweile völlig verlassen.
Erste Trümmerstücke schlugen in direkter Nähe der NERV-Pyramide auf, riesige Felsbrocken, die Krater in den Boden schlugen.
In aller Eile wurden die Anlagen in der Geofront evakuiert.
Die EVAs widersetzten sich allen Befehlen, ebenso weigerten sich die MAGI, sich fortbringen zu lassen, indem sie alle Tore innerhalb des TerminalDogmas verriegelten.
Die letzte Person, die das Hauptquartier verließ, war Doktor Akagi.
Bis zuletzt harrte sie in der Kommandozentrale aus, während es draußen Felsen hagelte.

„Ritsuko, komm endlich!“ rief Misato vom Eingang her. Außer ihr war nur noch Maya anwe-send.

„Misato, ich muß es wissen...“
Sie wandte sich den Terminals zu.
„Das ist dein Werk, Mutter, nicht wahr?“

„Sempai?!“
Maya sah verwirrt Misato an, wollte fragen, was denn mit ihrer Mentorin los war.

Da leuchtete der große Bildschirm auf, es erschien ein bis dahin unbekanntes Symbol, drei Würfel, welche ein nach oben gerichtetes Dreieck bildeten, das wiederum von einem Krei um-geben war.
„Ja. Es ist unser Werk.“
Die Stimme, welche aus den Lautsprechern kam, war völlig geschlechtsneutral.
„Wir können die EVANGELIONs nicht in den Händen einer einzelnen Gruppe lassen. Diese Macht kann zu schnell zu einer Versuchung werden, da ist es besser, diese Macht unter Fels zu begraben.“

„Mutter...“ flüsterte Ritsuko. „Warum tust du das?“

„Es gibt keinen anderen Weg. Solange die EVAs existieren, kann jederzeit wieder eine ein-zelne Gruppe den Plan fassen, sie in ihre Hand zu bekommen. Du solltest jetzt gehen.“

„Verdammt, Ritsuko, hör auf die Kiste!“

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Nachdem die Menschen das Hauptquartier und die Geofront fluchtartig verlassen hatten, kam die Erde wieder zur Ruhe. Der Gesteinshagel endete.
Dafür wurden sämtliche Zugänge von Seiten der MAGI aus versiegelt.
Um in die Geofront zu gelangen, müßte man sich jetzt durch Tonnen von Fels graben und sich im Anschluß mit den Verteidigungsanlagen auseinandersetzen. Offiziell wurde das NERV-HQ für vernichtet erklärt.

Nur eine Person hatte die Pyramide nicht verlassen.

Asuka Soryu Langley stand auf dem Laufsteg vor EVA-02 und hielt stumme Zwiesprache mit der Einheit.
Endlich war sie allein, endlich war niemand mehr in der Nähe, dem sie vielleicht ungewollt wehtun konnte, niemand mehr, den sie verletzen konnte.
Nur die EVAs waren noch bei ihr, stumme Gefährten im selbstgewählten Exil...

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Misato wurde aufgrund des Verlustes des Hauptquartiers und der EVAs wieder zum Captain degradiert, den Rest des Jahres 2016 driftete sie von einem UN-Stützpunkt zum nächsten, bis sie im Frühjahr 2017 den Dienst quittierte.

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Kozo Fuyutsuki trat zu Beginn des Jahres 2016 eine Professorenstelle an der Universität von Osaka-2 an. Nach den Ereignissen in Tokio-3 am 3.März half er Ritsuko Akagi, welche von verschiedenen Gruppen der privaten Wirtschaft stark umworben wurde, aber - zu Recht – be-fürchtete, daß man sie nur dazu bringen wollte, weitere Biowaffen zu züchten oder Mechas zu konstruieren, ebenfalls an der Universität Fuß zu fassen.

Akagi legte sich eine bescheidene Wohnung zu, die sie von ihrem Gehalt gerade tragen konnte, die Bank, von der sie damals ein Darlehen erhalten hatte, um die Behandlungen Hikari Horakis und Mari Suzuharas tragen zu können, verschlang mit ihren Zinsen den Rest.

Maya Ibuki promovierte gegen Ende des Jahres und eröffnete ihre eigene Programmierfirma, deren Spezialgebiet Systemanalytik war.

Im April 2017 stand Misato überraschend vor Ritsukos Apartmenttür, ihren Pinguin auf dem Arm, und fragte, ob Akagi sie vorübergehend bei sich aufnehmen könnte, bis sie eine Wohnung gefunden hatte.

Über seine Beziehungen schaffte Fuyutsuki es, auch Katsuragi unterzubringen, wenn auch die Möglichkeiten stark begrenzt waren; so konnte der Professor ihr nur einen Job al Nachtwäch-terin auf dem Campus vermitteln, den sie jedoch nicht ausschlug. Dank des, wenn auch niedri-gen Gehaltes konnte sie eine kleine Wohnung beziehen.

So vergingen zwei Jahre...

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Im Juli 2019 erreichte Ritsuko Akagi ein Päckchen, das in Osaka-2 aufgegeben worden war.
Ritsuko staunte nicht schlecht, als sich der Inhalt des Päckchens über ihren Küchentisch ergoß - es waren große Geldnoten. Automatisch sammelte sie die einzelnen Scheine auf, fand auch den Brief, der ihnen beilag.

Ritsuko-san,
als wir uns in der Nacht nach der Zerstörung von EVA-00 begegneten, gaben Sie mir Geld, damit ich Tokio-3 verlassen konnte. Ich möchte Ihnen hiermit den Betrag mit Zinsen zurück-zahlen, um mich für Ihre Freundlichkeit zu bedanken.
Bitte geben Sie diesen Brief an Misato-san weiter, Shinji läßt Sie beide ganz herzlich grüßen.
Rei Ayanami

Ritsuko blickte von dem Zettel zu dem Haufen Geldnoten, las dann noch einmal die Zeilen.
Sie mußte sich setzen.
Das war viel mehr, als sie Rei damals gegeben hatte. Vor ihr lag ein Vermögen auf dem Tisch.
Mehrmals mußte sie tief durchatmen.
Dann begann sie zu zählen.
Das Ergebnis überraschte sie derart, daß sie noch einmal nachzählte.
Tatsächlich kam sie zum gleichen Ergebnis wie zuvor - die Summe entsprach genau dem auf-genommenen Kredit plus ihren Ersparnissen, welche sie ebenfalls zur Erfüllung ihres Verspre-chen gegenüber Hikari eingesetzt hatte.

Eine ganze Weile saß sie wie erstarrt am Tisch...

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Der Winter desselben Jahres sah den Beginn und das abrupte Ende eines eigentlich schweren Konfliktes im Nahen Osten, zwei waffenstarrende Parteien standen sich gegenüber, offiziell ging e um Gebietsansprüche, inoffiziell jedoch lag der Grund für den schwelenden Krieg in unterschiedlichen Religionen.
Versuche von dritter Seite, den Konflikt zu entschärfen, waren gescheitert.
Zu allem Überfluß verfügten beide Seite über atomare Waffen.
Und schließlich war der Punkt gekommen, an dem sie diese auch einsetzten...

In diesem Moment schien die Welt den Atem anzuhalten, schien manch ein Mensch zu glauben, daß das Inferno der Jahrtausendwende nun einen gewissermaßen verzögerten Abschluß finden würde.

Raketen jagten in den Himmel, schossen auf bewohnte Städte zu. Doch im letzten Augenblick änderten sie den Kurs, gingen in unbewohnten Gegenden nieder, als ihre Zielcomputer von außen umprogrammiert wurden. Explosionen blieben aus, als die Sprengsätze sich selbst ent-schärften.

Die computergesteuerten Abschußrampen verweigerten den Dienst, die Oberbefehlshaber er-hielten jeder eine geheimnisvolle Nachricht, in welcher sie zu weiteren Verhandlungen aufge-fordert wurden. Unterzeichnet waren die Botschaften mit dem Wort ´Erzengel´.

Es war nicht das erste Mal, daß Erzengel in Aktion trat und auch nicht das letzte Mal, doch zuvor hatten sich die vier, welche die MAGI kontrollierten, auf kleinere Dinge beschränkt, die weniger Aufmerksamkeit erregen würden...

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Mitte des Jahres 2020 erschien bei einem kleinen japanischen Buchverlag ein Roman, welcher den Titel ´Angriff der Engel´ trug. Obwohl die Handlung an anderen Orten angesiedelt war und andere Personen benutzte, war unschwer zu erkennen, daß sie sich auf die Ereignisse des Jahres 2015 in und um Tokio-3 bezog. Die Wiedergabe war derart genau, daß es sich nur um einen Insider handeln konnte, der all das vor Ort erlebt hatte - allerdings nicht um einen belie-bigen Techniker oder gar einen der Brückenoffiziere, sondern um einen der Piloten selbst.
Das Buch erschien zunächst in kleiner Auflage, wurde dann aber aufgrund großer Nachfrage nachgedruckt und schließlich in verschiedene andere Sprachen übersetzt, bis zu einer Verfil-mung sollten aber noch fünf Jahre vergehen.

Ritsuko Akagi, welche durch ihre neugewonnene finanzielle Unabhängigkeit endlich mehr Zeit für andere Dinge hatte, formulierte eine einfache Theorie über die Identität de Autors, welche da ganz lapidar lautete: Rei Ayanami.

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Im Herbst 2022 erhielt Kozo Fuyutsuki ein Päckchen der gleichen Art wie schon Ritsuko Aka-gi drei Jahre zuvor, auch wenn ihm die Ähnlichkeit erst später aufgehen sollte.

Das Päckchen, welches der Professor in seinem Arbeitszimmer vorfand, als er abends heim-kam, blieb zunächst unbeachtet, zuerst aß er die Mahlzeit, welche seine Haushälterin für ihn warmgestellt hatte, dann ordnete er seine Unterlagen und öffnete einige andere Briefe, ehe er sich dem Päckchen zuwandte.
Darin befanden sich, sauber gebündelt, verschiedene Wertpapiere - Aktien, Inhaberpapiere und dergleichen. Und ganz oben lag ein an ihn adressierter Brief.

Ich weiß nicht, welche Anrede ich an den Anfang dieses Briefes setzen soll. Ich weiß nicht, ob ´Subcommander´, ´Professor´ oder ´Vater´ korrekt wäre. Ich weiß nicht einmal, ob ich das vertrauliche ´Du´, oder das distanzierte ´Sie´ verwenden soll. Es ist nicht einfach. Deshalb verbleibe ich bei der gewohnten Anrede, dem ´Sie´, ich hoffe, Sie verstehen dies, Professor. Zu erfahren, daß Gendo Ikari nicht mein leiblicher Vater war, nahm eine große Bürde von mir - die Angst, eines Tages wie er werden zu können. Ich wünschte, ich hätte die Wahrheit eher erfahren. Und ich wünschte, Ihnen unter anderen Umständen begegnet zu sein. Aber man kann die Zeit nicht ändern, ich habe es versucht, ich weiß es. Als wir uns das letzte Mal begegneten, boten Sie mir Ihre Hilfe an, ich hoffe, es erscheint nicht unhöflich von mir, wenn ich jetzt von diesem Angebot Gebrauch mache.
Ich bin Ihrem Rat gefolgt und habe das Erbe meines Vaters für mich beansprucht, nachdem ich Rei wiedergefunden hatte - sicher verstehen Sie nicht ganz, wovon ich spreche, aber ich möchte es gerne dabei bewenden lassen. Der restliche Inhalt des Päckchens, das ich Ihnen geschickt habe, wurde mit einem guten Teil dessen erworben, was ich fand. Ich möchte Sie nun bitten, diese Wertpapiere für mich und Rei zu verwalten, wir gehen beide davon aus, daß einige von ihnen in naher Zukunft stark im Wert ansteigen werden. Den Erlös - Dividende nennt man es wohl, glaube ich - bitte ich Sie, in vier Teile zu teilen, der erste soll auf das Konto, dessen Nummer auf der Rückseite dieses Zettels steht, überwiesen werden, damit Rei und ich etwas Geld zur Verfügung haben. Der zweite Teil steht zu Ihrer freien Verfügung. Den dritten Teil bitte ich Sie, zum Ankauf weiterer Aktienpakete und anderer Wertpapiere einzu-setzen, um den Pool zu mehren. Und der vierte Teil des Gewinnes soll gemeinnützigen Orga-nisationen nach Ihrer Wahl zukommen, ich denke, Sie können gut beurteilen, wo Geld benö-tigt wird. Sollten Sie nicht die Zeit für derartiges haben, oder sollten Sie entgegen meinen Er-wartungen zu der Auffassung kommen, dem nicht gewachsen zu sein, bitte ich Sie, die Sache in die Hände eines Notars Ihres Vertrauens zu legen.
Und bitte übergeben Sie diesen Brief - das Original, keine Kopie - Misato mit den besten Wünschen von Rei und mir.
Ich danke Ihnen... Vater...
Shinji
P.S.: Rei läßt Sie grüßen.

Fuyutsuki las den Brief mehrfach, drehte und wendete ihn, nahm dann das Päckchen selbst in Augenschein, konnte aber keinen Anhaltspunkt darauf finden, wo der Absender wohnte, seine Haushälterin berichtete später, es auf der Türschwelle vorgefunden zu haben.
Noch einmal las er sich den Brief durch.

„Du kannst auf mich zählen... mein Sohn...“

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Leise vor sich hinsummend goß Asuka die heranwachsenden Melonen in dem kleinen Garten außerhalb des Hauptquartiers.
Sie trug einen weiten Overall und keine Schuhe.
Eigentlich hätte sie es nicht nötig gehabt, sich um die Melonen zu kümmern, sie hätte es nur ih-rer Mutter mitteilen müssen, und einer der Arbeitsroboter, deren Heer mittlerweile auf über zweihundert angewachsen war, hätte sich darum gekümmert. Außerdem gab es noch die hy-droponischen Gärten, in denen Obst und Gemüse wuchsen, sowie die großen und kaum an-getasteten Vorratslager.
Aber so konnte sie sich beschäftigen, wenn es ihr langweilig wurde.
Mehr wollte sie nicht...

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Anfang 2023 erhielten Misato und Ritsuko jede eine Einladung zu einer Hochzeit, Absender waren Toji Suzuhara und Hikari Horaki. Allerdings sahen beide Frauen sich außerstande, den Termin wahrzunehmen, Ritsuko steckten mitten in einer Vortragsreihe und Misato konnte es sich nicht leisten, freizunehmen und durch das halbe Land zu fahren. Beide sagten mit Bedau-ern ab, schickten aber jede ein kleines Geschenk - und vergaßen das Ereignis in der Folge.

Erst ein gutes Jahr später, im Spätfrühling 2024, erinnerte Misato sich der Einladung und rief unter der ebenfalls angegebenen Nummer an. Sie sprach kurz mit Hikari, die sie herzlich ein-lud, sie über das Wochenende zu besuchen.
Mittlerweile hatte Katsuragis Lage sich verbessert, sie war zur Leiterin der Nachtschicht des Campussicherheitsdienstes aufgestiegen. Also nahm sie sich das übernächste Wochenende frei, brachte ihren inzwischen recht betagten Wagen zur Inspektion in die Werkstatt und bereitete alles für die Reise vor.
In ihrem Gepäck befanden sich auch die insgesamt drei Briefe, welche Shinji und Rei seit ihrer Rückkehr aus der Schweiz verschickt hatten und die wunschgemäß an Misato weitergeleitet worden waren.

Und tatsächlich befand sie sich anderthalb Wochen später mit PenPen früh morgens auf dem Weg. Die Reise verlief ohne Komplikationen.

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Die Adresse, die Hikari Misato genannt hatte, bezeichnete eine Pension mit angeschlossenem Restaurant. Überrascht verglich Misato noch einmal die aktuelle Adresse mit ihren Informa-tionen, dann beschloß sie, das Haus zu betreten und sich zu erkundigen.

Wie sich herausstellte, betrieben Hikari und Toji Suzuhara das Restaurant, während Hikaris Schwestern die Pension managten und Tojis Schwester Mari im Restaurant arbeitete.
Es war ein ruhiger Vormittag, so daß Misato schon bald mit Toji und Hikari in aller Ruhe an einem der Tische saß und kurz erzählte, was sich noch alles zugetragen hatte.
Die beiden hörten ihr zu, ohne sie zu unterbrechen, doch als Misato sie schließlich nach Shinji und Rei fragte und ob sie vielleicht wüßten, wo die beiden sein könnten, wurden sie unruhig.

Schließlich rückte Toji mit der Sprache heraus.
„Wir wissen nicht, wo sie wohnen, aber wir haben öfters Post bekommen... als hätte jemand ihnen von unserer Hochzeit erzählt.“
Bei dieser Gelegenheit drückte er Hikaris Hand.
„Und schließlich... ahm...“

An dieser Stelle übernahm Hikari.
„Ich hatte von den Vereinten Nationen eine gewisse Summe als Entschädigung für das, was mir mit EVA-03 zugestoßen ist, erhalten, davon haben wir das Lokal und die Pension gekauft und provisorisch ausgestattet. Damals erschien alles so einfach, wir dachten, wenn wir alle mitarbeiten, könnte es nur klappen, daß wir eine Goldgrube besäßen und daß wir gründlich re-novieren könnten, sobald erstmal wieder etwas Geld in der Kasse war. Leider war die Wirk-lichkeit ganz anders - das Geschäft lief schlecht, die Kundschaft blieb aus, einige Leute hatten mehr Interesse daran, meine kleine Schwester - und natürlich auch Mari - zu belästigen, als bei uns zu essen... die Konkurrenz war stark und schließlich gab es noch Ärger mit einer Jugend-gang...“

„Aber zumindest um die habe ich mich gekümmert!“ warf Toji ein.

„Ja, das hat er“, lächelte Hikari. „Jedenfalls - es sah nicht gut aus, wir mußten jeden Yen mehr-mals umdrehen, vor zwei Monaten erwogen wir sogar, alles zu schließen und wieder zu ver-kaufen. Wenn Sie da gekommen wären, Katsuragi-san, hätten Sie wahrscheinlich die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen.“

„Der Bau war eine Bruchbude. Bin leider kein toller Handwerker“, murmelte Toji.

„Doch dann brachte die Post ein Paket, oder besser ein Päckchen. Es kam von Shinji und Rei. Und es enthielt genug Geld, um uns die Renovierung zu ermöglichen, die Anschaffung einer neuen Küche und noch ein paar andere Dinge. Und jetzt läuft das Geschäft. Heute abend zum Beispiel findet hier eine Jubiläumsfeier einer örtlichen Firma statt. Aber ohne die Finanzspritze hätten wir es wohl nicht geschafft.“

„Ah, wartet, ich hole mal den Brief.“
Toji stand auf.

„Stimmt ja! - Katsuragi-san, wir sollten den Brief Ihnen aushändigen. Irgendwie schien Ikari-kun davon überzeugt, daß Sie uns besuchen würden.“

„Wirklich?“
Misato runzelte die Stirn. Dann holte sie die anderen drei Briefe hervor und legte sie auf die Tischfläche.
Und zum ersten Mal fielen ihr die schwachen Linien im Papier auf.
Als ob die Briefe zusammenpassen würden...

Toji kam mit dem Brief zurück, welcher dem Päckchen beigelegen hatte.
„Hier.“

Toji und Hikari / Suzuhara-kun und liebe Hikari
Anbei ein verspätetes Hochzeitsgeschenk, wir hoffen, daß wir euch bei Gelegenheit einmal in eurem Restaurant besuchen können. Derzeit haben wir jedoch ziemlich viel um die Ohren.
Grüßt bitte Mari von uns.
Und gebt diesen Brief Misato, wenn sie bei euch vorbeikommt.
Wir melden uns.
Shinji + Rei

„Wir hatten nicht einmal ihre Adresse, um uns bedanken zu können... und außerdem hätten wir das Geld auch nicht annehmen können...“
Toji seufzte.
„Ikari wußte schon immer, wie er jemanden dazu bringen kann, in seiner Schuld zu stehen.“

„Toji, rede nicht schlecht über ihn, ja?“ ermahnte Hikari.

„Das tue ich doch gar nicht, mein Schatz.“
Er nahm ihre Hand und küßte ihre Fingerspitzen.
„Du weißt doch, daß ich jeden Tag an die beiden denke und ihnen alles Gute wünsche.“

Misato starrte derweil auf die vier Papierstücken vor ihr.
Rasch arrangierte sie sie um.
Jetzt konnte sie klar eine Straßenkarte erkennen.
Plötzlich mußte sie lächeln.
Das ihr das nicht schon eher aufgefallen war... ihr eigener Brief, der erste der vier, die Shinji und Rei verschickt hatten, hätte schon genügt, um die beiden ausfindig zu machen!
Sie lehnte sich zurück.
„Ab wann kann man bei euch etwas essen? Und ich bräuchte ein Zimmer für die Nacht. Aber morgen früh mache ich mich wieder auf den Weg...“

*** NGE ***


Misatos Ziel am nächsten Tag war eine kleine Stadt etwa drei Stunden nördlich der Ruinen von Tokio-3. Dorthin jedenfalls deutete ein winziger Pfeil auf der in das Briefpapier eingeprägten Straßenkarte.

Toji und Hikari hatten sich herzlich von ihr und PenPen verabschiedet und ihnen noch ein gros-ses Lunchpaket mit auf den Weg gegeben.

Gegen Mittag erreichte Misato ihr Ziel, es war ein kleiner Ort mit vielleicht vier-, fünftausend Einwohnern, der recht weitläufig war; die Menschen wohnten nicht dicht an dicht, sondern zu-meist in kleinen, von Gärten umgebenen Häusern.

Misato lenkte ihren Wagen auf einen Parkplatz am Stadtrand und inspizierte die kleine Karte erneut, hielt sie schließlich gegen das Licht, erkannte, daß sich unter der ersten Karte eine wie-tere befand, dieses mal eine Karte des Ortes.

„PenPen, ich schätze, wir sind bald da“, murmelte sie.

„Wark!“ erklärte der Pinguin auf dem Beifahrersitz.

*** NGE ***


Am Ende einer schmalen Seitenstraße, die Misato fast übersehen hätte, befand sich ein Haus inmitten eines Gartens voller blühender Wildblumen.

Misato fuhr bis an die Pforte im Zaun, der das Grundstück umgab, heran, stieg dann aus, um sich umzusehen.
Als sie über den Zaun blickte, sah sie jemanden, der ihr den Rücken zuwandte. Die Person trug Jeans, Turnschuhe, ein T-Shirt und einen Strohhut und arbeitete gerade in einem Gemüsebeet, einem von mehreren inmitten des Blumenmeeres.
„Äh, hallo!“ rief Misato. „Entschuldigen Sie bitte...“

Der Gärtner zuckte zusammen, richtete sich rasch auf und drehte sich um.
Dann ließ er sein Werkzeug fallen und trat freudestrahlend an den Zaun heran.

Misato mußte zweimal hinsehen, um ganz sicher zu gehen.
„Shinji...“
Der Junge hatte sich kaum verändert, obwohl knapp neuneinhalb Jahre vergangen waren, seit-dem sie sich das letzte Mal gesehen hatten, wirkte er immer noch wie ein Teenager, zwar nicht mehr wie ein Vierzehnjähriger, aber auch nicht älter als sechzehn.

„Misato, endlich bist du da! Wir warten schon seit einiger Zeit auf dich!“
Shinji riß die Gartenpforte auf und fiel Misato um den Hals, drückte sie fest.

Sie erwiderte die Umarmung.
„Ich habe eure Hinweise erst gestern verstanden.“

„Egal, Hauptsache, du bist da...“

„Wark!“ meldete sich der Pinguin, der sich gerade von seinem Sicherheitsgurt befreit hatte.

„Und du natürlich auch, PenPen. - Ahm, Misato, wollte ihr nicht mit hineinkommen?“

„Ja, gerne...“ stotterte Misato, immer noch ganz überrascht von dem jugendlichen Aussehen ihres früheren Mitbewohners.

Shinji führte sie auf einem kaum sichtbaren Pfad durch den Garten um das Haus herum. Der Eingang befand sich auf der Rückseite hinter einer breiten Terrasse, an welche sich ein Zier-teich anschloß. Das Gebäude war einstöckig, im Dach befanden sich mehrere Fenster sowie ein Balkon, auf den man hinaustreten konnte.

„Ihr... ihr wohnt hier? Ich meine, Rei und du?“

„Ja, seit etwa neun Jahren schon. Ahm, Rei ist gerade nicht da, sie macht Besorgungen im Ort... sie hatte heute morgen ein eigenartiges Gefühl, daß unsere Vorräte nicht ausreichen könnten. Ich... uh... schätze, jetzt weiß ich warum.“
Shinji ließ Misato, welche PenPen trug, ins Haus, deutete den schmalen Flur hinab, in dem eine Treppe nach oben und zwei Türen weiterführten.
„Falls du dich etwas frisch machen möchtest... ah... das Bad ist hier rechts und da vorn ist das Wohnzimmer.“

Dankend nahm Misato das Angebot an und wusch sich erst einmal die Hände, dachte dabei da-rüber nach, was wohl mit Shinji passiert sein mochte... vielleicht lag seine augenscheinliche Ju-gend an den Auswirkungen des S2-Organs in seiner Brust...
Schließlich kam sie ins Wohnzimmer, wo Shinji an einem Schreibtisch saß und PenPen beo-bachtete, welcher den großen Raum inspizierte.

Der Wohnraum war ein helles großes Zimmer mit Fenstern in drei Wänden, die einen prächti-gen Blick in den Garten ermöglichten, zugleich war er als Mehrzweckraum eingerichtet, in ei-ner Ecke befand sich eine kleine Küchenzeile mit Kühlschrank, Herd und Spüle, die mittels ei-nes Vorhanges abgetrennt war, dann gab es einen runden Eßtisch mit vier Stühlen, einen Fern-seher in einer anderen Ecke, dem gegenüber ein Sofa und zwei Sessel standen, sowie zwei ne-beneinanderstehende Schreibtische an einer Wand unter den Fenstern. Auf einem der Schreibti-sche stand ein PC.
Zwischen den Fenstern hingen Photos und eingerahmte Dokumente unter Glas.

„Darf ich...?“ fragte Misato und deutete auf die Bilder und Schreiben.

„Uhm... Fühl dich wie zuhause.“ lächelte Shinji.

Sie machte einen kleinen Rundgang.
Die Dokumente waren offizielle Zertifikate diverser Abschlüsse, demnach hatten die beiden über Fernkurse die Schule abgeschlossen und Kenntnisse auf mehreren Gebieten wie Compu-terwissenschaften und Gartenbau erlangt, sowie verschiedene Sprachkenntnisse erworben.
„Das ist beeindruckend.“

„Wir hatten viel Zeit.“

„Shinji, es ist so lange her...“

„Ja, aber Rei und ich wollten vermeiden, daß andere uns finden. Die Briefe mit den Karten-stücken waren schon ein ziemliches Risiko.“

Misato konnte sehen, wie jemand auf einem Fahrrad ihr parkendes Auto umrundete, abstieg und dann auf die Gartenpforte zukam, ein vielleicht sechzehnjähriges Mädchen in Bluse, Shorts und Turnschuhen mit einer Baseballkappe auf dem Kopf, unter der schulterlanges blaues Haar hervorquoll, und einer Sonnenbrille, welche die Augen verbarg.
„Ist das Rei?“

Shinji sprang auf, öffnete ein Fenster und winkte dem Mädchen zu.
„Rei-chan, rate mal, wer hier ist.“

„Ich nehme an, du beziehst dich auf Misato-san.“ kam die Antwort ruhig und logisch durch-dacht - der Sportwagen auf der Straße war ja auch ein nicht zu übersehender Anhaltspunkt, zumal das Kennzeichen immer noch dasselbe war.
Rei lehnte das Fahrrad innen gegen den Zaun und kam mit einem Einkaufskorb in der Hand zum Haus hinüber, welchen sie Shinji durch das Fenster reichte, ihm dabei einen flüchtigen Kuß gab und Misato anschließend zunickte.
Kurz darauf kam auch sie in den Wohnraum, wo sie Misato mit einer Verbeugung begrüßte.
„Willkommen in unserem Heim.“

Kurz darauf saßen die drei Menschen und der Pinguin um den Eßtisch herum.
Doch ein Gespräch wollte irgendwie nicht aufkommen, zu sehr hing Misato an dem Gedanken fest, weshalb die beiden noch so jung waren.

„Uh, Misato, stimmt etwas nicht?“ fragte Shinji schließlich.

„Ich... ah... ich schätze, ich bin ein unhöflicher Gast. Es ist nur... dafür daß beinahe zehn Jahre vergangen sind, habt ihr euch kaum verändert.“

„Ja.“ bestätigte Rei knapp.

„Das... uhm... das liegt an den S2-Organen, Misato. Ich habe meines ja von EVA-01 erhalten und Rei... na ja, uhm...“

„Meines stammt von dem Engel Armisael.“

„Oh.“ machte Misato überrascht. „Und das verlangsamt eure Alterung?“

„Ja.“

„Ist ja toll... so etwas hätte ich auch gerne...“
Sie dachte daran, daß sich ihre ersten grauen Haare wohl nicht mehr lange verbergen lassen würden.

„Misato... ahm... ich weiß nicht, ob du dir das wirklich wünschen solltest... ich meine, Rei und ich sind eigentlich schon fast vierundzwanzig, sehen aber immer noch aus wie sechzehnjähri-ge.“

„Und? Das war mein bestes Alter.“

„Also... ich habe jetzt endlich meine Pubertät hinter mir - nach beinahe zehn Jahren.“

„Zehn Jahre Pubertät?“
Misato verzog das Gesicht.
„Ich glaube, mir ist schlecht...“

Shinji zog eine Leidensmiene.
„Genau.“

Rei stieß ihn leicht an.
„Hast du sie schon gefragt?“

„Nein, noch nicht.“

„Was denn?“ fragte Misato.

„Nun, uhm...“
Er räusperte sich.
„Misato, wir haben uns einigermaßen darüber informiert, was geschehen ist... äh, daß man dich degradiert hat und daß du jetzt bei einem Sicherheitsdienst arbeitest... und wir dachten, nun, vielleicht könnten wir uns bei dir für deine Freundlichkeit revanchieren. Ich meine, du hast da-mals erst mich und dann später Rei und mich bei dir aufgenommen, als wir ihre Wohnung nicht hätten halten können... uh...“

Misato lächelte.
„Ach, Shinji, das war doch selbstverständlich. Ihr schuldet mir nichts, dafür war ja die Woh-nung dann immer ordentlich... ich glaube, ich habe seitdem nicht wieder so geregelt und gut gegessen... hach...“
Sie seufzte.

„Und deshalb wollten wir Ihnen einen Vorschlag machen, Misato-san“, erklärte Rei.

„Also, Misato, das ist so... Uh, mittlerweile befürchten wir, daß es auffallen könnte, wenn wir weiterhin hier allein leben - du kannst es dir sicher vorstellen, zwei... uh... Kinder... die kaum altern...“

„Hm-m.“
Misato nickte.

„Und deshalb dachten wir, vielleicht könntest du uns helfen... ahm...“
Er schluckte.
„Nun ja, worauf ich hinaus wollte, ist folgendes: Natürlich kannst du hier so lange bleiben wie du willst. Und dann, irgendwann, fährst du zurück nach Osaka-2 zu deiner kleinen Wohnung mitten in der versmogten Stadt und deinem Job als Nachtwächterin. Oder aber... du bleibst hier bei uns... wie eine richtige kleine Familie... und ah...“
Shinji wischte sich mit dem Handgelenk über die Augen.

„Misato-san, die Wahl liegt bei Ihnen. Wir können Ihnen nur ein geräumiges Zimmer unter dem Dach mit Zugang zum Balkon und Blick auf den Garten bieten. Wo es für zwei reicht, hat auch ein dritter immer noch Platz - und natürlich ein Pinguin.“

Misato sah die beiden nachdenklich an, blickte dann zu PenPen.
„Was hältst du davon?“

„Wark!“ erklärte PenPen entschieden.

Misato nickte.
Eigentlich hielt sie nichts in Osaka-2, die Stadt war nie zu einer wirklichen Heimat geworden, jedenfalls nicht so wie Tokio-3 es gewesen war, die Stadt, für die sie gekämpft hatte...
„Ihr wollt also wirklich, daß ich bei euch bleibe?“

„Ja, Misato-san.“

„Natürlich!“ rief Shinji.

„Und ihr glaubt, ihr könnt mich ertragen?“

„Uh, es ist kein Bier im Kühlschrank“, murmelte Shinji.

„Ich trinke nicht mehr. Seit dem Entscheidungskampf gegen die JSSDF... ich weiß, es klingt verrückt, aber da war so ein seltsames Licht... es hat mich ganz kurz berührt und dann war es auch wieder weg, obwohl ich den Eindruck hatte, eine Ewigkeit wäre vergangen... seitdem hatte ich keine Alpträume mehr.“

„Ich bin der Ansicht, daß wir miteinander auskommen werden.“ bekräftigte Rei.

„Dann...“
Misato lehnte sich zurück.
„Dann sollten wir es versuchen...“
Sie blickte zur Decke.
„Tadaima... Ich bin zuhause...“


ENDE

Copyright of the Charakter by GAINAX / Text by Ulrich Alexander Schmidt